Die Wartezeit in Europa ist vorbei. DJIs neue Gimbal-Kamera bringt erstmals zwei Objektive mit, deren Wechsel jedoch nicht ohne Hürden kommt.
DJI hat die Osmo Pocket 4P offiziell für Europa vorgestellt und verkauft sie ab heute über den eigenen Store sowie autorisierte Händler. Die Standard Combo kostet 599 Euro, die Vlog Combo 689 Euro. Damit bestätigt der Hersteller den Preis, den ein deutscher Händler vorab gelistet hatte. Zur Wahl stehen Schwarz und Perlweiß.
Weitwinkel und Tele in einem Gehäuse
Die 4P ist DJIs erste Pocket-Kamera mit zwei Objektiven. Das Weitwinkel arbeitet mit einem neuen 1-Zoll-CMOS, 20mm Kleinbildäquivalent und f/2.0. Dank LOFIC-Technik nennt DJI 17 Blendenstufen Dynamikumfang und Video bis 4K mit 240 fps, was achtfache Slow Motion ermöglicht. Die einlinsige Osmo Pocket 4 kommt auf 14 Blendenstufen.
Das zweite Objektiv liegt bei 60mm und f/1.8, zoomt dreifach optisch und bis zu zwölffach digital. Die große Blende relativiert DJI selbst: Die Schärfentiefe entspricht f/6.3. Eine Freistellung wie mit einer Systemkamera solltet ihr also nicht erwarten.
Neues Farbprofil, mehr Tempo beim Export
Neu ist außerdem das Farbprofil 10-Bit D-Log 2 mit über einer Milliarde Farbwerten, gedacht für die Farbkorrektur in der Postproduktion. Fotos nimmt die Kamera mit bis zu 37 Megapixeln auf, dazu kommen 4K-Live-Fotos mit 1,5 Sekunden Videoanteil.
Der Dreiachsen-Gimbal steckt in einem 230 Gramm leichten Gehäuse, die Motivverfolgung ActiveTrack 8.0 soll auch bei zwölffachem Zoom greifen. Per USB 3.1 gibt DJI bis zu 800 MB/s Übertragungsrate an, der Akku hält bis zu 210 Minuten und lädt in 18 Minuten auf 80 Prozent.



Preislich zwischen Pocket 4 und Luna Ultra
Der Aufpreis für das zweite Objektiv fällt moderat aus. Die Osmo Pocket 4 startete im April mit 499 Euro für die Standard Combo und 619 Euro für die Creator Combo, in einigen Regionen kam eine Essential Combo ab 479 Euro dazu. Die 4P kostet damit 100 Euro mehr im Einstieg und 70 Euro mehr im größeren Paket.
Deutlich teurer bleibt die Insta360 Luna Ultra mit 729 Euro für das Standard-Bundle und 929 Euro für das Creator-Bundle. DJI unterbietet die Konkurrenz also um 130 beziehungsweise 240 Euro. Insta360 bietet dafür 8K-Video, Leica-Optik und einen abnehmbaren Monitor, DJI kontert mit 17 Blendenstufen und 4K bei 240 fps.
Die 4P bleibt kompatibel mit dem Osmo-Zubehör, darunter Fülllicht, Black Mist Filter, ND-Filterset, Akkugriff, Weitwinkelobjektiv und Mini-Stativ. Beim Ton greift die Kamera per OsmoAudio direkt auf DJIs Funkmikrofone zu, etwa auf das Mic 3 mit vier Sendern und 32-Bit-Float-Aufnahme. Ein Teil des Zubehörs liegt den Combos bei, den Rest verkauft DJI einzeln. Optional gibt es DJI Care Refresh.
Erste Tests relativieren die 17 Blendenstufen
PetaPixel stellte die 4P gegen die Panasonic S1 II mit ihren gut 15 nutzbaren Blendenstufen und fand nahezu identische Rauschwerte statt zwei Stufen Vorsprung. Für einen 1-Zoll-Sensor bleibt das stark, die 17 Blendenstufen sieht der Test aber nicht. Dazu hängt D-Log 2 am neuen Sensor und funktioniert nur mit dem Weitwinkel. Das Tele nutzt einen kleineren Sensor ohne LOFIC und bleibt beim älteren D-Log, ein Wechsel im Dreh erfordert Profilumstellung und neue Belichtung.
c’t sieht abseits der zweiten Optik wenig Neues, durch den geringen Brennweitenunterschied entfalte die Doppeloptik außerdem kaum einen praktischen Vorteil. Dafür loben die Kollegen aber das Tracking, das Gesichter nach Verdeckungen wieder aufnimmt. TechRadar empfiehlt die Kamera, kritisiert allerdings die kopflastige Balance sowie das fehlende Schutzgehäuse.





