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Meine Meinung zur Sony A6300

Die Sony A6300 ist doppelt so teuer wie ihre Vorgängerin, die A6000. Ist das gerechtfertigt? Und für wen ist die neue Kamera überhaupt geeignet?

Die neue Sony A6300

In der letzten Woche hat Sony die A6300 offiziell als Nachfolgerin der A6000 vorgestellt. Im Vergleich zur A6000 hat die A6300 7 große Neuerungen zu bieten (siehe Artikel: Sony A6300 vs. A6000: Die 7 wichtigsten Unterschiede), doch eine Veränderung fällt sofort ins Auge und sorgte in den letzten Tagen für jede Menge Diskussionen im Netz – der Preis der A6300.

Die Sony A6300 wird ohne Objektiv für 1.250 Euro in den Handel kommen. Die A6000 kostete zum Zeitpunkt ihrer Präsentation 650 Euro, aktuell schlägt sie nur noch mit rund 500 Euro zu Buche. Das ist nicht nur eine kleine Preiserhöhung. Sony verdoppelt vielmehr den Preis der A6000 – und da muss man sich natürlich fragen, ob dieser Preis gerechtfertigt ist.

An wen richtet sich die Sony A6300?

Um diese Frage beantworten zu können, muss man sich zunächst einmal bewusst machen, für wen die Sony Alpha 6300 überhaupt gedacht ist. Und nach einigem Überlegen muss man eben feststellen, dass Sony mit der A6300 eine andere Zielgruppe ansprechen möchte als mit der A6000. Die A6000 ist eine Kamera für die breite Masse. Das Preis-Leistungs-Verhältnis war von Anfang an erstklassig, vor allem im Vergleich zu ähnlichen DSLMs. Dass man dafür auf einige wirklich professionelle Funktionen verzichten muss, das stört die „breite Masse“ und den normalen Amateurfotografen nicht. Und insgesamt war und ist die A6000 ja ein hervorragendes Stück Technik, auch heute noch, wo der Nachfolger bereits vorgestellt wurde.

Mit der A6300 will Sony meiner Meinung nach etwas anspruchsvollere Kunden ansprechen. Man stößt mehr in den professionellen Bereich vor, spendiert der A6300 einige wirklich erstklassige Funktionen – zum Beispiel im Videobereich – und verlässt sich darauf, dass die Kunden, für die diese neuen Funktionen relevant und wichtig sind, nicht zu sehr aufs Geld achten (müssen). Im Grunde ist es doch ganz ähnlich wie bei der Nikon D500 (siehe Artikel „Nikon D500: Geniale DSLR oder überteuertes Spielzeug?“): Die Fotografen in der kleinen Nische, für die die Nikon D500 gemacht ist, zahlen die 2.300 Euro. Genauso wie Videographen, die eine DSLM mit erstklassigen Videofunktionen suchen, die A6300 aktuell im Netz als Schnäppchen feiern.

Alpha 6300: Teuer und günstig zugleich?!

Bei der Bewertung des Preises einer neuen Kamera zieht man in aller Regel Vergleiche heran. Und hier drängt sich im ersten Moment natürlich der Vergleich zur A6000 auf, die inzwischen nicht mal mehr die Hälfte der A6300 kostet. Fazit: Die A6300 ist viel zu teuer! Doch vergleichen wir die A6300 mal mit einer anderen Kamera, ohne dabei wirklich ins Detail gehen zu wollen – der Fuji X-Pro2 (hier findet ihr alle Details zur Fuji X-Pro2).

Fuji X-Pro2 und Sony A6300 arbeiten möglicherweise/vermutlich mit dem exakt gleichen Sensor. Die Bildqualität sollte also bei beiden Kameras hervorragend sein. Der Autofokus der A6300 hat deutlich mehr Messfelder zu bieten und soll auch schneller sein als der der X-Pro2. Der Hybrid-Sucher der X-Pro2 ist natürlich einzigartig, doch wer sowieso in erster Linie den elektronischen Sucher nutzt, erhält bei der A6300 einen mindestens ebenbürtigen EVF. Zudem hat die A6300 die bessere Serienbildgeschwindigkeit zu bieten und spielt in Sachen Videos in einer völlig anderen Liga. Hier hat Fuji absichtlich Potenzial verschenkt, was aus Marketing-Gründen (kaum ein Fuji X-Pro2 Nutzer legt Wert auf Videos) vielleicht sogar Sinn machen kann.

Natürlich hat die Fuji X-Pro2 auch einige Vorteile auf ihrer Seite (Design, Handling, Gehäuse…), die ich an dieser Stelle ganz bewusst mal ein bisschen ausklammere. Es soll hier lediglich verdeutlicht werden, dass die A6300 in einigen Punkten die bessere Kamera ist als die X-Pro2. Kommen wir zum Preis: Fuji X-Pro2 – 1.800 Euro. Sony A6300 – 1.250 Euro.

Im Vergleich zur A6000 ist die A6300 also viel zu teuer, im Vergleich zur X-Pro2 ist sie ein Schnäppchen. Es ist also immer auch eine Sache der Perspektive.

Lohnt sich ein Umstieg von der A6000 auf die A6300?

Kommen wir zur entscheidenden Frage: Lohnt sich ein Umstieg von der A6000 auf die A6300? Für die meisten meiner Meinung nach nicht. Denn wenn man es zum Beispiel mal am Autofokus festmachen will: Der AF der A6300 ist natürlich schneller und besser als der der A6000 – doch der A6000 AF reicht für die meisten nach wie vor absolut aus und gehört zu den besten auf dem Markt. Das gilt auch für andere Funktionen. Ein Umstieg lohnt sich für viele also nicht, selbst als Neukunde würde ich vermutlich eher zur A6000 greifen und mir ein schönes Objektiv dazukaufen.

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Ist die Alpha 6300 also eine Enttäuschung und eine völlig überteuerte Kamera? Nein, so würde ich das auch nicht sehen. Denn es gibt durchaus eine Zielgruppe, für die die A6300 sehr interessant ist – Fotografen, die viel mit Videos arbeiten zum Beispiel. Und generell Kunden, die auf eine oder mehrere der Sony A6300 Neuerungen sehnlichst gewartet haben.

Die A6300 richtet sich an eine kleinere Zielgruppe, als das damals noch bei der A6000 der Fall war. Vielleicht hätte man die A6300 tatsächlich eher A7000 nennen sollen, dann wäre diese Tatsache etwas deutlicher geworden. Und in ein bis zwei Jahren hätte dann die A6300, A6100 oder wie auch immer für 800 Euro mit einigen Verbesserungen auf den Markt kommen können. Zur photokina 2016 dann noch eine Sony A8000 mit dem 5-Achsen-Bildstabilisator, einem komplett wetterfesten Gehäuse und noch ein zwei anderen Neuerungen für 1.800 Euro – und alle wären mehr oder weniger glücklich gewesen. Naja, fast zumindest.

Mark Göpferich

Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 3.300 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

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