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Nikon D500: Geniale DSLR oder überteuertes Spielzeug? [Analyse]

Über kaum eine Kamera wurde zuletzt so viel diskutiert wie über die Nikon D500. Doch was ist sie denn nun? Eine völlig überteuerte Kamera oder eine geniale DSLR? Eine ausführliche Analyse.

Inhaltsverzeichnis:

Die überraschende Präsentation der Nikon D500

Als Nikon vor rund zwei Wochen die Nikon D500 vorgestellt hat, saß ich erst mal ein zwei Minuten fassungslos vor meinem Bildschirm. Innerlich war ich ausschließlich auf die Präsentation der Nikon D5 vorbereitet gewesen und zur Nikon D500 gab es im Vorfeld ja keinerlei Informationen. Keine Leaks, keine Hinweise – nichts. Wobei: Im Sommer letzten Jahres gab es ein Gerücht, welches besagt hatte, dass die Nikon D400 im September 2015 vorgestellt werden soll. Im Nachhinein muss man sagen, dass da tatsächlich etwas dran war. Denn die ersten Modelle der Nikon D500 wurden bereits im Sommer 2015 an ausgewählte Fotografen ausgeliefert und irgendjemand muss daraus geschlussfolgert haben, dass die D400 dann im September enthüllt werden soll. Oder vielleicht war die Präsentation von Nikon auch ursprünglich mal für September angesetzt gewesen. Spielt letztendlich keine Rolle. Was wir daraus aber lernen können: Es lohnt sich manchmal, auch einen Blick auf eher unwahrscheinliche Gerüchte zu werfen.

Die Gerüchte zur Nikon D400 haben mich hier auf Photografix von Anfang an begleitet. Schon in einem meiner allerersten Artikel – das war im Sommer 2012 – ging es um die Nikon D400, die damals angeblich im Herbst präsentiert werden sollte. Für mich persönlich war der Nikon D300s Nachfolger also die vermutlich mysteriöseste und „sagenumwobenste“ Kamera überhaupt. Denn in den nachfolgenden Jahren und Monaten gab es immer wieder verschiedenste Gerüchte und Spekulationen, aber so wirklich stichhaltige Infos gab es eigentlich nie. Und dann war sie auf einmal da, die Nikon D500. Und ich war irgendwie geschockt und erfreut zugleich.

Nikons neues APS-C-Flaggschiff hat für jede Menge Gesprächsstoff gesorgt. Im Fokus stand und steht dabei vor allem der Preis, der mit 2.329 Euro nicht gerade niedrig ausfällt. Insgesamt habe ich festgestellt, dass die Bewertung der D500 eine sehr persönliche Geschichte ist. Der eine findet die Kamera genial und den Preis akzeptabel, der andere sieht überhaupt keinen Grund, jenseits der 2.000 Euro Grenze noch zu einer APS-C-Kamera zu greifen – schließlich gibt es ja hier auch schon entsprechende Vollformatkameras.

Ich möchte im Folgenden zwei mögliche Herangehensweisen zur Bewertung der D500 aufzeigen und mich schlussendlich „outen“, was ich persönlich von dem neuen APS-C-Flaggschiff halte.

These 1: Die Nikon D500 ist völlig überteuert

Nikon ruft für die Nikon D500 einen Preis von 2.329 Euro auf – ohne Objektiv. Da wollen wir doch mal den Preisvergleich anwerfen und schauen, welche Kameras man sonst noch so für 2.300 Euro erwerben kann:

  • Canon EOS 7D Mark II (ca. 1.320 Euro)
  • Canon EOS 6D (ca. 1.380 Euro)
  • Canon EOS 5D Mark III (ca. 2.300 Euro)
  • Nikon D610 (ca. 1.370 Euro)
  • Nikon D750 (ca. 1.780 Euro)
  • Sony A7 II (ca. 1.500 Euro)
  • Sony A7r (ca. 1540 Euro)
  • Sony A7s (ca. 1.900 Euro)
  • Fuji X-T1 (ca. 1.060 Euro)
  • Fuji X-Pro2 (ca. 1.800 Euro)

Ich habe jetzt hier beispielhaft zehn verschiedene Kameras aufgelistet, die alle günstiger als die Nikon D500 sind. Bis auf die Canon EOS 5D Mark III sind sogar alle deutlich günstiger. Unter diesen zehn Kameras finden sich sieben Vollformatkameras, die mit einem größeren Sensor als die Nikon D500 daherkommen und dementsprechend in den meisten Fällen auch die deutlich bessere Bildqualität zu bieten haben sollten. Mit Modellen wie der A7 II oder der A7r gelingt zudem noch der Einstieg in den spiegellosen Bereich, der weitere Vorteile mit sich bringt.

These 1 kann also mehr oder weniger bestätigt werden. Die Nikon D500 ist aus der Sicht einiger Nutzer – der Nutzer nämlich, für die ein Vollformatsensor ein wichtiges Merkmal ist –  mit Sicherheit völlig überteuert. Kommen wir zu These 2…

These 2: Der Preis der Nikon D500 ist angemessen

Andere Kunden sind der Meinung, dass der Preis der Nikon D500 angemessen ist – und ich gehe jetzt mal noch einen Schritt weiter und behaupte, dass einige die Nikon D500 sogar als Schnäppchen bezeichnen würden.

Solch eine Behauptung will natürlich belegt werden. Und das soll im Folgenden geschehen – in Form eines kurzen Vergleichs zwischen Nikon D500 und D5 nämlich.

Vorteile der Nikon D5 gegenüber der D500:

  • Vollformatsensor
  • Größerer ISO-Bereich und bessere Low-Light-Performance dank Vollformatsensor
  • 12 bzw. 14 fps Serienbildgeschwindigkeit (Nikon D500: 10 fps)

Vorteile der Nikon D500 gegenüber der D5

  • Deutlich leichter und handlicher (860 Gramm gegenüber 1.405 Gramm der D5)
  • Snapbridge, Bluetooth, WLAN und NFC
  • 4K Videos mit 29:59 Minuten (und nicht nur 3 Minuten)
  • APS-C-Sensor

Die Vorteile des APS-C-Sensors der D500

Ich habe hier den APS-C-Sensor als einen Vorteil aufgelistet. Warum? Ganz einfach, weil ein APS-C-Sensor in einigen Situationen einfach Vorteile mit sich bringt! Zum Beispiel ist es so, dass derselbe Bildwinkel an einer APS-C-Kamera wegen des Crop-Faktors mit einer kleineren Brennweite erfasst werden kann. Das heißt bei weiten Entfernungen kann ein Tele-Objektiv leichter, kleiner und günstiger sein. Außerdem wird man bei APS-C-Kameras seltener zu extrem hohen ISO-Werten gezwungen, was den Vorteil des D5 Vollformatsensors mit seiner besseren Lichtempfindlichkeit etwas relativiert.

Außerdem – und das ist ein nicht zu unterschätzender Faktor – deckt der neue Autofokus, der in beiden Kameras zum Einsatz kommt, beim APS-C-Sensor der D500 einen deutlich größeren Bereich ab wie bei der D5. Konkret wird fast eine doppelt so große Fläche mit AF-Punkten bedeckt!

Ein APS-C-Sensor hat im Vergleich zu einem Vollformatsensor also auch einige Vorteile, an die man im ersten Moment vielleicht nicht so denkt. Ok, trotzdem gewinnt am Ende der Vollformatsensor, das ist klar – aber eben mit einem etwas geringeren Vorsprung, als man zunächst einmal annehmen würde.

Nikon D500 und Nikon D5
Die Nikon D500 ist der D5 in einigen Punkten sogar überlegen, obwohl sie knapp 5.000 Euro weniger kostet.

Warum die Nikon D500 als Schnäppchen betrachtet werden kann

Die Serienbildgeschwindigkeit der D5 ist etwas schneller als die der D500, aber macht es wirklich einen Unterschied, ob 10, 12 oder 14 fps möglich sind? Für die allermeisten dürften 10 Bilder pro Sekunde ausreichen, vernachlässigen wir diesen Punkt also. Und dann kommen noch die Vorteile dazu, dass die Nikon D500 über Snapbridge usw. verfügt – für mich persönlich wäre das ein extrem wichtiger Faktor – sie viel viel viel leichter und handlicher ist als die D5 und man mit ihr zudem 4K Videos aufnehmen kann, die länger als 3 Minuten sind.

Natürlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wie wichtig welche Merkmale sind. Fakt ist aber, dass die Nikon D500 zu großen Teilen der D5 entspricht und in einigen Punkten sogar die bessere Kamera ist! Interessanterweise spricht niemand über den Preis der Nikon D5. Absolut niemand (oder ich habe die entsprechenden Diskussionen nicht gefunden). Der D5 Preis liegt bei knapp 7.000 Euro. Und wenn man nun von diesen (von vielen Nutzern anscheinend akzeptierten) 7.000 Euro ausgeht, sich bewusst macht, dass die Nikon D500 eine Art „kleine D5″ ist, leichter ist, Snapbridge hat, in gewisser Weise den besseren Autofokus bietet und dass man bei ihr mit langen Brennweiten klar im Vorteil ist – dann erscheinen die 2.300 Euro, die Nikon für die D500 aufruft, auf einmal wie ein Schnäppchen.

Bei den ganzen Preisdiskussionen und der Frage, ob die Nikon D500 nun überteuert oder nicht überteuert ist, kommt es letztendlich auf eine entscheidende Frage an, die sich jeder stellen muss: Wie wichtig ist mir ein Vollformatsensor? Klar, ein Vollformatsensor bringt diverse Vorteile mit sich – doch BRAUCHE ich ihn wirklich? Oder ist es eher so, dass ich ihn haben WILL? Diese Fragen lasse ich jetzt einfach mal so im Raum stehen, auch weil es darauf keine richtige und keine falsche Antwort gibt. Das ist eben eine sehr individuelle Geschichte und hängt auch stark davon ab, in welchem Bereich man als Fotograf tätig ist.

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Zusammenfassung und Fazit

Kommen wir zur Zusammenfassung und meinem persönlichen Fazit: Ich bin ganz ehrlich, für mich ist die Nikon D500 auf dem Papier eine der besten und komplettesten Kameras auf dem Markt. Ich bin selten nach einer Präsentation so wirklich euphorisch, doch in diesem Fall war und bin ich es. Schlicht und einfach deshalb, weil die Nikon D500 in Bezug auf die Spezifikationen im APS-C-Bereich Maßstäbe setzt und ich persönlich nichts vermisse. Der Autofokus scheint der absolute Wahnsinn zu sein (wenn man ersten Nutzererfahrungen Glauben schenken darf, siehe zum Beispiel bei ishootshows.com) Snapbridge überzeugt mich, bis ISO 12.800 soll die Bildqualität noch absolut brauchbar sein (alles was darüber ist ist auf dem Papier nett, interessiert mich und viele andere in der Praxis aber nicht wirklich), die Serienbildgeschwindigkeit ist erstklassig, der Zwischenspeicher riesig, das Display ist nicht fest verbaut, zudem ist es berührungsempfindlich und hochauflösend, 4K Video ist mit an Bord – ja, was will man denn eigentlich mehr? Teilweise bemängeln Leute, dass der integrierte Blitz fehlt. Da frage ich mich: Wer verwendet denn bei so einer erstklassigen Kamera diesen winzigen und eigentlich lächerlichen Blitz? Ich bin sogar froh, dass die D500 keine integrierten Blitz hat, denn so hat der Sucher mehr Platz und der Blitz kann nicht irgendwann mal ungewollt aufploppen.

„Wenn die Nikon D500 einen Vollformatsensor hätte, dann wäre sie perfekt“. Klar, das wäre sie. Es wäre die vermutlich perfekte DSLR. Genauso wie ein Ferrari mit 600 PS, weichen und bequemen Sitzen, einem großen Kofferraum, einer gleichzeitig sportlichen Bauweise, einem Spritverbrauch von 4 Litern auf 100 Kilometer und einem Preis von sagen wir 20.000 Euro das perfekte Auto wäre. Aber so ein Auto gibt es schlicht und einfach nicht, das ist nicht realistisch. Genauso wie es die Nikon D500 mit Vollformatsensor eben nicht gibt. Es gibt ja nicht mal eine vergleichbare APS-C-Kamera, wie unser ausführlicher Vergleich zwischen Nikon D500 und Canon EOS 7D Mark II gezeigt hat. Wer eine D500 mit Vollformatsensor will, der muss zur D5 greifen, die knapp 7.000 Euro kostet. 7.000, nicht 2.300. Und selbst diese 7.000 Euro teure D5 ist nicht perfekt (zu schwer, kein Snapbridge usw.).

Schlussendlich habe ich das Fazit dieser Analyse schon im angesprochenen Vergleich zwischen D500 und 7D Mark II ein wenig vorweggenommen (das Fazit kann am Ende von Teil 3 nachgelesen werden): Die Nikon D500 ist innerhalb einer speziellen Nische die aktuell beste Kamera. Und für Fotografen, die innerhalb dieser Nische (Sport, Wildlife, Musik usw.) aktiv sind, für die sind diese 2.300 Euro ein Schnäppchen – oder sagen wir zumindest sie sind ein „akzeptabler Preis“. Wer diesen verrückten Autofokus und all die anderen genannten außergewöhnlichen Spezifikationen nicht braucht, dafür aber Wert auf einen Vollformatsensor legt, der ist mit einer der oben genannten Vollformatkameras zu teilweise deutlich günstigeren Preisen besser beraten. Wie gesagt, es ist eben eine sehr individuelle Geschichte.

Ich freue mich auf einen regen Austausch in den Kommentaren… 😉

Mark Göpferich

Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 3.300 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

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