Nach dem Regen vom jüngsten Taifun reparieren Kamerahersteller in Japan vergünstigt beschädigte Technik. Der Ablauf wiederholt sich mit fast jeder Katastrophe.
Ab dem 24. Juni zogen schwere Regenfälle über weite Teile Japans. Verantwortlich ist ein Zusammenspiel aus Taifun “Mekkhala”, dem siebten Taifun der Saison, und einer stationären Front der japanischen Regenzeit (Tsuyu). Die feuchte Luft rund um den Taifun fachte die Front an, sodass es im Westen des Landes schon vor dessen Ankunft heftig regnete. Mehr als zwei Millionen Menschen wurden zur Evakuierung aufgerufen. Wenige Tage später reagierten die Kamerahersteller. Nikon und Canon kündigten am 29. Juni vergünstigte Reparaturen für beschädigte Technik an, in fast identisch formulierten Mitteilungen.
Diese Ähnlichkeit ist kein Zufall. Die Ankündigungen sind im Kern Vorlagen, in die nur das jeweilige Unwetter eingesetzt wird: bei Nikon die Hälfte des üblichen Reparaturpreises, bei Canon ein nicht näher bezifferter Sonderpreis, in beiden Fällen nur gegen einen behördlichen Katastrophennachweis und nur in Gemeinden, für die das japanische Katastrophenhilfegesetz gilt. Läuft die Frist ab, bei Nikon am 23. Dezember 2026, endet die Aktion fürs Erste.
Das nächste Mal kommt aber zuverlässig. Allein 2025 legte Nikon nach mehreren Regenperioden und Taifunen nach, Anfang 2024 nach dem Erdbeben auf der Noto-Halbinsel. Fujifilm gewährt bei solchen Anlässen ebenfalls 50 Prozent und schließt Sofortbildkameras und Ferngläser ein, auch OM System und Sony boten nach früheren Katastrophen vergleichbare Konditionen. Ausgelöst wird das nie vom Hersteller, sondern vom Staat: Sobald für eine Gemeinde das Katastrophenhilfegesetz gilt, schalten die Rabatte frei. Welche Gemeinden das sind, listet das Kabinettsbüro.
Für uns in Deutschland ist das Vorgehen sicherlich nicht uninteressant. Auch bei der Flut im Juli 2021, die das Ahrtal und Teile Belgiens traf, ging viel Fototechnik unter, und Hersteller engagierten sich durchaus. Canon etwa ließ im belgischen Projekt “ReStory” beschädigte Fotos von Flutopfern restaurieren. Eine marktübergreifende Reaktion wie in Japan blieb aber aus.
Beitragsbild: Alex Andrews