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Canon: Weniger Systemkameras verkauft – und trotzdem 78 % mehr Gewinn in der Kamerasparte

Canon hat die Zahlen für das 2. Quartal 2026 vorgelegt. Die Kamerasparte steigert ihr operatives Ergebnis um 78 Prozent. Ein Blick in die Details zeigt allerdings, dass das Kamerageschäft real kaum wächst.

Imaging trägt fast die Hälfte des Konzerngewinns

Canons Imaging-Sparte, in der Kameras, Objektive und Netzwerkkameras zusammengefasst sind, hat im 2. Quartal 306,8 Milliarden Yen umgesetzt – ein Plus von 17,7 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Das operative Ergebnis stieg um 78,7 Prozent auf 69,9 Milliarden Yen, die operative Marge kletterte von 15,0 auf 22,8 Prozent.

Dieser Sprung relativiert sich allerdings beim Blick auf das gesamte 1. Halbjahr: Dort liegt das operative Ergebnis bei 97,6 Milliarden Yen und damit “nur” 38,8 Prozent über dem Vorjahr. Das zweite Quartal 2025 war für Imaging also ein vergleichsweise schwaches Quartal – gegen diese Basis fällt der Zuwachs jetzt entsprechend spektakulär aus.

Unabhängig davon ist Imaging zum Gewinnmotor des Konzerns geworden: Im ersten Halbjahr steuert die Sparte 24,3 Prozent des Konzernumsatzes bei, aber 42,3 Prozent des operativen Konzerngewinns.

Der Währungseffekt frisst fast das gesamte Wachstum

Diese Zahlen muss man allerdings um den Wechselkurs bereinigen. Der Yen notierte im 2. Quartal gegenüber dem US-Dollar bei 159,50 statt 144,59 und gegenüber dem Euro bei 185,35 statt 163,82 – jeweils mehr als zehn Prozent schwächer als im Vorjahr.

Rechnet man den Währungseffekt heraus, bleibt vom Wachstum des Kamerageschäfts fast nichts übrig: Auf lokaler Währungsbasis weist Canon nur plus 1,1 Prozent aus. Die Imaging-Sparte insgesamt kommt auf plus 5,7 Prozent – und dieses Plus stammt überwiegend aus dem Netzwerkkamerageschäft, das inzwischen gut 40 Prozent des Spartenumsatzes ausmacht.

Zehn Prozent weniger Systemkameras – bei höherem Umsatz

Kommen wir zu den Stückzahlen: Canon hat im zweiten Quartal 0,67 Millionen eigene Systemkameras abgesetzt, zehn Prozent weniger als im Vorjahresquartal. Für das Gesamtjahr plant der Konzern mit einem Absatz von 2,8 Millionen Einheiten und damit drei Prozent weniger als 2025.

Den Gesamtmarkt aller Hersteller taxiert Canon für 2026 auf 6,45 Millionen Systemkameras. Diese Erwartung hat der Konzern wegen der Lage im Nahen Osten zwar nach unten korrigiert, hält aber an einer Marktgröße in dieser Größenordnung fest. Canons eigener Marktanteil läge damit bei rund 43 Prozent.

Dass der Umsatz trotzdem steigt, führt Canon auf einen gestiegenen Durchschnittspreis zurück. Als Treiber nennt der Konzern vor allem die im November 2025 eingeführte EOS R6 Mark III, deren Verkaufszahlen gegenüber dem 1. Quartal deutlich zulegten. Canon verkauft also weniger, aber teurere Kameras – eine Entwicklung, die die gesamte Branche seit Jahren prägt und die sich hier erneut bestätigt.

Kompaktkameras: über 50 Prozent Wachstum angepeilt

Der eigentliche Wachstumstreiber im Fotogeschäft sind derzeit die Kompaktkameras. Canon verweist erneut auf die starke Nachfrage insbesondere durch jüngere Nutzerinnen und Nutzer und darauf, dass die im 2. Halbjahr 2025 hochgefahrene Produktion es jetzt erlaubt habe, diese Nachfrage zu bedienen.

Für das Gesamtjahr peilt Canon bei Kompaktkameras ein Umsatzwachstum von über 50 Prozent an. Die Produktionskapazität soll im 2. Halbjahr weiter ausgebaut werden, um Lieferengpässe “so schnell wie möglich” zu beseitigen. Im Umkehrschluss heißt das: Die Knappheit besteht weiterhin.

Im 2. Halbjahr setzt Canon unter anderem auf die R6 V, die seit Ende Juni erhältlich ist.

Ausblick: Preiserhöhungen möglich

Für das 2. Halbjahr 2026 setzt Canon im Vollformatsegment auf die im Juni gestartete EOS R6 V. Die Gesamtjahresprognose für das Kamerageschäft liegt bei 698,0 Milliarden Yen und damit 11,6 Prozent über dem Vorjahr.

Interessanter als die Prognose selbst ist ein anderer Punkt: Canon rechnet mit einer Verschlechterung der Marge im zweiten Halbjahr. Für das Gesamtjahr erwartet die Sparte 15,9 Prozent operative Marge – nach 17,7 Prozent im ersten Halbjahr und 16,4 Prozent im Vorjahr. Als Grund nennt Canon unter anderem die stark gestiegenen Speicherpreise, die konzernweit allein im 2. Quartal mit 15,4 Milliarden Yen belasteten. Eine schnelle Normalisierung erwartet der Konzern nicht – und kündigt an, den Effekt “durch Preiserhöhungen und zusätzliche Kostensenkungen” abfedern zu wollen.

Steigende Preise bei Canon Kameras sind in den kommenden Monaten also wahrscheinlicher geworden. Auch bei anderen Herstellern wie zum Beispiel Fujifilm stehen in Kürze wohl Preiserhöhungen an.

Auffällig ist außerdem, dass Canon die Entwicklungsausgaben im Imaging-Bereich im ersten Halbjahr um 35 Prozent auf 70,2 Milliarden Yen hochgefahren hat – der mit Abstand stärkste Anstieg aller Sparten. Das ist ein Hinweis darauf, dass Canon trotz schrumpfender Stückzahlen weiter kräftig in neue Produkte investiert. Gut für uns!

Quelle: Canon

Mark Göpferich

Gründer von Photografix, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 5.000 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.