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iPhone-Kamera: Die großen Änderungen dauern wohl noch Jahre

Während Android-Hersteller längst mit 200-MP-Kameras werben, bleibt Apple seiner zurückhaltenden Strategie treu. Doch in den kommenden Jahren könnte sich das ändern, und zwar gleich auf mehreren Ebenen.

200 MP und ein neuer Partner

Laut einer aktuellen Analyse von der Investmentbank Morgan Stanley plant Apple, mit dem iPhone 21 im Jahr 2028 erstmals einen 200-MP-Sensor zu verbauen. Besonders interessant dabei: Sony, jahrelang unangefochtener Partner für Apples Kamerasensoren, könnte diese Rolle an Samsung verlieren. Der koreanische Konzern soll technologisch schlicht die Nase vorn haben.

Laut dem Leaker Digital Chat Station befindet sich Apple hier aber noch nicht einmal in der Prototypenphase. Stattdessen konzentrieren sich die Ingenieure derzeit auf die Weiterentwicklung des 48-MP-Systems für das iPhone 18. Die 200-MP-Kamera soll sich aktuell in der Materialtestphase befinden, während Apple parallel seine Lieferkette evaluiert. Das deckt sich mit den Berichten über die Suche nach zusätzlichen Zulieferern.

Ich kann verstehen, dass sich Apple beim Pixel-Binning eher zurückhält. Die von Samsung angeführten 200-MP-Sensoren konkurrieren hauptsächlich mit Sensoren um die 50 MP, die aber meistens größere Fläche für die Lichtaufnahme bieten. Dass es zu besseren Bildern führt, wenn man einfach mehr Pixel auf den Sensor quetscht, um sie später digital wieder zusammenzuführen, konnte der Hersteller in meinen Augen bislang nicht beweisen.

Ein Wechsel zu Samsung hätte für Apple noch einen weiteren Vorteil. Der Konzern betreibt eine Chipfabrik in Austin, Texas. Eine Produktion dort würde zu Apples erklärtem Ziel passen, mehr Komponenten in den USA fertigen zu lassen. Angesichts anhaltender Handelsstreitigkeiten gewinnt dieses Thema zunehmend an Bedeutung. Zudem scheint Apple verstärkt darauf zu setzen, Abhängigkeiten von einzelnen Zulieferern zu reduzieren. Auch bei LiDAR-Sensoren soll das Unternehmen bereits Gespräche mit alternativen Partnern führen.

Doch Apple arbeitet nicht nur an höheren Auflösungen. Das Unternehmen erforscht offenbar auch Multi-Spektral-Kameras, die über das für Menschen sichtbare Licht hinaus Bilddaten erfassen können. Eine solche Technologie könnte Visual Intelligence deutlich verbessern, etwa bei der Objekterkennung oder der räumlichen Wahrnehmung. Auch für die klassische Fotografie wären neue Möglichkeiten denkbar, beispielsweise Infrarot-Aufnahmen. Allerdings befindet sich diese Technologie noch in einem frühen Entwicklungsstadium.

Konkreter sind die Pläne für das iPhone 18 Pro: Gerüchten zufolge soll dessen Kamerasystem eine variable Blende erhalten, wobei es solche Gerüchte schon beim iPhone 17 gab, die sich jedoch nicht bewahrheiteten. Auch das Teleobjektiv soll eine größere Blendenöffnung bekommen als beim aktuellen iPhone.

LOFIC: Bessere Fotos bei schwierigem Licht

Schon 2027 könnte Apple einen bedeutenden Schritt machen. Passend zum 20-jährigen iPhone-Jubiläum plant das Unternehmen Berichten zufolge die Einführung sogenannter LOFIC-Technologie. Die Abkürzung steht für Lateral Overflow Integration Capacitor. Diese Technik verbessert die Fähigkeit des Sensors, Details sowohl bei sehr hellem als auch bei sehr dunklem Licht einzufangen. Das Ergebnis wären Fotos mit deutlich höherem Dynamikumfang, was im Alltag einen spürbaren Unterschied machen würde. Ebenfalls für 2027 erwartet Morgan Stanley eine weitere lang ersehnte Neuerung: Face ID unter dem Display.

Jonathan Kemper

Hat Technikjournalismus studiert, bloggt seit einer gefühlten Ewigkeit vor allem über die neusten Entwicklungen der Mobil-Branche und fotografiert lieber mit kompakten Kameras.