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Absurde Preise: Canon stößt in neue Sphären vor

Mit den beiden neuen RF-Objektiven stößt Canon in eine absurde Preisregion vor. Ob die Preise gerechtfertigt sind, ist bei genauem Hinsehen fraglich.

23.449 Euro für ein neues Objektiv

Vor einigen Tagen hat Canon das RF 800mm f/5.6 L IS USM und das RF 1200mm f/8 L IS USM vorgestellt. Beide Objektive – und vor allem das 1200mm f/8 – sind keine alltäglichen Brennweiten und dementsprechend verwundert es auch nicht weiter, dass hier fünfstellige Summen aufgerufen werden. 17.000 Dollar werden für das RF 800mm f/5.6 fällig, 20.000 Dollar für das RF 1200mm f/8.

Bei der offiziellen Präsentation der neuen Objektive hatte Canon noch keine Euro-Preise genannt, diese wurden in der Zwischenzeit allerdings nachgeliefert – und ich muss euch ehrlich sagen, da ist mir dann doch mal kurz die Luft weg geblieben. Das RF 800mm f/5.6 kostet hierzulande nämlich 19.949 Euro, während das RF 1200mm f/8 mit 23.449 Euro zu Buche schlägt.

Ja, die Preise in den USA werden ohne Mehrwertsteuer angegeben. Doch selbst wenn man nach der Umrechnung von Dollar in Euro noch 19 Prozent draufrechnet, dann würde man beim RF 800mm f/5.6 “nur” bei ca. 18.000 Euro und beim RF 1200mm f/8 bei ca. 21.200 Euro landen. Wir zahlen hier in Deutschland also (mal wieder) extra drauf.

Warum ich die Preise kritisch sehe

Auf ein paar tausend Euro mehr oder weniger kommt es bei diesen Objektiven nicht an, mag der ein oder andere von euch vielleicht sagen und hat damit irgendwo sicherlich auch Recht. Wer sich eines der beiden Objektive leisten kann und möchte, der wird bei einem Preis von rund 20.000 Euro nicht wegen einem Tausender mehr auf den Kauf verzichten.

Ich sehe die hohen Preise aus zwei Gründen allerdings trotzdem kritisch.

Zum einen stößt Canon hier preislich gesehen in eine neue Sphäre vor und legt die Messlatte somit auch ein ganzes Stück höher. Wenn sich Canon in Zukunft bei anderen RF-Objektiven an den Preisen des 800mm f/5.6 und des 1200mm f/8 orientiert, könnte das auch bei “normalen” Brennweiten zu deutlich höheren Preisen führen.

Ich meine mich zu erinnern, dass Apple 2017 mit dem iPhone X erstmals die Grenze von 1.000 Euro so richtig überschritten hatte. Das war für das Unternehmen aus Cupertino ein Türöffner und heute zahlt man für das beste iPhone fast schon 2.000 Euro. Eine Frage der Zeit, bis auch diese Grenze überschritten wird.

Der zweite Grund, warum ich Canons Preise kritisch sehe: Das RF 800mm f/5.6 und das RF 1200mm f/8 sind bei genauerem Hinsehen gar nicht so innovativ und neu, wie es auf den ersten Blick vielleicht scheint. Canon hat hier zu großen Teilen nämlich die bereits vorhandenen RF 400mm f/2.8 und RF 600mm f/4 Objektive (die ihrerseits auf den EF-Versionen von 2018 basieren) genommen und sie erweitert, unter anderem um eine interne 2x-Optik. Dafür zahlt man dann einfach mal 7.000 Euro bzw. 9.500 Euro drauf, obwohl man sehr ähnliche Ergebnisse auch erreichen könnte, wenn man den Canon RF 2x Extender mit dem 400mm oder dem 600mm kombinieren würde. Ja, das RF 1200mm scheint in den Ecken minimal höher aufzulösen und bietet einen Hauch mehr Kontrast als das 600mm mit 2x Extender – aber mal ganz ehrlich, das ist doch nie und nimmer 9.500 Euro Aufpreis wert.

Der einzige echte Vorteil, den die neuen Objektive zu bieten haben, ist die Tatsache, dass man sie mit den Extendern eben nochmal zusätzlich verlängern kann und im Extremfall dann eine Brennweite von 2400mm erhält.

Es ist für mich absolut nachvollziehbar, dass sich Canon im Telebereich – und somit dem Bereich, in dem man mit einem Smartphone aufgeschmissen ist – als Nummer 1 auf dem Markt positionieren möchte. Auch ist es sicherlich ein kluger Schachzug, in Zeiten von Lieferproblemen und Chipmangel neue Objektive vorzustellen, die sich nur an eine winzig kleine Zielgruppe richten. Doch das RF 800mm f/5.6 und das 1200mm f/8 hinterlassen bei mir trotzdem irgendwie einen faden Beigeschmack. Wie sieht es bei euch aus?

Quellen: Canonnews | Canonrumors

Mark Göpferich

Gründer von Photografix, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 5.000 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.