Sony könnte an einem eigenen Mittelformat-Kamerasystem arbeiten. Laut einem neuen, ausdrücklich unbestätigten Gerücht soll intern über eine komplett neue Linie mit neuem Objektivanschluss und einen Sensor mit mehr als 100 Megapixeln gesprochen worden sein.
Wichtig ist zunächst die Einordnung: Sonyalpharumors stuft die Meldung als „Wild Rumor“ ein. Bestätigt ist bisher also nichts, dennoch ist ein genauerer Blick auf die Gerüchte der letzten Tage interessant.
Spannend ist vor allem die angebliche Sensorgröße. Im Raum steht ein 54×36-mm-Sensor im Seitenverhältnis 3:2. Das wäre größer als das “kleine Mittelformat” der Fujifilm GFX– und Hasselblad-X-Kameras, die üblicherweise mit Sensoren um 44×33 mm arbeiten.
Der Vorteil eines 54×36-mm-Sensors wäre aus Sony-Sicht naheliegend: Die Höhe entspricht praktisch dem Kleinbildformat, die Breite wächst deutlich. Laut Gerücht könnten Vollformat-E-Mount-Objektive dadurch über einen Crop-Modus genutzt werden. In diesem Fall wäre angeblich ein Bildausschnitt mit rund 88 Megapixeln denkbar.
In der Praxis wäre das interessant, aber auch kompliziert. Ein neues Mittelformat-System bräuchte sehr wahrscheinlich einen neuen Mount, neue Objektive und ein anderes Gehäusekonzept. Sony müsste also nicht nur eine Kamera bauen, sondern ein komplett neues System starten. Genau das macht das Gerücht spannend, aber unserer Meinung nach auch unsicher und unwahrscheinlich.
Dass Sony Sensoren in dieser Größenordnung entwickeln kann, ist hingegen kein neues Thema. Sony stellt seit Jahren Mittelformat- bzw. großformatige Sensoren her, unter anderem in Formaten wie 44 × 33 mm und 55 × 41 mm.
Sony Semiconductor hat bereits einen 247-Megapixel-Sensor im Format 53,96 × 35,97 mm gelistet. Es handelt sich um einen rückwärtig belichteten Sensor mit 3:2-Seitenverhältnis, der laut Berichten für industrielle Anwendungen vorgesehen ist. Die Modellbezeichnungen lauten hier IMX811-AAMR und IMX811-AAQR für Farb- und Monochromvarianten. Der Sensor soll 19.200 × 12.800 Pixel liefern und bei voller 16-Bit-Ausgabe bis zu 5,3 Bilder pro Sekunde erreichen. Das ist für diese Auflösung bemerkenswert, bedeutet aber nicht automatisch, dass daraus eine Alpha-Kamera entstehen könnte.
Für Fotografen könnte ein solches System vor allem in Bereichen wie Landschaft, Studio, Reproduktion, Kunst, Architektur und High-End-Werbung interessant sein. Gleichzeitig wären Datenmengen, Objektivanforderungen, Preis und Workflow eine klare Einschränkung. Schon 100 Megapixel verlangen nach sehr sauberer Technik, stabiler Arbeitsweise und hochwertigen Objektiven. Bei 200 Megapixeln oder mehr würde sich das noch deutlicher zeigen.
Das Timing passt zumindest zur aktuellen Sony-Strategie im High-End-Bereich. Sony hat bereits die Entwicklung des Rialto 65 angekündigt, eines 65-mm-Sensorblocks für die VENICE 2. Der Sensorblock nutzt ein 3:2-Format mit 53,75 × 35,83 mm und soll 9.6K Open-Gate-Aufnahmen ermöglichen. Die Markteinführung ist für die erste Jahreshälfte 2027 geplant. Mehr darüber könnte ihr bei Interesse in unserem Artikel “Sony entwickelt einen seiner größten Kinosensoren” nachlesen.
Das ist allerdings ein Cinema-Produkt, keine Fotokamera. Trotzdem zeigt es, dass Sony das große 65-mm-/Mittelformat-Segment technologisch ernst nimmt. Ob daraus irgendwann ein spiegelloses Mittelformat-System für Fotografen entstehen könnte, bleibt offen. Mehr zum Sony Rialto 65 mit ersten Fotos findet ihr im Report von FDTimes.
Sony hat definitiv die Sensortechnik, die industrielle Basis und im Cinema-Bereich bereits passende Großformat-Erfahrung. Unklar ist, ob sich ein komplett neues Mittelformat-System wirtschaftlich lohnen würde. Vor allem, weil Sony mit der Alpha-Reihe bereits sehr starke Vollformatkameras im Portfolio hat.
Interessante Gerüchte, die man aktuell aber noch klar mit Vorsicht einordnen sollte. Was meint ihr: Wäre ein Mittelformat-System eine sinnvolle Ergänzung für Sony?