Tamron

Tamron bleibt beim Zehn-Objektive-Plan und peilt Rekordumsatz an

Tamron hält an seinem Ziel fest, jährlich zehn neue Objektive zu veröffentlichen, und will im Fiskaljahr 2026 erstmals liefern.

Vor rund einem Jahr hatte Tamron angekündigt, die Schlagzahl bei neuen Objektiven deutlich zu erhöhen: Statt der bisherigen sechs bis sieben Modelle pro Jahr sollten es künftig zehn werden. Mit den jetzt veröffentlichten Geschäftszahlen für das Fiskaljahr 2025 bestätigt der japanische Hersteller dieses Ziel. Das laufende Geschäftsjahr 2026 soll das erste sein, in dem die Marke tatsächlich erreicht wird.

Das abgelaufene Jahr verlief durchwachsen. Der Gesamtumsatz sank um vier Prozent auf 85,1 Milliarden Yen (rund 470 Millionen Euro), das operative Ergebnis fiel um 13 Prozent. Gestiegene Materialkosten, US-Zölle und ein deutlicher Einbruch im OEM-Geschäft belasteten die Bilanz. Deren Anteil am Fotoumsatz fiel von 45 auf 41 Prozent. Welche Hersteller betroffen sind, verrät Tamron nicht, allerdings ähneln etwa die Nikon-Z-Zooms im f/2.8-Bereich auffällig den hauseigenen Tamron-Konstruktionen, wie PetaPixel aufgefallen ist. Das vierte Quartal brachte immerhin eine Trendwende: Umsatz plus zehn Prozent, operativer Gewinn plus 32 Prozent.

Sechs neue Eigenmarken-Modelle kamen im Fiskaljahr 2025 auf den Markt, darunter das 16-30mm f/2.8 VXD G2 und das 25-200mm f/2.8-5.6 VXD G2. Tamron portierte außerdem bestehende Objektive auf den Nikon-Z- und Canon-RF-Anschluss. Für Canon RF gibt es damit bislang nur zwei Modelle.

Ob bei den angepeilten zehn Modellen tatsächlich zehn komplett neue Konstruktionen dabei sind, bleibt wie gehabt offen. Tamron zählt auch Bajonett-Adaptionen bestehender Objektive mit. Trotzdem wäre es die produktivste Phase des Unternehmens seit langem. Tamrons Vier-Bajonett-Strategie mit Sony E, Nikon Z, Canon RF und Fujifilm X bleibt bestehen, auch wenn für letzteres seit Mai 2023 nichts Neues mehr kam.

Für 2026 gibt sich Tamron insgesamt optimistisch. Der Umsatz soll erstmals über 90 Milliarden Yen steigen, das operative Ergebnis um elf Prozent wachsen. Die Erholung in Europa und China sowie der Ausbau in Regionen wie Lateinamerika und dem Nahen Osten sollen das Wachstum treiben.

Tamron ist allerdings längst mehr als ein reiner Objektivhersteller für Fotografen. Das Unternehmen gliedert sich in drei Sparten: Neben dem Fotogeschäft gibt es den Bereich Überwachungs- und Industrieoptik sowie die Sparte Mobilität und Gesundheit. Letztere wächst besonders stark. Tamron liefert Kameralinsen für Fahrerassistenzsysteme (ADAS), also etwa für Spurhalte- und Notbremsassistenten in Autos. Dieser Automotive-Bereich überschritt im Fiskaljahr 2025 erstmals die Marke von zehn Milliarden Yen und soll 2026 um weitere zehn Prozent zulegen. Auch die Medizintechnik-Sparte entwickelt sich: Tamron stellt unter anderem Optiken für Endoskope und chirurgische Mikroskope her. Der Healthcare-Umsatz erreichte erstmals eine Milliarde Yen, ein Wachstum von rund 50 Prozent. Bis 2030 soll dieser Bereich auf drei Milliarden Yen wachsen.

Im Überwachungssegment profitiert Tamron von der steigenden Nachfrage nach höher auflösenden Kameras für die Stadt- und Büroüberwachung. Zusätzlich investiert das Unternehmen in neue Technologiefelder wie Kurzwellen-Infrarotoptik (SWIR) und Laserbearbeitungsköpfe.

Langfristig peilt Tamron die 100-Milliarden-Yen-Marke (etwa 550 Millionen Euro) beim Umsatz an. Das neue Werk in Vietnam, das Anfang 2025 den Betrieb aufgenommen hat, soll die Produktionskapazität bei voller Auslastung ab 2028 um 20 Prozent steigern und gleichzeitig die Abhängigkeit von China reduzieren.

Jonathan Kemper

Hat Technikjournalismus studiert, bloggt seit einer gefühlten Ewigkeit vor allem über die neusten Entwicklungen der Mobil-Branche und fotografiert lieber mit kompakten Kameras.