Die kostenlose Fotodatenbank Unsplash zeichnet jedes Jahr außergewöhnliche Bilder aus, die auf der Plattform eingereicht wurden.
Die achten jährlichen Unsplash Awards sind entschieden und feiern die eindrucksvollsten Fotografien des Jahres auf der kostenlosen Stockfoto-Plattform in insgesamt 14 Kategorien. Die Gewinner wurden von einer hochkarätigen Jury aus Experten und Branchengrößen etwa von National Geographic, The Guardian, WWF, Blender und Condé Nast Traveller ausgewählt. Gesponsert von Imgix erhält jeder Kategoriesieger 500 US-Dollar sowie eine besondere Auszeichnung im Unsplash-Profil.
Zum ersten Mal als Kategorie vertreten sind Illustrationen, die Unsplash seit Mai 2024 im kostenpflichtigen Plus-Tarif fördert und in einer separaten Kategorie auf der Seite präsentiert. In der Vergangenheit hatte sich Unsplash auch bereits für 3D-Renderings geöffnet – ein weiterer Schritt weg von einer reinen Fotografencommunity hin zu einem breiter gefächerten Kreativennetzwerk. Insgesamt sind bemerkenswert viele Bilder der diesjährigen Awards nicht kostenlos herunterladbar, sondern nur mit der Unsplash-Plus-Mitgliedschaft (ab 6 Euro monatlich im Jahresabo) zugänglich.
Neben den Jury-Votings gibt es wie immer auch ein Foto, das von den Nutzern ausgewählt wurde, das Photo of the Year. Das stammt in diesem Jahr von Christoph Nolte, einem deutschen Fotografen, der derzeit im Norden Schwedens stationiert ist. Geschossen hat er es mit einer Kombination aus Sony A7r IV und dem 200-600mm f/5.6-6.3 bei maximaler Brennweite, hier könnt ihr es euch in voller Auflösung anschauen.
Nolte stammt ursprünglich aus Hessen, lebte aber zuletzt einige Jahre in Köln. Dort arbeitete er als Physiotherapeut in einem Krankenhaus, hauptsächlich in der Intensivmedizin. 2022 kündigte er seinen Job und wanderte gemeinsam mit seiner Frau nach Nordschweden aus.
“Wir hatten das Leben in der Großstadt satt und haben uns nach etwas mehr Ruhe, Natur und dem langen kalten Winter gesehnt”, erklärt er die Beweggründe. “Die Jahre zuvor haben wir all unseren Urlaub in Schweden und seinen Nachbarländern verbracht, dort hab ich auch mit der Fotografie begonnen.”
Mit dem Umzug fand Nolte endlich die Zeit und Inspiration, um sich der Fotografie intensiver zu widmen. “Richtig intensiv mit dem Fotografieren konnte ich mich tatsächlich erst an meinem neuen Wohnort auseinander setzen. In Deutschland hat mir einfach die Inspiration und die Zeit gefehlt.”
Trotz der Herausforderungen einer Auswanderung und seiner Vollzeitarbeit in der Pflege konnte er sein Hobby nun ernsthaft verfolgen. “Meine wirkliche Passion ist und bleibt aber die Naturfotografie”, betont Nolte. “Schneelandschaften, Wildlife insbesondere Vögel, Nordlichter und die kalte Farbpalette haben mich einfach voll und ganz erwischt.”
Auf der Suche nach neuer Inspiration für seine Fotos stieß der Hobbyfotograf auf Unsplash. “Sicherlich ist Instagram immer noch die Qual der Wahl für Fotografen, kann aber auch sehr frustrierend sein”, findet er. “Bei Unsplash kann man sich super Input holen, der sich wirklich rein auf die Fotografie beschränkt. Außerdem hat man ein fotointeressiertes Publikum und bekommt ein ganz anderes Feedback auf seine Arbeiten.”
Seine Bilder auf der Plattform kostenfrei anzubieten, war für Nolte kein Problem: “Für mich war das ‘kostenlose zur Verfügungstellen’ meiner Arbeiten nie ein Nachteil. Als Anfänger war es mir in erster Linie wichtig, dass meine Arbeiten gesehen werden, ich eventuell positives oder negatives Feedback bekomme, Erfahrungen sammle und ich mich dadurch verbessern und einen eigenen Stil ausarbeiten kann.” Diese Strategie ging für ihn voll auf: “Das hat für mich bisher bestens funktioniert, jedes Mal wenn eins meiner Fotos im Editorial Feed auf Unsplash gefeatured wird, ist das eine große Ehre für mich.”
Noltes großer Traum war es schon immer, einmal Eulen zu fotografieren. In Schweden streifte er oft erfolglos mit dem Fernglas durch die Wälder. “Das hat zwischenzeitlich ziemliche Enttäuschung in mir ausgelöst, und tut es auch teilweise immer noch.” Doch im April 2023 hatte er unverhofft Glück: “Eigentlich war ich gerade auf dem Weg Haselhühner zu fotografieren und hatte die Kamera quasi fertig in der Hand.”
Da entdeckte er einen Bartkauz auf einem Baum vor seinem Haus. “Zum Schluss durfte ich ganze fünf Stunden mit dem Bartkauz verbringen und die imposante Eule bei Schneefall, Sonnenschein, Wolken und allen erdenklichen Lichtstimmungen ablichten.” Zum ersten Mal hatte Nolte einen ganz speziellen Look für sein Tierfoto im Kopf – mit Erfolg.
Dass ihn Unsplash nun für dieses Bild als “Photo of the Year” auszeichnete, überwältigt den Hobbyfotografen: “Der Preis ist für mich ein persönlicher Meilenstein und eine große Bestätigung für das was ich tue.” Trotz der Nominierung hatte er nicht damit gerechnet. “Ich selbst bin mein größter Kritiker und ein ziemlicher Tiefstapler, was meine Fotos angeht”, gesteht Nolte.
“Allein die Nominierung hat mich im ersten Moment völlig überfordert und ich habe bis zum Schluss nicht damit gerechnet den Award wirklich zu bekommen.” Seinen Erfolg in Worte zu fassen, falle ihm schwer. “Auch wenn ich jetzt doch relativ viel geschrieben habe, lässt sich das kaum in Worte fassen. Die Möglichkeit einen Bartkauz quasi in meinem eigenen Garten fotografieren zu können, war für mich bis dato schon das größte Geschenk des letzten Jahres.”