Wetterschutz, Sucher oder eingebauter Blitz? All diese Dinge stehen weit oben auf den Wunschlisten der Fans für die nächste GR-Kamera. Wahrscheinlich aber vergeblich.
Ricoh hat im Rahmen der Vorstellung der GR IV klargestellt, dass die grundlegenden Designprinzipien der GR-Serie auch künftig nicht angetastet werden. Im Gespräch mit PetaPixel erläuterte Kazunobu Saiki, General Manager der Kamera-Sparte, die vier unverrückbaren Grundsätze: Kompaktheit, schnelle Reaktion, hohe Bildqualität und kontinuierliche Weiterentwicklung. “Unsere Prinzipien für die GR sind goldene Regeln”, betont Saiki. “Bei diesen Regeln machen wir keine Kompromisse.”
Die “kontinuierliche Weiterentwicklung” mache sich etwa durch GR World bemerkbar, “die neue App, die zusätzlichen Mehrwert bieten wird”, mich bis jetzt aber nicht wirklich überzeugt hat.
Diese Haltung hat direkte Auswirkungen auf Funktionen, die sich viele Fotografen wünschen. Wetterfestigkeit, ein integrierter Blitz und ein Sucher gehören zu den häufigsten Anfragen der Community. Doch alle drei Wünsche scheitern am selben Problem: Sie würden das Gehäuse vergrößern und damit das zentrale Versprechen der Hosentauglichkeit brechen.
Ricoh testete vor der Entwicklung der GR IV (hier in meinem Kurztest) eine Abdichtung gegen Witterungseinflüsse. Das Ergebnis war ernüchternd – nicht nur wurde das Gehäuse größer, die Dichtungsmaterialien erschwerten auch die Wärmeableitung. Die Konsequenz wäre entweder ein noch größeres Gehäuse oder eine reduzierte Serienbildgeschwindigkeit gewesen. Beides widerspreche dem Konzept einer schnellen Schnappschusskamera. Das ist der Punkt der mich bei der (zudem im Preis gestiegenen) Immer-dabei-Kamera am meisten schmerzt.
Beim Thema Sucher argumentiert Ricoh ähnlich: Der Wunsch sei nachvollziehbar, doch ein integrierter Sucher würde unweigerlich die Abmessungen erhöhen. Stattdessen setzt Ricoh auf Alternativen wie den optionalen Aufsteckblitz GF-2 und eine verbesserte Bildstabilisierung, die Aufnahmen bei schwachem Licht um zwei Blendenstufen optimieren soll.
“Wenn wir uns erlauben würden, die Kamera etwas größer zu machen, könnten wir viele Dinge umsetzen”, räumt Saiki ein. “Aber das priorisieren wir nicht, denn die GR soll immer dabei sein – und Kompaktheit ist der Schlüssel dazu.” Diesem Anti-Größenwahn fiel bei der aktuellen Generation übrigens sogar der SD-Slot zum Opfer, der durch einen microSD-Schlitz ersetzt wurde. Immerhin gibt es mehr internen Speicher, was den Umstieg verschmerzbar macht.
Für die womöglich irgendwann kommende GR V bedeutet das: Weiterentwicklung ja, aber keine grundlegenden Änderungen am Formfaktor. Wer auf einen integrierten Sucher oder Spritzwasserschutz hofft, wird auch künftig auf Alternativen ausweichen müssen. Bis zur GR V dürfte aber ohnehin noch einige Zeit vergehen, zwischen der GR III und der GR IV lagen schließlich auch sechs Jahre. Als nächstes bringt der japanische Hersteller erstmal noch eine HDF- sowie eine Monochrom-Variante auf den Markt, hoffentlich auch eine GR IVx mit höherer Brennweite. Indes feiert Ricoh aktuell das 30-jährige Jubiläum seit Markteinführung der ersten, damals noch analogen GR1.