Sechs Jahre hat die Welt auf einen Nachfolger der hochgelobten GR III gewartet. Doch wie entwickelt man eine Kamera weiter, die sich selbst heute noch topaktuell anfühlt?
Eins vorweg: Krankheits- und wetterbedingt hatte ich im vorgesehenen Testzeitraum leider keine Gelegenheit, mich wie damals bei der GR III allzu ausführlich mit der neuen Ricoh-Kamera zu beschäftigen. Nach mehreren Tausend Fotos mit der GR III glaube ich aber, dass ich selbst in kurzer Zeit ausreichend Punkte gefunden habe, die die GR IV anders macht – und wo sie dem Vorgänger aufs Haar gleicht. Um das direkt aus der Welt zu schaffen: Wetterfest ist der Apparat, der im besten Fall immer griffbereit dabei ist, nicht. Ob das Objektiv wirklich besser gegen Staub geschützt ist wie angekündigt, konnte ich aber nicht überprüfen.


Sensor und Objektiv
Die GR IV unterscheidet sich von ihrem Vorgänger durch einen leicht überarbeiteten APS-C-Sensor mit jetzt 25,7 statt 24,2 MP und einem etwas geschmeidigeren Autofokus, aber ganz ehrlich: Riesige Sprünge zum Vorgänger sind hier nicht zu beobachten, mit den 40 MP einer Fujifilm X100VI oder dem Autofokus einer Systemkamera kann die Kompakte sicherlich nicht mithalten. Muss sie vielleicht auch gar nicht: Echte GR-Profis wie Kollege Benjamin sind ohnehin mit dem Fix-Fokus (bzw. Snap Focus) unterwegs, der auf Basis der Entfernung zum Objekt funktioniert.
Hier merkt man den Einfluss der Community, denn vermutlich aufgrund der vielen positiven Resonanzen hat sich dieser Modus sogar seine eigene Position im oberen Einstellrad verdient. Die generelle Performance der Kamera ist wie gehabt flott und ich bilde mir sogar ein, die zwei Zehntel Sekunden, die die GR IV jetzt schneller hochfahren soll, zu spüren.



Das 18,3mm-Objektiv entspricht weiterhin 28mm im Kleinbild und liefert mit f/2.8 ausreichend Lichtstärke selbst bei dämmerigen Verhältnissen. Die überarbeitete Architektur mit sieben Linsen in fünf Gruppen verspricht weniger Verzerrungen und geht mit einer auf fünf statt nur drei Achsen verbesserten Stabilisierung einher.
Unterwegs lassen sich daher aus der Bewegung wunderbar Fotos schießen. Die vielleicht nicht immer ganz perfekte Bildkomposition lässt sich durch die weitwinklige Brennweite gut kompensieren, den Look muss man aber mögen. Digital lassen sich mit leichtem Qualitätsverlust automatische Crops auf 35 oder 50mm einstellen. In jedem Fall erhaltet ihr RAW-Dateien, aus denen ihr in der Nachbearbeitung noch einiges herausholen könnt. Habt ihr da keine Lust drauf, bietet euch Ricoh ein paar vorgefertigte Rezepte zur internen JPG-Entwicklung.

Gehäuse und Bedienung
Selbst nach mehr als sechs Jahren nach der Veröffentlichung der GR III zeigt sich mit dem aktuellen Modell: Viel war in Sachen Kompaktheit offenbar nicht mehr herauszuholen. Die “weltweit kleinste APS-C-Kamera” verteidigt ihren Titel mit einem nahezu unveränderten, hochwertigen Gehäuse, das minimal im Gewicht gestiegen ist. “Schwer” ist sie mit 262 Gramm aber bei bestem Willen nicht und nach wie vor prädestiniert dafür, mühelos einhändig mal eben nebenbei bedient zu werden. Genau diese fotografische Lücke füllt die GR-Serie seit jeher mit Bravour und auch die jüngste Iteration ist optimal auf die Dokumentation flüchtiger Momente ausgelegt.



Die größten Veränderungen am Handling der Kamera hat Ricoh auf der Rückseite vorgenommen. Einer meiner schärfsten Kritikpunkte der GR III wurde beim Nachfolger zwar angegangen, aber leider nicht behoben – sondern hat sich sogar eher zum Schlechteren entwickelt. Zuvor handelte es sich beim oberen Rädchen auf der Rückseite um eine Art Wippe, die sich bis zum Anschlag nach links oder rechts bewegen ließ und standardmäßig zur Einstellung der Belichtungskorrektur verantwortlich ist. Regelmäßig bin ich hier unbemerkt gegengestoßen und habe entsprechend über- oder unterbelichtet. Gerade bei einer Kamera wie der GR III möchte man auf Fototour eigentlich so selten wie möglich auf den fest verbauten Bildschirm schauen und die korrekten Einstellungen überprüfen.

Diese Wippe wurde nun an den rechten Rand verlegt – und zumindest so, wie ich die Kamera in meinen Händen halte, trat das beschriebene Phänomen leider eher öfter als seltener auf. Insgesamt ist die GR IV durch ihre kompakten Maße nur bedingt für sehr große Hände geeignet, weshalb ich dringend zum Kauf einer separaten Daumenstütze raten möchte. Die wird wie beim Vorgänger über den Blitzschuh angebracht und dürfte auch versehentliches Knöpfedrücken eindämmen.

Ist der Hotshoe einmal belegt, verzichtet ihr aber natürlich auf den Einsatz von zusätzlichem Zubehör wie einem optischen Sucher oder einem Blitz. Den hat Ricoh nämlich in der neusten Generation trotz lauter Rufe aus der Community leider wieder nicht ins Gehäuse gepackt, verkauft jetzt aber wenigstens einen für 99 Euro separat. Der Blitz GF-2 lässt sich auch mit der GR III und IIIx verwenden.
Speicher und Akku
Beim Speicher ist Ricoh allem Anschein nach einen weiteren Kompromiss eingegangen. Als Unternehmen, das sich in meiner Wahrnehmung an den Bedürfnissen seiner Community orientiert, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass dort Nachfrage nach microSD- anstatt SD-Karten bestand. Die fitzeligen Kärtchen sind nicht nur nerviger in der Handhabung, sondern zudem anfälliger für Außeneinwirkungen.
Doch immerhin: Der in der GR III mit 4 GB praktisch unbrauchbare interne Speicher ist auf 53 GB angewachsen und fasst jetzt eher rund 1.000 statt 50 RAW-Fotos. Theoretisch wäre es durchaus möglich, die GR IV komplett ohne externe Speichermedien zu verwenden. Wer schonmal den Schmerz gespürt hat, ohne Speicherkarte aus dem Haus gegangen zu sein, darf sich hier jedenfalls über eine komfortable Absicherung freuen.

Der Wechsel auf microSDs hängt vermutlich mit den dickeren DB-120-Akkus zusammen, die 250 statt 200 Fotos versprechen, in meinem Test bin ich bei niedrigen Außentemperaturen eher auf gut 100 Bilder gekommen. Mindestens ein Zusatzakku ist also Pflicht und es bleibt zu hoffen, dass Dritthersteller bald Alternativen gegenüber den 50 Euro teuren Originalen schaffen.
Software und App
Das Betriebssystem der Kamera hat Ricoh weitgehend von seinem Vorgänger übernommen. Macht auch vor dem Hintergrund Sinn, als dass der Hersteller so beide Geräte langfristig mit Aktualisierungen versorgen kann. Das ist durchaus beachtlich, dass Ricoh selbst nach offiziellem Produktionsende der GR III noch ein 2.00-Update herausgehauen hat, das das ältere Modell mit der neuen “GR World”-Begleit-App (dazu gleich mehr) kompatibel macht. Es ist davon auszugehen, dass Ricoh der GR IV ebenfalls regelmäßig Updates spendiert.

Allerdings sind die Einstellungen über die Jahre organisch gewachsen, ohne dass die Struktur aus gerade einmal fünf Überkategorien sinnvoll überholt wurde. Intuitiv sind die unorganisierten und teils schlecht übersetzten Menüeinträge keineswegs und selbst als Ricoh-erfahrener Nutzer musste ich mein Gehirn anstrengen, um etwa Töne stummzuschalten oder ein Gitter anzuzeigen.
Auf den ersten Blick wurden meine Wünsche erhört, denn: Mit der GR IV hat Ricoh auch eine neue App namens “GR World” eingeführt. Die löst die alte App “Image Sync” ab und funktioniert nicht nur mit der neuen Kamera, sondern auch der GR III, GR IIIx und sogar GR II. Der Name verspricht viel, die App liefert aber nicht großartig mehr als ihr Vorgänger, nämlich das Übertragen von Fotos aufs Smartphone. Tatsächlich neu ist eine Fernauslöser-Funktion, die bei meinem kurzen Test tadellos lief.



Zumindest der Startbildschirm der Software ist schick gestaltet, die Bild-Synchronisation aber leider weiterhin hakelig. Bildvorschauen sind verpixelt, die Kästchen zur Mehrfachauswahl schlecht zu treffen. Einmal gekoppelt, blieb die Verbindung zwischen iPhone und GR IV einigermaßen stabil – da habe ich angesichts der katastrophalen Bewertung von 1,9 Sternen im App Store offenbar einfach Glück gehabt.



Fazit: Muss es eine GR IV sein?
Mein Fazit: Ich fürchte, Ricoh hat sich hier etwas festgefahren. Das sind eben die Schattenseiten des Erfolgs, denn dadurch leidet der Hunger nach Innovation. Sie wären ja auch schön blöd, etwas an dem Rezept zu ändern, wenn selbst die GR III ihnen so viele Jahre nach Release noch aus den Händen gerissen wird. Und man darf auch nicht vergessen: Die Kamerasparte spielt für das Unternehmen unterm Strich finanziell keine große Rolle. Umso sinnvoller erscheint es wirtschaftlich, nur Änderungen in winzigen Dosierungen vorzunehmen, anstatt alles über den Haufen zu werfen.

Natürlich schlachten sie die Hardware-Basis gnadenlos aus, in Kürze sollen noch die GR IV HDF mit High-Diffusion- statt ND-Filtern erscheinen sowie eine lang ersehnte Monochrom-Variante auf den Markt kommen und es würde mich stark wundern, wenn in den nächsten zwei Jahren nicht noch analog zur GR IIIx eine GR IVx mit 40mm-Objektiv folgt. Ricoh bedient extreme Nischen, aber die bestehen eben auch aus sehr treuen und zahlungskräftigen Kunden.
Gutes Stichwort, denn die Ricoh GR IV ist mit 1.349 Euro nochmal ein Stück teurer als die GR III, die damals für 899 Euro erschien, inzwischen jedoch neu meist für 1.000 Euro gehandelt wird. Angesichts der generell gestiegenen Kosten scheint der Preissprung nicht außergewöhnlich, im Vergleich zu einer gebrauchten GR III um die 700 Euro fällt der Abstand aber noch deutlicher aus.

Wer also vielleicht bisher mit einem Smartphone knipst und mit einer Kompaktkamera wie der GR III in die dokumentarische Fotografie einsteigen möchte, trifft dank aktueller Software sowie Unterstützung für neue App und Blitz selbst im Jahr 2025 eine nachhaltige Wahl. Solltet ihr die Streetfotografie jedoch ernster nehmen und die beste GR-Kamera besitzen wollen, die Ricoh bislang produziert hat, müsst ihr wohl oder übel in den sauren Apfel beißen und schleunigst eine GR IV bestellen.





Den Punkt über die App finde ich spannend. Denn aus meiner Sicht war die bisherige Image Sync App allen anderen Herstellern haushoch überlegen. Warum? Weil sie das, was sie soll, einfach gemacht hat. Schnell verbinden? Einfach Kamera anmachen, App öffnen, fertig. Kein Klick, gar nichts. Einfach automatisch verbunden. Neue Bilder nach Verbinden übertragen? Klar doch. RAWs übertragen? Kinderspiel. Übertragen während man photographiert? Immer schon. Auch die, die man gerade eben gemacht hat? Auch die. Kein andrer Hersteller, die ich benutze oder benutzt habe (Canon, Sony, Fujifilm) konnte das. Bis heute nicht. Immer ein Gefrickel, fehlgeschlagene Verbindungen, falsche Einordnung, ob Bilder schon übertragen waren oder neu sind etc. pp. Sony ist ein klein wenig besser geworden, aber auch nur ein bisschen, kein Vergleich zur Ricoh App. Stattdessen fehleranfällige Features wie Cloud.
👍 “Weil sie das, was sie soll, einfach gemacht hat.” – auf den Punkt – und gilt für die App und die GRiii/iv sowieso. 👍
Bin mal gespannt wie lange es dauert bis andere Hersteller etwas vom Kompaktkamera Kuchen abhaben wollen. Wer wohl mit welcher Sensorgröße punkten wird? Machbar ist vieles wie die Mitbewerber beim internen Photografix – Vergleichstest gezeigt haben, übrigens nett gemacht.
Eine sehr robuste Taschen taugliche Kamera hat gefehlt: Die Pentax WG-8, ist doch egal wenn sie außerdem „Unter Wasser“ kann denn sie macht auch im Trockenen ansehnliche Bilder.
Leica möchte eine „neue“ Art von Kamera vorstellen, da bin ich sehr neugierig, mein Kopfkino läuft auf Hochtouren.
Soweit, so gut – aber Tiefgang fehlt.
Highlight: Ricoh hat den Hyper-Modus von Pentax reaktiviert und in die GR IV integriert. Und die grüne Taste? Ja, die gibts auch dazu – ist der Modusrad-Entriegelungskopf.
Negativhighlight: Keine Blitz-TTL-Messung mehr bei der GR IV laut diesem Chart:
https://www.ricoh-imaging.co.jp/english/support/qa/gr-4/
Q: Are Auto Flashes AF540FGZ II and AF360FGZ II supported? Can they be used for wireless shooting?
A: They cannot be used because there is no linking function.
Although they can be attached and manual flash is possible. However, proper exposure may not be achieved in P-TTL, so usage is not supported. Wireless shooting is not possible.
Note: The Flash Mode cannot be set. The flash always operates in Fill Flash mode.
DAS sind die wirklich spannenden Fragen?
Traurig wie die Manager bei Panasonic und OM System mit den Chancen ihres MFT Systems umgehen.
Keine kleine Kamera seit Jahren.
Eine kleine OM System, mit Sucher natürlich, wäre mit dem OM System stacked Sensor so ziemlich einmalig auf dem Markt.
Kleine Objektive für so eine Kamera gibt es wie Sand am Meer.
So weitsichtig sind die OM System und Panasonic Manager leider nicht. Kleine und günstige Objektive gibt es inzwischen auch für APS-C und Vollformatkameras. Z.B. von Viltrox.
Der 1,4 Zoll Sensor der Powershot V1 zeigt was mit mFT möglich wäre. Wäre sicher deutlich kleiner möglich.
Kleine Mft Kameras braucht es eigentlich auch nicht mehr, wenn man sieht wie klein Vollformat heute geht (Panasonic S9). Und für was brauchst du bei einer kleinen Kompaktkamera einen Stacked Sensor? Wildlife und Sport wird man mit so einem Gehäuse wohl ehr nicht fotografieren.
Also Panasonic S9 hat weder Sucher noch mech, Verschluss usw,,,,
Warum einen Stacked Sensor bei einer kleinen MFT Kamera: weil OM einen hat, weil keine Kompakte einen hat, weil bei starker Sonne, Schneelandschaft einfach auf elektronischen Verschluss umgestellt werden kann, keine ND Fiter mitschleppen.Die Sony 6700 hat nur 1/4000 mechanische Verschlusszeit. Das ist extrem nervig bei 1.4 Objektiven.
Rolling shutter ist natürlich kein Problem. Außerdem sind die MFT Tele Objektive wirklich wesentlich kleiner da kann man die notfalls auch bei einem kleinen Gehäuse verwenden. Batteriegriff oder eine Grundplatte sollte anbringbar sein damit man die Kamera auch mit größeren Objektiven gut halten kann.
Weil OM System schlicht und einfach keinen anderen aktuellen Sensor mehr hat. Fragt sich halt was eine solche Kamera kosten dürfte. Die wäre sicher im Preisbereich der OM-3. Wenn ein stacked Sensor vorhanden ist, ist der mechanische Verschluss übrigens weitgehend überflüssig. Den habe ich bei der OM-1 damals nur zum blitzen verwendet.
Die A6700 hat leider auch beim elektronischen Verschluss nur 1/8000s. Dasselbe gilt für alle A7C Modelle. Wenn ich weiss, dass ich offenblendig bei Tageslicht fotografieren und blitzen will, nehme ich die A9III ;-).
In der OM-5 ist ein anderer Sensor
Eine kleine jackentaugliche Kamera steht auf meiner aktuellen Wunschliste ganz oben. Ich liebäugle allerdings nicht mit einer Ricoh sondern mit einer R100, vielleicht auch mit einer R50.
Habe die R100, würde dir aber die R50 empfehlen, denn die R100 hat u.a. keinen Touchscreen und ist insgesamt schlechter ausgestattet und hat eine erheblich geringere Serienbild-Geschwindigkeit.
Danke für den Rat. Nach genauerem Hinschauen wird es dann wohl die R50 werden.
An meiner GR IV habe ich die deutlich kompakteren Ringke Ankerschlaufen und die dazugehörigen Handschlaufen und Tragegurte. Die von PD wären mir da doch zu dick und selbst der Leash wäre mir zu breit für eine so kleine Kamera.
Der AF der GR IV ist enttäuschend. Wirklich viel besser als derjenige der GR III ist er nicht. Vergleichbar mit dem einer 11 Jahre alten Alpha 6000.Wenn man eine GR III hat, kann man sich die GR IV sparen.
Die Ricoh scheint alternativlos, was Größe und Bildqualität betreffen könnte.
Aber es scheint so einige Probleme zu geben:
https://www.reddit.com/r/ricohGR/comments/1nx7ak7/gr_iv_issues_megathread/