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Über dieses Sonnenfoto redet gerade die halbe Welt

Astrofotograf Andrew McCarthy und Fallschirmspringer Gabriel Brown haben mit ausgeklügelter Kameratechnik ein spektakuläres Foto realisiert: einen Menschen im freien Fall als Silhouette vor der hochaufgelösten Sonnenoberfläche.

Realisiert wurde das Foto mit einem Lunt 60mm H-alpha-Teleskop kombiniert mit einer ASI 1600-MM-Kamera. Diese speziell für die Astrofotografie entwickelte Monochrom-Kamera arbeitet mit einem hochsensiblen CMOS-Sensor und eignet sich besonders für Aufnahmen lichtschwacher Himmelsobjekte. Der entscheidende H-alpha-Filter lässt nur eine schmale rötliche Lichtfrequenz durch, die Wasserstoff beim Energieverlust abstrahlt.

Dadurch werden Details der Sonnen-Chromosphäre sichtbar, jene äußere Atmosphärenschicht, wo Sonnenflecken und Sonneneruptionen entstehen. Menschen reflektieren kaum H-alpha-Licht und erscheinen deshalb wie schwarze Löcher vor der turbulenten Sonnenoberfläche.

Die größte technische Herausforderung für “The Fall of Icarus” lag im Mosaik-Verfahren: McCarthy fotografierte hunderte Einzelaufnahmen verschiedener Sonnenbereiche mit kurzen Belichtungszeiten und setzte sie computergestützt zusammen. Dabei verfolgte seine Montierung automatisch die Sonnenbewegung am Himmel, um Unschärfe durch die Erdrotation zu vermeiden.

Jede Aufnahme erfasste nur einen kleinen Sonnenbereich von wenigen Bogenminuten. Die Gesamtansicht entstand durch präzise Überlappung und Ausrichtung der Einzelbilder.

Ein Video und einige Fotos hinter den Kulissen findet ihr in diesem Instagram-Beitrag:

Die Distanzberechnung war entscheidend: Aus exakt 2,4 Kilometern Entfernung erschienen sowohl Browns 1,80 Meter große Silhouette als auch die zehntausende Kilometer großen Sonnenflecken in vergleichbarer Größe im Bildfeld. Die extreme Brennweite des Teleskops sorgte für ausreichende Schärfentiefe, sodass sowohl der 3.500 Fuß entfernte Springer als auch die 150 Millionen Kilometer entfernte Sonne scharf abgebildet wurden. Nach drei gescheiterten Versuchen mit verschiedenen Piloten gelang das Projekt mit Paramotor-Pilot Jim Hamberlin, der Brown präzise vor eine aktive Sonnenregion steuerte.

Prints der Aufnahme könnt ihr auf cosmicbackground.io ab 90 US-Dollar erwerben. Falls ihr euch für noch mehr spannende Fotos von der Sonne interessiert, ist dieser Artikel vielleicht interessant für euch.

Beitragsbild: Andrew McCarthy | via: Explorersweb

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Alfred Proksch

Filtertechnologie sowie Astrofotografie sind sehr spezielle Anwendungen. Schön das damit Bilder für NICHT Fachleute gemacht werden können, sieht man vom Aufwand ab eine interessante Sache.

Uneternal

Das Sonnenfoto an sich ist ja schon interessant. Den Fallschirmspringer davor hätte man jetzt auch mit weniger Aufwand mit Photoshop realisieren können. Aber damit hätte man vermutlich keine Gratiswerbung in Form einer Sensationsnachricht in jedem Fotografiemagazin bekommen.

Patrick

Man hätte sich das ganze Bild auch von der KI zaubern lassen können. Aber ist es so nicht viel beeindruckender und die Gratiswerbung absolut gerechtfertigt? Ich finde schon.

A.B.84

Na, jetzt auch hier deine “Kritik” nahezu wortgleich hinterlassen? Auf Petapixel war’s wohl nicht genug… wer Photoshop als Ersatz gleichwertig zu echter Handwerkskunst sieht, dem ist eh nicht zu helfen. Midjourney etc. ist dann dein bester Freund, alles vor dem Bildschirm, kein Fuß vor Tür.

Marcello

mach mal ansatzweise was vergleichbares.

explore-shoot-share

Richtig geiles Bild, gefällt mir sehr gut.

Vitalik

GENAU solch Foto Projekte,
sind ja das GEILE an der Fotografie.

Das einzig geile daran ist tatsächlich wie es umgesetzt wurde.
Mit Photoshop oder KI wäre es nur naja, coole Inspieration

aber so hat Andrew McCarthy das Beste wahrscheinlich seines Lebens fotografiert.

Benjamin

Einfach nur Respekt. Es gab eine Idee, eine Vision und sie wurde mit viel Leidenschaft umgesetzt. Dadurch allein hat das Bild eine Geschichte. Noch dazu ist es gelungen. Und genau darum geht es, egal in welchem Bereich. 👏🏻

A.B.84

Andrew McCarthy’s zweiter Geniestreich in kürzester Zeit! Vor vllt. zwei Monaten hat er das erste Chronosphärenfoto der Sonne geschossen, durch deren Chronosphäre eine gerade gestartete Rakete flog. Sah ebenso beeindruckend aus!

Stefan Zimmermann

Echte Fotos entstehen draußen. Man steht im Licht, wartet, friert vielleicht ein bisschen und spürt diesen Moment, in dem alles zusammenpasst. Dabei lernt man etwas über die Welt, über Licht, über sich selbst. Jede Aufnahme hat eine kleine Geschichte, weil man wirklich dort war.
Wer mit Prompts arbeitet, erlebt das nicht. Die Bilder entstehen am Schreibtisch, ohne Wetter, ohne Geduld, ohne dieses Gefühl, wenn eine Idee draußen Wirklichkeit wird. Das Ergebnis kann schön sein, aber es hat keinen Weg hinter sich.
Genau deshalb wirkt so ein Sonnenfoto so stark. Man sieht nicht nur das Bild, man spürt die Arbeit, die Präzision und den echten Moment dahinter.

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