Sony A1 & Canon R5: So gut ist der Dynamikumfang

Ist der Dynamikumfang der Sony A1 wirklich so gut, wie Sony behauptet? Und wie schlägt sich die Canon EOS R5 im direkten Vergleich?

Geschwindigkeit und Bildqualität vertragen sich nicht

Professionelle Sportkameras haben traditionell das Problem, dass sie mit einem vergleichsweise geringen Dynamikumfang daherkommen. Vereinfacht ausgedrückt liegt das daran, dass sich die schnellen Readout-Geschwindigkeiten des Sensors, die für hohe Serienbildgeschwindigkeiten notwendig sind, nicht mit einer perfekten Bildqualität oder einem größtmöglichen Dynamikumfang vertragen.

Die Hersteller mussten in der Vergangenheit bei Sportkameras also Kompromisse eingehen, wenn es um den Dynamikumfang ging. Doch wie ist das eigentlich bei der Sony A1? Hat es Sony im Jahr 2021 geschafft, eine Kamera mit einer rasanten Geschwindigkeit UND einer erstklassigen Bildqualität zu bauen?

Sony A1 mit herausragendem Dynamikumfang

Dieser Frage ist DPReview kürzlich in einem ausführlichen Artikel auf den Grund gegangen. Die kurze Antwort lautet: Ja, Sony ist es gelungen. Der Dynamikumfang der Sony A1 ist deutlich größer als der von vergleichbaren Sportkameras wie zum Beispiel der Sony A9, Sony A9 II, Canon EOS-1D X Mark III oder Nikon D5. Sowohl mit mechanischem Verschluss (13,9 Blendenstufen) als auch mit elektronischem Verschluss (13,7 Blendenstufen) liefert die A1 von den genannten Kameras den größten Dynamikumfang. Eine Sony A9 wird mühelos übertroffen (12,6 Blendenstufen) und Kameras wie die Nikon D5 liegen mit 11,4 Blendenstufen inzwischen wirklich deutlich hinter der Sony A1.

In Bezug auf Dynamikumfang und Bildqualität sollte die Sony A1 im Bereich der professionellen Sportkameras (sprich der Kameras, die eine extrem hohe Serienbildgeschwindigkeit bieten) aktuell also ganz klar die beste Wahl sein.

Doch auch im Vergleich mit Vollformatkameras, die den Fokus weniger stark auf hohe Geschwindigkeiten legen, kann die Sony A1 anscheinend problemlos mithalten. DPReview schreibt, dass die Sony A1 mit der A7r IV und der A7 III quasi auf Augenhöhe ist, die Unterschiede beim Dynamikumfang bewegen sich im Bereich von 0,2 Blendenstufen und sind somit zu vernachlässigen.

Vergleich mit der Canon EOS R5

Die Canon EOS R5 wurde von DPReview in dem genannten Artikel nicht erwähnt. Doch ich war neugierig, wie sich Canons aktuell beste DSLM, die in Sachen Geschwindigkeit von der Sony A1 ja gar nicht so weit entfernt ist, in Bezug auf den Dynamikumfang im Vergleich mit der A1 schlägt. Also habe ich mir die Daten von photonstophotos.net angeschaut (das sollte eine der ersten Anlaufstellen sein, wenn ihr den Dynamikumfang von Kameras vergleichen wollt).

Die Werte haben mich im ersten Moment ein bisschen überrascht. In den niedrigen ISO-Bereichen sieht die Canon EOS R5 (blau) nämlich doch besser aus, als ich es nach dem Lesen des Artikels von DPReview vermutet hätte:

Woran das (unter anderem) liegt, wird allerdings ebenfalls in dem Diagramm von photonstophotos deutlich. Dort werden die Canon R5 Ergebnisse in den niedrigen ISO-Bereichen nämlich als Dreiecke dargestellt, was darauf hinweist, dass bei der Canon EOS R5 auch im RAW-Format bereits eine interne Rauschunterdrückung eingesetzt wird. Diese wirkt sich laut Bill Claff (dem Betreiber von photonstophotos) positiv auf die Messergebnisse des Dynamikumfangs aus. Außerdem ist eine Rauschunterdrückung immer auch mit dem Verlust von Details verbunden. Ob dieser Verlust sichtbar ist oder nicht, ist aber eine andere Frage.

Sony A1 immer mit 14 Bit, Canon R5 nicht

Bei meinen weiteren Recherchen bin ich außerdem darauf aufmerksam geworden, dass die Canon EOS R5 nicht bei allen Serienbildgeschwindigkeiten eine Farbtiefe von 14 Bit bietet. Zudem hängt die Farbtiefe davon ab, ob man den mechanischen oder den elektronischen Verschluss benutzt. Konkret bietet die Canon EOS R5:

  • 14 Bit mit mechanischem Verschluss bis 8 fps
  • 13 Bit mit mechanischem Verschluss bis 12 fps
  • 12 Bit mit elektronischem Verschluss (bei allen Geschwindigkeiten, maximal 20 fps)

Die Sony A1 hingegen liefert konstante 14 Bit, egal ob mechanischer oder elektronischer Verschluss, auch bei der höchsten Serienbildgeschwindigkeit von 30 fps. Zwischen 21 und 30 fps können allerdings keine unkomprimierten RAWs mehr gespeichert werden, was das Ganze wieder relativiert. Im Bereich zwischen 9 und 20 fps liefert die A1 aber eine Farbtiefe von 14 Bit ohne irgendwelche Einschränkungen.

Das ist deshalb interessant, weil Farbtiefe und Dynamikumfang in gewisser Weise zusammenhängen. Eine geringe Farbtiefe kann nämlich dazu führen, dass der Dynamikumfang des Sensors nicht voll ausgenutzt werden kann, wie in diesem Artikel von DPReview beschrieben.

Gut, dass man sich bei photonstophotos auch den Dynamikumfang der Canon EOS R5 mit elektronischem Verschluss (und somit mit 12 Bit Farbtiefe) anzeigen lassen kann. Da sehen die Werte im Vergleich zur Sony A1 dann deutlich anders aus, siehe grüne Linie:

Zusammenfassung der Erkenntnisse

Wenn ich das alles korrekt verstanden und zusammengefasst habe (Profis mögen mich in den Kommentaren bitte korrigieren, wenn mir irgendwo ein Fehler unterlaufen ist) bedeutet das: Einem Fotografen, der mit mehr als 8 bzw. 12 fps fotografieren will, bietet die Sony A1 einen deutlich besseren Dynamikumfang als die Canon EOS R5, da sie auch mit elektronischem Verschluss eine Farbtiefe von 14 Bit liefert.

Die Canon EOS R5 hingegen wäre in Bezug auf den Dynamikumfang z.B. für Landschaftsfotografen die bessere Wahl, da diese keine hohen Serienbildgeschwindigkeiten benötigen. Hier sollte man allerdings die interne Rauschunterdrückung der R5 bei RAWs zumindest im Hinterkopf behalten. Wobei die Details (bezogen auf die Bildqualität) ja generell nochmal ein ganz anderes Thema sind.

Sind diese ganzen Ausführungen jetzt in irgendeiner Weise für die Praxis relevant oder sollten sie in die Kaufentscheidung einfließen? Nein, definitiv nicht. Sowohl die Sony A1 als auch die Canon EOS R5 bieten einen erstklassigen Dynamikumfang. Trotzdem fand ich das Thema spannend und wollte meine gewonnen Erkenntnisse gerne mit euch teilen.

Zum Sensor der A1 kann man abschließend nur sagen: Hut ab, Sony. Die Kombination aus Readout-Geschwindigkeit und Bildqualität scheint derzeit einmalig zu sein. Mal sehen, ob sich das mit der Nikon Z9 und der Canon EOS R1 ändern wird.

Weitere Quellen: Canon | Foto Schuhmacher

Mark Göpferich

Gründer von Photografix, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 5.000 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.