Sony erweitert seine Sensorreihe für mobile Geräte. Eine neue Technik soll Lichter und Schatten zugleich sauber abbilden.
Für einen großen Dynamikumfang verrechnen Smartphone-Kameras bislang meist mehrere Aufnahmen in der Software. Sony geht mit dem neuen Sensor Lytia L910 einen anderen Weg und will die vollen 100 dB aus einer einzigen Belichtung holen. Der rund 50 MP auflösende Stacked-CMOS-Sensor ist das erste Modell der Lytia-Reihe mit LOFIC-Struktur, die Serienproduktion beginnt im Sommer 2026.
LOFIC steht für Lateral Overflow Integration Capacitor. Vereinfacht gesagt speichert diese Struktur überschüssige Ladung, die ein Pixel bei hellem Licht nicht mehr aufnehmen kann, in einem zusätzlichen Kondensator. Dadurch läuft das Pixel nicht so schnell über, und helle Bildbereiche brennen weniger aus.
Ergänzt wird das durch Triple Conversion Gain-HDR (TCG-HDR). Dabei liest der Sensor die Ladung einer einzelnen Aufnahme mit drei verschiedenen Verstärkungsstufen aus, um Lichter und Schatten getrennt sauber zu erfassen. Sonys Ultra High Conversion Gain (UHCG) soll das Zufallsrauschen gegenüber dem Vorgänger Lytia 828 zudem um rund 30 Prozent senken und so vor allem dunkle Bildbereiche verbessern.
Der Nachteil des Zusammenrechnens zeigt sich vor allem bei Bewegung. Verschieben sich Motive zwischen den Einzelbildern oder pulsieren Lichtquellen, entstehen schnell Unschärfen, Geisterbilder und Flackern, die sich laut Sony nachträglich kaum sauber beheben lassen. Weil der Lytia L910 ohne diese Bildkombination auskommt, träten solche Artefakte gar nicht erst auf.
Einen Schwerpunkt legt Sony auf Video. Der Sensor nimmt 4K mit 60 fps in HDR auf und soll dabei dank optimierter Schaltkreise sparsam mit dem Akku umgehen. Eine HDR-Vorschau direkt auf dem Display ist ebenfalls vorgesehen.
Der Lytia L910 führt die Reihe der 1/1,28-Zoll-Sensoren mit rund 50 MP fort, zu der auch der LYT-818 und der direkte Vorgänger Lytia 828 zählen. Schon der Lytia 828 erreichte über 100 dB, nutzte dafür aber Sonys Hybrid Frame-HDR, das mehrere Bilder zusammenführt. Der L910 kommt für denselben Bereich mit einer einzigen Belichtung aus. Neu ist also weniger der Spitzenwert als der Weg dorthin.
Trotz der Nummer 910 gehört der Sensor größenmäßig nicht zu den großen 900er-Modellen. Der Lytia 900 ist ein echter 1-Zoll-Sensor (1/0,98 Zoll), der 200-MP-Lytia 901 misst 1/1,12 Zoll; beide sind deutlich größer als der L910. Mit seinen 1/1,28 Zoll bleibt der Neue in der kompakteren Klasse der 800er-Sensoren und zielt dort nicht auf maximale Auflösung, sondern auf Dynamik und Rauschverhalten.
LOFIC selbst ist in der Smartphone-Fotografie nicht neu, für die Lytia-Reihe aber ein Novum. OmniVision etwa setzt die Technik schon ein: Im Xiaomi 17 Ultra und dem darauf basierenden Leica Leitzphone sitzt mit dem Light Fusion 1050L ein 1-Zoll-Sensor von OmniVision mit LOFIC.
Welche Geräte zuerst auf den Sensor setzen, hat Sony offengelassen. Leakern zufolge gelten die kommende Vivo-X500-Reihe und Oppos Find-X10-Generation als wahrscheinliche erste Abnehmer, der L910 würde dort jeweils den Lytia 828 ablösen. Erste Smartphones damit werden gegen Jahresende erwartet.