Sigma

Sigma-Chef Yamaki: Nischenobjektive gehören zu unserem Auftrag

Ein neues Patent reiht sich in eine ganze Welle ungewöhnlicher Sigma-Objektive ein. Yamakis Aussagen erklären, warum.

Sigma-Chef Kazuto Yamaki hat gegenüber Digital Camera World erklärt, warum sein Unternehmen bewusst Objektive für kleine Zielgruppen baut. Seine Aussagen sind mehr als nette Worte, denn sie erklären die jüngste Welle besonders lichtstarker Sigma-Objektive und passen gut zu einem frisch aufgetauchten Patent.

Auch wenn es keine große Nachfrage gibt

Yamaki fragt sich nach eigener Aussage immer wieder, warum Sigma überhaupt in dieser Branche existiert. Seine Antwort: “Wenn wir nur ähnliche Produkte wie die großen Firmen machen und sie einfach günstiger verkaufen, lohnt es sich meiner Meinung nach nicht, in dieser Branche zu existieren.” Stattdessen wolle Sigma zur Fotokultur beitragen. “Wir glauben, es ist eine unserer Aufgaben, Nischenobjektive zu liefern”, sagt er.

Dass solche Objektive sich kaum in großer Stückzahl verkaufen, ist ihm bewusst. “Auch wenn es dafür keine große Nachfrage gibt, gibt es Nachfrage von einer bestimmten Art von Fotografen”, erklärt Yamaki. Sein liebstes Beispiel ist das 200mm f/2 DG OS Sports, das lange auf seiner persönlichen Wunschliste stand. “Viele Fotografen haben mich gebeten, ein 200mm f/2 zu bauen”, sagt er, obwohl von Anfang an klar gewesen sei, dass sich davon nur wenige Exemplare verkaufen lassen.

Bemerkenswert ist auch, wie Yamaki zu solchen Entscheidungen kommt. “Ich habe kein eigenes Büro, sondern nur einen Schreibtisch in der Konstruktionsabteilung”, sagt er, um nah an den Ingenieuren zu sein und ihre Meinungen zu hören.

Vom günstigen Drittanbieter zur Manufaktur

Parallel dazu hat Sigma seinen Markenauftritt umgebaut, vom Logo bis zur Betonung der Fertigung im japanischen Aizu. Yamaki ordnet das gegenüber Digital Camera World nüchtern ein. “Ich glaube nicht, dass ich Sigma größer machen kann als Sony oder Canon, aber ich kann die Marke zu einer schöneren machen”, sagt er.

Ein Vergleich mit Leica gefällt ihm dabei. “In dieser Branche sind nur Leica und Sigma familiengeführte Privatunternehmen”, betont Yamaki. Genau dieses Selbstverständnis als eigenständige Manufaktur erklärt, warum Sigma Risiken bei Brennweiten und Lichtstärken eingeht, die andere meiden.

Aktuelle Objektivwelle bestätigt die Linie

In Produkten lässt sich das längst nachvollziehen. Im September 2025 hat Sigma gleich drei Objektive auf einen Schlag vorgestellt, darunter das 135mm f/1.4 DG Art als nach eigenen Angaben weltweit erstes Autofokus-135mm mit dieser Lichtstärke. Im Februar 2026 folgte die Entwicklungsankündigung des 85mm f/1.2 DG Art, das ab September 2026 erscheinen soll.

Damit ist offenbar nicht Schluss. Gerüchten zufolge plant Sigma ein 65mm-Objektiv mit einer Lichtstärke jenseits von f/1.2 sowie eine Neuauflage des APS-C-Klassikers 50-100mm f/1.8. Sony Alpha Rumors berichtet zudem von einem weiteren Vollformatobjektiv für L-Mount und Sony E, das die Quelle bislang nur als “funny”, also ungewöhnlich, beschreibt.

Dazu passt ein Patent mit der Nummer P2026079898, das die japanische Seite Asobinet entdeckt hat. Es beschreibt die optischen Konstruktionen für ein 85mm f/1.2, ein 105mm f/1.4 und ein 133mm f/1.4, ausdrücklich für spiegellose Kameras mit moderner Autofokus-Technik.

Kurz vor den Porträt-Patenten ist schon ein weiteres Sigma-Patent aufgetaucht, das die Linie über lichtstarke Festbrennweiten hinaus erweitert. Laut Asobinet beschreibt das Papier mit Nummer P2026082399 optische Konstruktionen für ein 125-700mm f/6.3-9, ein 150-600mm f/5-6.3 und ein 100-400mm f/5-6.3, also Telezooms für Wildlife- und Sportfotografie. Als Ziele nennt das Patent eine kompakte, leichte Bauweise, schnelleren Autofokus und weniger Farbfehler über den gesamten Zoombereich.

Dass Yamaki Projekte auch ohne sichere Aussicht auf große Stückzahlen verfolgt, zeigt sich nicht nur bei Objektiven. Das deutlichste Beispiel ist der seit Jahren erwartete Foveon-Sensor im Vollformat. Auf der CP+ 2026 berichtete Yamaki von Fortschritten bei der Entwicklung und stellte in Aussicht, möglicherweise noch in diesem Jahr in die nächste Phase zu wechseln, in der erstmals ein vollformatiger Foveon-Sensor gefertigt würde.

Beitragsbild: Colin Lloyd

Jonathan Kemper

Hat Technikjournalismus studiert, bloggt seit einer gefühlten Ewigkeit vor allem über die neusten Entwicklungen der Mobil-Branche und fotografiert lieber mit kompakten Kameras.