Die Leica SL3-S ist die neuste auf Video ausgelegte Systemkamera des Herstellers. Wir verraten euch, was sich alles geändert hat.
Leica erweitert sein SL-System wie erwartet um die Leica SL3-S, eine spiegellose Vollformatkamera für professionelle Foto- und Videoanwendungen. Wie auch die SL2-S setzt die SL3-S auf einen BSI-CMOS-Sensor mit 24 MP, man kann aber nicht sagen, dass sich die Kamera nicht generell weiterentwickelt hätte. Neben PDAF sind jetzt (überfälliges) Open-Gate-Filmen mit bis zu 6K-Auflösung, Content Credentials, ein neuerer Prozessor, größere Akkus, CFexpress und ein neigbarer Bildschirm an Bord.
Die SL3-S verfügt über ein neu entwickeltes Hybrid-Autofokussystem, das Phasendetektion (PDAF), Objekterkennung auf Basis einer Tiefenkarte und klassische Kontrastmessung (CDAF) kombiniert. Damit sind Serienbildgeschwindigkeiten von bis zu 30 Bildern pro Sekunde bei kontinuierlicher Schärfenachführung möglich. Ergänzend bietet die Kamera einen Multishot-Modus, der durch Sensor-Verschiebung Auflösungen von 48 oder 96 MP auch ohne Stativ erlaubt.
Als erste Kamera der SL-Serie unterstützt die SL3-S die Content Authenticity Initiative (CAI) und ermöglicht die Signierung von Fotos mit manipulationsgeschützten Metadaten. Diese Content Credentials umfassen unter anderem das Kameramodell, Urheber-Informationen sowie Aufnahme- und Bearbeitungsdatum, allerdings nicht bei Serienbildaufnahmen in hoher Geschwindigkeit – da kommt der Chip mit dem Signieren offenbar nicht hinterher. Die Leica M11-P war die erste Kamera mit Support dafür, die danach erschienene SL3 verzichtete jedoch unverständlicherweise darauf.
Vor allem Videografen soll die SL3-S mit umfangreichen Funktionen überzeugen. Die Kamera nimmt Videos in bis zu 6K-Auflösung auf und nutzt dabei den vollen Sensor-Bereich im 3:2-Format (Open Gate). Ohne Qualitätsverluste lassen sich so auch nachträglich andere Bildausschnitte und Formate wie 4K im Hochformat auswählen.
Per HDMI-Ausgang stehen euch 5,9K RAW mit bis zu 30 fps für externe Rekorder bereit. Intern zeichnet die SL3-S Videos im ProRes-Format (4:2:2 HQ) mit bis zu 5,8K/30 fps oder C4K/60 fps ohne Zeitlimit auf CFexpress-Karten auf. Als Alternative kann auch direkt auf eine externe SSD aufgenommen werden. Eine Timecode-Schnittstelle ermöglicht die Synchronisation mit externen Audio-Aufnahmegeräten.
Bei der Videoqualität setzt Leica auf den L-Log Farbraum und verspricht mit dem überarbeiteten Maestro-IV-Bildprozessor mit L2-Technologie ausgezeichnete Farbwiedergabe und Dynamikumfang sowie geringes Rauschen auch bei hohen ISO-Werten. An dem ohnehin schon scharfen Sucher mit 5,76 MP und 120 fps hat sich offenbar nichts geändert, der 3,2-Zoll-Touchscreen hat jetzt aber 2,3 Millionen Pixel und ist neigbar. Der Sensor bietet laut Hersteller außerdem eine optimierte Rauschperformance bei hohen ISO-Werten bietet. Der native Empfindlichkeitsbereich reicht von ISO 50 bis ISO 200.000.
Trotz der kompakten Abmessungen bietet die SL3-S umfassende Anschlussmöglichkeiten mit jetzt zwei statt nur einem Speicherkarten-Slots (CFexpress B und SD UHS-II), neuerem USB-C-Anschluss für Datentransfer, Tethering und Stromversorgung sowie einen HDMI-2.1-Ausgang für externe Monitore. WLAN mit 2×2 MIMO und Bluetooth ermöglichen die Anbindung an mobile Endgeräte und die Leica FOTOS App. Ab Mitte 2025 soll zudem eine Live-Streaming-Funktion direkt in die Adobe-Frame.io-Cloud zur Verfügung stehen.
Das robuste Gehäuse aus Aluminium und Magnesium entspricht in Form und Ergonomie dem aktuellen SL3-Design, verzichtet aber auf den weißen Leica-Schriftzug. Auch die Bedienung orientiert sich an der im März 2024 vorgestellten SL3 mit überarbeitetem Drei-Knopf-Interface, programmierbaren Funktionstasten und Touch-Interaktion. Separat optimierte Benutzeroberflächen für Foto- und Video-Betrieb versprechen eine intuitive Steuerung auch in professionellen Produktionsumgebungen.
Über das L-Mount-Bajonett könnt ihr neben SL-Objektiven auch die Leica-M- und Leica-R-Systeme sowie Fremdobjektive von L-Mount-Allianz-Partnern (mit Einschränkungen) adaptieren. Die Kompatibilität zu Cine-Optiken soll sich durch die Unterstützung von Encodern für Blende und Schärfe weiter verbessert haben. Eine 5-Achsen-Bildstabilisierung mit bis zu 5,5 Blendenstufen Ausgleich ist im Gehäuse integriert.
Die Leica SL3-S ist ab sofort zu einer unverbindlichen Preisempfehlung von 5.190 Euro bestellbar, die SL2-S startete 2020 für 4.500 Euro. Vermutlich teilt sich die SL3-S einige technische Komponenten mit der noch ausstehenden Panasonic S1H II.