Leica

Leica steht womöglich vor einem Eigentümerwechsel

Leica steht wie kaum eine andere Marke für fotografische Tradition, Handwerkskunst und Charakter. Nun könnte ein möglicher Milliarden-Deal die Zukunft des Unternehmens neu ausrichten.

Was hinter den aktuellen Berichten steckt

Laut einem aktuellen Bericht von Bloomberg prüft der Finanzinvestor Blackstone, der seit 2011 rund 45 Prozent an der Leica Camera AG hält, gemeinsam mit Mehrheitseigner Andreas Kaufmann den Verkauf einer kontrollierenden Beteiligung. Im Raum steht dabei eine Unternehmensbewertung von rund einer Milliarde Euro.

Für viele von euch ist Leica weit mehr als ein Kamerahersteller. Es geht um Haptik, Entschleunigung, manuelles Arbeiten und eine Bildsprache, die sich bewusst vom Mainstream absetzt. Vor kurzem haben wir auch darüber berichtet, dass Leica wieder eigene Sensoren produzieren will.

Entsprechend sensibel wird jede Veränderung auf Eigentümerebene wahrgenommen. Blackstone war einst eingestiegen, um Leica international zu stärken, insbesondere im asiatischen Markt. Seitdem hat sich die Marke wirtschaftlich deutlich stabilisiert und gleichzeitig konsequent im Premiumsegment positioniert.

Was ein neuer Investor für euch bedeuten könnte

Als mögliche Käufer werden der global agierende chinesische Investmentfonds HSG (HongShan Capital Group, ehemals Sequoia Capital China) sowie der nordeuropäische Private-Equity-Investor Altor Equity Partners genannt. HSG verwaltet rund 55 Milliarden US-Dollar und ist bekannt für frühe Beteiligungen an Tech-Größen wie dem E-Commerce-Riesen Alibaba und dem TikTok-Mutterkonzern ByteDance, während Altor mit über 11 Milliarden Euro Kapital vor allem in mittelständische Unternehmen in Nordeuropa und der DACH-Region investiert.

Die Gespräche befinden sich wohl noch in einem frühen Stadium, doch viele Leica-Fotografen fragen sich bereits: Wird Leica seinen charakteristischen Weg fortsetzen oder könnte sich das Unternehmen in Zukunft stärker auf Wachstum, Lifestyle und Rendite ausrichten?

Ein Eigentümerwechsel muss nicht zwangsläufig einen Bruch bedeuten. Andreas Kaufmann könnte auch künftig beteiligt bleiben, was für Kontinuität bei Produkten, Fertigung und Markenidentität sprechen würde. Gleichzeitig zeigt das Interesse großer Investoren, welchen Stellenwert Leica mittlerweile erreicht hat, sowohl als Kamerahersteller, aber auch als globale Luxusmarke.

Leica erzielte mit 596 Millionen Euro Umsatz im Geschäftsjahr 2024/2025 das vierte Rekordjahr in Folge. Wachstumstreiber waren vor allem die Kameras Q3, SL3 und SL3-S, dazu trugen die Xiaomi-Partnerschaft sowie neue Geschäftsfelder wie Projektoren und Uhren zum Erfolg bei. 2025 feierte das Unternehmen zudem 100 Jahre Kleinbildfotografie.

Was wäre euch wichtiger, wirtschaftliches Wachstum durch neue Investoren oder die konsequente Bewahrung der Leica-DNA, auch wenn das ein langsameres Tempo bedeutet?

Jürgen Wolf

Jürgen Wolf ist seit über zwei Jahrzehnten als Autor von Büchern und Artikeln zum Thema Fotografie tätig. Im Einsatz verwendet er bevorzugt Kameras von Fujifilm und Sony und bietet Fotoreisen in Mexiko an, wo er mittlerweile auch einen Großteil seines Lebens verbringt.