Capture One öffnet sich für Hasselblad. Nach Jahren der Nachfrage lassen sich die RAW-Dateien der Mittelformatkameras jetzt direkt entwickeln.
Hasselblad und Capture One haben eine Partnerschaft angekündigt. Ab sofort lassen sich Hasselblads Mittelformat-RAWs im Format .3FR nativ in Capture One importieren, verwalten und entwickeln, ohne den bisher nötigen Umweg über eine Konvertierung. Unterstützt werden zum Start drei 100-Megapixel-Modelle: die X2D II 100C, die X2D 100C und das Digitalrückteil CFV 100C.
Wer bisher Hasselblad-Dateien in Capture One bearbeiten wollte, musste sie über Hasselblads eigene Software Phocus als TIFF oder DNG exportieren oder die EXIF-Daten so umschreiben, dass Capture One die Datei für ein anderes Modell hielt. Beide Wege kosteten Farbtreue und Bearbeitungsspielraum, weil aus dem RAW faktisch ein festgelegtes Bild wurde. Das entfällt jetzt. Die .3FR-Dateien öffnen direkt, samt Ebenen, Masken, Farbwerkzeugen und den gewohnten Reglern.
Noch nicht dabei ist das Tethering, also die kabelgebundene Aufnahme mit direkter Übertragung an den Rechner. Es soll später im Jahr 2026 folgen. Damit fehlt ausgerechnet die Funktion, für die Studiofotografen Capture One besonders schätzen.
Der Grund war nicht technischer, sondern historischer Natur. Capture One wurde ursprünglich von Phase One entwickelt, und Phase One baut mit seinen XF-, XT- und XC-Systemen samt IQ4-Rückteilen selbst hochpreisige Mittelformatkameras, die direkt mit Hasselblad konkurrieren. Dass die hauseigene Software des einen die Kameras des direkten Rivalen erstklassig entwickelt, ergab aus dieser Konstellation lange wenig Sinn. Entsprechend galt das Verhältnis beider Firmen als zerrüttet.
Noch 2024 erklärte Capture-One-Chef Rafael Orta, eine Hasselblad-Unterstützung sei nicht geplant. Jede Kamera durchlaufe eine aufwendige Farb- und Objektivkalibrierung, die enge Zusammenarbeit mit dem Hersteller voraussetze, und eine zerstörte Beziehung lasse sich nicht schnell wieder aufbauen.
Diese Blockade ist inzwischen gefallen. Hasselblad gehört seit Jahren mehrheitlich zu DJI. Capture One wiederum wurde bereits 2019 von Phase One abgespalten und wird seither als eigenständiges Unternehmen geführt. Beide gingen zwar an den Investor Axcel, arbeiten aber getrennt voneinander. Im firmeneigenen Ideen-Portal hatten Nutzer die Unterstützung jahrelang eingefordert, oft mit dem Hinweis, dass sie sonst zu Fuji oder Adobe abwanderten.
Die Integration ist nach Angaben beider Unternehmen kein generischer Import. Für jedes der drei Modelle wurde ein eigenes Farbprofil erstellt, dazu kommen dedizierte Objektivprofile für Hasselblads XCD-Optiken, die Verzeichnung, chromatische Aberration und Randabdunklung korrigieren. Nach eigenen Angaben deckt Capture One damit über 550 Kameras und 700 Objektivprofile ab.
Capture One war der letzte große RAW-Entwickler ohne Hasselblad-Unterstützung. Adobe liest .3FR in Lightroom und Camera Raw seit Jahren, DxO unterstützt das Format in PhotoLab und PureRAW inklusive eigener Objektivmodule, und auch Affinity kommt damit zurecht. Hasselblads hauseigenes Phocus ist ohnehin kostenlos. Capture One schloss also als Letztes zu einem Stand auf, den die Konkurrenz längst bot.
Die Hasselblad-Öffnung reiht sich in eine Serie von Neuerungen ein, mit denen Capture One gezielt professionelle Studios anspricht. Kurz zuvor, mit Version 16.8.2, startete das Unternehmen Multi-User Sessions als Beta. Damit arbeiten mehrere Personen gleichzeitig in derselben Session an denselben RAW-Dateien, in Echtzeit über das lokale Netzwerk und ohne Dateien hin und her zu schieben.
Geschäftlich steht Capture One derzeit unter Beobachtung. In Kürze hebt das Unternehmen alle Produktpreise um 6 Prozent an, betroffen sind Pro, All-in-One und Studio quer durch Abos und Dauerlizenzen. Es ist bereits die zweite Erhöhung dieser Größenordnung seit Anfang 2025. Im Hintergrund bereitet Eigentümer Axcel laut Berichten zudem einen Verkauf vor, zuerst von Phase One, danach von Capture One.
Die Hasselblad-Unterstützung ist ab sofort in Capture One 16.8.3 und Mobile 3.3.4 verfügbar. Zwei Fragen bleiben offen: wann das Tethering nachgereicht wird und ob Capture One ältere Modelle wie die X1D-Reihe nachzieht. Beides hat der Hersteller bislang nicht terminiert. Falls ihr noch keine Capture-One-Kunden seid, könnt ihr uns über diesen Link mit einem Kauf unterstützen.