Ricoh/Pentax

Ricoh deutet Monochrom-Version der GR-Serie an

Die Ricoh GR könnte einen schwarzweißen Ableger bekommen. In einem Interview spricht ein Manager über die Zukunft der Marke zwischen Film, DSLR und Streetfotografie.

Hohe Nachfrage nach GR-Serie

Ricoh profitiert aktuell nachweislich von dem wiederaufkommenden Trend der Kompaktkameras. Die von mir sehr geschätzte Ricoh GR III mit ihren diversen Abwandlungen verkauft sich trotz ihrer größtenteils unveränderten Technik von 2019 noch immer wie geschnitten Brot. Zuletzt hat Ricoh das Portfolio um eine GR III und GR IIIx mit High-Diffusion-Filter ergänzt. Einsteiger in die Analogfotografie will der Hersteller mit der vergleichsweise teuren Halbformatkamera Pentax 17 ansprechen.

DPReview hat Kazunobu Saiki, General Manager der Ricoh Camera Business Division im Rahmen der CP+-Messe zu einem Interview getroffen. “Die GR-Nutzer nehmen weltweit zu”, erklärt Saiki. Die Nachfrage sei so hoch, dass das Unternehmen Schwierigkeiten habe, genügend Kameras zu produzieren. Besonders kreative Fotografen und jüngere Nutzer würden von den einzigartigen Eigenschaften der Kamera angezogen.

DSLR-Markt im Wandel

Im DSLR-Segment steht Ricoh vor anderen Herausforderungen. “Der Verkauf neuer DSLRs geht im Vergleich zum boomenden Mirrorless-Markt rapide zurück”, erklärt Saiki. Dennoch sieht er weiterhin eine Zukunft für Spiegelreflexkameras: “Es gibt noch immer eine Gruppe von DSLR-Liebhabern, die echtes Licht durch ihre Objektive sehen wollen.” Der Gebrauchtmarkt für DSLRs boome, und besonders die hochwertigen Limited- und Star-Objektive von Pentax fänden weiterhin als Neuware ihre Käufer.

Zuletzt gab es zu einer neuen Pentax-DSLR widersprüchliche Gerüchte: In der Vergangenheit haben wir sowohl über eine K-1 Mark III als auch einen Nachfolger der K-3 Mark III spekuliert.

Erfahrungen mit der Rückkehr zum Film

Mit der Pentax 17 wagte Ricoh als erster Hersteller seit 15 Jahren den Schritt zurück zur Filmfotografie. “Für den Markenwert war es eine gute Entscheidung”, sagt Saiki. “Wir wollten Smartphone-Nutzern zeigen, was die Grundlagen der Fotografie sind.”

Wirtschaftlich sei das Projekt zwar kleiner als das GR-Geschäft, weitere Filmkameras schließt er aber nicht aus. Zunächst wolle man die Erfahrungen mit der Pentax 17 auswerten und das Feedback der Nutzer analysieren.

Monochrom-Version in Planung?

Besonders interessant sind Saikis Aussagen zu einer möglichen Monochrom-Version der GR. Nach dem überraschenden Erfolg der K-3 Mark III Monochrome sieht er auch hier Potenzial: “Unsere Recherchen zeigen, dass viele GR-Nutzer auf die Veröffentlichung einer monochromen Kompaktkamera warten.”

Bisher dominiert Leica diesen Markt mit seinen deutlich teureren M-Modellen. Bei GR-Fantreffen weltweit beobachte man häufig Nutzer, die Leica-Monochrom-Kameras oder die K-3 Mark III Monochrome parallel zur GR verwenden.

Für mich persönlich wäre eine monochrome GR III vermutlich nichts, finde aber, es würde völlig ins Angebot des Herstellers passen. Nach nahender Veröffentlichung einer GR IV klingt das aber nicht.

Herausforderungen bei der Weiterentwicklung

Die Weiterentwicklung der GR-Serie stellt die Entwickler vor komplexe Herausforderungen. “Kompaktheit, hohe Bildqualität und Reaktionsschnelligkeit sind der Kern der GR-Marke”, erklärt Saiki. Viele Nutzer wünschen sich zudem die Rückkehr des eingebauten Blitzes, der zwischen GR II und GR III weggefallen war. Diese Anforderungen unter einen Hut zu bringen, sei nicht einfach, da Verbesserungen in einem Bereich oft Kompromisse in anderen erfordern – etwa bei Batterielaufzeit oder Gehäusegröße.

Fokus auf Fotografie statt Video

Bemerkenswert ist Ricohs klare Positionierung im Markt: Während Hersteller wie Sony, Canon und Nikon stark auf Videofunktionen setzen, konzentriert sich Ricoh bewusst auf die Fotografie. “Wir schätzen nicht nur die Ergebnisse der Fotografie, wir wollen einen angenehmen Prozess des Fotografierens ermöglichen”, betont Saiki. Dies zeige sich besonders in der Streetfotografie-Kultur der GR-Serie, wo es darum gehe, den richtigen Moment einzufangen, statt alles kontinuierlich aufzuzeichnen.

Jonathan Kemper

Hat Technikjournalismus studiert, bloggt seit einer gefühlten Ewigkeit vor allem über die neusten Entwicklungen der Mobil-Branche und fotografiert lieber mit kompakten Kameras.