Fujifilm

“Fujifilm geht es sehr, sehr gut”

Fujifilms Strategie ohne Vollformat geht offenbar voll auf. Der Hersteller hat einen Überblick über die aktuelle Marktsituation gegeben.

Marktanteil von 40 % außerhalb Vollformat

Fujifilm sieht sich trotz Lieferengpässen auf Erfolgskurs. Im Interview mit dem französischen Magazin Phototrend zeigte sich Franck Bernard, Leiter der Fotosparte von Fujifilm Frankreich, zuversichtlich. Vor allem bei spiegellosen APS-C- und Mittelformatkameras sei man stark aufgestellt und halte einen Marktanteil von rund 40 Prozent jenseits des Vollformat-Segments. “Fujifilm geht es sehr, sehr gut, sowohl bei Mittelformat als auch in der X-Serie generell”, so Bernard.

Um auch jüngere, smartphone-affine Zielgruppen anzusprechen, hat Fujifilm mit der X-M5 ein neues Modell für knapp unter 1.000 Euro eingeführt. Ursprünglich eher für YouTuber gedacht, sieht Bernard (trotz Mangel eines Suchers) auch Potenzial bei Fotografen: “Je mehr man sich dieses Produkt anschaut, desto mehr merkt man, dass es auch Fotografen gefallen kann”, einerseits wegen der Größe, andererseits wegen der tiefen Integration der Filmsimulationen.

Allerdings konstatiert er auch einen Wandel im Verhältnis junger Menschen zur Fotografie: “Die neuen Generationen sind sehr komplex. Die Jugendlichen betreiben nicht mehr die Fotografie und kaufen nicht die gleichen Geräte wie ihre Eltern oder Großeltern.” Dennoch sieht Bernard durchaus unterschiedliche fotografische Interessen bei jungen Leuten, von der Faszination für Vintage-Kameras bis hin zu Fragen rund um Künstliche Intelligenz.

Offene Einstellung gegenüber KI

Dem Trend zu KI-Funktionen in Kameras steht Fujifilm offen, aber differenziert gegenüber. Zwar gelte es Bildrechte zu schützen, doch sieht Bernard auch viele Chancen: “Einerseits besteht eine Gefahr hinsichtlich des Eigentums [an seinen Bildern]. […] Andererseits wird KI Vorteile für das Fotogeschäft im Allgemeinen bringen, insbesondere beim Druck.” Fujifilm beobachte die Entwicklung genau.

Überrascht wurde das Unternehmen vom großen Erfolg der Kompaktkamera X100VI – was eigentlich kaum vorstellbar ist angesichts der ebenfalls stark nachgefragten X100V. Die weltweite Nachfrage übersteige die Erwartungen bei weitem, wofür sich Bernard entschuldigen möchte.

“Die X100VI ist ein ikonisches Produkt, ein einzigartiges Produkt. Die Leute warten darauf, und ich entschuldige mich für die Nichtverfügbarkeit des Produkts”, sagt Bernard. Er sieht die X100VI aber nicht als Konkurrenz zu Fujifilms Systemkameras, sondern als “Sprungbrett zu den Fujifilm-Technologien”.

Angeblich überschaubare Nachfragen nach Analog

Das Comeback der Analogfotografie schätzt Bernard realistisch ein. Bei aller Faszination gerade junger Leute halte sich die Nachfrage in überschaubaren Grenzen, wie man als Filmhersteller aus den Marktdaten wisse. Das könnte meiner Meinung nach unter anderem mit den steigenden Preisen für Analogfilme zusammenhängen – die Nachfrage ist wahrscheinlich schon da, das Budget oder die Bereitschaft, so viel Geld auszugeben, aber nicht. Eine Analogkamera in Konkurrenz zu Modellen wie der Pentax 17 sei angeblich nicht in Planung.

Stattdessen biete Fujifilm für jeden Geschmack und Geldbeutel das passende Digitalkameramodell – vom Einstieg mit dem X-M5 über die X-H2s bis zur Profi-Mittelformatkamera GFX100S II, die laut Bernard während der Olympischen Spiele von vielen Fotojournalisten angefragt wurde. Über die laut Gerüchten anstehende 1-Zoll-Kamera, die sich genau in die Nische zwischen Analog- und Digitalfotografie einfügen dürfte, wurde im Interview leider kein Wort verloren.

via: Digital Camera WorldPetaPixel

Jonathan Kemper

Hat Technikjournalismus studiert, bloggt seit einer gefühlten Ewigkeit vor allem über die neusten Entwicklungen der Mobil-Branche und fotografiert lieber mit kompakten Kameras.