Leica

Leica bestätigt: Mittelformatkamera weiterhin in Arbeit, aber wer wartet noch auf sie?

In einem Interview hat sich der Aufsichtsratvorsitzende von Leica zur nächsten Mittelformatkamera sowie generell der Zukunft der Fotografie geäußert.

“Nicht einfach zu machen”

Leica entwickelt weiterhin eine neue Mittelformatkamera. Das bestätigte Dr. Andreas Kaufmann, Vorsitzender des Aufsichtsrats, im Gespräch mit The Phoblographer. Allerdings räumte er ein, dass das Projekt eine Herausforderung darstelle: “Es ist nicht einfach zu machen”, wird Kaufmann zitiert. Schon vor rund einem Jahr hatte eine Leica-Vertreterin die andauernde Entwicklung durchblicken lassen und stellte eine Veröffentlichung innerhalb der nächsten zwei Jahre, sprich bis Frühjahr 2026, in Aussicht.

Leicas bisherige Versuche im Mittelformat verliefen holprig, das S-System konnte sich nie richtig durchsetzen. Die 2018 vorgestellte Leica S3 kam erst Anfang 2020 auf den Markt und wurde bereits 2023 stillschweigend eingestellt. Mit einem Preis von knapp 19.000 Euro war die 64-MP-DSLR eine der teuersten Mittelformatkameras überhaupt (ok, Phase One mal außen vor gelassen).

Zu diesem Zeitpunkt hatte Fujifilm mit seinem spiegellosen GFX-System bereits den Markt erobert. Erst mit der GFX50-Reihe mit 50 MP, dann mit der GFX100-Reihe, die mit 100 MP mehr Auflösung zu einem Bruchteil des Preises bietet. Heute dominiert Fujifilm das Consumer-Mittelformat-Segment mit einem ausgereiften Kamerasystem, umfangreichem Objektivangebot und regelmäßigen Updates.

Vorreiter bei Transparenznachweisen

Im Interview äußerte sich Kaufmann auch zur Zukunft der Fotografie. Er und Karin Kaufmann, Leiterin der weltweiten Leica-Galerien, glauben, dass ein Bild nur dann ein echtes Foto sei, wenn es mit einer Kamera aufgenommen werde. Leica war zwar nicht der erste Kamerahersteller, der sich der Content Authenticity Initiative anschloss (das war nämlich Nikon), ihre Kameras (wie die Leica M11-P) sind bis heute aber die einzigen mit eingebautem CAI-Chip.

Kaufmann sprach auch über eine wenig bekannte Kamera mit KI-Funktionen: Die 2019 erschienene Leica M10 ASC Edition habe einen Algorithmus enthalten, der Bilder wie klassisches oder zeitgenössisches Kino aussehen lasse. Dies gehe über einfache Presets hinaus – die Software interpretiere das Licht direkt im Datenstrom des Sensors.

Kein Kommentar zur EVF-Leica-M

Für die nächsten fünf Jahre erwarte er mehr KI in Kameras, aber auch mehr eingebaute Authentizitätsfunktionen. Die Leica M-Serie werde definitiv fortbestehen, könnte sich aber stark verändern. Zu einer M-Kamera mit eingebautem elektronischen Sucher (EVF), über die wir hier schon häufiger berichtet haben, wollte er sich nicht äußern.

Ob Leica mit der neuen Mittelformatkamera Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Die kurze Lebensdauer der S3 und fehlende Langzeitunterstützung schreckten professionelle Anwender ab. Auch wenn sich Leica mit seinem kompletten Portfolio ohnehin an eine ganz bestimmte Zielgruppe mit überdurchschnittlichem Budget richtet: Ohne wettbewerbsfähige Preise und klare Vorteile gegenüber etablierten Systemen wird es wahrscheinlich schwer, Fotografen zum Wechsel zu bewegen. Oder seht ihr das anders?

via: Digitalcameraworld

Jonathan Kemper

Hat Technikjournalismus studiert, bloggt seit einer gefühlten Ewigkeit vor allem über die neusten Entwicklungen der Mobil-Branche und fotografiert lieber mit kompakten Kameras.