Tests Bildbearbeitung Sonstiges Top

Festplatten-Recycling in der Speicherkrise: Experiment mit zwei Dockingstationen von ICY BOX

Der KI-Boom sorgt noch immer für hohe Speicherpreise. Also: Was tun, wenn die eigenen externen Festplatten volllaufen? Mit einer Docking- und einer Klonstation von ICY BOX wollte ich herausfinden, wie gut sich alte HDDs und SSDs recyceln lassen. Das Ergebnis gibt’s in einem kleinen Alltags-Test. [Anzeige]

Wer aktuell mehr Speicherplatz braucht, muss mitunter tief in die Tasche greifen. Der anhaltende (und meiner Meinung nach ziemlich unbegründete) Ausbau von Rechenzentren führt dazu, dass der Markt an Festplatten, SSDs, SD-Karten und Arbeitsspeicher von finanzstarken Großunternehmen leergekauft wird. Für Privatkunden sind neue Speichermedien dadurch kaum noch zu bezahlen. Daher wollte ich gerne herausfinden, wie gut sich alte Massenspeicher “recyceln” lassen.

Die deutsche IT-Hardware-Marke ICY BOX unterstützt uns bei unserem Community-Wettbewerb “Foto des Monats”. Im Katalog von ICY BOX  konnte ich einige Produkte finden, mit denen ich meine Idee des Speichermedien-Recyclings umsetzen konnte. Zwei dieser Produkte stelle ich Euch gleich vor. Getestet habe ich sie mit meinen Urlaubsfotos aus der Photografix-News-Sommerpause. Da ich diese mit einer Fujifilm X-T50 und 40 Megapixeln aufgenommen habe, eignen sie sich ganz gut, um zu schauen, ob sich Bilder direkt von den alten Festplatten bearbeiten lassen. Dazu habe ich testweise auch Videos bearbeitet und hochwertige Scans von Analogfotos nachjustiert.

Um welche Produkte geht es überhaupt?

ICY BOX hat mir zwei verschiedene Dockingstationen zugeschickt, die unterschiedliche Zwecke erfüllen.

Wir haben einmal die Dockingstation “IB-1610MCD-C31” für M.2-NVMe-SSDs, die sich vor allem in Notebooks und Mini-PCs finden. In einem alten Dell XPS 15 aus dem Jahr 2014, das ich mal von einem alten Arbeitgeber behalten konnte, findet sich der schlanke Speicherstandard bereits. Hier konnte ich eine 512 GB große SSD herausnehmen und wir schauen gleich, wie gut sie sich für einen modernen Einsatz eignet.

Beim zweiten Produkt handelt es sich um eine Docking- und Klonstation, in die sich zwei 2,5- oder 3,5-Zoll-HDDs oder 2,5-Zoll-SSDs einstecken lassen. Zusammen mit einem Kartenlesegerät und einem USB-Port möchte die Klonstation mit der Bezeichnung “IB-1233CL-C” am liebsten Platz auf dem Schreibtisch finden. Angeschlossen wird sie via USB 3.0 im Typ-A-Format. Sie benötigt zudem eine externe Stromzufuhr.

Um die Klonstation zu testen, hat mir ICY BOX eine recht langsame HDD im 3,5-Zoll-Format zugeschickt, die mit einer Kapazität von 22 TB aber wirklich riesig ist. Meine Idee: Läuft ein schnelleres Speichermedium voll, könnte ich die Dateien mit der Klonstation ja im Prinzip einfach über Nacht ganz ohne PC auf die größere Festplatte schieben. Warum das in der Praxis nicht ganz so gut funktioniert, erfahrt Ihr gleich weiter unten.

Aus Transparenzgründen möchte ich noch zwei weitere Produkte erwähnen, die ICY BOX zum Ausprobieren mit in den Karton gelegt hat. Einmal ein 4-in-1-Kartenlesegerät mit integriertem Adapter für USB-Typ-A auf USB-C. Und ein smartes Ladegerät, mit dem sich drei Geräte gleichzeitig aufladen lassen.

Das recht neue GaN-Ladegerät mit dem Namen “Club Charger 1002” (gibt’s hier bei Amazon) ist mir in den letzten Wochen wirklich ans Herz gewachsen. Denn es entwickelt über Emojis auf einem 1,33 Zoll großen Farbdisplay eine eigene Persönlichkeit und hat ein wirklich fantastisches Feature: ICY BOX integriert ein einziehbares, etwa 1 m langes USB-C-Kabel in das Ladegerät. So kann man sein Smartphone trotzdem laden, wenn man ein Kabel vergessen hat.

Auch für das Laden meiner Kameras habe ich den Ladeadapter gerne genutzt. Praktisch ist beispielsweise, dass man über das Display immer sieht, wie stark die Ladeleistung gerade ist. Die Leistung von 100 W reicht zudem aus, um Notebooks schnell mit Strom zu versorgen oder unterwegs bis zu drei Handys gleichzeitig zu laden. Wirklich praktisch!

Ihr wundert euch über die verschiedenartig anmutenden Namen der ICY BOX Produkte? IB-1610MCD-C31, aber auch Club Charger 1002? Wie passt das zusammen? ICY BOX hat sein Namensschema revolutioniert! So setzen sich alle neueren Namen für Produkte seit 2026 zusammen:

Aber zurück zum Thema: Wie gut lassen sich die Speichermedien recyceln?

M2.-SSD in der Dockingstation für mobiles Arbeiten

Fangen wir mit dem schnellsten Speicher an: der M2.-SSD aus dem alten Dell XPS 15. Für diese bietet ICY BOX die Dockingstation IB-1610MCD-C31 an (gibt’s zum Beispiel hier bei Amazon), die alle Standard-M.2-Größen aufnehmen kann. Darunter 2230, 2242, 2260, 2280 und 22110. Kompatible SSDs steckt man einfach in die Dockingstation ein und verbindet diese via USB-C mit Notebooks oder Desktop-PCs.

Das Design erinnert mich dabei ein wenig an die Ladestationen von elektrischen Zahnbürsten. Praktisch ist, dass wir keine Schraube festziehen oder eine externe Stromquelle finden müssen. Dank Plug-and-Play musste ich unter macOS, Windows und Linux zudem keine Treiber installieren. Die SSD wird direkt gemountet und ich konnte sie nach Bedarf formatieren.

Die SSD aus dem alten Notebook ist eine Samsung NVMe namens PM951 mit 512 GB Speicherplatz. An meinem MacBook Pro M3 Pro, und damit an einem schnellen Thunderbolt-4-Port, ergeben sich folgende Geschwindigkeiten im SSD-Benchmark von Blackmagic:

  • 1.007 MB/s lesend
  • 669,7 MB/s schreibend

Vergleichen wir diese Werte mit den damaligen Benchmarks der SSD (Notebookcheck hat die NVMe-SSD etwa getestet), ergibt sich ein vergleichbares Leistungsniveau. Die Dockingstation ist dank Übertragungsraten von bis zu 10 Gbit/s also ausreichend schnell, damit wir die Geschwindigkeit der SSD voll ausnutzen können. Somit lässt sie sich sehr gut als externe Festplatte beim aktiven Arbeiten verwenden.

Meine Urlaubsfotos konnte ich mit diesem Setup in Lightroom Classic problemlos bearbeiten. Die Performance war dabei nicht wirklich von der internen SSD in meinem MacBook zu unterscheiden, auch wenn hier nochmal eine deutlich schnellere SSD verwendet wird. Dasselbe gilt für das Schneiden von Videos in Davinci Resolve. Zum Vergleich habe ich Euch dennoch einmal die interne SSD in meinem Notebook sowie eine 1 TB große Extreme Portable SSD von SanDisk gebenchmarkt:

  • Extreme Portable SSD von SanDisk: 1.454 MB/s lesend und 731 MB/s schreibend
  • APPLE SSD AP0512Z: 5.409 MB/s lesend und 4.371 MB/s schreibend

ICY BOX gestaltet die Basis der Dockingstation übrigens offen. So will der Hersteller Überhitzungen vermeiden, die bei den kompakten und schnellen SSDs durchaus vorkommen können. Im Testzeitraum gab es hier keine Probleme. Allerdings wurde die alte SSD aus dem Dell-Notebook wirklich sehr heiß. Hier ist also Vorsicht geboten, da sie ja nicht in ein Gehäuse eingelegt wird und man sie direkt anfassen muss.

Klonstation für zwei Festplatten

Die für mich noch etwas interessantere Idee war, eine Klonstation zur Verwendung alter HDDs im 2,5- und im 3,5-Zoll-Format zu nutzen. Sie trägt die Bezeichnung IB-1233CL-C und lässt sich in Preisvergleichen für rund 45 € finden (zum Beispiel hier bei Amazon).

Sie erinnert mich vom Design her ein wenig an einen sehr flachen Toaster. Nur, dass die Schlitze nicht für Toastscheiben, sondern für SSDs oder HDDs mit 2,5 Zoll sowie HDDs mit 3,5 Zoll geeignet sind. Die Formate werden seit Jahrzehnten in Desktop-PCs und Notebooks genutzt. Dementsprechend ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Ihr noch alte Speichermedien im Keller liegen habt, falls Ihr nicht regelmäßig zum Elektroschrott fahrt.

Wie bei der SSD-Dockingstation lässt sich die Klonstation ganz ohne die Installation von Treibern verwenden. Wie bei herkömmlichen externen Festplatten mountet die Klonstation eingesteckte Speichermedien ganz automatisch. Dank Hot Swap können wir Festplatten zudem im laufenden Betrieb tauschen, falls wir das wollen.

Möchten wir lediglich über den PC auf Daten zugreifen, ist die Position der Festplatten egal. Beide Schächte liefern dieselben Geschwindigkeiten. Laut Datenblatt sind maximal 6 Gbit/s über SATA III, SATA II und SATA I drin. Dabei werden alle Kapazitäten unterstützt, sodass sogar riesige Festplatten wie die 22-TB-Variante von Toshiba direkt erkannt werden und nutzbar sind.

Wollen wir Festplatten hingegen klonen, müssen wir die Quellfestplatte oben und die Zielfestplatte unten einsetzen. Halten wir den Knopf auf der Oberseite dann einige Sekunden gedrückt, beginnt der Klonvorgang. Wie lange das dauert, hängt sowohl von der Geschwindigkeit der Festplatten als auch von der Menge der zu schreibenden Daten ab. Erfreulicherweise integriert ICY BOX eine LED-Zustandsanzeige in Prozent auf der Oberseite der Klonstation. So können wir zwischendurch prüfen, wie weit der Klonvorgang abgeschlossen ist.

Die Handhabung ist unkompliziert und schreibt konsequent alle Daten der einen Festplatte auf die andere. Unser Ansprechpartner bei ICY BOX erklärte mir diesbezüglich, dass dabei technisch eine vollständige Formatierung der Zielfestplatte nötig sei. Die Klonstationen arbeiten demnach sektorweise, was sicherstelle, dass wirklich alle Daten inklusive Metadaten übertragen werden.

Das bedeutet allerdings auch, dass größere Festplatten immer automatisch auf die Größe der Quellfestplatte formatiert werden. Heißt in meinem Fall: Die 22 TB Festplatte wird zu einer HDD mit nur 500 GB. Das ein wenig eingeschränkte Festplattenverwaltungsprogramm von macOS erlaubte es mir dann auch nicht, den restlichen Speicher neu zu formatieren. Hierfür musste Linux herhalten und ich konnte den restlichen Speicherplatz als zweite Partition konfigurieren.

Wirklich sinnvoll ist das jedoch nicht, da beim nächsten Klonvorgang ja wieder alle Daten gelöscht werden. Die Klonfunktion ist also wirklich eine reine Backup-Lösung und sollte im besten Falle zwischen Speichermedien mit gleicher Kapazität erfolgen. Fotografen und Videografen, die Angst vor Datenverlusten haben, können so aber besonders gründliche Backups über Nacht anlegen.

Dass ich mit der IB-1233CL-C die Möglichkeit habe, zwei Festplatten gleichzeitig als externe Speichermedien zu nutzen (also ganz ohne Klonfunktion), bleibt natürlich ein weiterer Vorteil.

Wie sinnvoll sind die Setups im Alltag?

Zugegeben: Es ist ein wenig ungewohnt, “nackte” Festplatten ohne Gehäuse im Alltag zu benutzen. In der Regel setzt man sie ja in Hardware oder zumindest in externe Gehäuse ein. Die Produkte von ICY BOX sind für Anwendungsfälle gedacht, in denen man häufig Festplatten tauscht und umsteckt. 

Unterwegs habe ich meine Festplatten aber in Kameratücher eingeschlagen, was mir persönlich genug Sicherheit gegeben hat. Will man ein solches Setup dauerhaft nutzen, bietet sich aber auch der Kauf einer Schutzhülle an, die es für wenig Geld im Netz gibt.

Das Handling der kleinen SSD-Dockingstation gefiel mir im Alltag durchaus gut. Ein großer Vorteil ist natürlich, dass wir keine externe Stromquelle benötigen. Da das Kabel nur 15 cm lang ist, eignet sich die Dockingstation vor allem für Notebooks und Tablets. An Desktop-PCs baumelt die Dockingstation höchstwahrscheinlich in der Luft, sofern man keinen USB-Hub nutzt. Da aber sowohl die SSDs als auch die Adapter federleicht sind, sollte selbst das kein Problem darstellen.

Das Mitführen der Klonstation ist natürlich ebenfalls möglich, ich sehe sie aber eher fest am heimischen Arbeitsplatz installiert. Hier dient sie sowohl als Dockingstation für Festplatten als auch als 2-in-1-Kartenlesegerät sowie als USB-3.0-Hub dank eines USB-A-Anschlusses auf der Vorderseite. Um Standby-Strom zu minimieren und den Verschleiß eingelegter Festplatten zu reduzieren, integriert ICY BOX noch einen Standby-Schalter auf der Rückseite.

Fazit

Die Dockingstationen von ICY BOX sind zwei gute und vor allem günstige Möglichkeiten, um mehrere alte Festplatten wiederzubeleben. Dabei ist es zunächst ein wenig ungewohnt, HDDs und SSDs ganz ohne Gehäuse zu verwenden. Wer allerdings mehrere alte Speichermedien recyceln will, der wird sich an die Handhabung schnell gewöhnen.

Die Klonstation erfüllt dabei einen interessanten Zweck, den ich so eher von NAS-Systemen kenne. Ganz ohne Computer oder Notebook lassen sich ganze Festplatten klonen, die dank sektorbasiertem Klonen auch noch besonders gründlich sind.

Wer mehrere alte Festplatten weiterverwenden will, dem kann ich die Produkte von ICY BOX durchaus empfehlen. Habt ihr nur eine einzelne SSD oder HDD und wollt diese in eine dauerhafte externe Festplatte verwandeln, lohnt sich womöglich der Kauf eines externen Gehäuses mehr. Auch hier hat ICY BOX entsprechende Produkte im Angebot, zum Beispiel das Spade Base 388.

Tags

Photografix Newsletter

In unserem kuratierten Newsletter informieren wir dich regelmäßig über die wichtigsten News und Gerüchte aus der Welt der Fotografie.

Wir senden keinen Spam und teilen niemals deine E-Mail-Adresse.
Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.