Ein deutscher Ingenieur will die Kamera zum Baukasten machen. Sogar der Sensor lässt sich tauschen.
CircuitValley sammelt auf Kickstarter Geld für die CHC5, eine Kamera, bei der sich nicht nur das Objektiv wechseln lässt, sondern auch der Bildsensor. Vier Jahre hat die Entwicklung gedauert. Gedacht ist die Kamera für Ingenieure und Forschung, weniger für Fotografen.

Sensor wird zum Wechselteil
In Kameras ist der Sensor bekanntermaßen fest verbaut und legt damit fest, wofür sich der Body eignet. Bei der CHC5 sitzt er auf einer eigenen Platine, die ihr austauschen könnt. Zehn Sensorvarianten stehen zur Wahl, überwiegend von Sony.
Die Formate reichen von 1/2,3 Zoll bis Four Thirds, wobei der IMX283 mit 20,3 Megapixeln auf 1 Zoll die höchste Auflösung liefert und der IMX294 im Four-Thirds-Format die größte Fläche. Für Aufnahmen ohne Rolling-Shutter-Verzerrung gibt es den IMX568 und den IMX565 mit Global Shutter, für schwaches Licht den IMX585, den ihr auch als Monochromversion bekommt.

Ricoh hat eine modulare Kamera schon 2009 mit der GXR versucht, dort steckten Sensor und Objektiv allerdings meist zusammen in einer versiegelten Einheit. Durchgesetzt hat sich die Idee nicht. Bei der CHC5 sind beide Teile getrennt. Das Bajonett ist außen angeschraubt und passt neben den Industriestandards auch zu Objektiven von Canon und Sony, dann allerdings nur mit manueller Einstellung von Blende und Fokus.
Code liegt offen, aber nicht ganz
Der Kern der Kamera ist frei programmierbar. Wer eigene Bildverarbeitung schreibt, kann sie direkt auf der Kamera laufen lassen, statt die Bilder erst an einen PC zu schicken. CircuitValley argumentiert, dass Entwickler bei fertigen Industriekameras sonst mit geschlossenen Systemen und eingeschränktem Softwarezugriff zurechtkommen müssen.
Schaltpläne und Software liegen auf GitHub. Die Lizenz verbietet aber kommerzielle Nutzung und Veränderungen, und der Code des Bildprozessors fehlt im Repository. Mit einer klassischen Open-Source-Lizenz hat das wenig zu tun.
Hinter CircuitValley steht ein einzelner Ingenieur
CircuitValley ist kein Unternehmen mit Belegschaft, sondern im Wesentlichen Gaurav Singh, ein in Deutschland ansässiger Avionik-Ingenieur, der seinen Blog seit 2011 betreibt. In der Bastler-Szene ist er für eine ganze Reihe selbstgebauter Kameras bekannt, die CHC5 ist die fünfte Generation davon.
Hardware verkauft er bereits. In seinem Shop stehen rund zehn Produkte, darunter FPGA-Platinen und ein Signalgenerator für 89,99 Euro. Die CHC5 ist trotzdem eine andere Größenordnung, und das gesamte Projekt hängt an einer Person.
Das Vorstellungsvideo kommt nach kurzer Zeit auf über 50.000 Aufrufe – mit durchweg positiven Rückmeldungen. In den Kommentaren meldet sich etwa ein Zürcher Startup für industrielle Bildverarbeitung, dass die Kamera im Feld erproben will. Gemessen an den Preisen etablierter Anbieter sei eine so flexible Plattform sehr wertvoll. Andere fragen nach Wärmebildvarianten, größeren Sensoren und der Möglichkeit, mehrere Kameras gleichzeitig auszulösen.
Das Basisset mit Gehäuse, Elektronik, einem Sensor und einem Bajonett kostet beim Crowdfunding ab 589 Euro, das große Entwicklerpaket mit allen Modulen 2.999 Euro. Ausgeliefert werden soll ab Januar 2027.
Vom Finanzierungsziel über 10.000 Euro waren zum Zeitpunkt dieses Artikels rund 7.900 Euro erreicht – von nur neun Unterstützern. Die Kampagne läuft seit dem 1. September und endet Anfang Oktober.
via: PetaPixel


Sehr speziell. Aber wers mag.
BTW: Früher konnten wir auch schon den Sensor tauschen, aber eben nur alle 36 Aufnahmen…. 😉
Finde ich toll. In gewisser Weise der Wunsch die analogen Linsen auch zu integrieren. Mal nicht das Übliche. Hat man eine Digikamera hast du nur den einen Sensor. Kommen Verbesserungen kann man die Kamera in den Schauschrank stellen. Hier hat man die Möglichkeit auf einen neuen Sensor ohne Kameraverlust.