Canon • Bildbearbeitung

Kostenlose Canon-Software wandelt Dual-Pixel-RAWs in 3D-Modelle um

Canon zeigt eine neue Anwendung für räumliche Bilder. Sie wertet Tiefeninformationen aus, die in den Rohdaten mancher EOS-Kameras stecken.

Mit Dual Pixel 3D hat Canon ein Verfahren vorgestellt, das aus einem einzelnen Foto ein 3D-Modell erzeugt. Ihr braucht dafür eine kompatible EOS-R-Kamera und die Windows-Software Dual Pixel 3D Converter, die Canon ab sofort kostenlos zum Download anbietet. Eine zweite Kamera oder eine Aufnahmeserie wie bei der Fotogrammetrie ist nicht nötig. Demos findet ihr auf der offiziellen Seite.

Autofokus-Sensor misst die Tiefe mit

Canon teilt bei Dual Pixel CMOS AF jedes Pixel in zwei Fotodioden. Die Kamera liest beide getrennt für den Phasen-Autofokus aus und fasst sie für das Bild zusammen. Die zwei Dioden sehen das Motiv aus leicht versetzten Blickwinkeln, aus dem Unterschied lässt sich die Entfernung berechnen.

Die Daten landen nur in Dual-Pixel-RAW-Dateien, die ihr im Kameramenü gesondert aktivieren müsst. Normale RAW-Dateien kann der Converter nicht verarbeiten. Die erst kürzlich vorgestellt EOS R8 Mark II schreibt sie auch in JPEGs. Der Converter rechnet daraus eine 3D-Form und legt das Foto als Textur darüber.

Acht EOS-R-Kameras und zwölf Objektive

Canon nennt acht kompatible Kameras, die EOS R5 Mark II, R5, R6 Mark III, R6 Mark II, R7, R8 Mark II, R8 und R10. Hinzu kommt eine Liste mit zwölf RF- und RF-S-Objektiven, vom RF 50mm f/1.8 STM bis zum RF 70-200mm f/2.8 L IS USM. Mit anderen Objektiven funktioniert die Umwandlung nicht. Auf dem Rechner muss Windows 11 in der 64-Bit-Version ab 24H2 laufen.

Canon empfiehlt, mit f/5.6 oder offener zu fotografieren. Bei Blenden jenseits von f/8 bricht die Umwandlung ab. Die ISO sollte 1600 nicht überschreiten, und das Motiv sollte vollständig im Bild und klar vom Hintergrund getrennt sein.

Am besten eignen sich laut Canon Motive mit matter Oberfläche, etwa Keramik, Holz, Lebensmittel oder Blätter mit wenig Glanz. Dekoobjekte solltet ihr so fotografieren, dass möglichst wenige Spiegelungen entstehen. Gut funktionieren außerdem kompakte, eher einfache Formen wie flache Teller, rundliche Lebensmittel, Blumen mit runden Blütenblättern oder Zimmerpflanzen mit großen Blättern. Den Hintergrund kann der Converter leichter abtrennen, wenn er einfarbig ist und sich farblich vom Motiv abhebt. Schatten durch Kunst- oder Tageslicht sollten auf dem Motiv nicht zu sehen sein.

OBJ, GLB und MP4

Die Software gibt 3D-Modelle als OBJ oder GLB aus, beide Formate öffnen gängige 3D-Programme. Alternativ exportiert sie ein kurzes MP4-Video. Mit einem Regler stellt ihr ein, wie stark die Tiefe ausfällt. Das Hauptmotiv stellt der Converter automatisch frei, den Hintergrund könnt ihr entfernen oder austauschen.

Canon USA richtet sich auf seiner Produktseite vor allem an Onlinehändler, die Produkte räumlich zeigen wollen, und vergleicht das Verfahren mit deutlich aufwendigeren 3D-Scans. Das Modell zeigt allerdings nur die Seite des Objekts, die auf dem Foto zu sehen ist und keine vollständige Rundumansicht. Mich erinnert der Effekt an die “Räumlichen Szenen” unter iOS, die sich softwareseitig aus jedem 2D-iPhone-Foto erstellen lassen.

Das Unternehmen stellt den Converter “zunächst kostenlos” bereit und behält sich Änderungen an Funktionen und Nutzungsbedingungen vor. Eine Version für macOS hat der Hersteller bislang nicht angekündigt. Hier geht’s zum Download.

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2 Kommentare
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Thorsten

Funktionen die die Welt nicht braucht….

Werner

Ein Thorsten braucht das nicht, das glaube ich gern.

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