Mit der EOS R6 V positioniert Canon eine neue Vollformatkamera für ambitionierte Videografen zwischen R6 Mark III und Cinema EOS C50.
Nach wochenlangen Gerüchten und Leaks ist es offiziell: Canon hat heute die EOS R6 V vorgestellt, zusammen mit dem neuen RF 20-50mm f/4 L IS USM PZ. Die neue Vollformatkamera ist konsequent auf Videografen zugeschnitten und schiebt sich preislich und konzeptionell zwischen die Mark III und die Cinema EOS C50.
Bewährter Sensor, neues Gehäuse
Im Kern der EOS R6 V steckt der bekannte 32,5-Megapixel-Vollformatsensor, der erstmals in der Cinema EOS C50 zum Einsatz kam und später auch in der EOS R6 Mark III landete. Flankiert wird er vom DIGIC X Prozessor.
Im Vergleich zur R6 III hat Canon das Gehäuse spürbar umgestaltet. Die Oberseite ist flach, der EVF komplett gestrichen und an der Seite sitzt ein Lüfter für die aktive Kühlung. Das Resultat ist eine kompaktere Kamera, die hervorragend auf Gimbals funktionieren soll. Das Gehäuse aus Magnesiumlegierung wiegt 688 Gramm (mit Akku) und ist gegen Staub und Spritzwasser geschützt.

7K RAW und kaum noch Überhitzungsprobleme
Das Video-Paket der EOS R6 V ist beeindruckend. Die Kamera nimmt intern 7K mit 60p in Canon Cinema RAW Light auf, im Open Gate Modus (3:2, volle Sensorhöhe) sind 7K mit 30p möglich. Oversampled 4K mit 60p liefert besonders scharfe Ergebnisse, und für Zeitlupen stehen 4K mit 120p ohne Crop zur Verfügung. Über HDMI (volle Größe, Typ A) ist zudem eine ProRes-RAW-Aufzeichnung auf einem externen Rekorder möglich. C-Log 2 und C-Log 3 stehen ebenso bereit wie der HLG-HDR-Modus, darüber hinaus unterstützt die Kamera 4-Kanal-Audio.
Der vielleicht größte praktische Vorteil gegenüber der R6 Mark III ist – zumindest für Videografen – die aktive Kühlung per Lüfter. Canon verspricht, dass die EOS R6 V bei Raumtemperatur rund zwei Stunden lang 4K mit 60p am Stück aufnehmen kann, das ist etwa das Vierfache der R6 Mark III. Open Gate 7K mit 30p soll sogar ohne zeitliche Begrenzung funktionieren, solange der Akku durchhält. Bei der R6 III waren hier laut Canon lediglich rund 33 Minuten drin. Der Lüfter ist allerdings kleiner dimensioniert als bei der Cinema EOS C50, die für den professionellen Dauerbetrieb unter extremen Bedingungen ausgelegt ist.
Kein mechanischer Verschluss, kein EVF
Beim Thema mechanischer Verschluss gab es bei den Leaks der letzten Tage Unstimmigkeiten. Erst war in durchgesickerten Spezifikationslisten von einem mechanischen Verschluss die Rede, dann wurde die Information kurz vor der Ankündigung wieder revidiert. Jetzt ist es offiziell: Die Canon EOS R6 V besitzt keinen mechanischen Verschluss. Es kommt ausschließlich ein elektronischer Verschluss mit bis zu 1/8000 s zum Einsatz.
Das bedeutet im Vergleich zur R6 Mark III, die über einen mechanischen Verschluss verfügt, Abstriche beim Dynamikumfang und bei der Blitzsynchronisation. Laut DPReview wird die Möglichkeit, überhaupt einen Blitz zu nutzen, erst per Firmware-Update nachgereicht, und selbst dann ist aufgrund der Readout-Zeit des E-Shutters nur eine sehr langsame Synchronzeit zu erwarten.

Auf einen EVF verzichtet Canon bei der R6 V komplett. Stattdessen ist man auf das seitlich ausklappbare 3-Zoll-Display mit 1,62 Millionen Bildpunkten angewiesen. Für eine primär auf Video ausgelegte Kamera ist das kein ungewöhnlicher Kompromiss, für Fotografen allerdings ein klarer Nachteil.
Ein paar starke Foto-Funktionen gibt es dann aber doch. Der elektronische Verschluss ermöglicht Serienbilder mit bis zu 40 Bildern pro Sekunde, inklusive Pre-Continuous Shooting. Das Autofokussystem ist identisch mit dem der R6 Mark III und nutzt den Dual Pixel CMOS AF II mit 4.897 AF-Feldern und der gewohnten Motiverkennung für Menschen, Tiere und Fahrzeuge inklusive Personenregistrierung. Die AF-Empfindlichkeit reicht bis -6,5 EV. Der IBIS kompensiert laut CIPA-Standard bis zu 7,5 Blendenstufen.
Anschlussmöglichkeiten und weitere Merkmale
Die Bedienelemente der EOS R6 V sind klar auf den Videoeinsatz ausgerichtet. Auf der Oberseite sitzt ein Zoomhebel, daneben ein Aufnahmeknopf. An der Vorderseite gibt es einen zweiten Movie-Record-Button sowie eine Tally-Lampe. Praktisch für Social-Media-Creator ist ein zweites Stativgewinde an der Seite des Griffs, mit dem die Kamera schnell im Hochformat montiert werden kann. Das Menü dreht sich dann automatisch mit. Außerdem bietet die Kamera einen “Close-up Demos” Modus, bei dem der AF vorübergehend vom Gesicht auf ein Produkt wechselt, das in die Kamera gehalten wird.
An Anschlüssen sind Full-Size HDMI (Typ A), USB-C mit 10 Gbit/s, Kopfhörer- und Mikrofonbuchse vorhanden. WLAN (Wi-Fi 5) und Bluetooth sind an Bord, und die Kamera lässt sich als Webcam mit bis zu 4K/60p nutzen. Gespeichert wird auf CFexpress Typ B oder SD UHS-II.
Im Vergleich zur Cinema EOS C50 fehlen der R6 V erwartungsgemäß einige Profi-Features. Dual Base ISO, Timecodeund die Unterstützung für anamorphotische Aufnahmen sucht man beispielsweise vergeblich. Das Menüsystem entspricht außerdem dem der normalen Consumer-EOS-Kameras.

Konkurrenz für Nikon ZR und Sony ZV-E1
Mit der EOS R6 V positioniert sich Canon direkt gegen die Nikon ZR und die Sony ZV-E1. Alle drei Kameras nutzen Vollformatsensoren aus den jeweiligen Hybrid-Modellen der Hersteller und zielen auf anspruchsvolle Einzelproduzenten. Im Vergleich zur ZR bietet die Canon einen Open-Gate-Modus, Full-Size HDMI und einen SD-Kartenslot, während Nikon unter anderem mit internem 32-Bit-Float-Audio und einem 4-Zoll-Display punktet.
Neues Kit-Objektiv vorgestellt
Zusammen mit der EOS R6 V hat Canon auch das RF 20-50mm f/4 L IS USM PZ vorgestellt, Canons erstes L-Objektiv mit eingebautem Motorzoom. Das kompakte Innenzoom wiegt nur 420 Gramm und deckt mit 20-50mm den für Content Creator wichtigsten Brennweitenbereich ab. Einen ausführlichen Artikel zum neuen Objektiv werden wir in Kürze veröffentlichen.
Preis und Verfügbarkeit
Die Canon EOS R6 V und das RF 20-50mm f/4 L IS USM PZ sollen Ende Juni 2026 in den Handel kommen. Das Gehäuse der EOS R6 V wird 2.499 Euro kosten, das neue Objektiv 1.499 Euro. Beide Neuheiten gibt es auch als Kit für 3.699 Euro. Damit liegt die R6 V rund 400 Euro unter dem Preis der EOS R6 Mark III.


Die Info mit dem mechanischen Verschluss hat mich schon gewundert. Es war irgendwie klar, dass Canon wieder den Krüppel-Hammer schwingt, damit nicht noch diverse Fotografen zur günstigeren R6 Mark III greifen.
Designtechnisch ist die V-Serie für mich ein absoluter Griff ins Klo. Könnte genauso gut Sony draufstehn, würde keiner merken, weil die Kamera jegliche Designsprache von Canon über Bord wirft.
Wieso zur günstigeren R6III? Hast Du da ein Sonderangebot bekommen?
Knapp 3.000 Ucken sind doch mehr als 2.500, oder versteht meinereiner hier was verkehrt?
Gemeint war die R6V als “die günstigere R6III”, ich hätte es sollen in Anführungszeichen setzen.
Weil, genau, für die R6III zahlst du 2899€, die R6V gibts für 2499€.
Die Kamera ist auch nicht für Fotografen sondern Videografen.
Einen Nachfolger wird es von diesem Modell nicht geben! Gefühlt versucht Canon sich gerade auszuprobieren ….
Ich glaube die bringen etwas, damit sie was neues gebracht haben, weil ihre wichtigen Kameras R 7II, eventuell R3 II oder R1 High Resolution oder R1 GS einfach noch nicht fertig sind.
Da die noch nicht ,reif‘ sind , oder es nicht hinbekommen ( was ich jetzt nicht vermute )
Jedoch fühlt sich alles wie ausprobieren aus !
Und eine Mark ii wird es von der heute präsentierten Kamera nicht geben. Fakt
Vor ein paar Monaten gab es doch ein Interview , das die R3 weiter geführt wird …. Mal abwarten bis Jahresende
Warum kaufst du dir keine R1?
Den Produktnamen Canon R6 V abe ich als Foto affiner Mensch bereits vergessen. Kann man sich mit dem Lüfter wenigstens die Haare trocknen?
Nicht nötig, lieber Alfred!
Bei der Knipse stehen Dir die Haare zu Berge, da trocknen die auch ohne Lüfter!
Wenn es nicht so traurig wäre, müsste ich lachen. Vielleicht habe ich Canon nicht verstanden, aber 2.500€ für was?!
Ich würde vermuten das das Modell ähnlich zügig aussortiert wird, wie die R3.
Nur hat die sich doch einige Zeit am Markt über Wasser gehalten.😉
Was ich persönlich extrem peinlich finde, wenn man schon auf einen EVF verzichten muss, dann wäre aus meiner Sicht eine wesentlich höhere Auflösung Pflicht gewesen.
Also ich find sie super
Schaut euch einfach mal das Video an https://www.youtube.com/watch?v=B6AfFZuFFVI. Ich finde es ist ein tolles Konzept und Powerzoom für den Massenmarkt an FF hat kein Hersteller. IBIS ist auch an Bord.
Die könnten viel höhere Profite einfahren, wenn sie es richtig machen würden.
Den Preis auf ein Zehntel reduziert, leiert die Verkaufszählen enorm an, und die Profite gehen durch die Decke. Aber bitte, wer nicht will, der hat eben.
Du bist schon ein helles Köpfchen! Aber warum nicht auf ein Hundertstel reduzieren? Dann wären die Profite noch viel höher!
Verschenken – dann sind die Profite unendlich. Das ist Mathematik 😉
Mir ist der Unmut bzgl der R6 V nicht so ganz verständlich. Für viele machen die anderen beiden Varianten mehr Sinn – aber wenn ich z.B. eine Kamera fest in einem kleinen Studio verbauen möchte, macht es dann doch bestimmt Sinn sich für diese zu entscheiden. Der Entwicklungsaufwand für die Kameravariante war bestimmt nicht groß. Einzig wenn man erhofft hat, dass man für kleineres Geld eine kompaktere Version der R6 III zu bekommen, könnte man enttäuscht sein. Ich sehe die als Nischenprodukt und ihre Existenz nimmt mir ja nix weg.