Canon Kameras Top

Canon und der Kompaktkamera-Boom: Zwischen Besitzen und Benutzen

In einem Interview verrät Canon, wie das Unternehmen den aktuellen Kompaktkamera-Hype einschätzt und warum junge Zielgruppen so schwer zu greifen sind.

Der Kompaktkamera-Markt boomt, die Verkaufszahlen haben sich in Japan 2025 mehr als verdoppelt, und Canon mischt kräftig mit. Doch wer jetzt einen schnellen Rundumschlag mit neuen Modellen erwartet, wird von Canon gebremst. In einem Interview mit PetaPixel auf der CP+ 2026 gibt Manabu Kato, Executive Officer in Canons Imaging-Sparte, interessante Einblicke in die Strategie des Unternehmens.

Dass Canon das Thema Kompaktkameras wieder ernst nimmt, ist längst bekannt. Das Unternehmen hat die Produktion für 2026 um 50 Prozent erhöht und arbeitet laut Gerüchten an gleich drei neuen PowerShot-Modellen. Doch das Interview zeigt, dass Canon den Boom nicht einfach blind mitnehmen will. Stattdessen versucht man sehr genau zu verstehen, was die neuen Kunden eigentlich wollen.

Besitzen oder Benutzen?

Die spannendste Aussage im Interview kommt fast beiläufig daher. Kato sagt: “Es gibt Unterschiede in den Vorlieben junger Menschen, insbesondere zwischen potenziellen und bestehenden Nutzern. Der entscheidende Unterschied ist, ob sie Freude daran empfinden, eine Kamera zu besitzen, oder daran, eine zu benutzen.

Für die Produktentwicklung macht das natürlich einen enormen Unterschied. Wer eine Kamera als Erlebnis und Lifestyle-Objekt betrachtet, hat völlig andere Erwartungen als jemand, der ein zuverlässiges Werkzeug für bessere Fotos und Videos sucht. Canon scheint diese Erkenntnis ernst zu nehmen und will bei der Entwicklung neuer Produkte gezielt darauf eingehen.

Die Fuji X-Half: Eine Kompaktkamera, bei der eindeutig der Spaß im Vordergrund stehen soll.

Viele Welten, wenige Produkte?

Wie groß die Herausforderung für Canon und alle anderen Hersteller von Kompaktkameras tatsächlich ist, kann ich mit einer kleinen Anekdote aus eigener Erfahrung unterstreichen. Wir haben im vergangenen November auf unserem YouTube-Kanal einen größeren Kompaktkamera-Vergleich veröffentlicht. Das Video hat inzwischen knapp 30.000 Aufrufe erreicht und ist damit das bisher erfolgreichste Video auf unserem Kanal. Allein das zeigt, wie groß das Interesse an Kompaktkameras gerade ist.

Richtig interessant wird es aber beim Blick auf die Zuschauerdemografie. Der größte Teil der Zuschauer war über 55 Jahre alt. Die zweitgrößte Gruppe? 25 bis 34 Jahre, mit über 20 Prozent. In unseren sonstigen Videos liegt der Anteil dieser Altersgruppe normalerweise bei unter 3 Prozent.

Was ich sagen will: Kompaktkameras ziehen gleichzeitig eine ältere und eine auffallend junge Zielgruppe an. Hinzu kommen unterschiedliche Anforderungen an den Schwerpunkt der Kamera (Foto oder Video), an das Design, den Spaßfaktor, die Frage ob Festbrennweite oder Zoom-Objektiv und, und, und. Für Kamerahersteller wie Canon ergibt sich daraus ein echtes Dilemma, denn ein Produkt zu entwickeln, das viele dieser Gruppen gleichermaßen begeistert, ist alles andere als trivial.

Ein Lösungsansatz wäre natürlich, viele unterschiedliche Kompaktkameras für all diese Zielgruppen zu entwickeln. Diesen Ansatz scheint Canon – wenn man den Gerüchten Glauben schenken mag – ja teilweise auch zu verfolgen. Trotzdem bleibt es ein schmaler Grad für die Hersteller. Auf der einen Seite werden theoretisch unterschiedliche Kompaktkameras benötigt, auf der anderen Seite ist die Anzahl der potenziellen Käufer dann aber doch wieder überschaubar, trotz des aktuellen Booms. Zudem sind Kompaktkameras im Schnitt günstiger als Systemkameras und es werden keine Gewinne durch den Verkauf von zusätzlichen Objektiven erwirtschaftet.

Canon bleibt vorsichtig optimistisch

Canons Kato betont im Interview auch, dass der Kompaktkamera-Markt seine früheren Höchststände wohl nie wieder erreichen wird. Gleichzeitig sieht er aber eine echte, neue Nachfrage, die über reinen Nostalgie-Hype hinausgeht. Junge Menschen würden zunehmend den Wert von Bildern schätzen, die mit dem Smartphone nicht möglich sind. “We expect that this market will grow even further”, so Kato.

Was genau Canon als Nächstes plant, bleibt offiziell vage. Kato lässt lediglich durchblicken, dass man bereits an Nachfolgemodellen arbeite. Angesichts der Gerüchte rund um einen G7 X-Nachfolger, eine Supertelezoom-PowerShot und ein günstigeres Einstiegsmodell dürfte 2026 noch einiges passieren. Ob Canon dabei den Spagat zwischen den sehr unterschiedlichen Zielgruppen schafft, wird eine der spannendsten Fragen in diesem (Kompaktkamera-)Jahr.

guest
28 Kommentare
älteste
neueste
Feedback
Zeige alle Kommentare
Leonhard

Der entscheidende Unterschied ist, ob sie Freude daran empfinden, eine Kamera zu besitzen, oder daran, eine zu benutzen.

Komische Fragen stellen die sich bei Canon!

Bei Leuten, die eine Kamera besitzen und nicht benutzen wollen sieht meinereiner ganz klar einen anderen Marktführer und auch weniger das Kompakt-Segment, aber egal, die werden es bei Canon besser wissen.

WRDS

Vermutlich gehörst du nicht zur Zielgruppe.

Ich finde es gut, dass sich Canon darüber Gedanken macht. Eine Powershot V1 (habe ich) in hübsch würde ich auch als alter Sack sofort kaufen. Die Technik ist top. Das Design etwas weniger.

SvenK

Ich denke die meinen damit, ob die Kamera richtig voll genutzt wird , oder eher für schnelle Schnappschüsse nebenbei, wo die Qualität der Bilder dann nicht so professionell sein muss. Dementsprechend wirkt sich das ja auf die Ausstattung und am Ende auf den Preis der Kamera aus.
Das ist, wie wenn sich jemanden die teuerste Kamera mit dem vollem Equipment kauft und dann nur Schnappschüsse im Automatikfotos schießt. Sowas ist in meinen Augen “besitzen”, aber nicht benutzen 🙂

Leonhard

Kommt ja nun auch mal drauf an, was man dann für was ablichtet.

Kreativ geht eigentlich nur, wenn man Blende und Belichtung einsetzt, aber, nicht alles was abgelichtet wird hat unbedingt irgendwas mit Kreativität zu tun. Genau deshalb hat z.B. eine R1 ja überhaupt einen solchen Vollautomaten mit dabei, ob der bei unsereiner überhaupt funktioniert wissen wir nicht, aber anscheinend scheinen einige Leute selbigen ja zu brauchen, sonst gäbe es ihn nicht.

Heiko

Ich empfinde Freude darin, meine alte Canon IXUS IS 100 zu besitzen um sie zu benutzen. Wo gibt es heute noch eine echte Taschenkamera (9×5,5x2cm) MIT EINMGEBAUTEM SUCHER? Ab 400 ASA sichtbares “Korn”. Na und? Da sind wir wieder bei Emotion und Wahrnehmung. Schärfe und Detailreichtum sind nicht immer maßgeblich.
Ich würde mir trotzdem eine moderne Interpretation dieses Kameratyps wünschen. Natürlich auch in dieser “Seifenform”, um sie problemlos in der Hosentasche verschwinden lassen zu können. Die TZ 101/ 202 von Lumix ist für diesen Zweck schon zu groß.

SvenK

Die TZ ‘s haben auch ein größeren Sensor und brauchen daher auch größere ZoomObjektive 😉 Dein Wunsch nach einer Nachfolgerkamera ist verständlich, aber mittlerweile sind die Kamera’s der meisten Handys gleichwertig oder besser. Wo wir wieder bei dem Thema sind, das “einfache” Digitalkamera’s unrentabel sind und aussterben. Denn wer nimmt eine Kamera zusätzlich mit, wenn er das Handy sowieso dabei hat?

Thomas Müller

“Stattdessen versucht man sehr genau zu verstehen, was die neuen Kunden eigentlich wollen.”

Tja, während Canon noch darüber rätselt, was ihre Kunden wollen, fragt Fuji einfach ihre Kunden in Umfragen nach ihren Wünschen und ist danach schlauer. Ist doch eigentlich ganz einfach, auch wenn Marketing-Experten das für unprofessionell halten. Aber was ist schon unprofessionell daran, wenn es schnell, einfach, kostengünstig und direkt zum gewünschten Ergebnis führt? 😎

joe

Thomas, habe den Wink mit dem Zaunpfahl verstanden. Canon WEIß, dass es unterschiedliche Interessen bei Fotografen gibt und wird eine gute Lösung präsentieren. Fuji macht eine Umfrage die kein eindeutiges Ergebnis liefert. Vor allem haben sie wichtige Elemente bei der Umfrage “vergessen”, zum Beispiel die Frage nach der Preissensitivität oder Grösse und Gewicht. Würdest du Autofahrer fragen welches Auto wollt ihr, wäre es bei vielen, auch bei mir ein Porsche 911, aber das heisst noch lange nicht, dass ich den kaufe, weil er zu teuer, zu eng oder zu laut ist. Ich bleibe bei meiner Einschätzung von Unprofessionalität, denn Fuji ist jetzt so schlau wie bisher

Leonhard

Was Canon alles weiß hat meinereiner vor ein Paar Tagen am eigenen Kadaver zu spüren bekommen.

Nach 40 Jahren bei Canon, davon viele Jahre auch im CPS, bekommt meinereiner eine E-Mail von Canon: “erste Schritte mit Deinem neuen Equipment!”

Diese enorm hohe Kenntnislage im Marketing lässt auf eine hohe Anzahl von Genies aus Übersee schließen, also Atlantik, nicht Pazifik!

Turmfalke

Also ich wäre für ein Trabi, definitiv. 😉

joe

Mein Problem mit einem Trabi ist, dass der nächste Schrottplatz 18km entfernt ist, wie kriege ich den dorthin? 🙂

Frank

Pappe ist doch ziemlich leicht, auch wenn es Rennpappe ist…

Leonhard

denn Fuji ist jetzt so schlau wie bisher”

Ja, diesem Gesetz der Logik unterlieg alles, also auch Fuji!

Thomas Müller

Du täuschst Dich lieber joe, bei der Umfrage von Fuji waren Angaben zu ungefährem Gewicht der Objektive angegeben. Daraus kann man zumindest ungefähr auch die Grösse der Objektive abschätzen. Was sollen sie zum Preis angeben, der ist doch heute nicht seriös angebbar. All das ist aber doch tausendmal mehr als was bei Canon passiert, nämlich im Vorfeld gar keine Angaben und dann werden die Kunden von irgend etwas überrascht, was Canon meint verkaufen zu können. Canon sagt ja deutlich, was die Kunden wirklich wollen wissen wir nicht, wir raten nur welche Interessen verschiedene Kundengruppen haben könnten. Sorry joe, für mich ist das Interview von Canon unprofessionell und ein Offenbarungseid der Unkenntnis 🤣.

joe

Thomas, es freut mich wie Du Fuji verteidigst, sollte ich mal rechtliche Probleme haben, werde ich dich als Anwalt auswählen, Du wirst vor Gericht meine Schuld in Unschuld verwandeln. 😉❤️

Thomas Müller

Danke joe, für Dich würde ich zur Hochform auflaufen, aber leider darf ich im Strafrecht nicht tätig werden 😉. Solltest Du aber mal Probleme wegen einer Patent- oder Markenverletzung haben, haue ich Dich da raus!

SvenK

Sehe ich genauso wie Du! Fuji ist kein Massenprodukt und spielt preislich in einer anderen Liga. Ist von den Kosten her keine Kamera für “Jedermann”. Canon versucht soviel Kunden wie möglich zu erreichen und das schaffen sie nur, wenn sie wissen, was wirklich an NowHow und Ausstattung gefragt ist, damit sie am Ende auch preislich attraktiv bleiben…

Jörg

Ich glaube im Mft Segment wäre der Verkauf von Kompakten gerade extrem einfach und man kann sagen das Geld liegt auf der Straße.
Im Grunde braucht es ja nur das Gehäuse,Technik und Software sind da.Siehe G9II und OM1/OM3.
Zum einen gibt es noch viele Mft Nutzer die schon ewig auf eine Kompakte warten und sofort bei entsprechender Ausstattung und Qualität zuschlagen würden.
Zum zweiten kann man vor allem jüngere Einsteiger eher eine komplett ausgestattete Kompakte mit kleinen Wechselobjektiven überzeugen als zu einer VF oder APS C Kamera.
Wenn es bei VF und APS C klein wird fehlt immer irgendwas an Austattung wie z.b Pana S9 oder Fuji XM5,sie stehen exemplarisch dafür.
Meiner Meinung nach sollten eine günstige Einsteiger MFT und eine wertige voll ausgestattete marginal größere MFT Kamera am Markt gebracht werden.
Lediglich ein paar neue kleine und gute Linsen sollte man dazu anbieten.Gerade die Mft Kompakt Zoom haben es nötig überarbeitet zu werden.

Frank

Auf welcher Straße liegt es denn, das Geld? Aber ich habe deine Botschaft ansonsten verstanden. Du träumst von einer GM-X oder PL-X, mit dem Sensor der OM-5 Mark 2, überarbeiteten Menü, mit einer kleinen 17mm Festbrennweite zum Preis von 700.- Euronen.

Schon für die aktuelle PL-7 ruft OM-System 850.- Euro auf. Mit dem Pancakeobjektiv. Wie soll das eine neue Kompakte denn bitteschön unterbieten?

Ich stelle mir da eher eine Kompakte vergleichbar mit der Lumix LX 100 Mark II vor. Aber nicht mit dem Multi-Aspect-Sensor mit 17 MP echter Dateigröße, sondern schon etwas Besseres. Die liegt dann aber gleich bei 1500.- Euro, mit fest verbauten 16-50mm 1.8-2.8 Objektiv.

Aber wie Canon schon richtig erklärt: Gut und preisgünstig geht nicht so richtig zusammen.

Joachim

Hatte neben der SLR immer irgendwie eine Kompakte. Minolta weather, Yashica T3 etc. Das war immer so für schnell dabei. Nun 3 Lumixen, wobei die LX 15 eher zum Umhängen als für die Jackentasche ist. Canon wird sich schon was dabei denken. Schließlich wollen sie Geld verdienen. Das wird dann nach Marketingregeln schmackhaft gemacht. Innovativ wäre für mich eine 1″ Kamera, wobei die Dicke der Kamera reduziert wird durch Umlenkung der Lichtstrahlen durch einen Spiegel. Das käme dann fast einem etwas dickerem Smartphone gleich.
Nun warte ich mal auf die Lumix TZ 300 und die Canons. Da hat man dann die Auswahl für sich.

SvenK

Es ist ja tatsächlich so, das die junge Zielgruppe eher weniger Wert auf höchste Ausstattung legt, wie sie bsp eine Fuji bietet. Ich denke, sie versuchen herauszufinden, was alles für die Jungen wichtig wäre (schwenkbares Display, viele manuelle Einstellungen oder Lichtstarkes Objektiv, kleiner oder großer Zoombereich, Hauptaugenmerk auf Video etc) um dann dementsprechend die nächste Kamera anzubieten.

Ich persönlich nutze die G5x II und würde mir da eine Nachfolgerin wünschen… Oder eine Canon Vergleichbar mit der Pana LX100 II denn wenn diese dann ein schwenkbares Display hätte wäre das ein toller Ersatz

Carol

Wenn sie mal nen Nachfolger der G1x III rausbringen würden der keine 1500€ kostet. Dann könnte sich die Apsc Konkurrenz warm anziehen.

Helikopter

Woher weißt Ihr, wie alt die Zuschauer der YT Videos sind? Das ist ja erschreckend.

Gurken

Bist du neu im Internet?

Stefan #made

Gedanken über Zielgruppen sind immer gut, aber reicht das?

Das Canon gute Kameras bauen kann und offensichtlich auch wieder welche verkauft, ist nichts Neues und aus Sicht des Unternehmens natürlich erfreulich.
Als jahrzehntelanger Nutzer -Zielgruppe hin oder her (ich kaufe ja auch Kameras für den Rest der Familie oder berate Schwiegereltern etc) wundere ich mich, wieso Nutzerfreundlichkeit, user interface design und smart device Integration (app/Handy/WLAN) so sträflich vernachlässigt werden. Selbst bei den R Modellen ist das miserabel, instabil und nicht zeitgemäß gelöst. Das interessiert aber viele mehr als noch eine elfte schicke Zusatzfunktion.

Markus B.

Interessante Einschätzung. Da fragt man sich aber, warum Canon im APS-C Bereich ausser der R7 nichts gescheites anbietet. Bei den beiden abgespeckten Plastikbombern R100/R50 macht es weder Spass sie zu benutzen, noch sie zu besitzen.

Steffen Schöwel

Ich mache mit meiner Leica M11 beides ich freue mich zu besitzen und sie auch zu benutzen. Natürlich für bestimmte Einsatzgebiete braucht es auch eine Wald und Wiesen Canon R5 ! Ich liebe es aber lieber weniger mit mir herumzuschleudern! also Leica !🌞👍

Photografix Newsletter

In unserem kuratierten Newsletter informieren wir dich regelmäßig über die wichtigsten News und Gerüchte aus der Welt der Fotografie.

Wir senden keinen Spam und teilen niemals deine E-Mail-Adresse.
Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.