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Sony A9: Das Aus für Canon und Nikon? [Teil 2]

Stellt Sony mit der A9 eine ernstzunehmende Gefahr für Canon und Nikon dar? In Teil 2 unseres Artikels kommen wir zu einem finalen Fazit.

Teil 1 dieses Artikels noch nicht gelesen? Dann hier entlang!

Warum Sony eine Gefahr für Canon und Nikon darstellt

Kommen wir zurück zu der etwas provokant gestellten Frage aus der Überschrift: Bedeutet die Sony A9 nun das Aus für Canon und Nikon? Wenn man sich das Profisegment im Sportbereich anschaut und die technischen Daten der drei Kameras miteinander vergleicht, dann könnte man tatsächlich zu dem Schluss kommen, dass Sony der Konkurrenz mit der A9 (und entsprechenden Nachfolgern) langsam aber sicher das Licht ausknipsen wird. Aus technischer Sicht ist die Sony A9 den Kameras von Canon und Nikon einfach Jahre voraus!

Was aus meiner Sicht aber vielleicht noch gravierender ist, ist die Tatsache, dass es sich bei der Sony A9 um eine spiegellose Systemkamera handelt, während Canon und Nikon nach wie vor auf DSLRs setzen. Warum diese Tatsache gravierend ist? Weil es im Bereich der DSLMs noch wesentlich mehr Spielraum für Verbesserungen gibt, während Canon und Nikon aus den DSLRs inzwischen das meiste herausgeholt haben dürften.

Nehmen wir mal die Sucher als Beispiel. Vor einigen Jahren noch war der elektronische Sucher eine DSLM dem optischen Sucher einer DSLR im Sportbereich gnadenlos unterlegen – die Lags waren einfach zu gravierend. Heute gibt es quasi keine Lags mehr. Und der Sucher der Sony A9 ist jetzt doppelt so hell wie vorherige Sucher der A7 Serie. Und es gibt keine Blackouts bei voller Serienbildgeschwindigkeit. Und man sieht direkt wie sich die gewählten Einstellungen auf das Bild auswirken. Sind die EVFs der spiegellosen Kameras den optischen Suchern nun schon deutlich überlegen? Vielleicht nicht. Aber Sony wird die Sucher in den nächsten Jahren weiter verbessern, während Canon und Nikon quasi keine Möglichkeit haben, mit ihren optischen Suchern nachzuziehen. Bei anderen Komponenten ist das ganz ähnlich.

Warum Canon und Nikon (noch?) nicht untergehen werden

Doch technische Daten einer Kamera sind letztendlich natürlich nur die halbe Miete. Und es gibt drei ganz entscheidende Punkte, die FÜR Canon und Nikon sprechen – mal ganz von persönlichen Geschmäckern abgesehen, die das kleine Gehäuse der Spiegellosen vielleicht einfach nicht mögen und deshalb bei ihrer DSLR bleiben möchten. Diese drei Punkte sind:

  • Canon und Nikon haben sich seit vielen Jahren eine treue Community aufgebaut
  • Canon und Nikon haben das wesentlich bessere Sortiment an Objektiven
  • Canon und Nikon bieten den besseren Service an

Treue Community, mehr Objektive, besserer Service. Diese drei Gründe werden auch in den nächsten Jahren dafür sorgen, dass Kunden zu Kameras von Canon oder Nikon greifen, auch wenn Modelle wie die Sony A9 vielleicht die wesentlich besseren Spezifikationen zu bieten haben.

Ich möchte die verschiedenen Sortimente an Objektiven jetzt nicht im Detail miteinander vergleichen. Auch weil ich da als “Nicht-Profi-Fotograf” einfach auf zu wenige eigene Erfahrungen zurückgreifen kann. Manche sind von den Sony Objektiven begeistert, andere finden die Objektive “in Ordnung” und in den Augen mancher sind die Objektive völlig unbrauchbar und überteuert. Hier hat jeder seine Meinung.

Großes Fazit

Damit möchte ich zum endgültigen Fazit kommen und die in der Überschrift genannte Frage final beantworten: Nein, meiner Meinung nach bedeutet die Sony A9 nicht das Aus für Canon und Nikon im Profisegment.

Es gibt allerdings ein “aber”. Und zwar ein ziemlich großes.

Das Problem für Nikon und Canon ist, dass Sony nun aus technischer Sicht quasi uneinholbar davongezogen ist. Zudem ist es ein großer Vorteil für Sony, dass spiegellose Systemkameras im Vergleich zu Spiegelreflexkameras gewissermaßen noch in den Kinderschuhen stecken, hier gibt es also noch vergleichsweise viel Spielraum für Verbesserungen und weitere Innovationen. Das heißt, dass Sony in den nächsten Jahren aus technischer Sicht vermutlich noch weiter enteilen wird, wenn das Unternehmen das Tempo der letzten Jahre beibehält.

Die größten Schwächen von Sony sind fehlende Objektive und ein schwacher Service. Okay, nun schaut mal, wie lange es die Serie der A7 Kameras schon gibt. Die erste Sony A7 wurde im Oktober 2013 vorgestellt. Das sind noch nicht einmal vier Jahre! Da ist es doch völlig klar, dass es da noch Defizite in Sachen Objektive gibt. Darüber ist sich Sony natürlich auch im Klaren und ich bin mir sicher, dass Sony hier in den nächsten Jahren kräftig nachbessern wird.

Gleiches gilt für den Service. Man sieht bei der Sony A9, dass sich Sony einige Kritkpunkte der Kunden zu Herzen genommen hat. Und ich kann mir gut vorstellen, dass Sony das auch im Service-Bereich machen wird. Bei dem Event in New York ist im Übrigen bereits durchgesickert, dass Sony in Teilen der USA einen neuen Pro Service etablieren möchte. Das sagt Matt Granger in seinem Video zur Sony A9.

Wenn wir im Mathematikunterricht in der Schule wären, dann könnten wir jetzt ein paar schöne Wachstumskurven zeichnen. Canon und Nikon sind schon viel länger am Markt vertreten, dementsprechend haben sie einen Vorsprung. Doch Sony wächst – und Sony wächst verdammt schnell. Viel schneller als Canon und Nikon. Wenn sich das nicht ändert, Sony nicht nachlässt, vor allem im Bereich der Objektive Gas gibt und Canon und Nikon nicht aus ihrem kleinen Winterschlaf erwachen – dann würde es mich insgesamt nicht wundern, wenn Sony in sagen wir 10 Jahren die Vorherrschaft von Canon und Nikon beendet hätte.

Wie steht ihr zur neuen Sony A9? Und denkt ihr, dass Sony Canon und Nikon im Profisegment wirklich gefährlich werden kann? Vielleicht nicht heute, aber mittel- bis langfristig?

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Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 3.300 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

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