Leica • Kameras

Leica-Testkamera von 1923 für 4,25 Millionen versteigert

Sammler haben in Wetzlar lange um eine der ältesten Leica-Kameras geboten. Das Ergebnis übertraf die Schätzung deutlich.

Eine Leica 0-Serie mit der Seriennummer 103 ist am Samstag bei der achten Wetzlar Camera Auctions für 4,25 Millionen Euro inklusive Premium versteigert worden. Die Kamera entstand 1923, zwei Jahre bevor Leitz die Leica in Serie auf den Markt brachte.

Eine von 16 erhaltenen Testkameras

Leitz baute damals nur 22 bis 25 Exemplare der 0-Serie, um Oskar Barnacks Kleinbildkamera vor dem Serienstart zu erproben. Laut Katalog existieren heute noch 16 davon. Die Zählung begann bei 101, die Nummer 103 gehört also zu den allerersten. Das Auktionshaus hatte mit 1,5 bis 2 Millionen Euro gerechnet. Mitinhaber Lars Netopil nannte die 0-Serie gegenüber PetaPixel den “heiligen Gral des Leica-Sammelns”.

Aus demselben Umfeld stammt eine Leica Modell A, die der Katalog nach Wilhelm Schäfer benennt. Schäfer arbeitete direkt mit Barnack zusammen und fertigte unter anderem die bekannten Zeichnungen der 0-Serie und der Leica I an. Seine Kamera brachte 225.000 Euro.

Vergoldete Luxus-Leica und ein M4-Versuchsmuster mit Lötnähten

Leitz stellte 1929 eine Schmuckausführung der Leica mit vergoldeten Metallteilen vor, kurz nach Barnacks 50. Geburtstag. Eine dieser Luxus-Leicas ging in Wetzlar für 375.000 Euro an einen neuen Besitzer. Genauso viel zahlte ein Sammler für ein frühes Versuchsmuster der Leica M4. Unter der Verchromung der handgefertigten Deckkappe sind noch die Lötnähte zu sehen.

Schwarz lackierte Messsucher-Leicas waren wie gewohnt gefragt. Eine MP, die Leitz 1957 nach New York auslieferte, kam auf 325.000 Euro. Eine frühe M3 aus einer Sonderserie von nur etwa 90 schwarzen Exemplaren erzielte 187.500 Euro.

Unter den aktuellen Modellen fiel ein komplettes Set der Leica M11 Centennial in glänzend schwarzem Lack aus dem Jubiläumsjahr 2025 auf. Es brachte 100.000 Euro und lag damit deutlich über der Schätzung von 50.000 bis 60.000 Euro.

Kameras mit Vorbesitzern

Eine Leica M4-P aus dem Besitz des Straßenfotografen Garry Winogrand brachte 27.500 Euro und damit mehr als das Doppelte der Schätzung. Der portugiesische Fotograf Henrique Manuel Botelho fotografierte mit seiner Leica IIf einst Pablo Picasso in Vallauris. Picasso signierte die Kameratasche, das Set erzielte 8.125 Euro.

Den größten Sprung machte ein experimenteller Leitz-Prototyp für das Quadratformat 24×24 mm aus der frühen Nachkriegszeit. Der Katalog hatte ihn auf 12.000 bis 15.000 Euro geschätzt, am Ende kostete er 137.500 Euro.

Sowjetische Raumfahrtkamera und ein Fisheye mit 220 Grad

Jenseits von Leica gab es auch noch diese beiden Lose für je 75.000 Euro. Eines war ein Set der Arsenal Salyut 1V, die 1968 für das sowjetische Raumfahrtprogramm entstand. Mitinhaber Jo Geier beobachtet bei sowjetischer Raumfahrttechnik inzwischen ein ähnliches Sammlerinteresse wie bei Kameras aus NASA-Missionen. Das andere war ein Vorserienexemplar des Fisheye-Nikkor 6,2 mm f/5,6, dessen Bildwinkel von 220 Grad bis hinter die Kamera reicht.

Hälfte des Erlöses entfällt auf eine Kamera

Laut Ergebnisliste fanden 230 der 259 Lose einen Käufer, zusammen kamen rund 7,8 Millionen Euro zusammen. Den Rekord für die teuerste Kamera hält weiter die 0-Serie Nr. 105 aus Barnacks eigenem Besitz, die 2022 bei der Leitz Photographica Auction 14,4 Millionen Euro erzielte. Wetzlar Camera Auctions hatte 2023 bereits eine andere 0-Serie für 2,4 Millionen Euro versteigert.

Bilder: Wetzlar Camera Auctions

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