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PhotoCraft und LightCraft im Test: War’s das für Photoshop und Lightroom?

PhotoCraft und LightCraft wollen Photoshop und Lightroom kostenlos ersetzen. Wie weit die beiden Programme schon sind und ob Adobe sich Sorgen machen muss, zeigt der Praxistest.

Anfang Oktober hat der US-Entwickler Brandon Thomas, Gründer des KI-Studios ArtCraft, sieben kostenlose Open-Source-Programme veröffentlicht, die Adobes bekannteste Software nachbilden – darunter PhotoCraft als Gegenstück zu Photoshop und LightCraft als Lightroom-Ersatz. Geschrieben hat er sie in der Programmiersprache Rust mithilfe des KI-Modells Claude Opus 5.5. Als Antrieb nennt Thomas seinen Frust über Adobes Abo-Modell. Damit hat er offenbar einen Nerv getroffen: Allein PhotoCraft hat auf GitHub inzwischen mehr als 64.000 Sterne gesammelt, LightCraft über 13.000.

Diskutiert wird seitdem nicht nur über die kostenlosen Adobe-Alternativen an sich, sondern auch darüber, ob die Nachbauten rechtlich Bestand haben und was es für die Software-Branche bedeutet, wenn KI solche Projekte in kürzester Zeit möglich macht.

Nach unserem ersten Bericht habe ich mir PhotoCraft und LightCraft aus der ArtCraft-Familie selbst angesehen. Getestet habe ich die Mac-Versionen PhotoCraft 0.9 und LightCraft 0.8. Beide Programme stecken noch in einem sehr frühen Stadium, der Test ist deshalb nur eine Momentaufnahme. Da die Entwicklung rasend schnell voranschreitet, dürfte vieles hier Beschriebene schnell veraltet sein. Unter Linux oder Windows kann außerdem manches ganz anders oder auch gar nicht funktionieren.

Über den Autor:

Jürgen Wolf ist seit über zwei Jahrzehnten als Autor von Büchern und Artikeln zum Thema Fotografie tätig. Viele seiner im Rheinwerk Verlag erschienenen Bücher drehen sich um das Thema Bildbearbeitung und beschäftigen sich mit Programmen wie Photoshop, Lightroom, Capture One oder Luminar.

PhotoCraft als Photoshop-Ersatz: vertraut, aber noch holprig

Die Installation verlief auf dem Mac problemlos, der Start ging flott. Photoshop-Anwender finden sich sofort zurecht: Menüs, Ebenen, Masken und Einstellungsebenen liegen dort, wo man sie kennt, auch die Tastenkürzel sind, soweit ich sie getestet habe, dieselben.

Ebenen und Ebenenmasken funktionieren ohne Probleme. Als Einstellungsebene habe ich eine Kurve ausprobiert, sie arbeitet ruckelfrei und fühlt sich so gut an wie in Photoshop.

Beeindruckend sind auch die Bedienfelder. Konnte ich sie in der Woche zuvor auf dem Mac weder anordnen noch an- und abdocken, ist das inzwischen ebenfalls möglich. Auch das Ebenen-Bedienfeld war bis vor Kurzem noch sehr statisch, Gruppen ließen sich nicht ein- und ausklappen. Wie schnell das verbessert wurde, zeigt, welches Tempo die Entwickler vorlegen.

Das Öffnen von PSD-Dateien klappt auf den ersten Blick sehr gut. TIFF, JPG und PNG lassen sich ebenfalls problemlos öffnen und speichern. HEIC-Dateien ließen sich anfangs nicht öffnen, inzwischen funktionieren auch sie.

Bei genauerem Hinsehen zeigen sich aber Probleme bei PSD-Dateien: Ein Schlagschatten übernimmt plötzlich die gesamte Größe der Ebene, und Textebenen lassen sich zwar editieren, sobald man aber etwas schreibt, ist das komplette Layout verhauen. Mir scheint, dass hier – wie schon beim Schlagschatten – die Begrenzungen von Effekten und Text beim Import falsch berechnet wurden.

An ein professionelles Weiterarbeiten an einer vorhandenen Photoshop-PSD ist deshalb noch nicht zu denken, ganz besonders nicht bei komplexeren Dateien. Speichern lässt sich die PSD-Datei zwar, doch Photoshop will mit ihr dann nichts mehr zu tun haben. In PhotoCraft selbst lässt sie sich dagegen wieder öffnen.

Beim Auswählen von Motiven zeigt sich PhotoCraft noch dürftig. Ein Motiv wird zwar erkannt, aber viel zu ungenau, gerade bei feinen Haaren oder Kanten. Nacharbeiten ließe sich mit “Auswählen und maskieren”, doch das Werkzeug scheint noch ohne echte Funktion zu sein, obwohl die Entwickler es bereits anbieten und mit feinen Haarkanten werben: Der Dialog lässt sich zwar schon teilweise aufrufen, aber die Pinsel fehlen noch, mit denen ich Bereiche selektieren bzw. deselektieren kann. Auswahlen mit dem Schnellauswahl-Werkzeug und dem Zauberstab sind dagegen durchaus brauchbar, vorausgesetzt, das Motiv ist nicht zu komplex.

Alltagskorrekturen wie Kurven, Tonwerte oder Einstellungsebenen mit Masken funktionieren sehr gut und flüssig. In meinem Test scheinen fast alle Filter dabei zu sein und auch zu funktionieren. Das ist beeindruckend, damit hatte ich nicht gerechnet. Was noch fehlt, sind KI-Funktionen wie Generatives Füllen.

LightCraft als Lightroom-Ersatz: flüssige Entwicklung, aber fehlende Kamera- und Objektivprofile

Weiter geht es mit LightCraft, das als Klon von Lightroom gilt. Die Oberfläche erinnert stark an das Vorbild, ihr findet alles dort, wo ihr es von Adobe her kennt. Der Import von Bildern funktioniert in der Regel problemlos. Bei einigen Dateien wie Canon CR3 oder komprimierten Raws von Fujifilm und Olympus werden allerdings nur die eingebetteten Vorschauen geöffnet.

Die Entwicklung verläuft erstaunlich gut. Belichtung, Lichter und Tiefen lassen sich wie gewohnt anpassen, auch die Tonwertkurve und Farbfunktionen wie Weißabgleich, Color Grading oder der Farbmixer arbeiten so, wie man es von Lightroom kennt. Das hat mich positiv überrascht, zumal die Regler flüssig und ohne Verzögerung reagieren.

Schmerzlich vermisst habe ich die Kamera- und Objektivprofile, sie fehlen noch komplett. Ein importiertes Raw sieht deshalb zunächst dunkel und trübe aus, die Ausgangsbasis für die Bearbeitung ist insgesamt schlechter als in Lightroom.

Herkömmliche Masken wie Pinsel (Brush), lineare und radiale Verläufe sowie Helligkeitsmasken (Luminance) lassen sich sehr gut verwenden. Die Farbmaske (Color) wollte bei mir noch nicht funktionieren. Bei den intelligenteren Masken Objekt (Object) und Beschreiben (Describe) erscheint beim Anklicken ein Dialog, der zur Installation des Meta-Modells SAM 3 auffordert.

SAM 3 gehört nicht zu LightCraft und ist rund 3,4 GB groß. Laut Dialog lässt es sich in meiner Version noch nicht automatisch laden, ihr müsst drei Dateien von Metas facebook/sam3 selbst in den angezeigten Ordner legen. Wie das geht, steht in der Anleitung der Entwickler.

In der Vorgängerversion war die Schärfung meiner Meinung nach extrem grob und erzeugte selbst bei Standardwerten harte Artefakte. Mittlerweile ist das deutlich verbessert, wenn auch die Standardeinstellung für meinen Geschmack noch zu stark nachschärft. Allerdings kann man das ja nachregeln. Das KI-Entrauschen war bei mir noch nicht dabei, es braucht ein Zusatzmodell, das ihr selbst installieren müsst, und unterstützt laut Readme bislang nur Kameras mit Bayer-Sensor, Fujifilm mit X-Trans also nicht.

Muss sich Adobe Sorgen machen?

Mein Eindruck von PhotoCraft und LightCraft ist gemischt. Einerseits ist es beeindruckend für ein erst wenige Wochen altes Projekt. Andererseits sind beide Programme noch nicht stabil und auf keinen Fall vollständig genug, um Photoshop oder Lightroom zu ersetzen, geschweige denn produktiv eingesetzt zu werden. Trotzdem bin ich ein wenig positiv überrascht. Ganz speziell LightCraft weiß bereits durchaus zu gefallen und dürfte gerade Linux-Anwender freuen, für die es Lightroom generell nicht gibt.

Man kann zudem davon ausgehen, dass sich das Projekt in den nächsten Wochen und Monaten stark weiterentwickeln wird. Dabei haben wir uns hier nur PhotoCraft und LightCraft näher angeschaut. Es bleibt spannend, wie das gesamte Craft-Projekt (das ja noch deutlich mehr Programme umfasst) künftig verwaltet und weiterentwickelt werden soll.

Im Augenblick muss sich Adobe keine Sorgen machen, ganz aus der Schusslinie ist der Konzern aber nicht, weil die Entwickler viel Tempo vorlegen und die ähnliche Bedienung Umsteiger anlocken könnte. Offen ist zudem, wie Adobe auf die Clean-Room-Nachbauten reagiert. Die Entwickler versichern, keinen Adobe-Code verwendet zu haben, bestätigt ist das nicht.

Finanzieren könnte sich das Projekt indirekt über Abos. ArtCraft verkauft Credits für seine separate App zur KI-Bild- und Videogenerierung, das günstigste Abo beginnt bei 10 US-Dollar im Monat (rund 9 Euro). Die Programme selbst bleiben kostenlos, laut Preisseite sollen die Abos die Entwicklung der freien Software mitfinanzieren.

Alternativen zu Adobe gibt es schon jetzt

Wer sich von Adobe abwenden will, muss nicht zwingend auf PhotoCraft und LightCraft setzen. Es gibt bereits genügend stabile Alternativen, wir haben euch dazu jeweils einen Artikel mit Photoshop-Alternativen und Lightroom-Alternativen zusammengestellt.

Spannend ist eher die Frage, was als Nächstes kommt. Die Software-Hersteller dürften jetzt vorgewarnt sein: Ein einzelner Entwickler hat mit KI-Unterstützung in kurzer Zeit Programme gebaut, die zumindest vertraut aussehen. Wie Adobe darauf reagiert, bleibt abzuwarten, ebenso, wie die KI-Anbieter mit solchen Projekten umgehen.

Habt ihr PhotoCraft oder LightCraft schon ausprobiert, und wie waren eure Erfahrungen damit?

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5 Kommentare
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Alfred Proksch

Ab Mitte Januar 2027 habe ich mehr „Luft“ für Experimente. Auf einem meiner etwas älteren (5-Jahre) Rechner ist Linuxmint als Betriebssystem installiert. Genau dafür möchte ich diese Open-Source-Programme verwenden. Wäre doch gelacht wenn man sich nicht ohne gravierende Nachteile aus dem Adobe „Klammergriff Abo System“ befreien könnte. Viele Software Anbieter benutzen die „Konto – Automatismen“ unter anderen Namen ebenso gerne um dem Anwender das Geld aus der Tasche zu ziehen.

Es ist nicht so das ich alles umsonst verwenden möchte, NEIN – ich möchte Software kaufen sowie ohne Einschränkung verwenden können. Bietet mir der Hersteller ein Update an dann bezahle ich gerne wenn mir die neuen Funktionen von Nutzen sind. Das alte Prinzip: „Hier die Ware – Hier das Geld dafür“ muss erhalten bleiben. Für die private Nutzung müsste das „Pflicht“ sein um eine Überschuldung-Gefahr zu minimieren. Punktgenaue Abrechnung (wie die Stromabrechnung) von geschäftlich genutzter Software ist etwas komplett anderes. In diesem Fall sind „Credits“ in Ordnung. Privaten Anwendern empfehle ich die Finger von Abos oder Credits zu lassen! Rechnet doch einfach mal ehrlich zusammen was ihr für diverse Smartphone-Anwendungen, Netflix, Leasing pro Jahr aufbringen müsst. Zehn Euro im Monat sind 120 Euro pro Jahr!

licht+perspektive

Da werden tausende Euros in meist überflüssiges Kamerabody und/oder Objektivgedöne investiert (das meiste davon verstaubt in der Vitrine) aber 6 Euro im Monat für ein LR-Jahres-Abo (zum BlackFriday) und zur Entwicklung der eigenen RAW´s ist dann ungehörig. Finde den Fehler.

zo34

Gedunden! Das Apostroph (Auslassungszeichen) bei “RAW’s”.

Carsten Klatt

Die Programme sind beeindruckend. Bei dem Entwicklungstempo sind sie spätestens im nächsten Jahr eine Alternative zu Photoshop und Co. Ich finde das Klasse 👍

Stefan Zimmermann

Ich kann euch beide verstehen, sowohl Alfred als auch licht+perspektive. Ich selbst bin ebenfalls kein großer Freund von Abos. Allerdings sehe ich das Thema nicht ganz so schwarz-weiß. Es gibt durchaus Situationen, in denen ein Abo sinnvoller und sogar günstiger sein kann als eine Kauflösung. Nehmen wir beispielsweise das Streaming von Filmen. Früher habe ich in der guten alten Videothek für ein paar ausgeliehene Filme mehr ausgegeben, als mich heute ein Monat bei einem Streaminganbieter kostet. Von der Fahrerei, den Parkgebühren und dem Zeitaufwand ganz zu schweigen. Heute buche ich einen Anbieter für einen Monat, schaue mir an, was mich interessiert, und kündige wieder. Ein paar Monate später ist dann vielleicht ein anderer Anbieter dran. Da ich Filme ohnehin nur äußerst selten ein zweites Mal anschaue, ist das für mich eine deutlich günstigere Lösung als früher. Wer die Videothekenzeit noch kennt, weiß, was ich meine. 😉 Bei Musik ist es ähnlich. Ich streame beispielsweise über Tidal für gerade einmal 80 Cent im Monat. Das ist allerdings ein Sonderpreis, der nicht allgemein verfügbar ist. Für diesen Betrag muss ich nicht lange überlegen. Würde mich der Dienst hingegen 20 Euro monatlich kosten, wäre er mir das persönlich nicht wert. Und wer gar… Weiterlesen »

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