Inspiration & Praxis

Dieser YouTuber hat eine Filmkamera gebaut und sie ist viel besser, als du denkst

Der YouTuber Henry Kidman hat eine funktionsfähige 16-mm-Filmkamera komplett mit 3D-Druckteilen nachgebaut und damit gezeigt, dass präzise Filmaufnahmen auch mit selbstgebauter Hardware möglich sind.

Ich bin auf Googles Videoplattform kürzlich über ein wirklich sehenswertes Video gestolpert, das ich euch dringend ans Herz legen möchte! Wie weit kommt man mit ein paar Materialien, einem hochgesteckten Ziel und ausreichend Durchhaltevermögen? Der noch eher unbekannte YouTuber Henry Kidman hat ein verrücktes Experiment gewagt. Ich kann euch empfehlen, das verlinkte Video direkt zu schauen, um euch überraschen zu lassen – ansonsten findet ihr nachfolgend die wichtigsten Meilensteine der Entwicklung.

Das ambitionierte Projekt begann mit der grundlegenden Herausforderung, Film ruckweise in genau der richtigen Geschwindigkeit zu bewegen. Während der Belichtung muss der Film absolut stillstehen, zwischen den Aufnahmen jedoch schnell weitertransportiert werden. Herkömmliche Filmkameras verwenden dafür komplizierte Klauenmechanismen, die durch Perforationen im Film greifen und ihn Bild für Bild weiterziehen.

Kidman wählte einen einfacheren Ansatz. Er löste das Problem mit einem Arduino-gesteuerten Schrittmotor und einem 3D-gedruckten Zahnrad, das den Film 25-mal pro Sekunde exakt einen Frame weiterbewegt. Die Präzision war entscheidend, da bereits kleinste Ungenauigkeiten zu verwackelten Aufnahmen führen.

Für die Belichtungssteuerung konstruierte er einen rotierenden Verschluss, der das Filmfenster während der Filmbewegung abdeckt. Diese rotierende Scheibe öffnet und schließt das Filmfenster synchron zur Filmbewegung. Nur wenn der Film komplett stillsteht, fällt Licht auf das lichtempfindliche Material.

Die größten technischen Hürden lagen in der Präzision der Mechanik. Die Flange-Focal-Distance, also der Abstand zwischen Objektivanschluss und Filmebene, musste auf hundertstel Millimeter genau eingestellt werden. Für Sony E-Mount-Objektive sind das exakt 18 Millimeter. Kidman verwendete dafür zunächst Papierstreifen, um diese kritische Dimension zu erreichen, druckte später jedoch nochmal Teile neu und schliff sie mit Sandpapier ab.

Weitere Probleme entstanden durch das verwendete UV-härtbare Kunstharz. Da es leicht lichtdurchlässig ist, entstanden Lichtlecks, die das Filmmaterial verschleierten. Kidman löste dies mit mehreren Schichten metallischer und schwarzer Farbe sowie einer Filzauskleidung des gesamten Kamerainneren.

Die 3D-gedruckten Zahnräder verursachten zunächst Abrieb, der als Staub auf den Filmbildern sichtbar wurde. Ein spezielles abriebfestes Kunstharz schaffte hier Abhilfe. Auch Kratzer auf dem Film durch raue gedruckte Oberflächen beseitigte er durch Schleifen und Polieren aller filmberührenden Teile.

Ein verzogenes Zahnrad sorgte für wackelige Aufnahmen, da der Film nicht immer exakt an derselben Position stoppte. Kidman entwickelte eine clevere Lösung für die Nachbearbeitung. Er fügte kleine Markierungen am Filmfenster hinzu, um die Bildposition zu verfolgen und die Verwacklung digital zu korrigieren.

Als ein Forenmitglied namens Tyler behauptete, 3D-gedruckte Kameras könnten niemals professionelle Ergebnisse liefern, postete Kidman seine Aufnahmen unter falschem Namen. Er gab sie als Beispiele einer 17.000-Dollar-Profikamera aus. Die Täuschung gelang vollständig. Im veröffentlichten Video montierte er die Kamera sogar an eine Drohne.

Um der ganzen Sache noch eins draufzusetzen: Kidman baut ein zweites Exemplar dieser einzigartigen Kamera und verlost sie am 24. Dezember in einem Livestream. Teilnehmen könnt ihr über Patreon.

Bilder: Henry Kidman

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Patrick > Original Gangsta Dawg

Kamerahersteller hassen diesen Trick.

Finny

Ich finde das Sehr cool 😎

joe

Nicht alle der Gen Z scheinen verblödet zu sein! Es gibt doch noch Hoffnung!

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