Was Zeiss als nächsten großen Fortschritt in Sachen Objektive anteaserte, ist jetzt da. Sieben anamorphe Brennweiten mit klassischem Look und moderner Datenanbindung.
Zeiss hat die Horizon Anamorphic vorgestellt, eine neue Reihe anamorpher Kino-Festbrennweiten für Vollformat mit zweifacher Stauchung. Die Serie umfasst sieben Brennweiten von 35 bis 200 mm, und Fokus- sowie Blendenmotoren sitzen direkt im Objektivkörper. Externe Motoren, wie sie sonst ans Objektiv geklemmt werden, entfallen damit.
Zeiss hatte die Neuvorstellung zwei Wochen zuvor als “den nächsten großen Fortschritt in der Objektivtechnik” angekündigt. Der Einladungs-Slogan “Experience a new Horizon in Zeiss Lens Technology” trug den Produktnamen schon in sich.
Sieben Brennweiten mit integrierten Motoren
Die Reihe deckt 35, 40, 50, 75, 100, 150 und 200 mm ab. Die Lichtstärke liegt durchgängig bei T2.3, nur das 200 mm öffnet bis T2.9. Die eingebauten Motoren arbeiten laut Zeiss leise und lassen sich über serielle oder LBUS-Verbindung mit Steuerungen von ARRI und Preston ansprechen.



Jedes Objektiv merkt sich seine Fokus- und Blendenpositionen selbst, ab Werk eingemessen. Statt die Skalen bei jedem Umbau neu zu kalibrieren oder die Motoren neu einzurichten, ziehen Kamerateam und Schärfeassistenz die Werte direkt aus dem Objektiv. Auf dem Tubus sitzen außerdem kleine Displays und Touchflächen, über die sich Fokus und Blende direkt am Objektiv kontrollieren lassen.
Den Bildcharakter legt Zeiss bewusst neutral an. Die Optiken sollen Filter, LUTs und unterschiedliche Lichtsetups annehmen, ohne von sich aus einen festen Look mitzubringen. Wer mehr Charakter will, setzt ein optionales Element am hinteren Ende ein. Es sitzt im Interchangeable Mount System (IMS) und lässt sich mit acht Schrauben tauschen. Schärfe, Kontrast und Bildwirkung verschieben sich dann, während Maßstab und Kalibrierung gleich bleiben.



Ausrichtung auf VFX
Geringe Verzeichnung, stabile Farben und reduzierte Abbildungsfeher sollen die Objektive für VFX-lastige Produktionen tauglich machen, etwa für sauberes Freistellen und Kameratracking. Alle sieben Brennweiten nutzen LPL-Mount und einen einheitlichen Frontdurchmesser von 114 mm, was den Wechsel an Handgriff, Gimbal, Drohne oder Kran erleichtert.
Den Anfang machen 40, 50 und 75 mm ab September 2026, die übrigen Brennweiten folgen bis 2027. Preise nennt Zeiss noch nicht. Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Webseite.
Panoptes 65 für das große Format
Daneben rückt Zeiss eine zweite Kinoreihe in den Fokus. Die bereits im Februar angekündigte Panoptes 65 feiert auf der Cine Gear Expo in Los Angeles ab dem 5. Juni ihre erste Vorführung zum Anfassen, und Zeiss hat dazu neue Details nachgereicht. Das Set umfasst zehn Festbrennweiten für 65-mm-Sensoren, von 25 bis 180 mm bei durchgängig T2.2.

Mit einem Bildkreis von 59,9 mm deckt es Kameras wie die ARRI Alexa 265, die Blackmagic URSA Cine 17K 65 und die Fujifilm GFX Eterna 55 ab. Acht der zehn Optiken haben einen Frontdurchmesser von 95 mm, das 25 und das 180 mm gehen auf 114 mm. Alle tragen LPL-Mount und Zeiss eXtended Data für die Anbindung ans CinCraft-Ökosystem.
via: Photorumors


Ist denn heutzutage wirklich keiner mehr in der Lage, an zwei Ringen zu drehen?
Demnächst werden noch Kameras gebaut, sie automatisch und selbsstätig Objektive wechseln, was den geistigen Fähigkeiten großer Massen der Bevölkerung entgegen käme.
In einer Welt, in der jeder Hans und Franz nicht nur eine Meinung hat, sondern auch ganz genau weiß, was die Welt braucht und was Ingenieure eigentlich entwickeln sollten. In einer Welt, in der Tastatur-Rambos scheinbar mehr Ahnung haben als die CEOs und Entwicklungsteams großer Unternehmen – und das alles dank jahrelanger Hobbyfotografie.
Du spielst natürlich Champions League.
Diese Objektive wurden nicht entwickelt, damit „keiner mehr den Fokus ziehen muss“, sondern damit weniger Kabel am Rig hängen. Damit digitale Objektivsteuerung drahtlos funktioniert, ohne zusätzliche Zahnkränze. Weniger Gewicht, weniger Komplexität, weniger Mikrowackler.
Dafür sind sie in erster Linie da.
Aber du weißt es natürlich besser. Ich meine, warum sollte man sonst unter diesem Beitrag kommentieren?
@ Radioreinhard
Ist denn heutzutage wirklich keiner mehr in der Lage, an zwei Ringen zu drehen? …
Hallo Reinhard,
auch bei diesen Objektiven muss jemand an den beiden Ringen drehen (bzw.
sie werden sich auch hier nicht automatisch und/oder selbsttätig drehen), nur
eben indirekt über eine Fernsteuerung. Die Methode mit einer Fernsteuerung
wird auch jetzt schon benutzt, aber der Unterschied zu der aktuellen Methode
ist, dass es bei der neuen Methode weniger Kabel gibt. Wie eine Kinokamera
(mit der aktuellen Methode) aussehen kann, kann man z.B. hier sehen:
https://ymcinema.com/2020/11/24/womens-cinema-meet-1st-ac-amanda-wojtaszek/
Danke für den Link ….ist schon Wahnsinn was alles dahinter steckt 👍🎥
Auf den Link bezogen: Das erinnert mich an frühere „aufwendige“ Fotoproduktionen als noch Kulissen (Hintergründe) gebaut wurden, das „Licht“ einen halben Tag benötigte, jedes Kleinteil inklusive alle Kabel „sicher verlegt“ waren. Dreißig Männer und Frauen emsig auf dem Set herumliefen.
Sehe ich im Gegensatz dazu wie „einfach“, ökonomisch, vor allen Dingen qualitativ hochwertig die Ergebnisse heute sind, die nachträgliche Bearbeitung geschmeidig abläuft dann ist das ein Segen.
Da bleibt einem nur noch übrig den Leuten von Zeiss viel Erfolg für ihre Horizon Anamorphic Generation zu wünschen.
Im Vergleich dazu sind – Mittelformat, Objektive plus Stativ auf eine Anhöhe transportieren um sie mit dem Smartphone auszulösen – Pippikram, oder?