Inspiration & Praxis

„Millenium Camera“ soll 1.000 Jahre in einem Foto festhalten

Heute schon daran gedacht, wie die Welt in 1.000 Jahren aussieht? Eine ganz besondere Kamera soll die Entwicklung über diese Zeit beobachten.

Lochkamera mit Goldfolie

In Tucson, Arizona wurde kürzlich ein höchst ungewöhnliches Kamera-Projekt gestartet. Bei der sogenannten „Millennium Camera“ handelt es sich um eine Lochkamera, die im Laufe ihres Lebens nur ein einziges Bild aufnehmen wird. Die Belichtungszeit dieses Bildes wird allerdings ganze 1.000 Jahre betragen.

Erdacht wurde das Experiment von dem Philosophen Jonathon Keats von der University of Arizona. Da zum Zeitpunkt der Fertigstellung des Bildes im Jahr 3023 (höchstwahrscheinlich) niemand von uns mehr am Leben sein wird, handelt es sich weniger um eine herkömmliche Kamera als vielmehr um ein Konzeptkunst-Projekt.

Bild: Sibila Savage

Die Millennium Camera ist im Prinzip nicht mehr als eine simple Lochkamera. Allerdings wurde sie so konstruiert, dass sich die Belichtungszeit maximal ausdehnen lässt. Über ein stecknadelgroßes Loch in einer 24-Karat-Goldfolie fällt das Licht äußerst langsam auf eine lichtempfindliche Schicht aus einem rosa Ölfarbpigment.

Berge wahrscheinlich noch zu erkennen, aber was noch?

Die Kamera wurde auf dem Tumamoc Hill bei Tucson installiert und blickt auf die Stadt. Keats hofft, dass sich über die 1.000 Jahre jede landschaftliche Veränderung in Tucson auf dem Bild festhalten lässt. So könnten künftige Generationen im Jahr 3024 einen einzigartigen langen „Zeitraffer“ ihrer Heimatstadt betrachten.

Nehmen wir einen wirklich dramatischen Fall an, in dem alle Häuser 500 Jahre in der Zukunft entfernt werden. Dann werden die Berge klar und scharf und undurchsichtig sein, und die Häuser werden wie Geister erscheinen. Alle Veränderungen werden sich auf einem Bild überlagern, das Schicht für Schicht rekonstruiert werden kann, um das endgültige Bild zu interpretieren.

Jonathon Keats, Erfinder der Millenium Camera

Neben einem technischen Experiment soll die Millennium Camera aber vor allem auch die Menschen dazu anregen, über die langfristige Zukunft nachzudenken. Besucher können auf einer Bank vor der Kamera Platz nehmen und ein bisschen träumen, wie Tucson und die Welt in 1000 Jahren aussehen könnten.

Motivation für eine positive Zukunft

Laut Keats haben die meisten Menschen eine eher düstere Perspektive auf die Zukunft. Doch die Kamera soll motivieren, sich nicht nur negative Szenarien vorzustellen, sondern auch optimistischere Visionen zu entwerfen. Nur wenn man sich eine positive Zukunft vorstellen kann, werde man auch motiviert sein, heute etwas zu deren Verwirklichung beizutragen.

Ob das gewagte Experiment, eine 1.000-jährige Belichtung einzufangen, wirklich gelingen wird, ist höchst ungewiss. Doch egal ob am Ende ein Bild entsteht oder nicht – die Millennium Camera regt jetzt schon zum Nachdenken über unsere ferne Zukunft an. Solche Kameras sollen übrigens noch an mehr Orten der Welt installiert werden, etwa im chinesischen Chongqing, im Griffith Park in Los Angeles und den österreichischen Alpen.

via: DIYPhotography

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Georg

Für mich hat der letzte Absatz etwas Greifbares.
Wir sind Gast auf diesem Planeten und sollten unseren Nachkommen keine verbrannte Erde hinterlassen.

BEN

Ich vermute mal, dass die Kamera in zwei Jahren kaputt oder geklaut ist.

N1USER

Da auf der HInweistafel „Camera“ steht, wird sie wohl geklaut sein – es gibt so viele „leichte Charakter“ auf diesem Planeten 😉

Leonhard

Hoffentlich ist bei dieser Belichtungszeit der IBIS von Sony, sonst wird das nichts!

Bernd

Das geschweißte Gestell, auf dem die Kamera angebracht ist, wird nie 1000 Jahre halten. Wenn man es ernst gemeint hätte, hätte man einen Steinturm bauen müssen.

Alfred Proksch

Einer der zwischenzeitlich regierenden Idioten jagt das Ding bestimmt in die Luft – in der kurzen Zeit kann nichts wegrosten. Spätestens nächstes Jahr ist in USA wieder einer von der Sorte am Hebel.

Rüdiger

Dann kommen gleich die nächsten Fragen nach dem Material der Kamera, besonders des „Sensors“. Heiß/Kalt Wechsel, Materialermüdung, Korrosion, Biologischer Schädlingsbefall, Kondenswasser, …

1000 Jahre im Freien sind eine verdammt lange Zeit.

Aber vermutlich ging es dem Philosophen auch weniger darum, ob das technisch machbar ist.

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