Kameras

Der Absturz der Kameraindustrie und wie man ihn verhindern könnte

Die Verkaufszahlen von günstigen Kameras sinken immer weiter. Die Kameraindustrie muss reagieren, bevor es zu spät ist.

Das große Problem der Kameraindustrie

Der Markt der Einsteiger-Kameras wird kleiner und kleiner. Günstige Kompaktkameras, Bridgekameras, teilweise auch Spiegelreflexkameras für Anfänger – sie alle sterben langsam aber sicher aus.

Wer die gesamte Branche ein wenig verfolgt, der weiß, dass für diesen Absturz der Kameraindustrie hauptsächlich die Smartphones verantwortlich sind. Früher war eine Kamera fester Bestandteil einer jeden Familie. Man nahm sie mit in den Urlaub, schoss Erinnerungsfotos mit ihr, entwickelte die Bilder und zeigte sie dann Freunden und Verwandten. Irgendwann wurden die Kameras dann digital. Es entstanden Portale wie Myspace, Flickr und Facebook und so wurden die Bilder dann gerne auch mal von der Kamera auf den Computer gespielt, bearbeitet und im Anschluss ins Netz gestellt.

Und heute? Macht man Fotos mit seinem Smartphone, öffnet eine entsprechende App (Whapts App, Facebook, Instagram usw.) und klickt auf „hochladen“. Das funktioniert jederzeit und überall. Und es dauert nur wenige Sekunden.

Der gesamte Prozess vom simplen Foto hin zur „Veröffentlichung“ ist also nicht nur wesentlich unkomplizierter geworden, man braucht auch nur noch ein einziges Gerät dafür. Dementsprechend gibt es für den normalen Verbraucher heute kaum noch einen Grund, sich zusätzlich zum Smartphone eine günstige Kamera zu kaufen. Das ist für die Kameraindustrie ein Problem. Ein riesiges Problem sogar.

Dieser Thematik hat sich Fotograf Tony Northrup in einem neuen Video angenommen, welches auf den Titel „The DEATH of the Consumer Camera“ hört. Das Video möchte ich in diesem Artikel aufgreifen, Northrups Ansichten grob zusammenfassen und den ein oder anderen eigenen Gedanken ergänzen. Das Video findet ihr am Ende dieses Artikels.

Verkaufszahlen gehen seit 2008 zurück

Beginnen wir mit einem Blick auf die Verkaufszahlen von Kameras in den letzten Jahren. Diese Statistik verwendet Tony Northrup auch in seinem Video:

verkaufszahlen-kameras-seit-1999

Es ist deutlich zu erkennen: Seit 2008 stürzt die blaue Linie, die für Kompaktkameras steht, dramatisch ab. Das ist kein Zufall. Denn 2007, also ein Jahr zuvor, hat Apple das erste iPhone präsentiert. Und dass mit diesem eine lange Erfolgsgeschichte beginnen sollte, das dürfte inzwischen den allermeisten bekannt sein.

Die orangene Linie steht für DSLRs und DSLMs. Diese sollte noch einige Jahre länger ansteigen als die blaue Linie der Kompaktkameras, was unter anderem an den spiegellosen Systemkameras lag. Diese erobern nämlich seit etwa 2008 den Markt und natürlich wurden hier gerade in den ersten Jahren zahlreiche Modelle verkauft. Doch seit 2012 muss auch bei Kameras mit Wechselobjektiven ein Rückgang der Verkaufszahlen verzeichnet werden. Auch wenn dieser natürlich nicht so drastisch ausfällt wie bei den Kompaktkameras.

Weiterführender Artikel: Hersteller verkaufen so wenige Kameras wie nie zuvor

Es bilden sich zwei große Gruppen von Fotografen

Woran liegt das, dass DSLRs und DSLMs insgesamt bestehen dastehen als Kompaktkameras? Ganz einfach: Profis und ambitionierte Hobbyfotografen kaufen natürlich nach wie vor neue Kameras. Für sie könnte ein Smartphone niemals eine richtige Kamera ersetzen. Dementsprechend stellen die Verkaufszahlen im High-End-Bereich für die Kamerahersteller nicht das große Problem dar. Das Problem liegt vielmehr im Einsteiger-Segment.

Wie reagieren die Hersteller nun darauf? Ziemlich einfach: Sie konzentrieren sich verstärkt auf diesen High-End-Bereich. Viele Kameras werden im Vergleich zu ihren Vorgängern deutlich teurer (siehe Canon EOS 5D Mark IV oder Sony A6300), die Unternehmen versuchen also primär betuchte Hobby- oder Profifotografen anzusprechen. So denn noch neue Kompaktkameras auf den Markt gebracht werden, handelt es sich hier meist um sogenannte Premium-Kompaktkameras – also Kameras, die ebenfalls teuer sind. Bei den günstigen Kompakten wird nur noch ein wenig Modellpflege betrieben. Im Bereich der Einsteiger-Kameras sieht es ganz ähnlich aus. Hier gibt es oftmals keine nennenswerten Neuerungen, weshalb Kunden ihre Kameras teilweise länger behalten oder eher eine gebrauchte oder ältere Profi-Kamera kaufen, als den Nachfolger ihrer Einsteiger- bzw. Mittelklasse-DSLR zu erwerben.

All diese Faktoren führen dazu, dass sich zwei große Gruppen von Fotografen bilden. Zunächst einmal haben wir die Profis und die ambitionierten Hobby-Fotografen, die gerne mal etwas mehr Geld in neue Kameras investieren. Diese Gruppe sorgt bei den Herstellern für die größten Umsätze, was wiederum dazu führt, dass sich die Hersteller auf diese Kunden konzentrieren.

Gruppe Nummer 2 sind die ganz normalen Durchschnittsverbraucher, die inzwischen keine Kamera mehr brauchen, weil sie mit ihrem Smartphone fotografien. Das reicht für sie vollkommen aus, denn die Qualität der Smartphone-Kameras hat sich in den letzten Jahren erheblich verbessert.

Theoretisch gibt es noch – wie bereits angedeutet – eine dritte Gruppe. Die Gruppe nämlich, die irgendwo zwischen Gruppe 1 und Gruppe 2 feststeckt. Smartphones sind zu schlecht, interessante neue Kameras zu teuer. Oft werden dann etwas ältere Top-Modelle gekauft oder man bleibt bei der Kamera, die man schon seit Jahren hat.

Die Hersteller lassen den Nachwuchs fallen

Im Grunde ist das nichts wirklich Neues, dass es ganz unterschiedliche Gruppen von Fotografen gibt. Früher haben die normalen Verbraucher mit Kompaktkameras fotografiert, heute benutzen sie eben Smartphones. Der Unterschied ist für die Kamerahersteller aber gewaltig. Denn diese ganze riesige potenzielle Kundengruppe, die früher Kompaktkameras gekauft hat, ist inzwischen zu Apple, Samsung, LG, HTC, Sony und Huawei abgewandert.

Das ist das erste Problem. Doch es ist nicht das einzige Problem. Denn es ist gut vorstellbar, dass die Gruppe der Hobbyfotografen und Profis – sprich die Gruppe, die aktuell noch für viele Umsätze sorgt – in den nächsten Jahren und Jahrzehnten ebenfalls schrumpfen wird.

Diese Vermutung kommt folgendermaßen zustande: Vor zehn Jahren hat sich unser Durchschnittsverbraucher mit Namen Alexander Müller eine Kompaktkamera zugelegt. Smartphones gab es damals noch nicht, dementsprechend war die Kompaktkamera für ihn die günstigste Möglichkeit, um im Urlaub Fotos zu schießen. Mit der Zeit merkte Alexander, dass ihm das Fotografieren Spaß macht. Er legte sich also eine etwas teurere Kamera zu. Die war vom gleichen Hersteller, die Bedienung war sehr ähnlich, die Kamera wirkte vertraut. Nur war sie eben etwas besser. Mit der Zeit kamen noch ein zwei Objektive hinzu und so wurde die Fotografie für Alexander langsam zum Hobby. Ein Hobby, in das er im Laufe der Jahre viel Zeit und Geld investiert hat.

Fotografieren mit dem Smartphone. Einfach und unkompliziert.

Nun schreiben wir das Jahr 2016. Finn Maier ist 14 Jahre alt und hat wie alle seine Freunde ein neues Smartphone. Täglich werden unzählige Bilder geschossen, die dann über Whats App oder Snapchat an Freunde verschickt werden. Außerdem ist Finn auch auf Instagram aktiv und hat dort einen eigenen Account. Finn macht das Fotografieren Spaß, also überlegt er sich, ob er nicht eine richtige Kamera kaufen möchte.

Also, ab in den Media Markt und eine DSLR für Einsteiger gekauft. Finn hat zuvor noch nie eine Spiegelreflexkamera in Händen gehalten – und tippt dementsprechend bei der ersten Nutzung seiner neuen Kamera erstmal planlos auf dem Bildschirm herum. Moment mal, gar kein Touchscreen? Das ist doch die einfachste und intuitivste Form der Bedienung? Ok, dann muss man sich wohl erstmal einlesen, wie die neue Kamera überhaupt funktioniert. Denn das Menü wirkt auf den ersten Blick ziemlich verwirrend.

Okay, Finn hat sich eingelesen. Er kommt jetzt mit dem Menü zurecht. Jetzt will er ein paar Bilder machen, die er dann auf Instagram laden und per Whats App verschicken kann – wie immer eben, nur diesmal mit seiner neuen Kamera und der besseren Bildqualität. So die Fotos sind gemacht. Und jetzt? Muss man da die Speicherkarte entnehmen, den Computer anschalten, die Bilder auf den PC kopieren und sie dann hochladen. Ach Moment, auf Instagram hochladen oder per Snapchat verschicken geht ja nur über das Smartphone. Also die Bilder vom Computer auf das Smartphone übertragen, dann hochladen.

Die Alternative: Mit dem Smartphone ein Bild machen, Instagram öffnen, hochladen – fertig. Ist irgendwie viel einfacher. Finns Kamera landet ziemlich schnell wieder in der Ecke.

Ich fasse zusammen, was ich mit dieser kleinen Geschichte verdeutlichen möchte: Ja, es gibt nach wie vor zwei Gruppen von Fotografen, wie früher auch schon. Doch der Abstand zwischen Gruppe 1 und Gruppe 2 ist wesentlich größer geworden! Ein Kind von unter 10 Jahren, das mit Smartphones und Tablets aufgewachsen ist, weiß mit einer Kamera vermutlich überhaupt nichts anzufangen. Das ist wie ein Ding aus der Steinzeit. Und dieses Kind soll mal ein begeisterter Hobbyfotograf werden, der hunderte Euro in Kamera-Equipment investieren soll? Obwohl dieses Equipment in seine Welt von Snapchat und Instagram irgendwie gar nicht so richtig hineinpasst? Schwer vorstellbar.

Wie die Hersteller umdenken könnten

Im Moment geht es für die Hersteller darum, wie sie ihre Umsatzzahlen einigermaßen stabilisieren können. Die meisten investieren inzwischen noch in andere Bereiche, Medizin zum Beispiel. Zudem konzentrieren sie sich voll auf den High-End-Markt, denn dort haben sie nach wie vor viele Kunden, die bereit sind, viel Geld zu investieren.

Doch mit dieser Strategie laufen Canon, Nikon, Sony und Co. Gefahr, keine neuen Kunden und keine neuen Einsteiger mehr zu erreichen. Denn das Ziel von den sogenannten Consumer Cameras sollte es ja sein, Neukunden an Bord zu holen, sie an die eigenen Marke zu binden und sie für die Fotografie zu begeistern. So, dass sie dann später eventuell in eine teurere Kamera investieren.

Das sollte eigentlich gelingen, denn das Interesse für Fotografie und Bilder im Allgemeinen ist ja – im Gegensatz zu den Verkaufszahlen von Kameras – keineswegs geschrumpft. Im Gegenteil! In Zeiten von Instagram und Co. sind Bilder wichtiger denn je und nicht umsonst werben die Smartphonehersteller immer ganz besonders mit ihren erstrassigen neuen Kameras, die in ihren neuen Smartphones zum Einsatz kommen.

Es könnte sich für die Hersteller also lohnen, sich der „neuen Generation von Fotografen“ anzunähern und sie abzuholen. Dabei geht es nicht darum, den Smartphones Konkurrenz zu machen – diesen Kampf haben die Kamerahersteller längst verloren. Vielmehr sollte es das Ziel sein, den Schritt vom Smartphone hin zu einer richtigen Kamera unkompliziert und gleichzeitig lohnenswert zu gestalten. Tony Northrup hat in seinem Video auch ein paar Vorschläge parat, wie das gelingen könnte:

  • Technologien wie Snapbridge weiter ausbauen. Bilder müssen sich unkompliziert auf Smartphones übertragen lassen. Auch eine Art Cloud, in die alle Bilder automatisch von der Kamera aus hochgeladen werden, ist denkbar.
  • Bedienung der Kameras anpassen und verstärkt auf Touchscreens setzen. Es braucht etwas wie iOS oder Android, das unkompliziert und an Smartphones angelehnt ist.
  • Smartphones erhalten regelmäßig Software-Updates. Zudem gibt es Millionen von interessanten und spannenden Apps, die den Funktionsumfang erweitern. Warum ist das bei Kameras nicht so?

Eine Instagram-App für Kameras – das wäre vermutlich Finns Traum. Dann verbindet er die Kamera einfach mit dem heimischen WLAN, richtet mit dem Smartphone einen Hotspot ein oder setzt in einer idealen Welt einfach eine SIM-Karte in die Kamera ein, damit diese jederzeit mit dem Internet verbunden ist. Sobald er ein Bild geschossen hat, öffnet er die App über das große Touch-Display und lädt das Bild hoch. Fertig.

Eine alte Konica Auto S3 von 1973. Smartphones gab es damals natürlich noch nicht.
Eine alte Konica Auto S3 von 1973. Smartphones gab es damals natürlich noch nicht.

Das Fazit

Wenn ich diese Zeilen so schreibe, dann höre ich schon den Aufschrei einiger Leser. Denn diejenigen, die diesen Artikel lesen, sind vermutlich zu großen Teilen keine 14-jährigen Finns. Es sind eher Fotografen, die seit vielen Jahren fotografieren, die sich an den Workflow mit Speicherkarten und allem drum und dran gewöhnt haben, denen die Bedienung ihrer Kamera in Fleisch und Blut übergegangen ist und die jetzt erstmal googeln müssen, was dieses merkwürdige „Snapchat“ überhaupt ist. All diese Nutzer brauchen die angesprochenen Neuerungen nicht. Und sie wollen sie vermutlich auch nicht.

Keine Angst, liebe Leser. Die Hersteller werden ganz sicher nicht ihre aktuell wichtigste Zielgruppe vergraulen, indem sie in ihren Mittelklasse- oder High-End-Kameras von heute auf morgen solch drastische Veränderungen vornehmen. Dennoch müssen Canon, Nikon und Co. die junge Generation irgendwie wieder besser ins Boot holen. Und das kann nur gelingen, indem man Einsteiger-Kameras mehr an die Bedürfnisse von jungen Nutzern anpasst und ihnen einen Mehrwert gegenüber dem Smartphone bietet.

Ja, DSLRs und DSLMs haben eine bessere Bildqualität zu bieten als die Kamera eines Smartphones. Der Autofokus funktioniert besser. Man bekommt mit einem lichtstarken Objektiv eine schöne Unschärfe im Hintergrund hin. Doch diese Vorteile sind in den Augen vieler Durchschnittsnutzer eben nicht mehr groß genug, um den unfassbar umständlichen Workflow zu rechtfertigen. Zudem muss man die DSLR immer mit sich rumschleppen, das Smartphone passt in die Hosentasche und man hat es sowieso immer dabei.

Außerdem muss man feststellen, dass sich die Qualität der Smartphone-Kameras rasant entwickelt, während die Qualität der Einsteiger-Kameras weitestgehend stagniert. Schaut euch das neue iPhone 7 Plus an. Das hat jetzt zwei Hauptkameras, eine mit einem Tele- und eine mit einem Weitwinkelobjektiv. Hinzu kommt die Frontkamera für Selfies. Zudem können dank der beiden Hauptkameras nun auch Bilder mit schicken Unschärfeeffekten geschossen werden. Die Vorteile von richtigen Kameras schrumpfen also mehr und mehr.

Weiterführender Artikel: Was können die Kameras aktueller Top-Smartphones?

Diese neuen Funktionen der Smartphone-Kameras hauen einen alteingesessenen Fotografen natürlich nicht vom Hocker. Kennt er alles von seiner Kamera, die das alles noch wesentlich besser macht. Doch für die allermeisten normalen Nutzer reicht die Qualität einer aktuellen Smartphone-Kamera eben absolut aus! Da gibt es keinen Grund mehr, sich eine Einsteiger-DSLR zuzulegen. Und die Kamera, die dann deutlich besser als die Kamera des eigenen Smartphones ist, die kostet in Kombination mit ein oder zwei Objektiven gleich wieder mehr als 1.000 Euro. Das wollen oder können sich die meisten nicht leisten.

Es wird also Zeit für die Kameraindustrie, ein wenig umzudenken. Ja, das ist leichter gesagt als getan. Und eine einfache Lösung gibt es nicht. Doch der Schritt scheint notwendig zu sein. Sonst verliert man nicht nur weitere Einsteiger, sondern langfrisitig gesehen möglicherweise auch Hobbyfotografen und Profis.

Was haltet ihr von Tony Northrups Forderungen? Und wie würdet ihr aus Sicht der Hersteller versuchen, die im Artikel beschriebenen Probleme anzugehen?

Mark Göpferich

Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 2.000 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

25 Kommentare

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  • Interessante Ausführungen, die ich im Wesentlichen unterzeichnen würde. Die heutige Zeit ist schon eine extrem spannende Zeit, wir haben derart viele Bereiche, die sich auf krasse Weise innert weniger Jahrzehnte verändern, wow.

    Noch gar nicht so lange, da hatten wir immer nach 12, 24 oder 36 Bilder eine Zwangspause und mussten überlegen: Soll ich noch einen oder nicht? Und heute schafft jedes Smartphone tausende Bilder auf einen fingernagelgrossen Chip.

    Wenn ich mir die ganzen Entwicklungen und Trends so anschaue, dann muss ich sagen, ich versteh‘ die Kamerahersteller (auch die, die mittlerweile insolvent / verschwunden sind). Dass es so rasch und so klar in diese Richtung ging, konnte wohl wirklich keiner ahnen.

    Und jetzt noch irgendwie auf Biegen und Brechen den vermutlich winzig kleinen Punkt finden, an dem man ansetzen kann, dürfte nicht einfach sein. Ich persönlich glaube, man müsste jetzt ganz viele verschiedene Dinge ausprobieren: Solche, die du erwähntest und noch möglichst viele andere. Die Hersteller müssten so rasch wie möglich rausfinden, wo sie anknüpfen können, was die Jungen als chic annehmen und wo man sowas wie einen Hype produzieren könnte.

    Wenn’s so einfach wäre…

  • Lieber Mark,

    ja, funktional war eine SLR einem Wählscheiben- oder Tastentelefon früher überlegen UND jetzt ist es umgekehrt. Das Telefon hat sich von der Schnur gelöst und kundenorientiert viele Bedarfe integriert. Für Kamerahersteller in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit und aus deren Sicht leider auch mit Kamera. Alle hatten Steve Jobs immer auf dem „innovation-radar“ – nur Canon und Nikon anscheinend nicht. Olympus hat zumindest regiert und eine Abkehr von der SLR / DSLR vollzogen – immerhin ein Zwischenschritt. SONY hat die „A-Serie“ entwickelt; ob Entwicklungs- und Produktionskosten irgendwann einmal schwarz, statt rot sein werden, ist m E fraglich. So leicht ist es denn eben auch nicht. Aktionäre wollen jährlich befriedigt werden und andere Sparten – wie die von Dir angeführte Medizinsparte nicht auf Dauer die Fotosparte subventionieren. Ich erwarte in den nächsten Jahren eine signifikante Konsolidierung des Marktes. „CaNiCon“ wäre unschlagbar stark im professionellen Segment, wenn sie die SONY-Sensoren einsetzten. OlyFilm ein Nischenanbieter für Intellektuelle Fotografen.

    Ja, die Qualität der Bilder der aktuellen Smartphones (S7 oder 7S) ist beeindruckend – ebenso die Nutzung bestehender Technologie („dual camera“). Das scheint bei Kameraherstellern noch gar nicht angekommen zu sein. Auch ich bin erschrocken, über die fehlende Weitsicht der Kamerahersteller – die machen doch auch ihre Marktanalysen. Warum gab / gibt es nicht zumindest Kooperationen zwischen z. B. Canon und Samsung? Da wäre eine Chance, für eine Kapazitätsauslastung der Kamerawerke.

    Ja, auch ich frage mich immer öfter (nein, nicht immer), nehme ich meine VF oder reicht eine kleinere Lösung. Hinsichtlich der Bedienbarkeit ist ein „touch-screen“ hier und da eine Hilfe und leichtes Geschirr. Um präzise zu fokussieren, leider nicht immer und die Bildsprache eines VF ist großartig. Die Nachfragegruppen werden sich schärfer voneinander abgrenzen, was hilfreich ist, um die eigene Entwicklung zu optimieren und bedarfsgerechte Lösungen anzubieten (siehe oben). Professionelle Fotografen müssen ihre Bilanzen im Augen behalten, da deren Anlagevermögen auf Sicht noch kostenintensiver wird UND, die künftige Klientel sich vermutlich eher in der B-t-B Ebene befinden wird. Eine kostengerechte Umlage für einen Hochzeitauftrag wird dann für ein Brautpaar kaum noch zu bezahlen sein.

    Ja, schon heute ist die Entwicklung sehr gut sichtbar in der Intensität der wöchentlichen Printwerbung – es gibt kaum noch Angebote für Consumer Kameras. Ein Markt stirbt – rasend schnell. Für ein sich neu erfinden wie seinerzeit bei Leica geschehen, ist es zu spät und auch – logisch – kein Investor mit betriebswirtschaftlichem Verständnis in Sicht.

    Ja, auch ich hätte gern in die Canon EOS 5DMIV investiert. Warum? Neue Technologien, bessere Haptik, briliantere Bildergebnisse; wären die Argumente für das Investitionsgespräch mit meiner CFO. Du hast mich mit Deinen Beiträgen zu der EOS 5DIV Neuankündigung leider ernüchtert. Und ja, die EOS5DMIII hat immer noch eine gute (nicht flüchtige) Haptik und die Bildergebnisse sind für mich (und meine CFO) absolut in Ordnung. Ich warte also auf die EOS5DV – auf neue Technologien, eine noch bessere Haptik und eine noch bessere Bildqualität – eben dem dann zu erwartenden Preissprung angemessen.

    Herzliche Grüße Jens

  • Für mich schon lange ersichtlich. Begrüßen werde ich diese Tatsachen auch. Denn sie bieten neue Möglichkeiten in der professionellen Fotografie. Der qualitative Unterschied zwischen einem Smartphone und einer digitalen Mittelformatkamera (besonders die neuen Spiegellosen Systeme) ist wieder so riesig wie es der vom KB Film zu einem 6×9 oder gar einem Plan Film in analoger Zeit war.

    Das bedeutet auf lange Sicht einen Anstieg der Bildhonorare für hochwertige Fotos.

    Den klassischen jungen „Einsteiger“ wird erst dann geben wenn das jeweilige Smartphone zum Kamera Bedien Modul wird indem es in das Kamerasystem „eingeklinkt“ funktioniert.

    Für den gehobenen Hobby Fotografen wird es zukünftig schwierig werden eine preislich interessante Alternative im KB Sektor zu finden.

    Leider ist auch zu befürchten das der kleine illustre Kreis von echt Foto begeisterten Anwendern zukünftig von wenigen Manufaktur ähnlichen Firmen bedient wird.

    Es ist wie mit dem selbst fahrenden Auto, die älteren Menschen werden es hassen, für die Jugend wird es zur Selbstverständlichkeit werden, aber unsere großen Automobilanbieter wollen sich das nicht eingestehen. Sie werden genau die selben Probleme wie die Fotoindustrie bekommen.

    • Ich teile die Sicht, jedoch würde ich in vielen Detailfragen noch über die Einschätzung hinausgehen.

      Die Smartphone-Industrie steht in deutlich stärker Konkurrenz als beispielsweise die genannte Kamerahersteller. Tendenziell führt das zu einem hohen Druck, erweiterte Funktionen wie Photo/Video massiv zu verbessern. Sofern hier die Innovation stehen bleibt, wird kaum noch jemand bereit sein, die hohen Preise für die Highend Modelle zu bezahlen. Wahrscheinlich wird somit die Anzahl der Hauptobjektive in Smartphones weiter steigen, oder wir sehen irgendwann vermehrt Smartphones mit echtem optischen Zoom. Mehrere Hauptobjektive würden zumindest auch Dinge erlauben, wie die nachträgliche Festlegung des Schärfepunkts und Erstellung von Bilder mit echtem 3D Effekt. Auch dürften wir irgendwann Smartphones mit sinnvollen Low Light Fähigkeiten sehen. So unterstützen einige Hersteller Speicherung und Export im Rawformat, um hier mehr herauszuholen.

      Der Druck in der Smartphone Industrie ist verursacht durch die schnellen Innovationszyklen. Die Kernzielgruppe kauft alle 12-36 Monate ein neues Modell, wobei nicht sichergestellt ist, dass man einfach das Nachfolgemodell nimmt, da es kaum teueres Zubehör gibt, was man weiterverwenden will. Auch sind die Stückzahlen um ein Vielfaches höher als im klassischen Fotomarkt, so dass der Kostendruck pro Stück enorm ist, jedoch Entwicklungskosten sich besser auf eine größere Kundenzahl verteilen lassen.

      Wie beschrieben sind auf dem Mobile heute viele Dinge normal, die man auf der großen DSLR vermisst. Das
      einfache Hochladen ins Netz ist sicherlich hierbei nur ein Teilaspekt. Größe und Mobilität spielen für mich fast in der gleichen Liga. Auch sollte man nicht vergessen, dass jedes Smartphone GPS besitzt, um die Bilder mit Metadaten anzureichern. Auch die Auflösung, Präzision und Farbtreue eines Smartphone Display spielt häufig in einer anderen Liga, als was man von der teuren DSLR kennt.

      Lösungsansätze gibt es in der Foto Industrie einige. So ist gibt es auch Highend Kompakte wie die Sony RX100, welche bezüglich Bedienungskomfort, Portabilität, Apps, Videofunktionen und LowLight so manche DSLR in den Schatten stellt. Zudem erlaubt die Sony das Smartphone als Sucher und Fernauslöser zu verwenden und die Bilder gleich aufs Phone zu laden.

      Spannend dürfte bleiben, wie die Zukunft der Systemkameras aussieht. Meine Hoffnung wären u.a. Kompaktserien mit deutlich kleineren und leichteren Objektiven. Auch wäre es wünschenswert, wenn viele proprietäre Schnittstellen verschwinden. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Standard für Universalobjektive, die bei allen Herstelleren gleichermaßen passen, oder Dinge wie Fernauslöser und Blitzlichtsteuerung über Bluetooth. Ja wirkliche Innovation ist das nicht, jedoch dürfte dies den Markt für Kameras und Zubehör weiter öffnen und somit als Enabler für Innovation wirken.

      • Schauen Sie – ich bin ein Hobby-Fotograf. Mit geht es um gute Qualität der Bilder zu einem für mich bezahlbaren Preis. Ich habe doch überhaupt gar keinen Druck, diese Bilder ins Internet zu laden. Wozu denn?

        Würde ich dokumentarisch auf der Straße unterwegs sein, dann würde ich von vornherein gar nicht auf die Idee kommen, eine sperrige und Teure Digitalkamera zu verwenden – bestenfalls eine Kompatknipse wegen dem Zoom – sondern ein Smartphone. Dessen Qualität ist für reine Informationsübermittlungs-Fotografie völlig ausreichend.

  • Die Ausführungen von Herrn Göpferich kann ich ohne Einschränkung unterschreiben. Und ich brauche nicht den 14-jährigen Finn. Ich erlebe das bei meiner 20-jährigen Tochter Anna. Anna hat ein gutes Auge und unkonventionelle Ideen. Sie wird beim fotoclub stuttgart für Ihre eigenwilligen Bilder geschätzt. Ich habe ihr deswegen meine zugegeben etwas ältere Einsteiger-Nikon D50 geschenkt. Die bleibt aber meist in der Fototasche und die Fototasche meist zuhause – eben aus den von Herrn Göpferich geschilderten Gründen.

  • In der heutigen Zeit ist es möglich, aus vielen Komponenten auszuwählen- und ich nutze das redlich aus. Ich fotografiere mit einer EOS 6D, einer analogen Leica M5, einer Olympus OM-D EM 10 UND meinem Smartphone. Manchmal nehme ich nur das Smartphone, manchmal nur die Leica (mit einem s/w- Film) und manchmal eben alles, je nachdem, was ich vor hab.
    DAS war früher so auch nicht möglich, deshalb denke ich, dass sich alles schon irgendwie einrenken bzw. finden wird.
    Die Preise für neue Kameras wie jetzt bei der 5D Mark IV sind allerdings ein schlechter Witz, ganz zu schweigen von den überfälligen Objektiven, die Canon seit Jahren im Angebot haben müsste.

  • Guter Artikel!
    Ich würde ja gern dem Kameramarkt unterstützen, allerdings habe ich im Moment kein Geld für eine Kamera.
    Momentan nutze ich seit fast einem Jahr eine gebrauchte 5D (davor die alte 400 von meinem Vater),, die immer noch eine tolle Bildqualität liefert.
    Einzig der Autofokus ist nicht wirklich gut.
    Ich bin da auch eher altmodisch. Ich trage gerne meine gesamte Ausrüstung durch die Gegend, entwickle meine Fotos am PC.
    Nein, ich bin kein Profi und auch nicht 50 Jahre alt.
    Ich bin bloß eine verrückte Hobbyphotographin, 19 Jahre alt, die auch mal mit Opas analogen Kamera fotografiert. (Selber richtig entwickelt habe ich leider noch nicht).
    Die meisten meiner Freunde knipsen mit dem Smartphone, von einer Blende wissen sie nichts.
    Außer eine, die hat mehr Interesse, mit ihr werde ich demnächst einen „Fotokurs“ abhalten.
    Ansonsten tummeln sich auf Instagram auch richtige gute, junge Hobbyfotografen mit „richtiger“ Ausrüstung. Gibt es also auch noch.

  • Interessante Ausblicke in die Zukunft der Fotographie. Aber ist das wirklich alles Zukunftsmusik oder erleben wir gerade den Umbau der Fotoindustrie.

    Ich bin Hobbyfotograph und bin auf die Lumixmodelle von Pana abgefahren ( G70, GH4 und GX8). WLan, NFC oder Touchscreen alles vorhanden. Hochladen bei Aufnahme mit Hotspot am Handy, kein Problem. Pana Cloud vorhanden. Fernsteuerung mit Handy ist möglich. 4K Fotomodus möglich, 6K in Ankündigung.

    Meines Erachtens wird da ganz schön geklotzt ….

  • „Viele Kameras werden im Vergleich zu ihren Vorgängern deutlich teurer (siehe Canon EOS 5D Mark IV oder Sony A6300)“

    Ja das ist eine große Dummheit, die Kameras zu überteuern. Denn damit drängt man den Normalverdiener aus dem Kundenkreis.

    Es gibt nämlich nicht nur den Smartphonfotografen und den High-End-Spinner.

    Es gibt auch die weniger gut betuchten Durschschnittsverdiener (ohne Familie Lidl-Schwarz mit einzurechnen), die vielleicht gern eine bessere Kamera hätten als ein Smartphone, ohne gleich mal 1000 Euro hinzublättern zu müssen.

    Laut der Grafik lag die Spitze bei DSLR/DSLM bei 75.000 und ist auf 60.000 zurückgegangen. Das ist bei seriöser wirtschaftlicher Betrachtung faktisch gar kein Rückgang bei Kameraverkäufen, sondern es sind extrem gute Zahlen !

    Es ist nämlich völlig normal, dass die Kameraverkäufe zurückgehen, wenn der Markt abgedeckt ist, die Interessenten eine Kamera haben. Hier haben wir trotz Marktabdeckung lediglich einen Rückgang von 20% in langen 4 jahren !
    Das ist gar nichts ! Das sind mehr als phantastisch gute Verkaufszahlen !

    Offensichtlich sind manchen Anbietern diese Zahlen viel zu gut.

    Denn wie anders soll man es sich erklären, dass man mit drastisch überteuerten Preisen (z.B. Sony A6300, oder dem Weglassen wichtiger Features wie Wasserwaage, ungenügendem Autofokus (Nikon D3xxx, Nikon D5xxx, Sony A6000) dem Ausliefern dezentrierter Objektive (Sony) systematisch versucht, die Sinnhaftigkeit der Anschaffung einer DSLR/DSLM in Zweifel zu ziehen

    Bei Nikon kommt noch das Beharren auf dem veralteten DSLR-System hinzu.

  • Ich denke, dass es sehr einfach ist.

    Es sind folgende Fragen, die zu beantworten sind.

    1. kann ich mit einer Digitalkamera deutlich bessere Qualität erreichen?
    2. Ist der Preis dafür vertretbar?

    Frage 1 ist für die einfachen Digitalkameras relativ klar beantwortet.
    Der normale Smartphonenutzer ist eben kein Proträitfotograf, der ein Teleobjektiv bräuchte. Der fotografiert Architektur und da sind bereits die 24mm Kleinbildäquivalent nicht zu kurz.
    Die Sensoren der Kompaktkameras sind nicht größer und die Technologien der Bildbearbeitung in der Kamera sogar eher schlechter.
    Es ist somit für die meisten nicht sinnvoll eine Kompaktkamera zusätzlich zum Smartphone anzuschaffen.

    Frage 2 – vertretbarer Preis.
    Für eine Kamera und mehrere Objektive 2.000 bis 3.000 Euro hinzulegen ist für die meisten Leute nicht vertretbar, weil es gar nicht deren Einkommensverhältnissen entspricht.

    Und die Einsteiger-DSLRs bzw. DSLMs sind oft mangelhaft, zum Beispiel fehlende Wasserwage, fehlender Klappspiegel, mangelhafter Autofokus, fehlende oder eingeschränkte Bildstabilisierung, unzureichend auflösende Objektive mit viel zu großen chromatischen Abberationen, bis hin zu starken Randunschärfen oder gar Dezentrierungen.

    Die Kamerahersteller müssen also erstens die Preise so gestalten, dass es für den potentiellen Kunden bezahlbar ist.
    Und zweitens dürfen bei der Qualität keine künstlichen Abstriche gemacht werden.

    Das bedeutet, dass man einerseits auf das teure Preissegment mit Vollformat setzt, andererseits aber ein bezahlbares Normalsegment bietet in großer und somit preisgünstiger Stückzahl und das Einsteigersegment ersatzlos streicht.

    Bei Nikon
    z.B. würde das konkret bedeuten, dass die Nikon D3xxx, D5xxx und die D7xxx aufgegeben werden und statt dessen, wenn man unbedingt an Spiegeltechnik festhalten will, eine D6xxx mit den Ausstattungsmerkmalen der D7200 aber ohne Schulterdisplay, jedoch mit deren Autofokus, sowie Klappspiegel, Wasserwaage und zeitgemäßem Liveview bringt. Die die Qualität drastisch verringernde Rauschminderung in den RAWs sollte man rausnehmen. Das das geht, zeigt Nikon mit der D500. Und bei Canon ist das Standard.

    Zudem muss Nikon seine Objektive verbessern.
    Zum Beispiel das DX Nikkor 10-24mm.
    Ohne Bildstabilisator – ist nicht mehr zumutbar.
    Aufgrund viel zu großen Zoomfaktors ist dessen Bildqualität nicht so gut, wie man das heute verlangen muss um 24 MPx zu bedienen. Die Auflösung ist zu gering, die Randunschärfen und insbesondere die CAs sind zu groß (im Vergleich zu Sony SEL1018 ist es aber immer noch gut). Außerdem muss dessen Preis von 800 Euro runter auf maximal 500 Euro.

    Das High-End-Segment ist bei Nikon APS-C mit der D500 ganz gut abgedeckt. Da kann die D7200 ohnehin nicht mithalten und ist als Kamera für den High-Ender somit aus dem Rennen.

  • „All diese Faktoren führen dazu, dass sich zwei große Gruppen von Fotografen bilden. Zunächst einmal haben wir die Profis und die ambitionierten Hobby-Fotografen, die gerne mal etwas mehr Geld in neue Kameras investieren. Diese Gruppe sorgt bei den Herstellern für die größten Umsätze, was wiederum dazu führt, dass sich die Hersteller auf diese Kunden konzentrieren.“

    Ich weiß nicht so recht.

    Der Umsatz hängt ja nicht nur vom Umsatz pro Betuchtem am, sondern auch von der Zahl dieser Teuer-Kunden. Und Umsatz ist nicht gleich Gewinn.

    Offensichtlich machen die SmartphoneHersteller mit den vielen NichtTeuerKunden unter dem Strich mehr Umsatz und vor allem Gewinn.

  • „Obwohl dieses Equipment in seine Welt von Snapchat und Instagram irgendwie gar nicht so richtig hineinpasst?“

    Also ich bin mir da nicht so sicher, ob man die Jugendlichen da nicht etwas falsch einschätzt. Die einen machen das sicher, den anderen gehen instagram und Snapchat glatt am Arsch vorbei. Nur die etwas Älteren

    – und die Marketingabteilungen –

    verlieren schnell die Orientierung, wenn es Ihnen nicht gelingt, die Jugendlichen in ein festes Raster zu stecken.

    Ich bin fast 56 Jahre alt und sehe das für mich selbst auch nicht ein, mein Leben danach zu gestalten, was die anderen halt gerade so toll finden. Ich habe schließlich auch noch eigene Wünsche. Warum sollte das bei Jugendlichen anders sein? Warum sollten heute Jugendliche anders sein, als wir, als wir selbst Jugendliche waren? Waren wir als Jugendliche vom Musikgeschmack und den Bedürfnissen unserer Eltern wirklich begeistert, oder wollten wir nicht vielmehr selbst herausfinden, was uns gefällt? Eltern waren doch einfach nur nervig. Ich habe sogar ein wenig den Eindruck, dass gerade diejenigen, die ihre eigenen Bedürfnisse hinter das zurückstellen, was gerade in ist, schnell out sind. Generation Techno, Generation Piercing – wirkt heute irgendwie wie stehengeblieben.

  • „Wenn ich diese Zeilen so schreibe, dann höre ich schon den Aufschrei einiger Leser. Denn diejenigen, die diesen Artikel lesen, sind vermutlich zu großen Teilen keine 14-jährigen Finns. Es sind eher Fotografen, die seit vielen Jahren fotografieren, die sich an den Workflow mit Speicherkarten und allem drum und dran gewöhnt haben, denen die Bedienung ihrer Kamera in Fleisch und Blut übergegangen ist und die jetzt erstmal googeln müssen, was dieses merkwürdige „Snapchat“ überhaupt ist.“

    Snapchat löscht die Bilder doch sofort, nachdem die angeschaut wurden. Das ist nicht das Medium, für das man sich eine teure Kamera anschafft.
    Insofern verstehe ich ehrlich gesagt nicht, warum die Kameras nun unbedingt Dinge an Bord haben sollen, die das Smartphone doch ohnehin schon hat.

    Helfen Sie mir doch mal auf die Sprünge.

    • Ergänzende Frage: Kann man dann mit der DSLM auch telefonieren oder muss man das Smartphone trotzdem mit dabei haben?

      Ich steige einfach nicht dahinter, warum eine DSLR/DSLM die Funktionen mitbringen soll, die ich mit dem Smartphone doch schon habe.

      • Um es mal aus meiner Sicht auf den Punkt zu bringen:

        Ich brauche eine DSLR/DSLR nur für das, was das Smartphone NICHT kann.

  • „Schaut euch das neue iPhone 7 Plus an. Das hat jetzt zwei Hauptkameras, eine mit einem Tele- und eine mit einem Weitwinkelobjektiv.“

    Das Weitwinkel-Objektiv entspricht dem Blickwinkel der 28 mm Brennweite an Kleinbild bzw. 19 mm an APS-C.

    Wie wollen Sie denn damit Architektur fotografieren?
    Damit kriegt man doch kaum eine Kirche auf’s Bild – von Bildkomposition ganz zu schweigen.

    Das „Tele“-Objektiv entspricht 50 mm Brennweite an Kleinbild bzw. 34 mm an APS-C.
    Damit kann man Statuen/Denkmale fotografieren, oder Personen in voller Größe.

    Das ist leider das Problem, dass der Weitwinkel völlig vernachlässigt wird. Andernfalls hätten es die herkömmlichen Kamerahersteller deutlich schwerer.

  • Ich sehe nicht wirklich, welche Probleme die Kamerahersteller haben…
    Der Markt der ultrakompakten Einsteigerknipsen ist unzweifelhaft tot, weil die Zielgruppe mit Smartphones bedient ist.
    Amateure und (Semi-)Profis wollen bessere Optiken, größere Sensoren und mehr Knöpfe, mit denen sich die kritischen Parameter intuitiv und schnell bedienen lassen. Ich denke das sind Anforderungen, die sich auch in Zukunft mit der Bauform eines Smartphones nicht vereinbaren lassen.
    Das Segment der DSLM und DSLR hat damit durchaus eine Zukunft, wenn sie sich in zeitgemäße „Workflows“ für Social Media etc. einfügen. Dazu kann man natürlich ein Mobilfunkmodem mit SIM-Kartenslot und Apps in die Kameras integrieren. Aber wozu, wenn der Fotograf ohnehin ein Smartphone in der Tasche hat, das das alles schon perfekt beherrscht?
    Da ist doch der Ansatz von Nikons SnapBridge genau richtig: die Kamera überträgt die Bilder per stromsparendem Bluetooth automatisch auf’s Smartphone und von da aus lassen sie sich direkt online teilen, in die Cloud sichern, auf Foto-Portalen posten oder total oldschool per E-Mail verschicken.
    Dann würde ich die RAWs auf der SD-Karte in der Kamera speichern und JPGs zum schnellen Posten auf’s Smart-Device übertragen lassen.
    Damit wäre der Workflow für Instagram, Facebook, 500px etc.p.p. immer gleich, egal ob ich mit der immerdabei Smartphone-Cam knipse, oder mit der Vollformat-DSLR und optisch stabilisiertem Supertele unterwegs bin.
    Es müsste halt nur ordentlich funktionieren… 🙂

  • Artikel ist sehr nice…nur muss ich dazu sagen, dass ich mit meiner Fuji XT-1 genau das machen kann! W-Lan von der Cam an…per F.App Bilder rüberziehen und aufn phone bearbeiten und hochladen.

    Das Thema Touchscreen hat ja Leica sehr gut gelöst…müssen sich halt andere Hersteller ne Scheibe davon abschneiden.

    Ich glaube genauso dran, dass das Thema „Lifestyle“ bei den großen Kameraherstellern ein zwingendes Thema sein sollte…da hat GoPro einfach zerfetzt!

    Wie schon im Artikel sehr gut beschrieben ist das Thema „Fotografie“ größer den je…wenn nicht sogar der größte Hype überhaupt…siehe Smartphones, ActionCams, Drohne usw. Es gibt Landscape Fotografen die mit Ihren Drohnen Atemberaubende Bilder machen…Menschen die nur Essen fotografieren #foodporn…soviele Blogger und genau das ist der Lifestyle! Das wird noch krasser und es wird neuen Unternehmen die Türe öffnen und alteingesessene vom Feld vertreiben…ich glaube aber, dass es eigentlich nicht wirklich schwer ist diesen Menschen(Zielgruppe) etwas gutes bieten zu können.

    • Die Handys ersetzten Kameras aber warum integrieren die Kamera Hersteller nicht analog umgekehrt simpel die volle Smartphone Technik in die Kameras?

      So könnte eine kompakte Systemkamera das Handy ersetzen, Bluetooth Headset sind machen es möglich. ;-))

  • Die Sinnkrise ist allgemein

    Die Kamerakrise sehe ich als Untergruppe einer Bildkrise oder Medienkrise. Die häufigsten Fotos kommen einer zufälligen Kopie gleich. Das Selfie von gestern ist nicht viel anders als das Selfie von heute. Die Bilderflut ist keine Bereicherung sie hat Bilder entwertet. Es ist wunderbar was die Digitalisierung technisch zur Fotografie beigetragen hat die Bildgestaltung tut sich aber schwer damit.

    Man lässt sich zu leicht darauf ein, einfach viele Bilder zu machen und sucht nachträglich eines aus.
    (Ich schließe mich darin ein.) Die erzieherische Massnahme sich zu überlegen wann eine Aufnahme für würdig gehalten wurde um ein Bild des teuren 36er Films zu investieren hat eine qualitative Auseinandersetzung vorausgesetzt. Masse und Geschwindigkeit ist heute angesagt. Die Medienflut stiehlt aber sinnvolle Lebenszeit.

    Dieses Phänomen ist nicht auf visuelles beschränkt. Unser Wirtschaftssystem stellt uns vor viele Entscheidungen. Natürlich will Nikon & Co. Umsätze machen. An meiner alte Nikon konnte ich jeden Knopf ohne hinschauen bedienen und mich voll auf das Bild konzentrieren. Die solide Geschäftspolitik hatte für maximale Kompatibilität gesorgt (10 Jahre baugleich) und man war nicht von der Modelljagt getrieben. Es stellt sich die Frage ob die Technik oder das Sehen das Bild bestimmen soll.

    Ich glaube den Kameras würde es gut tun wenn ein paar Programme, Knöpfe wegfallen und ein gemächlicher Gang eingelegt würde. Ich denke der Überdruss an Oberflächlichkeit und Masse wird sicher eine Plätzchen für solide Kameras übrig lassen. Auf Wachstumszahlen werden viele Branchen vergeblich warten.

  • Absolut zutreffend. An interessanten Orten schieße ich außer mit der DSLR immer zusätzlich ein Foto mit dem Smartphone um es zu teilen. Das alles aus der DSLR zu übertragen, wäre viel zu umständlich. Aber es ist schade, das DSLR Foto hätte viel bessere Qualität. Die „Umständlichkeitslücke“ wirkt fast so groß wie zwischen Digital- und Analogworkflow vor 15 Jahren.

  • Hallo Fotografen und -gräfinnen,
    ich habe nun doch schon einige Foto Jahrzehnte auf dem Buckel@ und
    kann nur sagen, ich finde mich bei Herrn Finn wieder.
    Habe ich noch vor kurzem mit der Canon 100s und Sony CyberShot und danach
    mit der g7x meine Familien- und Urlaubs-Reisebilder gemacht
    (neben Olympus omd.. Und anderen Marken) , so mache ich nun meine Bilder
    mit dem Samsung s7e ! Diese Smartfotografen habe ich vor kurzem noch
    belächelt, aber die Bildqualität und Durchzeichnung haben mich übererzeugt
    und ich freue mich schon auf ein Samsung mit 20 oder 24 MPEG Sensor.Meine OMD em5 II möchte ich aber doch wegen des neuen Zuiko Pro 12-100 behalten, kommt aber nur mehr selten zum Einsatz. Wie man sieht, hat auch und besonders hier die Digitalisierung eine starke Veränderung bewirkt – und wird sie noch in vielen Bereichen bewirken.