Der KI-Dienst Imagen bringt mit Intelligent Studio erstmals eine vollständige manuelle RAW-Bearbeitung in seine Plattform und will damit den bisher festen Ablauf aus Sichten, Bearbeiten und Ausliefern aufbrechen.
Manuelle Bearbeitung direkt in Imagen statt Umweg über Lightroom
Imagen ist ein KI-Dienst für die Foto-Postproduktion, der sich vor allem an Hochzeits-, Event- und Porträtfotografen mit hohem Bildaufkommen richtet. Auf Basis eines individuell trainierten KI-Profils übernimmt die Software bislang vor allem das Sichten und Vorsortieren großer Bildmengen sowie erste automatisierte Bearbeitungsschritte.
Für die manuelle Feinarbeit mussten Imagen-Nutzer bisher den Umweg über Lightroom gehen, das neue Intelligent Studio bringt jetzt aber einen vollwertigen Editor direkt in die Plattform. Er deckt RAW- und JPEG-Dateien ab und bietet Regler für Grundeinstellungen, Kurven, HSL über acht Farbbereiche, Punktfarben für bis zu acht Farben pro Foto, Color Grading, Detailschärfe und Rauschreduzierung, Objektivkorrekturen, Geometrie sowie Effekte wie Vignette und Filmkorn, dazu Masken und Presets.
Auch andere Programme bauen ihre KI-Maskierung derzeit spürbar aus, zuletzt etwa Adobe mit neuen Reglern für die Kante bei KI-Masken in Lightroom.

Wichtig für euren Workflow: Bearbeitungen aus euren KI-Profilen gibt Imagen weiterhin als XMP-Dateien für Lightroom Classic, Bridge, Photoshop und Camera Raw aus. Manuelle Änderungen im neuen Editor bleiben dagegen vorerst in Imagen und werden nicht als Lightroom-kompatible Dateien zurücksynchronisiert.
Imagen versteht Intelligent Studio ausdrücklich nicht als Lightroom-Ersatz, beide Programme lassen sich weiterhin parallel nutzen, etwa wenn ihr für die Bildauswahl weiterhin auf Funktionen wie die schnellere Bildauswahl und automatische Duplikaterkennung in Lightroom Classic 15.4 setzt.

KI-Assistent übernimmt Suche, Auswahl und Bearbeitung in einem Schritt
Kernstück der Neuerung ist der sprachgesteuerte Assistant, dem ihr Anweisungen in normaler Sprache gebt, etwa “Entrausche alle Bilder mit ISO über 6400” oder “Wende Portra400 auf Außenaufnahmen und Fuji800 auf Innenaufnahmen mit mehr als 10 Personen an”. Die KI sucht die passenden Bilder, wählt sie aus und wendet die Bearbeitung direkt an, statt dass ihr die drei Schritte einzeln durchklicken müsst. Zum Start deckt der Assistant fünf Kategorien ab: Sichten und Auswahl, Look-Anpassungen, bedingte Bearbeitungen, Workflow-Aufgaben und Diagnose.
Auch die Preisstruktur ändert sich mit dem Update: Statt einzelner KI-Aktionen zahlt ihr künftig nur für tatsächlich exportierte Bilder. Ein Pay-as-you-go-Tarif startet bei rund 6 Euro monatlich plus nutzungsabhängigen Kosten ab etwa 4 Cent pro exportiertem Foto, alternativ gibt es mit Limitless einen Flatrate-Tarif für rund 110 Euro im Monat bei jährlicher Abrechnung. Das Update rollt seit dem 29. September stufenweise im bestehenden Imagen-Produkt aus. Ausführliche Informationen zu Preisen und zum Kauf findet ihr auf der Website von Imagen.
Ich habe selbst schon mit Imagen experimentiert und fand vor allem die Möglichkeit, die KI auf meine eigenen Anpassungen zu trainieren, wie ich sie auch in Lightroom vornehme, spannend. Dass jetzt auch die manuelle Feinarbeit direkt im Dienst möglich ist, macht ihn für mich noch interessanter.
Kennt jemand von euch Imagen oder setzt es schon in der Praxis ein? Wenn ja, wie waren eure Erfahrungen damit?


Für Profis wie Hochzeit Fotografen sicherlich interessant. Mir sind 1’320.-€ im Jahr viel zu viel. Dafür kaufe ich lieber neues Foto Zubehör.