Was hier gerade anläuft, könnte in den kommenden Jahren tausende bislang unentdeckte Objekte im All sichtbar machen.
Das Rubin Observatorium steht auf dem Cerro Pachón in Chile. Betrieben wird es gemeinsam von der US-Wissenschaftsbehörde NSF und dem US-Energieministerium, das über sein SLAC National Accelerator Laboratory auch die Kamera entwickelt hat. Diese LSST-Kamera ist auf ein einziges Ziel ausgelegt: die Legacy Survey of Space and Time, eine zehnjährige Durchmusterung des Südhimmels, die der Kamera auch ihren Namen gibt.
Mit rund 2800 Kilogramm Gewicht und 3200 Megapixeln Auflösung ist sie die größte je gebaute Digitalkamera. Erste Testbilder hatte sie bereits im Sommer 2025 geliefert, seit dem 30. Juni läuft nun die eigentliche zehnjährige Himmelsdurchmusterung.


Alle rund 40 Sekunden entsteht eine neue Aufnahme. Pro Nacht kommen so etwa 1000 Bilder und rund zehn Terabyte Daten zusammen. NSF-Vertreter Brian Stone brachte es bei der Eröffnung auf den Punkt: “Today, we begin filming the greatest cosmic movie ever made” – ab jetzt wird also der bislang größte kosmische Film gedreht. Alle 40 Sekunden entsteht eine neue Aufnahme. Pro Nacht kommen so etwa 1000 Bilder und rund zehn Terabyte Daten zusammen.
“Es hat 20 Jahre intensiver wissenschaftlicher und ingenieurtechnischer Arbeit und vieles mehr gebraucht, um an den Punkt zu gelangen, an dem wir „Action“ rufen können, wenn wir mit den Dreharbeiten zu diesem Blockbuster des Universums beginnen”, ergänzt Phil Marshall, Deputy Director des Observatoriums bei der NSF.


Was das für Astronomie und Fotografie bedeutet
Für die Wissenschaft ist die Kamera vor allem als Entdeckungsmaschine interessant. Schon während der Testphase vor dem offiziellen Start spürte das System mehr als 11.000 bislang unbekannte Asteroiden auf. Pro Nacht rechnen die Betreiber künftig mit bis zu sieben Millionen automatischen Alarmen für Veränderungen am Himmel.
Für Fotografen und Videografen unter euch ist das Projekt vor allem als technische Referenzgröße interessant. Eine Aufnahme aus dem Feldtest zeigte einen Sternhaufen im Sternbild Lupus mit 1,7 Gigapixel Auflösung, ein Bildmaß, das mit handelsüblicher Kameratechnik nicht erreichbar ist. Wer sich für Langzeitprojekte oder Zeitraffer-Astrofotografie interessiert, dürfte die Idee eines zehnjährigen Nachthimmel-Zeitraffers als eindrucksvolles Extrembeispiel des eigenen Hobbys empfinden.

Ein weiteres Extrembeispiel dafür, wie Forscher für die Astronomie ganz neue Wege gehen: Beim Mothra-Teleskop in Chile bündeln Astronomen 1.140 Canon-Teleobjektive zu einem gigantischen optischen Verbund, um das kosmische Netz sichtbar zu machen.
Quelle: Rubin Observatory | via: Digitalcameraworld


Hallo Jürgen, Berichte dieser Art empfinde ich persönlich (habe dies, glaube ich, schon einmal zum Ausdruck gebracht) als große Bereicherung für dieses Forum! Inwieweit unterscheiden bzw. ergänzen sich das 10-Jahres-Projekt mit der LSST-Kamera und das des Mothra-Teleskop-Verbundes hinsichtlich wissenschaftlicher Zielsetzung denn?
Solche Meldungen aus der Forschung finde ich immer wieder beeindruckend. Wenn man mal den täglichen Affenstall aus Neid, Statusgehabe und Rangordnungskämpfen weltweit wegwischt, sieht man, wozu Menschen eigentlich fähig sind. Dann stehen da plötzlich 2,8 Tonnen Kamera, 3.200 Megapixel und ein Blick tief ins Universum. Ja, da geht schon was.
Ich persönlich würde sagen, diese beiden Ansätze ergänzen sich. Die LSST-Kamera sieht scharf und tief in die einzelne Himmelsregionen und der Mothra-Teleskop-Verbund eher breit und ist empfindlich für großflächige Strukturen mit niedriger Helligkeit.
Größte Digitalkamera der Welt, aber kein IBIS. Da muss man ehrlich sein. Beim Auspacken auch noch Sensorstaub. DHL sagt, man könne das Paket direkt dem Zusteller mitgeben. Ich sehe ihn schon mit dem Scanner davorstehen: „Ist das alles eine Sendung?“ 😄
Es wirkt auf den ersten Blick auch nicht viel größer als ein NIKKOR Z 50 mm F1.2. 🤔