Ein Canon-Sportobjektiv wird gerade zum Baustein eines der ungewöhnlichsten Teleskope der Welt – und das in einer Größenordnung, die fast schon nach Science-Fiction klingt.
In Nord-Chile entsteht eine riesige Optikwand, die nicht aus einem einzigen Spiegel, sondern aus 1.140 Canon EF 400mm f/2.8 L IS Objektiven (vermutlich Mark II oder Mark III) besteht. Das Projekt heißt MOTHRA. Der Name ist eine Abkürzung für “Massive Optical Telephoto Hyperspectral Robotic Array”. Frei übersetzt ist es ein gigantisches, robotisch gesteuertes Teleobjektiv-Verbund. Der Name ist auch ein augenzwinkernder Verweis auf die Popkultur, denn so heißt ein berühmtes Monster aus japanischen Kaiju-Filmen (Godzilla lässt grüßen).
MOTHRA entsteht am Observatorium El Sauce im chilenischen Río Hurtado Valley. Hinter dem Konzept stehen die Astronomen Pieter van Dokkum von der Yale University und Roberto Abraham von der University of Toronto. Ihr Vorgängerprojekt Dragonfly setzte ebenfalls auf Canon 400mm-f/2.8-Optiken und zeigte, wie gut sich Fotoobjektive für extrem lichtschwache, diffuse Strukturen eignen.
Bei Mothra wird dieses Prinzip radikal skaliert. Die 1.140 Objektive sind in 30 Montierungseinheiten organisiert, wobei jede Einheit 38 Teleobjektive trägt, die sich auf denselben Himmelsausschnitt richten. Zusammengenommen verhält sich das System wie eine einzelne, riesige Linse mit einem Durchmesser von rund 4,8 Metern.


Der Verbund aus 1.140 Objektiven funktioniert zusammengenommen wie ein effektiver 4,8-Meter-Refraktor mit einer extremen Lichtstärke von f/0.08, das heißt, es sammelt Licht unglaublich schnell und ist besonders gut darin, extrem schwache, flächige Strukturen sichtbar zu machen.
Die Forscher haben sich ganz bewusst für die Canon-EF-Version und gegen die neueren RF-Objektive entschieden, denn bei EF ist zwischen Objektiv und Kamera mehr Platz. Genau dort können sie zusätzliche Filter und spezielle optische Bauteile, die sie für ihre Messungen benötigen, leichter einsetzen. Hinzu kommt, dass die Canon-Teleobjektive optisch einen sehr guten Ruf haben. Für das Team waren vor allem die hohe Bildqualität und die starken Vergütungen entscheidend, die Reflexionen und Streulicht im Objektiv möglichst gut unterdrücken.
Das Ziel ist das kosmische Netz. Damit ist die großräumige Struktur gemeint, in der Galaxien entlang unsichtbarer Materie-Filamente angeordnet sind. Dunkle Materie selbst leuchtet nicht. MOTHRA sucht deshalb nach extrem schwach leuchtendem, diffusem Gas zwischen Galaxien.
Dieses Gas wirkt wie eine Leuchtspur, die verrät, wo die Gravitation der Dunklen Materie das Material im All formt. Ein direktes Bild solcher Verbindungen wäre nicht nur spektakulär, sondern auch ein wichtiger Test für unsere Modelle zur Entstehung und Entwicklung des Universums.


Damit das funktioniert, muss MOTHRA extrem schwaches Licht einfangen, das fast im Nichts verschwindet. Deshalb sind die Kameras genauso wichtig wie die Objektive. Zum Einsatz kommen rund 1.200 Apx26- und Apx60-Kameras von Atik Cameras. Sie nutzen moderne Sony-Sensoren und sind für die Astrofotografie konzipiert.
Das Team hat lange geprüft, ob CMOS-Kameras dafür wirklich gut genug sind. Entscheidend war, dass die Kameras möglichst wenig eigenes Bildrauschen erzeugen, also kein störendes Grieseln, das das feine Signal überdeckt. Außerdem sollten die Kameras die Rohdaten möglichst unverfälscht liefern, ohne interne Tricks, die Bilder schöner machen, dabei aber Details verändern.
Die Steuerung ist fast ebenso verrückt. Jede Wissenschafts-Kamera bekommt einen eigenen Raspberry Pi 4B, insgesamt 1.184 Stück. Dazu kommen 90 weitere für die Guider, also die Augen fürs Nachführen. Pro Objektiv-Verbund sind es sechs Stück, damit das System winzige Abweichungen sofort ausgleichen kann. Der Raspberry Pi 4B wurde dem Raspberry Pi 5 vorgezogen, weil er weniger Strom braucht.
Die Anlage selbst ist äußerst durchdacht. Stellt euch zwei riesige Garagen auf Rädern vor, in denen sich die gesamte Technik befindet. Tagsüber oder bei schlechtem Wetter sind die Objektive und Montierungen darin geschützt. Wenn es Nacht wird und der Himmel klar ist, werden die Schutzbauten zur Seite gerollt und geben die “Objektiv-Wand” frei, sodass ungestört fotografiert werden kann.


Dass es zwei solcher Anlagen gibt, die weit voneinander entfernt sind, ist bei einem modernen Problem am Himmel von Vorteil. Satelliten ziehen immer häufiger durchs Bild und hinterlassen helle Striche. Fotografieren nun beide Anlagen denselben Bereich, aber von zwei getrennten Standorten aus, dann sind die Satelliten-Spuren nicht in beiden Aufnahmen an exakt derselben Stelle. Das Team kann die Bilder später so kombinieren, dass diese Störungen leichter erkannt und herausgerechnet werden, während das echte Himmels-Signal erhalten bleibt.
Die Anlage liefert bereits erste Ergebnisse und soll bis Ende 2026 komplett einsatzbereit sein. Finanziert wird MOTHRA von Alex Gerko, Gründer und CEO von XTX Markets. Er übernimmt nicht nur die Kosten, sondern hilft auch praktisch bei Organisation, Partnern, Standortwahl in Chile und der Beschaffung wichtiger Komponenten.
Wenn euch Artikel über ungewöhnliche und nicht ganz alltägliche Einsatzorte von Kameras oder Objektiven interessieren, könnte auch der Artikel über die Nikon D5 für euch interessant sein. Diese Kamera nimmt die NASA mit auf ihrer Mondmission Artemis II. Das ist eine nette Parallele zu diesem Beitrag, da auch hier wieder auf die bewährte DSLR-Technik mit den EF-Objektiven zurückgegriffen wird.
Quelle: Mothratelescope | via: Yale News | PetaPixel


Sag ja: In der DSLR-Technik liegt die Zukunft! SO!
Ansonsten: War das eine Bestellung von neuen Objektiven an Canon oder haben die sich auch auf dem gebraucht Markt umgekuckt?
Interessantes Projekt.
Bekomme nicht raus, welche genauen Objektive bei Plato eingesetzt werden
https://www.dlr.de/de/blog/archiv/2024/schritt-fuer-schritt-zur-startbereiten-raumsonde
Ist so etwas Ähnliches, allerdings gezielt zur Planetenforschung (außerhalb unseres Sonnensystems).
Hier zeigt sich, welche Qualität das 400er hat. Dazu noch die weiteren Kosten wie Kamera, Software, Räumlichkeiten etc. Da kann einem schwindelig werden. Finde ich toll.
Alleine der Preis für die Objektive bewegt sich im zweistelligen Millionenbereich. Einfach Wahnsinn das Projekt!
Also so ein Projekt geht ja nicht über Händler, sondern direkt über Canon, deshalb nehme ich an, dass die bei der Menge maximal 5’000.- pro Stück bezahlt haben, eher weniger
Was ist mit den Forschanfängen? Bitte fangt hier jetzt nicht auch noch mit diesem elenden Gendern an. Braucht kein Mensch auf einer Seite, die wahrscheinlich zu 99% von Männern frequentiert wird.
Es heißt: “die Forscher”, nicht Forschenden und auch keine Froschenden. Wenn jetzt demnächst noch Beiträge mit dem Gender-Sternchen kommen und statt Fotografen Fotograf*innen geschrieben wird, bin ich raus.
Danke für den Hinweis. Das geht auf meine Kappe. Ich habe es mir notiert – für Magazin- und journalistische Texte wirkt „Forscher“ tatsächlich meist natürlicher. Ich habe das geändert.
Die ursprüngliche Formulierung war korrekt, siehe meinen Text oben.
Jetzt ist mein Text unten.
Danke dir für den Hinweis, Rolf. Das Ziel war natürlich nicht, hier eine Diskussion auszulösen.
Mein Lektor des Vertrauens meint, „die Forscher“ sei die klassische Form, die traditionell im Deutschen verwendet wird. Sie ist zwar grammatisch maskulin, wird aber generisch verstanden und passt daher gut zu journalistischen Artikeln wie diesem. „Die Forschenden“ ist hingegen die geschlechtsneutrale Partizipform und wird eher in der Wissenschaftskommunikation oder in Behörden verwendet.
Finde ich schade, dass du so schnell eingeknickt bist. Uneternals Kommentar beweist doch eigentlich, wie nötig das Gendern gerade hier wäre.
Danke, dass du die korrekte deutsche Sprache weitererhältst 👍🏻
Da bist du jetzt aber komplett auf dem falschen Dampfer. Forschende/n ist absolut korrekt, es ist der Plural von Forscher. Zudem ist Forschende neutral formuliert, Forscher hingegen nicht, da müsste es korrekterweise Forscher und Forscherin heissen. Forschende fasst beides (zudem auch nonbinäre Personen) zusammen.
Zusammengefasst sind also geschlechterneutrale Formulierungen:
Der Ursprüngliche Text war also absolut korrekt und erst noch neutral formuliert., was jetzt leider nicht mehr der Fall ist..
Liebe(r*).Rolf (männlich gelesen?, ansonsten Tschuldigung 😉) – Über die (angebliche) Nichtinklusion des (noch geduldten) generischen Maskulins in Texten lässt sich trefflich streiten – entscheidender ist die Durchgängigikeit einer einheitlichen Anwendung – und da wird’s dann in “Texten und im gesprochenen Wort” schnell unübersichtlich – bislang war der (akzeptierte & angewandte) Plural von Forscher die Forscher und im deutschen Sprachraum auch Inklusiv gelesen/verstanden – ich bin also gespannt auf zukünftige Texte Deinerseits 😉😂😉
BTW zum eigentlichen Thema des Teleskops: Ens Montierende auf dem Foto passt so garnicht zu dem “komplett eingestaubten Trägergestell” von High-Techens– 11 Millionens nur für Optikens und kein Staub&Sand-Feudel-ens für ens Forschende – sehr merkwürdigens für ens Fotografierende mit Dust-Ex Faible. 😉😇
Ich hoffe nur das zB. im „ militärischen Ernstfall“ keiner gekränkt ist wenn man vergisst Feldwebelende, Majorende etc. zu sagen 🇩🇪👍
😂 – Wir sind halt die Realsatirikende – was passiert, wenn ein Feldwebelender eine Feldwebelnde im Feld und in der Deckung deckt? Ist das dann gegenderter Unisex oder einfach nur ein generisch gewachsenes Maskulin … – ich glaube mein Hengst-ens geht g’rade Voll-ens mit mir durch … 😉
Mirko das werden Major*innen obwohl es nur Männer sein werden, die diesen Posten begleiten.
das ist ja wieder die rein weibliche Form und da fühle ICH mich wieder ausgeschlossen, ich weiß doch noch nicht was ich überhaupt bin 🌈
Es gibt mehrere Majorinnen in der Schweizer Armee, dazu noch eine Berufsoffizierin im Range eines Brigadier..
Majorinnen oder Major*innen?
Majorinnen 😎
Lieber J.F., ich gestehe hiermit, dass ich den Artikel oben gar nicht gelesen habe, da ich mit Ko(s)mischen Netzen rein gar nichts anfangen kann, insbesondere dann, wenn sie auch noch sichtbar gemacht werden sollen 🤔 Nun aber zum eigentlichen Thema: Betreffend Durchgängigkeit einer einheitlichen Anwendung bin ich mit dir vollkommen einig. Die Behörden setzen das ja vorbildlich um, und es hat noch einen willkommenen Zusatzeffekt: Durch das konsequente Gendern mit Sternchen usw. verlängern sich die Texte, und es wird dadurch mehr Personal benötigt. Gut, zum Lesen sind solche Texte dann scheusslich, ob sie beim Verfassen Spass machen können, ist mir nicht bekannt. Ich selber werde nie gendern, mir reicht es schon, wenn ich sowas lesen muss. Aber die geschlechtsneutrale Formulierung finde ich oft sinnvoll, zudem merken die meisten gar nicht, dass das eine milde Form des Gendern ist, einfach gut getarnt und leicht leserlich. Gut, man kann natürlich wie früher immer die männlichen Formen wählen, macht sich dann aber bei den anderen Geschlechtern (beachte die feine Nuance: andere Geschlechter, nicht Frauen!) nicht besonders beliebt. Die Sprache entwickelt sich ja laufend weiter, deshalb finde ich, man sollte auch den eigenen Schreibstil anpassen und nicht auf dem alten Zeugs beharren. Die zweitletzte… Weiterlesen »
👍 – perfekt – und locker flockig einig – 👍
Wenn ich sage, Lehrer sind blöd, was denkst du dann, ja die männlichen Lehrpersonen sind blöd und die weiblichen nicht? Oder denkst du alle, also männliche, weibliche und sogar diverse sind blöd. Merkst du nicht, dass gendern nicht nur die Sprache verhunzt, sondern absoluter Blödsinn ist? Ich bestehe dann nämlich auch darauf, dass bei weiblichen Substantiven wie die Buche, die Fichte, die Eibe usw. aus Gleichberechtigungsgründen ebenfalls eine männliche Form eingeführt wird oder man es “neutralisiert” und zukünftig das Buche, das Fichte, das Eibe usw. schreibt, dann hätte man auch noch die Diversen inkludiert. Also mein Vorschlag, alle Substantive haben zukünftig nur noch den Artikel ” das”.
Dein Vorschlag mit einem neutralen Artikel finde ich gar nicht so schlecht, aber bei der Umsetzung sehe ich da jede Menge Probleme, da müsste man die ganze deutsche Sprache neu schreiben. Und wenn ich nur daran denke, wie das bei der Rechtschreibreform war, sehe ich da keine Zukunft. Grundsätzlich bin ich kein Freund des Genderns, aber Tatsache ist, das man es in vielen Jobs gar nicht mehr vermeiden kann, sei es bei offiziellen Dokumenten, der formellen Kommunikation, den Medien und dem akademischen Umfeld. Gerade in letzterem sind die Studierenden und das Personal dazu verpflichtet, nach den Vorgaben der Hochschule zu gendern. Hast du es gemerkt? Ich habe “Studierenden” geschrieben. Schon seit längerem ist es üblich, nicht mehr von Studenten zu sprechen, sondern man braucht die geschlechterneutrale Form Studierende. Man könnte auch von Studenten und Studentinnen reden, aber das ist zu kompliziert. Und die geschriebene Form mit den Sternchen und anderen Zeichen verursacht Probleme vor allem bei der Lesbarkeit durch Computerprogramme. Eigentlich habe ich gedacht, dass du das weisst, ich kann mir nicht vorstellen, dass das bei der FHNW anders gehandhabt wird.. Hier in diesem Online-Medium ist Gendern natürlich absolut freiwillig, man kann also gut darauf verzichten. Allerdings bin ich der… Weiterlesen »
Danke!
Jetzt ist das Glashaus kaputt.
Der Plural von ‘der Forscher’ ist ‘die Forscher’.
‘Forschende’ sind Personen, die forschen und es sind nicht zwingend Forscher. Umgekehrt können Forscher auch nicht forschend sein (Beispiel: der tote Konrad Lorenz).
Die deutsche Sprache unterscheidet das grammatikalische Geschlecht (Genus) und das biologische Geschlecht (Sexus). ‘Der Forscher’ ist grammatikalisch männlich, redet aber nicht über das biologische Geschlecht. ‘Der Forscher’ lässt deshalb genausowenig was weg, wie ‘die Forschenden’ was hinzufügt oder biologisch geschlechtsneutral ist.
Überhaupt ist es nervend, wenn an allen Gegenständen die unsachlich Frage des biologischen Geschlechts aufgeworfen wird. Für den Fall, dass das biologische Geschlecht relevant ist, hat die deutsche Sprache auch entsprechende Ausdrucksmöglichkeiten (‘die Forscherin und der Forscher’).
Dagegen ist “Frauen sind die interessanteren Fotografen und Fotografinnen” sprachlicher Unsinn. Und niemand wird vermuten, dass bei “Frauen sind die interessanteren Fotografen” das weibliche Geschlecht weggelassen wird.
Vielen Dank für die Klarstellung! Und jetzt lasst uns bitte so weitermachen wie bisher.
Stimmt, “Forschende” ist nicht der direkte Plural von “Forscher”, sondern eine geschlechtsneutrale Alternative. Im Text oben wäre “die Forschenden” aber besser gewesen, weil nicht klar ist, ob es sich nur um männliche Personen handelt. Auf jeden Fall wäre man auf der sicheren Seite.
Ein Forschender ist im Kern auch ein Forscher. Beide Begriffe werden in der Praxis synonym verwendet, um Akademiker zu beschreiben, die sich der Forschung widmen. “Forschende” wird häufig verwendet, um alle Geschlechter einzubeziehen.
Ansonsten interessante Ausführungen!
Rolf Carl schrieb: “Ein Forschender ist im Kern auch ein Forscher. “
Richtig! Nur manche moderne Besserwisser interpretieren da rein, dass damit nur männliche Personen gemeint sind, was grammatikalisch und inhaltlich absolut falsch ist.
Danke, du hast es verstanden!
Ein Forschender ist einer, der gerade im Moment mit dem Forschen beschäftigt ist. Also eine im Moment des Geschehens stattfindende Tätigkeit. Geht er in die Kantine, ist er wieder ein Forscher.
Solange es ein passendes Substantiv gibt (Forscher), ist das immer die grammatikalisch korrekte Wahl. Manchmal gibt es aber kein Substantiv, z.B. beim Reisenden. Dann muß man natürlich das substantivierte Partizip nehmen.
Bei den Forschenden handelt es sich nicht nur um die stilistisch schlechtere Lösung im Vergleich zum Substantiv, sondern um Gendersprech. Gendern ist Abneigung gegen alles, was tolerant und selbstsicher daherkommt. Die Frage ist, warum ständig die Aufmerksamkeit, egal worum es geht, auf Geschlecht, Hautfarbe, sexuelle Orientierung usw. gerichtet werden muß? Aus den Zeitungen sind die sexy Seite1-Girls verschwunden, führen aber im Genderismus ihr Leben als Untote weiter.
“Ein Forschender ist einer, der gerade im Moment mit dem Forschen beschäftigt ist. Also eine im Moment des Geschehens stattfindende Tätigkeit. Geht er in die Kantine, ist er wieder ein Forscher.”
Wenn ich das jetzt richtig verstehe, ist ein Forschender nur Forscher, wenn er eingestempelt hat, und ein Forscher ist immer Forscher, auch wenn er gerade im Urlaub ist. Kannst du mir dann mal erklären, wieso Hochschulen in öffentlichen Texten seit längerem nicht mehr von Studenten schreiben, sondern von Studierenden? Wenn du nicht selber drauf kommst, kann ich es dir gerne erklären.
“Solange es ein passendes Substantiv gibt (Forscher), ist das immer die grammatikalisch korrekte Wahl. Manchmal gibt es aber kein Substantiv, z.B. beim Reisenden. Dann muß man natürlich das substantivierte Partizip nehmen.”
Wenn ein Text grammatikalisch korrekt ist, heisst das noch lange nicht, dass er auch gesellschaftlich korrekt ist.
Zu deiner generellen Abneigung gegen das Gendern äussere ich mich nicht weiter.
Auf dem einen Foto ist aber eine Frau zu sehen. Gendern zu verbieten ist genauso zu bewerten wie es zu erzwingen. Es gibt wichtige Dinge um die man sich kümmern muss auf dieser Welt. “99% von Männern frequentiert ” – Ist ein dürftiges Argument.
Wem genau hilft das? Das konnte mir bisher noch keiner der Gender-Befürworter erklären. Sprache entwickelt sich natürlich weiter, sie wird aber nicht erzwungen. Das ist aber das, was das Gendern tun möchte, uns einfach umerziehen, ohne eine Antwort zu geben wem genau wie damit geholfen wird.
Gendern ist die Ukraine-Flagge im Profil in Wortform. Es dient eigentlich nur dazu, dass der Verfasser sich selbst als möglichst progressiver Bessermensch darstellen kann. Es hilft niemandem, es hat absolut keine Auswirkungen. Jeder Mensch weiß, dass mit “die Forscher”, “die Fotografen”, “die Models” aka mit dem korrektdeutschen generischen Maskulinum auch Frauen gemeint sind.
Und wenn man sich nicht gegen solche Salamitaktik beschwert, dann reden wir bald wie völlige Depp*innen.
Deswegen bin ich dagegen.
Ich freue mich darauf, wenn der Begriff “Nazi” gegendert wird, bisher verweigern sich die Woken und Genderer noch! Also ich meine, wenn schon denn schon!
Ich gehöre zu der Minderheit von 86%, die gegen das Gendern ist. Nicht weil ich frauenfeindlich bin (habe drei im Haus), sondern weil es schlicht und einfach die schon nicht ganz einfache Deutsche Sprache verhunzt. Was momentan passiert ist Demokratie ad absurdum geführt! Selbst Alice Schwarzer, die Urmutter der Frauenbewegung, steht da mit mir auf einer Seite!
Ich stimme Dir zu Uneternal. Mir geht das Gendern und auch die Verwendung von künstlich erzeugten geschlechtsneutralen Ausdrücken wie “die Forschenden” gehörig auf den Wecker. Das sind und waren schlicht und ergreifend “die Forscher”. Niemand hatte angenommen, es seien nur Männer gemeint, lediglich einige Feminist:Innen und Linke:Innen suchten ein neues Betätigungsfeld und haben diese unsägliche Diskussion begonnen. Die deutsche (Umgangs)Sprache kannte bis vor kurzem aus guten Gründen nur das generische Maskulinum, um geschlechtsneutral eine bestimmte Gruppe von Personen zu beschreiben. Ich finde, dabei sollte es bleiben. Falls auch Photografix mit dem Gendern anfangen sollte, würde ich Uneternal bei seiner Ankündigung folgen.
Volle Zustimmung. “Deutsche Sprache, schwere Sprache!” Lasst uns wenigstens daran noch festhalten, sonst haben wir -mittlerweile- ja gar nicht mehr so viel zu bieten *grmpf Mittlerweiledarfmanjaehschreibenwiemanwill *heul Mit Forschende habe ich noch nicht einmal ein Problem, diese / und * inneren, DAS treibt mich zum verzweifeln. Ich kenne einen netten Herren, der nach seinem Wechsel ins Lehramt plötzlich das Gendern sogar in seinen Sprachschatz fest mit aufnahm, da bluteten mir die Ohren. Mir ist NIE in den Sinn gekommen wenn ich z.B. von Lehrern sprach, die Lehrerinnen auszugrenzen. Denke, Damen bis geboren 1990 auch nicht. Heute werden solche Dinge ja auch von unbetroffenden angeführt! Böse gesagt, Personen mit zuwenig Arbeit setzen sich für Personen ein, denen sie helfen wollen (ob die wollen oder nicht) nur damit die selbst was zu tun haben. Das Thema ist schwierig und zweischneidig, kann man laaange drüber philosophieren. Ebenso die Frauenquote – was’n Bullshit!!! Wenn eine Frau die Qualifikationen und das KnowHow mitbringt, Bitteschön, gerne sogar! Wenn man dadurch jedoch jemanden mit einem IQ von einem Blumentop in hohe Posen setzt – whatthefuck! Ist mir ebenso schleierhaft wie die Besetzungen in der Politik! Gelernter Bankkaufmann als Bundesgesundheitsminister…! Merkt ihr selber, oder!? Ich frage auch nicht… Weiterlesen »
Thomas, ich gebe zu, ich bin auch kein Fan vom Gendern, und in einem Forum wie diesem kann sehr gut darauf verzichtet werden. Nun ist es aber so, dass das Gendern in Ämtern, Institutionen, den Medien, den Hochschulen und zahlreichen Unternehmen Alltag ist. Meistens ist es vorgeschrieben, ob einem das passt oder nicht. Es würde übrigens auch keine Hochschule mehr wagen, in öffentlichen Texten von “Studenten” zu schreiben, sondern es wird in der Regel das neutrale “Studierende” verwendet Siehe dazu auch mein Kommentar oben an joe.
Ich habe selber die Erfahrung gemacht, wie das so läuft. Das Gendern hat mich zwar nicht mehr betroffen, aber die Rechtschreibreform 2006. Ich habe damals mehrere umfangreiche Berichte pro Woche an Ämter und Institutionen verschickt, und die mussten nach interner Vorgabe möglichst schnell angepasst werden. Ich erinnere mich noch daran, wie ich etwa ein Jahr lang jeden Text durch die Duden-Textprüfung gejagt habe. Ich bin also froh, dass ich die Umstellung auf das Gendern nicht mehr mitmachen musste. Ich weiss jetzt nicht, wie das bei deinem Beruf ist, vielleicht ist dein Spezialgebiet nicht so betroffen. Aber ich denke, dass in manchen Fällen nicht-gegenderte Unterlagen an die Gerichte nicht so gut ankommen.
Hallo Rolf, ich denke, es gibt hier einen Unterschied zwischen der Situation in der Schweiz und in Deutschland. In der Schweiz ist die Situation wie von Dir beschrieben, das Gendern und die geschlechtsneutralen Personenbeschreibungen haben sich weitestgehend durchgesetzt, zu meinem grossen Bedauern. Ich arbeite aber in der Zwischenzeit vor allem in Deutschland und hier ist die Situation doch etwas anders und sogar von Bundesland zu Bundesland unterschiedlich. Wenn ich mich recht erinnere, hat der bayrische MP Söder für bayrische Behörden das Gendern sogar verboten. Ich meine mich daran zu erinnern, dass dies auch in einigen anderen Bundesländern gilt. Ich finde das auch richtig, denn nur eine sich selbst und grundlos als Elite empfindende Minderheit versucht in einer Guerillamanier der Mehrheit diesen sprachlichen Unfug aufzudrücken. Zum Glück gibt es in Deutschland erheblichen WIderstand gegen diese Verballhornung der deutschen Sprache. Ich hoffe sehr, es bleibt dabei. Ich kenne auch keine andere Sprache, in der man versucht solch eine Verunstaltung der Landessprache aus “feministischen” Selbstgerechtigkeitsgründen zu verunstalten. Im übrigen steckt im deutschsprachigen generischen Maskulinum durch den für den Plural immer verwendeten weiblichen Artikel “die” ohnehin der weibliche Anteil mit drinn. Ich habe weder in der Schweiz noch in Deutschland beim Festhalten an den… Weiterlesen »
Hallo Thomas, ich kenne natürlich nur die Situation in der Schweiz, wie es in Deutschland ist, kannst du sicher sehr gut beurteilen. Grundsätzlich bin ich derselben Meinung wie du: Die Genderzeichen und die Paarform finde ich scheusslich, das einzige Vernünftige sind noch geschlechtsneutrale Begriffe, wie eben Forschende. Alles andere würde ich auch nie anwenden, und auch nur, wenn es gerade passt, z.B. als Stilmittel. Aber so konsequent wie du bin ich nicht.
Interessant finde ich, dass du ohne Anpassungen bis jetzt durchgekommen bist. Ich selber war im geisteswissenschaftlichen Bereich tätig, da käme man damit nicht durch, deshalb bin ich sehr froh, dass ich mich noch davonmachen konnte, als das Gendern langsam am Kommen war. Am besten finde ich in dieser Hinsicht die englische Sprache, da gibt es nur einen Artikel, nämlich den neutralen.
…. ich bin beim “Rechtschreibix Magazin gelandet. Ich hatte gehofft hier noch einiges zu MOTHRA zu erfahren, weit gefehlt. Stattdessen fast ausschließlich ellenlange Kommentare von Deutschlehrern (Ich habe die starke Vermutung es sind alles Männer).
Hier im Forum kann man das gerne weiter handhaben wie bisher solange sich keine Fotografinen ausgegrenzt fühlen.
Ich habe mit dem Gendern auch meine Probleme, Striche, Sternchen und unleserliche Satzmonster braucht kein Mensch und sind eher Vergewaltigung statt Verbesserung der Sprache.
Eigentlich ist mir dieses Thema egal aber wenn es dadurch einfacher wird und wo es passt, Begriffe wie Forschende, Pflegende, Lehrende, Helfende sind neutral, einfach und kurz. Sprache ist Veränderung. Es ist mittlerweile ein einfacher und gängiger Kompromiss zwischen der Schreibweise des neunzehnten Jahrhunderts und heute.
Ich habe mir die MOTHRA Website angesehen, das MOTHRA Team besteht aus neun Personen, sechs Forschern und drei Forscherinnen oder vereinfacht, schön kurz und auch korrekt neun Forschenden.
So ein interessantes Thema und dann fängt einer die Deutschstunde an, Gruselig.
Schade Herr Wolf das obwohl sie völlig korrekt formuliert hatten sofort eingeknickt sind.
Ich meine das Fräulein haben wir auch hinter uns gelassen oder benutzt das heute noch jemand? Hat aber auch Jahrzehnte gebraucht.
Schöne Diskussionen die hier losgebrochen sind.
Wozu die Aufregung?
Wir starken Männer dieser Welt haben doch längst gewonnen.
Unsere Reichtümer und unsere Waffen sind unglaublich. Die Machtstrukturen unumstösslich. Die Sprachen haben wir über Jahrhunderte definiert.
Also können wir uns doch entspannt zurücklehnen, unsere gigantisch dicken 400mm f2.8 Kanonen streicheln und noch ein par geile Shots von einem Vögelchen schiessen.
Sobald wird der Kollaps nicht kommen.
Wer sich einsam fühlt ist selber schuld.
Die Debatte ging ja gar nicht darum, das wir Männer uns unterdrückt fühlen!
Es dreht sich sich doch letztlich darum, das Gleichstellung wichtig ist und man -gescheit- einen gemeinsamen, richtigen Weg findet.
Wenn jetzt welche daherkommen (auch noch unbetroffene) und uns “etwas” aufdrücken wollen – DARUM geht es.
Ich habe weder mit Frauen, umgebauten, gleichgeschlechtlichen oder denen, die morgens nicht wissen wer oder was sie sind ein Problem(!)(kenne auch einige), solange sie mir das nicht ‘mit allen Mitteln aufdrücken’.
Soll jeder tun und lassen, was sie wollen aber lasst mich damit in Ruhe 😉
WAS ist ersthaft schlimm finde, ist das ‘andere’ bei gleicher Leistung eben nicht gleichauf Entlohnt werden!
DAS finde ich schlimm und darum sollte man sich mal aktiv kümmern.
Long Story short:
Last uns doch unsere schöne, schwere und komplizierte Sprache.
Ansonsten bitte, machen wir es für alle viel einfacher und nehmen uns das Beste aus Fremdsprachen; z.B. dem Englischen und Norwegischen und bauen uns eine neue, kürzere und neutrale Sprache.
Am Besten wir bleiben einfach beim altbewährten “Moin”. Damit ist die ganze Woche erzählt, niemand wurde ausgegrenzt, alle gelobt und es ist einfach unvergleichlich kurz 😉 😀
Es gibt noch etwas kürzeres und verbreiteteres als Moin, nämlich Hi.
Es geht darum das wir alle gerne Kategorisieren. Eine Frau ist so, ein Mann tut dies. Das Foto ist gut, dieses ist schlecht. Sony ist besser als Canon ist besser als Nikon, alles andere ist sowieso Schrott. Ausser Sigma Art.
Mit Abweichungen können wir nicht so gut umgehen.
„Tut was ihr wollt aber lass mich in Ruhe“ ist sehr einfach.
Anzuerkennen das unser Denken und somit auch unsere Sprache nunmal einschränkend, vereinfachend und ausgrenzend ist, wäre ein mutiger Anfang, der zu mehr Vielfalt, Freiheit und Frieden für uns alle führen kann. Und ja ich bin der Ansicht das wir das schon brauchen könnten, selbst hier in diesem Familiären Forum.
Gute Nacht euch allen