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DNG wird offizieller ISO-Standard: Was das für eure RAW-Fotos bedeutet

Nach mehr als zwei Jahrzehnten Entwicklungsarbeit ist es nun offiziell. Das DNG-Format von Adobe wurde von der Internationalen Organisation für Normung (ISO) als globaler Standard für RAW-Bilder anerkannt. Was steckt dahinter und warum sollte euch das als Fotografen interessieren?

Von einer Forumsfrage zum Weltstandard

Die Geschichte von DNG beginnt im März 2004 mit einer simplen Frage des australischen Fotografen Robert Edwards in einem Online-Forum, ob Adobe ein offenes RAW-Format entwickeln könnte. Thomas Knoll, der Erfinder von Adobe Photoshop, antwortete knapp, aber eindeutig mit “Ja, das ist machbar.”

Noch im selben Jahr, im September 2004, stellte Adobe das Digital Negative Format, kurz DNG, der Öffentlichkeit vor. Seitdem hat sich viel getan, doch das eigentliche Ziel, ein international anerkannter Standard, ließ lange auf sich warten.

© Robert Edwards

Jetzt ist es soweit. Unter der Bezeichnung ISO 12234-4:2026 ist DNG offiziell als internationaler Standard veröffentlicht worden, gleichrangig mit Formaten wie TIFF und PDF. Für Edwards, der seit über einem Jahrzehnt an ISO-Meetings teilgenommen und unermüdlich für diesen Standard geworben hat, ist es der Abschluss eines langen Weges. Nach mehr als zwei Jahrzehnten der Diskussion, Ausdauer und Interessenvertretung ist das Ziel erreicht.

Was bedeutet das für Fotografen und die Kamerahersteller?

Bislang arbeiten die meisten Kamerahersteller mit ihren eigenen, proprietären RAW-Formaten. Sony nutzt .ARW, Nikon .NEF, Canon .CR3 und Fujifilm .RAF. Diese Formate sind geschlossene Systeme, ihre genaue Funktionsweise ist ein Betriebsgeheimnis, und die Unterstützung durch Bildbearbeitungsprogramme hinkt leider oft hinterher, wenn eine neue Kamera veröffentlicht wurde. Wir hatten darüber ja schon mal in diesem Artikel berichtet.

DNG löst dieses Problem grundlegend. Als offenes, vollständig dokumentiertes Format bietet es langfristige Kompatibilität und Archivierungssicherheit, Eigenschaften, die kein proprietäres Format garantieren kann. Mit der ISO-Zertifizierung entfällt nun auch das letzte Argument der Hersteller, DNG nicht zu unterstützen. 

Edwards bringt es treffend auf den Punkt. Kamerahersteller hätten keinen triftigen Grund mehr, DNG nicht zu unterstützen. Und auch ihr als Fotografen habt eine Stimme. Wer DNG-Unterstützung von seinen Herstellern einfordert und Werkzeuge bevorzugt, die auf Offenheit setzen, trägt aktiv dazu bei, dass die eigenen Bilder auch in Zukunft noch zugänglich sind.

Wie seht ihr das? Würdet ihr es bevorzugen, wenn jetzt alle Hersteller das DNG-Format verwenden bzw. anbieten, oder seid ihr mit dem proprietären Format zufrieden?

Quelle: Robert Edwards | via PetaPixel

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chris xx

Für Besitzer von älteren Cameras eher uninteresant wenn DNG nicht in der Camera implementiert ist. Da bleibt nur der Umweg über den Computer. Bei RAW seh ich ja schon den Unterschied zwischen der 6D und der 6D II; bei der 6D werden die RAW Aufnahmen als Bilder dargestellt , bei der 6D II als noch zu entwickelde Doppelbilder; kann natürlich auch sein das bei der 6D II eine neue Firmware aufgepielt werden müßte. Wenn die Cameras direkt in DNG aufnehmen können …

Alfred Proksch

Die Argumente das eigene Dateiformate auf das jeweilige System optimal abgestimmt sind ist zwar richtig trifft aber bei der Ausgabe der Bilder/Videos auf die „Weiterverarbeitungshürde“. Eigentlich müsste jeder System Hersteller glücklich sein wenn seine optimal verarbeiteten Daten mit jeder Software gezeigt sowie perfekt weiterverwendet werden können. Somit könnte man sich explizite Software Empfehlungen des Geräte Herstellers sparen.

Auf meinem Rechner sind einige RAW Konverter installiert. Vielleicht ist es Einbildung, aber nach meiner Erfahrung sind neben der unterschiedlicher Bedienerführung die Ergebnisse nicht die selben weil auch diese Software Produkte eigene Stärken und Schwächen aufweisen.

Da ich kein Software Entwickler bin müsste mir jemand schlüssig erklären ob bei mir ein Denkfehler vorliegt. Fazit: Ich bin für die neue ISO Norm bei der Ausgabe von digitalen Bilddateien!

Ollika

Grundsätzlich ein Schritt in die richtige Richtung, den ich sehr begrüße. Allerdings gab es bei mir bisher immer Probleme mit DNG-Dateien, wenn ich sie in Luminar Neo bearbeiten wollte. Sehr helle Bereiche im Foto bekamen schnell einen leichten Rotstich.
Mit den kamerainternen RAWs trat dieses Phänomen nie auf. Wenn das mal funktionieren sollte, würde mein Workflow deutlich leichter und schneller werden.

Gopfred Stutz

Ich habe da so meine Bedenken bei der Firma Adobe. Interessant dieser Artikel:
https://www.foto-schuhmacher.de/artikel/software/dng.html

Alfred Proksch

Danke für den Link Gopfred,

Wer sich diesen genauer ansieht kommt tatsächlich ins grübeln. Adobe war noch nie besonders zimperlich mit „mein und dein“ wie Beispiele zeigen oder damit wie veränderte Geschäftspraktiken mehr „abhängigen“ Umsatz bringen.

Neues persönliches Fazit: Vorsicht ist geboten.

zo34

Na, dann muss der Herr Dr. angesichts des neuen und tatsächlichen Standards wohl mal nacharbeiten.
Und sich bei der Gelegenheit vielleicht auch mal um den HTML-Standard seiner Seite kümmern. Wg. Glaubwürdigkeit und so.

Joachim

Ich fotografiere seit 15 Jahren mit Pentax. Pentax DSLRs können ihre RAW-Bilder entweder im Pentax-eigenen Format (so wie alle anderen Hersteller halt auch) oder direkt als DNG auf die Speicherkarte speichern. Top. Ich hatte mich von Anfang an für DNG entschieden. Vorschaubilder integriert, keine nervigen Sidecardateien (xmp), dafür die Entwicklungseinstellungen direkt ins DNG geschrieben. Die RAW-Datei bleibt dabei trotzdem unangetastet. DNG ist ja lediglich ein Mantel, der verschiedene Inhalte umfasst: das originale RAW, Entwicklungseinstellungen, Vorschaubilder. Ich finde diese wrap-Format DNG einfach praktisch. Und habe bislang nur gute Erfahrungen damit gemacht. Seit einem halben Jahr fotografiere ich jetzt auch mit LUMIX. Beim Einlesen in Lightroom muss ich halt einen weiteren Prozessschritt machen (kopieren als DNG), funktioniert aber einwandfrei.

Thomas

Du wandelst also die RAWs beim Importvorgang um in DNGs oder? Löscht du dann auch die originalen RAWs oder behältst du diese?
Wandelst du in komprimierte DNGs um?

joe

Also ich entwickle meine RAWs auf DXO und man kann wählen in welchem Format man es möchte, ich wähle immer dng. Ich weiss jetzt wirklich nicht wo das Problem liegt, aber vielleicht kann mich einer aufklären.

Uwe

Das Problem ist, das DNG bisher eben nur bei wenigen Herstellern nativ in der Kamera wählbar ist. Und ja, das zu können (nicht zu müssen) wäre ein echter Fortschritt.

Mike Müller

Format-Standards sind immer gut. Adobe-PDF-ISO Standard ist immer noch ein segen für die menschheit aller nationen. Kein Segen ist die adobe-politik, ihre software nur noch als abo und niicht festpreis anzubieten. so kann ein profi-amateur schnell jeders jahr tausende eur zahlen – für ein bildverarbeitungsprogramm. Noch viel scheusslicher sind die kriminellen, nur per kreditkarte als abo-modell zu erwerbenden KI-Bildverarbeitungstools. kriminelle typen im Ausland, kein Impressum, kein AGB, keine sicheren Zahlungen wie paypal, ect. Da ist man bei Adobe 100% auf der siicheren seite, auch bei KI. Wünschenswert wäre, wenn diese adobe profi-standard-software mit ihrem erwerb alle KI Bild- Video- Ton-Verbesserer weit in den schatten stellt. Audition von Adobe gibts bereits – super Software. Mit KI auf neuestem stand wäre adobe der non-plus-ultra marktführer, dem keiner das wasser abgraben kann…ein Programm, dass alle Wünsche erfüllt und nicht tausend programme in den finsteren ecken des internets. denn die lebensuhr tickt – oder will man ewig rumprobieren? dann lieber gleich adobe, spart lebenszeit. Das ist dann auch das Geld wert !

K. W.

Ist doch ne feine Sache. Ich zum Beispiel wandel erstmal alle meine RAWs in DNG und bearbeite diese dann. Wenn man Kameras unterschiedlicher Hersteller nutzt, wäre das eine schöne Vereinfachung.
Bleibt nur die Frage, wie stark sich die DNGs von den RAWs durch die kamerainterne Verarbeitung unterscheiden.

Matze

Was soll sich da unterscheiden? RAW ist RAW, solange wir über echtes RAW sprechen und nicht “Linear DNG”, wie es bei Smartphones implementiert ist (oder aus DxO PureRAW exportiert werden kann). Letzeres ist kein RAW mehr.

Abseits davon ist der Unterschied zwischen DNG, CR3, NEF, ARW und co. primär der Container und wie Metadaten abgelegt werden.

Uwe

Sowohl als auch. Proprietäre Formate mit Sidecarfiles haben manchmal auch Vorteile. Zum Beispiel, wenn man ne Datensicherung, vielleicht noch in die Cloud, macht. Nur die Sidecars übertragen geht deutlich schneller als nach jeder Änderung das komplette DNG mit eingebetteten Einstellungen zu übertragen.

Josh

Naja, wer nach JEDER Änderung an einem Bild einen Upload zur “Cloud” vornimmt anstatt Änderungen lokal zu speichern und dann gesammelt hochzuladen, hat m.E. die Kontrolle über seinen Datenverkehr verloren.

Bleibt zu hoffen, dass es sich dann auch nur um private Bilder handelt oder die “Cloud” selbst gekostet wird.

Hendrik

Also machen wir uns, statt vom Kamerahersteller, von Adobe abhängig. Super.

Mein Problem: Leica nutzt z.B. DNG aber kein komprimiertes RAW. Damit unbrauchbar. Wie schaut es da im DNG aus? Gibt es das? So wie das C RAW bei Canon?

Thomas

Ja es gibt komprimierte DNGs. Du kannst z.b. in LR beim export dng wählen und dieses als komprimiertes exportieren. Dadurch sind die Dateien wesentlich kleiner. Z.b. aus einer 25MB craw .cr3 Datei von meiner R5 wird dann mal eben eine 8MB dng Datei.
Und wenn man die Dateien auf Pixelebene vergleicht gibt es nur marginale Unterschiede welche am Ende unsichtbar sind.

Matze

Es ist nur eben kein RAW mehr, sondern ein Linear DNG. Das ist für Weißabgleich und Co egal, aber ein paar Sachen sind eingebacken und man kann von technologischem Fortschritt in der Zukunft ggf. nicht mehr profitieren.

Wer sowas vor 5-10 Jahren gemacht hat, schaut bei DxO DeepPRIME z.B. in die Röhre. Das ist auf RAW-Daten angewiesen.

Michael K.

Müsste doch eigentlich Digital Positiv DPT oder so heissen. Da ist nichts negativ, aber für die digital Dummies kann ich das verstehen. Und ja, bei Adobe sollte Vorsicht geboten sein. Für Fujifilm X ist das .RAF aufgrund X-Trans Layout wohl noch am ehesten eigenständig gerechtfertigt

Matze

DNG beherrscht auch andere Sensor-Layouts wie X-Trans oder Foveon. Das ist kein Argument dafür oder dagegen.

Rolf Carl

DNG brauche ich nicht, eigentlich brauche ich gar nichts, was von Adobe kommt. Ich mache mit Nikon RAW weiter, solange es Nikon noch gibt. Mein zweites Format ist TIFF: Jedes Bearbeitungsprogramm kann es lesen, und für den Druck erfüllt es höchste Qualitätsansprüche.

Diethard K.

Was für ein Segen, der uns hoffentlich bald von den Herstellern erreicht. Seit ca. 15 Jahren wandel ich alle Rohdaten in DNG um. Und da ich in dieser Zeit mehrere Kamaramarken hatte, ist das in Rückschau die beste Entscheidung gewesen. Leica hat ja schon vor Jahren den Vorteil von DNG erkannt.

Forumname

Viel Spaß, wenn Adobe dann irgendwann in einem Anflug von Gewinnwahn, Lizenzgebühren für DNG Dateien verlangt und du dir bei Verweigerung der Gebühren, deine eigenen Fotos nicht mehr bearbeiten/anschauen kannst.

Norbert

Ich sehe die Verabschiedung von DNG als ISO-Standard äußerst positiv. Damit entfällt das bisherige Gegenargument des möglichen Machtmissbrauchs durch Adobe. Mit Standardisierung ist das Format jedem (gegen einen Obulus an die ISO) zugänglich und kann nicht verweigert und auch nicht mehr per persönlicher Willkür verändert werden.

Leica verwendet soweit mir bekannt schon lange DNG und scheint ganz gut ohne irgendwelche proprietären Erweiterungen auszukommen, die mit selbstentwickelten RAW-Formaten möglich wären. Oder möchte hier jemand behaupten, daß die Aufnahmen einer Leica aufgrund des Speicherformats technisch schlechter als die anderer Hersteller wären?

Alfred Proksch

Irgendwie finde ich das DNG Thema erheiternd. Warum? Weil es mich weit ins voriger Jahrtausend versetzt.

Jeder hatte seinerzeit besondere Rezepturen für die Filmentwicklung parat, ernsthafte Fotografie bedeutete auch sorgfältig durchdachte Archivierung. Analoges „DNG“ Format beinhaltete das „Aufnahmebuch“, „Laborbuch“, die „Filmnummer“, die „Bildnummer“. Heute nennt sich das eben Metadaten – EXIF-Daten – am Prinzip hat sich also nichts verändert.

John

Und das im genauen Zeit als eine neue Format ausgekommt – ‘Linear DNG’ der vieĺ kleinere Dateien erzeugt und fast genauso Editierbar ist.

MNJ

Der Artikel hat einen Faktenfehler. Seit 2018 hat Canon von CR2 auf CR3 gewechselt wegen besserer Kompression und mehr möglichen gespeicherten Parametern.

Und ich persönlich traue Adobe auch nicht unbedingt mehr seit der Einführung Ihres Abo-Modells. Ebenso stößt deren KI Überprüfung auf, ob Bilder oder Inhalte verboten sind, die man mit deren Software jetzt hat.
Und zu guter Letzt wurde deren KI mit unseren Bildern gefüttert. Ungefragt. Bye bye Adobe aus meinem Leben (schon seit Jahren)

Mani

EIN einheitliches Format hat für uns Kunden doch nur Vorteile. PDF hat die Arbeit extrem vereinfacht. Würde ich mir auch für Textverarbeitung wünschen.

Rolf Carl

Nein, lieber nicht,da kassieren ja dann Adobe und Co. wieder ab. Ich kenne immer noch kein Programm, bei dem man PDFs bearbeiten kann, ohne dafür ein Abo abschliessen zu müssen.

Alfred Proksch

Volle Zustimmung!

Leonhard

Lieber Mani, wo soll für unsereiner der Vorteil liegen?

Wir machen unsere Bilder in CR3, entwickeln dann in der Fotobearbeitung und speichern die bearbeiteten Bilder ab, ob da Inkompatibilität anderer Formate anderer Hersteller vorliegen kratzt uns Hobbyisten doch nicht die Bohne.

Standart festlegen ist einfach, ob es sich Adobe auf absehbare Zeit leisten kann, die Spezialformate zumindest der großen Kamerahersteller einfach weg zu lassen wagt meinereiner mal stark anzuzweifeln.

Falls doch sind die ganz schnell bei unsereiner raus, auch andere Mütter haben gute Bearbeitungssoftware!

Stoll

Ich begrüße die Zertifizierung des DNG Formates….

Frank

Einen Containerstandard für alle Bilddateien zu haben würde nur dann einen Sinn machen, wenn die Urheberrechte nicht bei einem Monopolisten wie Adobe lägen.
Ich habe da eher keinen Bedarf.

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