Vivo bringt jahrelange Erfahrung mit Gimbal-Stabilisierung und Zeiss-Optik aus dem Smartphone-Bereich mit. Nun soll daraus offenbar eine eigenständige Pocket-Kamera entstehen.
Der chinesische Smartphone-Hersteller Vivo arbeitet wohl an einer kompakten Vlogging-Kamera. Das Gerät soll als Handheld-Gimbal-Kamera mit integrierter 3-Achsen-Stabilisierung erscheinen und damit in direkte Konkurrenz zur DJI Osmo Pocket 3 bzw. dem anstehenden Nachfolgermodell treten. Laut chinesischen Medienberichten vom Februar 2026 hat Vivo das Projekt intern Ende 2025 gestartet, der Formgebungsprozess sei bereits abgeschlossen. Patente zeigen ein Design mit drehbarem Display und Verbindungsarm, das der DJI-Pocket-Serie stark ähnelt. Ob und wann das Produkt tatsächlich auf den Markt kommt, ist allerdings noch offen.
Was auf den ersten Blick überraschend wirkt, hat bei näherer Betrachtung durchaus eine gewisse Logik. Vivo hat sich über die vergangenen fünf Jahre zu einem der technisch stärksten Kamera-Produzenten im Smartphone-Bereich entwickelt. Das Fundament dafür legte die 2020 gestartete Partnerschaft mit Zeiss, die über ein Logo-Branding hinausgeht. Beide Unternehmen betreiben ein gemeinsames Forschungslabor, das Vivo Zeiss Imaging Lab, und entwickeln dort Optik und Software zusammen. Im August 2025 erweiterten sie die Kooperation ausdrücklich auf Produkte jenseits von Smartphones.
Eigene Chips und Gimbal-Erfahrung als Basis
Parallel dazu hat Vivo seit 2021 eine eigene Familie spezialisierter Bildverarbeitungschips aufgebaut. Die V-Serie, inzwischen bei der vierten Generation (VS1) angekommen, beschleunigt gezielt Aufgaben wie Echtzeit-Rauschunterdrückung, KI-Videostabilisierung und 4K-Aufnahmen mit 120 Bildern pro Sekunde. Damit arbeitet Vivo unabhängig von den Standard-Prozessoren anderer Chiphersteller.
Besonders relevant für eine mögliche Pocket-Kamera wäre Vivos Erfahrung mit Gimbal-Stabilisierung auf kleinem Raum. Bereits 2020 verbaute das Unternehmen im X50 Pro eine Kamera auf einer Doppelkugel-Aufhängung, die mechanisch in drei Achsen stabilisiert. Über mehrere Smartphone-Generationen wurde diese Technik weiterentwickelt. Dieses Know-how ließe sich auf ein eigenständiges Kameraprodukt übertragen.
Die jüngsten Flaggschiffe unterstreichen Vivos Ambitionen im von Apple, Samsung, Xiaomi, Google und Co. heiß umkämpften Markt der Smartphone-Fotografie. Das X300 Pro erreichte bei DXOMark 171 Punkte und damit den zweiten Platz weltweit. Besonders stark schnitt es bei Lowlight, Bokeh und Tele-Zoom ab. Mit dem optionalen Zeiss-Teleconverter, einem physischen Vorsatzlinsen-System mit Bajonett-Anschluss, bewies Vivo zudem, dass das Unternehmen auch Hardware jenseits reiner Smartphones denken kann.
Ambitioniert, aber mit offenen Fragen
Trotz der technischen Voraussetzungen bleibt vieles unklar. Vivo hat keinerlei Erfahrung mit eigenständigen Kameraprodukten. Vertrieb, Marketing und After-Sales-Support müssten erst aufgebaut werden. DJI dominiert das Segment der kompakten Gimbal-Kameras mit eingespielten Vertriebswegen und einer großen Community. Spezifikationen und Preise sind noch völlig unbekannt, und zwischen einem internen Projektstart und einem fertigen Produkt liegt erfahrungsgemäß ein weiter Weg.
Vivo wäre zudem nicht allein mit diesem Plan. Oppo soll an einer ähnlichen Kamera für 2026 arbeiten, und Insta360 hat über Patent-Leaks und Teaser des CEOs auf Weibo ebenfalls eine modulare Gimbal-Kamera im Pocket-Stil angedeutet. Das bislang von DJI nahezu allein beherrschte Segment könnte in naher Zukunft also gleich von mehreren Seiten unter Druck geraten.
Beitragsbild: Roshan Mohammed


Auch wenn ich persönlich nicht viel mit Video am Hut habe – meine bessere Hälfte filmt alles was nicht davon laufen kann oder bei drei nicht auf dem Baum mit ihrem Smartphone – finde ich die Entwicklung solcher Aufnahmesysteme interessant.
Vielleicht bekommen Vivo und Zeiss auf die Idee ein hybrides kompaktes „Hosentaschen“ System für den Fotografen zu bauen, damit meine ich keinesfalls ein weiteres herkömmliches Smartphone.
Wenn eine solche Kamera einen selbst wechselbaren Akku bekommt, dann werde ich bestimmt kaufen. Ansonsten ganz klar nicht. Das habe ich auch von der Pocket 4 erhofft, also auch nicht gekauft.