Marktgeschehen Top

Instagram setzt auf Authentizität: Mosseri erklärt “perfekte Fotos” für überholt

Instagram-Chef Adam Mosseri hat Anfang 2026 eine kontroverse Standortbestimmung für die Plattform veröffentlicht.

In einem Instagram-Post erklärt er das klassische quadratische Foto-Raster für “tot” und beschreibt einen fundamentalen Wandel in der Ästhetik der Plattform. Statt polierter Bilder mit geglätteter Haut und perfekten Landschaften dominiere nun außerdem eine “rohe Ästhetik”: verwackelte Videos, unscharfe Aufnahmen und unvorteilhafte Schnappschüsse des Alltags.

Mosseri begründet dies mit dem Aufkommen von KI-generierten Bildern. In einer Welt, in der Künstliche Intelligenz makellose Bilder erzeugen könne, werde der professionelle Look zum Erkennungszeichen für Künstlichkeit. Meta selbst ist übrigens eine der treibenden Kräfte, Bildgenerierung in Consumer-Oberflächen zu integrieren, und auch Instagram dient als Experimentierfeld für KI-Werkzeuge.

Besonders seine Aussagen über Kamerahersteller sorgen für Unmut in der Fotografie-Community. Diese würden “auf die falsche Ästhetik setzen”, indem sie jeden wie einen Profi-Fotografen von 2015 aussehen lassen wollten. Schmeichelhafte Bilder seien billig zu produzieren und langweilig zu konsumieren. Trotz der Kritik sieht Mosseri Authentizität als Chance. Die entscheidende Frage werde künftig nicht mehr sein, ob jemand etwas erschaffen könne, sondern ob er etwas erschaffen könne, das nur er selbst hätte erschaffen können.

Vom einst ikonischen Quadrat hat sich Instagram im Verlauf von 2025 ohnehin immer weiter entfernt. Gerade auf den Profilseiten wird das deutlich, wo nun Bilder hochkant dargestellt werden. Außerdem hat Instagram offizielle Unterstützung für Bilder im Seitenverhältnis von 3:4 hinzugefügt. Der Authentizität soll auch ein drastischeres Hashtag-Limit von ehemals 30 auf jetzt nur noch fünf helfen, um Bildbeschreibungen von generischem Schlagwort-Spam zu befreien.

Instagram sagt also damit mehr oder weniger: Ernsthafte Fotografen und ihre hochpolierten Bilder sind auf der Plattform nicht mehr so richtig erwünscht. Das hat sich die letzten Jahre über schon so angefühlt, weil die Reichweite für neue Mitglieder nur schwer zu steigern war, und sich der Support eher verschlechterte: Identitätsschutz gibt es mit Meta Verified sogar nur hinter einer Bezahlschranke.

Infolgedessen haben immer wieder ambitionierte Projekte versucht, einen alternativen digitalen Raum für Fotografen auszuheben (etwa “Foto”, über das ich hier schonmal berichtet habe), aber die wenigsten können eine kritische Masse der Nutzerbasis erreichen, oder müssen wie EyeEm nach langer Zeit doch wieder schließen. Auch das Jahr 2026 dürfte diese Lücke nicht füllen. Schade!

Falls ihr eure Fotos mit der Photografix-Community teilen wollt: Wir freuen uns über eure Einsendungen in die Lesergalerie.

Beitragsbild: Zulfugar Karimov | via: Digital Camera World

Tags
guest
14 Kommentare
älteste
neueste
Feedback
Zeige alle Kommentare
Mirko

ICH gehöre auch zur dieser Gruppe “perfekte Fotos” ist nichts mehr für mich. Bin dankbar das Feuchtländer auch Objektive für X Mount anbietet oder alternativ für mich M Mount. Es gibt hin und wieder Aufnahmen wo ich das RAW verwende aber ansonsten steht bei mir (Jpeg) häufig Schärfe -2 und Klarheit auch im negativen Bereich. Es ist mir dabei auch ziemlich egal ob die Kamera 5.000 oder 1.500€ kostet …Hauptsache ich nehme sie gerne in die Hand 📷

Jürgen K.

“verwackelte Videos, unscharfe Aufnahmen und unvorteilhafte Schnappschüsse des Alltags”.
Waren das nicht schon immer die meisten Merkmale von “Selfie & Co”?
Ironie Ende
Perfekte Fotos sind fast unmöglich zu schiessen. Einige kleine Korrekturen am Rechner können oft helfen,
aber perfekt sind sich dann immer noch nicht. Warum auch?
Und deshalb fotografiere ich weiter……und Freude habe ich auch bei meinem Hobby!

joe

Also wenn ich schlechte Bilder anschauen will, dann krame ich in meinen Kodak Instamatic Fotos und werde mehr als fündig. Ich wäre damit der ideale Kandidat für Instagram, sollte mich wohl gegen meine Überzeugung doch noch anmelden. 🤣
Was mich noch interessieren würde, wie definiert Instagram perfekte Bilder? Also ich schaffe das nach meiner Definition nicht. Ich mache teilweise sehr gute Bilder, natürlich auch mit Hilfe von Software – wie sollte man ansonsten Bilder digital entwickeln? Bei mir hört allerdings der “Spass” auf, wenn durch KI Bilder oder Teilbilder entstehen, die so nie entstanden wären, weshalb diese zwingend sichtbar mit AI oder KI gegenzeichnet werden müssten. Und wenn man es etwas genauer nimmt, die ganzen Filmsimulationen von Fuji sind ja dann eigentlich…ich hör jetzt auf, sonst krieg ich noch Morddrohungen.😉

Rüdiger

Irgendwann muss ja der Gegentrend kommen. Wenn jeder perfekte Bilder erstellen kann, dann werden sie langweilig und wertlos.

Ich bin trotzdem skeptisch, dass irgendwas besser wird. Pseudo-authentische Bilder kann auch jeder.

Benjamin

Ich bin zwar selbst nicht mehr auf Instagram, aber ich stimme zu, dass die Kamera-Hersteller am Massenmarkt und dem Geschmack vieler junger Menschen vorbei entwickeln. Sie entwickeln für “Bestandskunden” und haben den Kampf mit dem Smartphone größtenteils aufgegeben. Wichtig ist dem modernen Kunden vor allem eines – Einfachheit. Kreative Fotos zu machen, sollte nicht an der Hürde scheitern, erst Kameratechnik studieren zu müssen. Menüs mit 3.000 Optionen von denen die meisten 2.990 nicht verstehen oder nicht brauchen, sollten für Consumer-Produkte der Vergangenheit angehören. Vollautomatik-Modi sollten endlich mal wirklich intelligent werden und mit Computational Imaging auf Knopfdruck fertige, neutrale Bilder liefern, die bei Gegenlicht nicht nur Silhouetten oder ausgebrannten Himmel zeigen, sondern die Welt so, wie das Auge sie sieht und den Modus sollte man nicht händisch wechseln müssen, wenn man dann doch kein Gegenlicht hat. Wichtig ist die makellose Anbindung ans Smartphone, wo man nicht erstmal 5 Gedenkminuten warten muss, bis das WiFi gekoppelt ist, nur damit es beim Übertragen ständig abstürzt. Das Kamera-Display sollte nicht nur eine “Kompositionshilfe” sondern ein qualitatives Display zum Anschauen von Bildern werden (Lob an Nikon: Mit der ZR habt ihr als Erste einen Schritt in die richtige Richtung gemacht). Es sollte Objektive geben, die… Weiterlesen »

Marcus

was du beschreibst, nennt sich Smartphone. Das hat aber nichts mehr mit fotografieren zu tun.

Benjamin

Eben nicht – die Qualität der Fotos wäre dank des großen Sensors erheblich besser als bei Smartphones. Und ob das etwas mit “fotografieren” zu tun hat, ist Ansichtssache. Man kann Fotografie über manuelle Einstellungen und Technik definieren, oder man sagt es kommt auf den Bildausschnitt, die Komposition, die Idee und das Licht an – und das kann man auch im Automatik-Modus.

Marcus

jede Kamera hat doch einen Automatikmodus. Wer keine Lust auf Bildentwicklung hat kann sich die Kamera einstellen, ggf. LuTs oder verschiedene Bildstile wählen und in JPG fotografieren und bekommt ein fertiges Foto. Wer das von ner KI haben will soll beim smartphone bleiben. Wenn die Hersteller am Massenmarkt vorbeientwickeln würden, gäbe es die LuT Funktionen nicht oder die neue App von Lumix.

Benjamin

Mein Punkt ist ja nicht, dass es keine Automatik gibt, sondern dass diese so schlecht sind, dass die Bilder von einer 2.000 €-Kamera schlechter aussehen als von einem 800 € Smartphone, weil die Himmel überbelichtet werden, die Automatik die Blende viel zu weit öffnet oder die Verschlusszeit zu lang wählt usw. Und zum anderen Punkt mit Lumix: Deswegen bin ich von Sony zu Lumix gewechselt, weil man da aktuell dank LUTs am ehesten brauchbare Bilder direkt aus der Kamera bekommt. Hier habe ich mein eigenes LUT anhand meiner Bildbearbeitung in Lightroom erstellt und mit DLO bekomme ich halbwegs Dynamik is Bild. Allerdings muss ich nach wie vor mit Blendenpriorität, min Verschlusszeit und Belichtungskorrektur manuell arbeiten, weil Lumix im “iA”-Modus z. B. keine Bildstile zulässt

Alfred Proksch

Wie immer führen viele Wege nach Rom. Es geht schon damit los das „Rom“ für jeden etwas anderes bedeutet.

Mirko hat sich für seinen Weg entschieden und arbeitet an der Perfektion des selben. joe wühlt in seinem Bilder-Schuhkarton und erinnert an die Kennzeichnung von Software erzeugten „Kunstwerken“.

Mein „Rom“ spielt sich VOR dem Sensor ab, alles was an Bilddatei auf dem Rechner landet ist je nach „Software“ Diktat der Kamera/Smartphone Hersteller bereits stark „verrechnet“ worden. Was weiter nicht schlimm ist wenn man die eigene Bildidee damit umsetzen kann. Warum ein M-System für mich persönlich so wichtig ist wird somit leichter verständlich.

Meta/Instagram und andere wollen mit fremder Leute Bildern Geld verdienen, solange ich persönlich nicht gezwungen werde mitzumachen geht mir das am verlängerten Rücken vorbei.

Ben

Ja, Authentizität ist mir tatsächlich auch lieber.
Aber es gibt nunmal fotos und Schnappschüsse und es gibt nochmal die ambitionierte Fotografie. Und selbst da zeichneten sich die besten Bilder durch ihre Sprache aus, sie hatten Bildfehler und waren alles andere als perfekt.

Wankelmuth

Und ewig bleibt die Frage: Was ist ein gutes Foto? Neben Kriterien wie Story, Emotion, Überraschung, Licht, Komposition, Konzept, Originalität spielt auch die technische Qualität eine Rolle.Für mich allerdings eine untergeordnete.

Alfred Proksch

Eine Bemerkung am Rande,

Der Energiehunger unserer gnadenlos Strom abhängigen Gesellschaft wird sich enorm erhöhen, da beißt die berühmte Maus keinen Faden ab. Der globale Stromverbrauch durch KI-Rechenzentren könnte bis 2030 auf über 550 Milliarden Kilowattstunden (kWh) ansteigen.

Ein einzelner Mobil-Funk-Mast verbraucht eine Spannbreite von ca. 8.700 bis über 70.000 kWh pro Jahr. In unserer Gemeinde stehen 9 Stück in der Gegend herum damit jeder „Arsch“ seinen privaten Bilder/Video-Müll weltweit digital speichern (Instagram) kann.

Um das eigene Gewissen zu beruhigen fährt man E-Lastenrad plus BMW iX SUV. Der Strom kommt aus der Steckdose ääähhh oder doch nicht?

Jürgen K.

Total auf den Punkt gebracht.
Interview im Fernsehen über den Stromanschlag in Berlin:
Es wurde nicht gejammert, dass die Gefriertruhe auftaut, oder kein Licht ist…oder Pflegeheime ohne Strom….
NÖ, Akku vom Handy war alle…. Hilfe, wie abhängig sind wir eigentlich schon vom dem Teil?

Photografix Newsletter

In unserem kuratierten Newsletter informieren wir dich regelmäßig über die wichtigsten News und Gerüchte aus der Welt der Fotografie.

Wir senden keinen Spam und teilen niemals deine E-Mail-Adresse.
Erfahre mehr in unserer Datenschutzerklärung.