Focus-Stacking mit der OM-1 Mark II in der Praxis
OM System bietet alle Funktionen der Computational Photography in einem Menü an. Neben dem Focus-Stacking finden sich hier auch Live-ND-Filter, die wahlweise sogar graduell funktionieren. Oder wir kombinieren mehrere Einzelbilder zu einem hochauflösenden Foto mit bis zu 80 Megapixeln. Da die OM-1 Mark II schnelle Serienaufnahmen mit bis zu 120 Bildern pro Sekunde aufnimmt, werden viele CP-Funktionen binnen weniger Sekunden umgesetzt. Wir können also recht schnell Ergebnisse sehen, worin ein Vorteil gegenüber der Bearbeitung am PC liegt.
Das Menü für Focus-Stacking erlaubt es uns, Serien mit bis zu 15 Einzelbildern aufzunehmen und die gewünschte Tiefe der Schärfenebene zu definieren. Zusätzlich können wir eine Verzögerung für den Blitz einstellen. Sind die gewünschten Einstellungen ausgewählt, drücken wir den Auslöser und die Kamera nimmt automatisch die gewünschte Anzahl an Fotos auf. Anschließend erscheint ein Ladebalken und wir können das fertige Bild betrachten. Da die Kamera die Fotos ein wenig ausrichten muss, ist der Ausschnitt etwas enger – erfreulicherweise zeigt die OM-1 Mark II uns das mithilfe eines Rahmens an.


Was für mich zunächst ungewohnt war: OM System bietet erstmal keine Auslöseverzögerung an. Auch wenn die Kamera Focus-Stacking aus der Hand zusammenrechnen kann und kleine Verwackler daher nicht weiter schlimm sind, ist das beim Arbeiten mit dem Stativ ärgerlich. Verwackler zu vermeiden ist immer besser, um etwa Ghosting vorzubeugen. Aber dazu später mehr.
Kurzer Tipp, falls Ihr die OM-1 Mark II nutzt oder nutzen wollt: In den Einstellungen des elektronischen Verschlusses im Menü (Lautlos-Modus) kann man eine allgemeine Verzögerung einstellen. Diese gilt dann auch für die Aufnahme von Fokusreihen.
Klassisches Focus-Bracketing ermöglicht die Kamera übrigens mit bis zu 999 Fotos. Hierzu wechseln wir in das Menü für “klassische” Aufnahmemodi, wo wir auch Belichtungsreihen finden. Der Prozess ist ähnlich, nur das Zusammenrechnen fällt weg.
Kleiner Kritikpunkt: Die OM-1 Mark II speichert alle Aufnahmen in einem Ordner ab. Da pro Focus-Stacking bis zu 16 Einzelbilder entstehen, wird’s bei vielen (ähnlichen) Aufnahmen schnell unübersichtlich. Daher habe ich mir das Menü zum Erstellen eines neuen Ordners in das MyMenu gelegt. Steuert dafür das Menü an und drückt einmal den Record-Knopf oben auf der Oberseite der Kamera. Anschließend erreicht man das Menü binnen weniger Sekunden.
Wie gut sind die Ergebnisse?
Um ein Motiv mit mehreren Schärfeebenen zu fotografieren, habe ich eine Blume als Testobjekt genutzt. Dabei habe ich sowohl freihand fotografiert als auch mit Stativ. Die folgenden Ergebnisse hat die OM-1 Mark II selbst intern zusammengerechnet.


Ohne Vergrößerung finde ich die Ergebnisse sehr gut. Für Social-Media oder für kleinere Drucke ist die Qualität bereits ausreichend.
Bei einigen Aufnahmen aus der Hand finden sich aber auch Artefakte in den Bildern, wenn man genau hinschaut. Das sind entweder unscharfe Flecken auf den Fotos, die beim Stacking entstehen. Oder wir sehen Ghosting – also halbdurchsichtige Umrandungen oder Stängel, die zu weit in eine Blume reinreichen. Gut möglich, dass ich die Anzahl der Artefakte mit etwas mehr Übung, einer ruhigeren Hand und zusätzlicher Beleuchtung hätte reduzieren können.


Die Artefakte können bei genauerem Hinschauen störend sein, lassen sich aber via Photoshop entfernen. Bei unscharfen Stellen im Bild ist das schon schwieriger. In diesem Moment ist es natürlich ein Nachteil, dass wir das Zusammenrechnen der Fotos in der Kamera nicht weiter beeinflussen können. Dasselbe gilt für das Stacking in der Systemanwendung von OM System. Hier können wir zwar ein Referenzbild festlegen, wirklich ins Stacking eingreifen können wir allerdings nicht.
Daher würde ich persönlich für Drucke oder professionelle Arbeiten das Stacking nach wie vor über professionelle Bildbearbeitungsprogramme vornehmen. Wie das bei Adobe Lightroom und Photoshop funktioniert, zeige ich Euch im Video ab Minute 5:49. An dieser Stelle will ich noch einmal auf die Vorteile des manuellen Stackings eingehen.
Einerseits können wir als Grundlage für das Stacking RAW-Fotos entwickeln und so etwa die Rauschunterdrückung der OM-1 Mark II umgehen. Diese agiert bereits ab ISO 1.600 und sorgt für etwas unschärfere Aufnahmen. Andererseits legt Photoshop die Einzelbilder über Masken übereinander. So können wir Artefakte sauberer retuschieren und unscharfe Stellen ausbessern. Die Ergebnisse sind dabei in der Regel besser, da wir lediglich verändern, wie Photoshop die Bilder übereinanderlegt. Hier zwei Beispiele:


Fazit
Das Focus-Stacking der OM-1 Mark II ist technisch durchaus beeindruckend. Denn die Funktion ist so reibungslos und einfach, dass wir “im Feld” schon recht gute Ergebnisse erzielen können. Und dabei sehen wir schon auf der Kamera, wie der angefertigte Focus-Stack zusammengerechnet aussieht. Würde ich weiterhin mit der OM-1 Mark II arbeiten, würde ich diese Bilder als Orientierungshilfe nutzen. Ich sehe live auf der Kamera, wie das Bild aussieht. Und da ich auf der Speicherkarte alle Einzelbilder als RAW-Dateien habe, kann ich im Anschluss theoretisch noch manuell am Computer nachbessern.
Auch das 90mm f/3.5 Macro (180mm äquivalent Kleinbild) mit einem Abbildungsmaßstab von 2:1 ist beeindruckend. Da ich hauptsächlich im Studio arbeite und bei meinen Produktfotos in der Regel nicht so nah an Motive herangehe, weil ich den Kontext erhalten möchte, ist das für mich aber kein Grund, auf MFT zu wechseln. Dass Vollformat beim Rauschverhalten Vorteile bietet und der 33 Megapixel starke Sensor meiner A7 IV noch einmal höher auflöst, ist natürlich auch nicht zu verachten.
Oder ist mein Eindruck falsch? Ich habe die OM-1 Mark II letztendlich nur wenige Tage in Gebrauch gehabt und habe eventuell ein paar Dinge übersehen. Makrofotografie braucht zudem ein bisschen Übung und mir fällt immer wieder auf, dass man mit neuen Kameras einfach Zeit zur Eingewöhnung braucht. Auf der anderen Seite dachte ich, dass gerade dieser frische und ungefilterte Eindruck für manche interessant sein könnte.
Welche Erfahrungen habt ihr mit internem und externem Focus Stacking gemacht? Schreibt’s mir gerne in die Kommentare!

Ja, Macro macht mit der OM 1 Spaß 😉
Danke für den authentischen Erfahrungsbericht. Ich handhabe das auch so wie du es beschreibst. Internes Focus Stacking reicht oft aus und ist ein super Feature, bei besonders wichtigen Bildern wird am PC nachgebessert, um das bestmögliche Ergebnis zu erhalten. Für Makro bietet OM System mMn einfach das beste Gesamtpaket.
Äußerst praktisch und schnell machbar – meistens wird das zu guten Ergebnissen führen!
Was ist wenn ich die Schärfe diagonal von vorne links unten nach hinten rechts oben benötige? Ohne Fachkamera oder Tilt/Shift Objektiven ist das nicht möglich.
Kein Einspruch – Focus-Stacking ist eine richtig feine Hard/Software Funktion die genau für MFT Sensoren und Makro Aufnahmen zugeschnitten wurden.
Die Mikroskope meiner besseren Hälfte können das ebenfalls dort sind die Schärfe Ebenen noch „dünner“ – da müssen oft einige 100 Stacking Bilder berechnet werden bis das gewünscht Bild stimmig ist.
Meiner Meinung nach hat Olympus seine vorhandenen Trümpfe bisher noch nicht „werbe-aktiv“ ausgespielt.
Finde Makrofotografie an sich reizvoll, bin aber nicht so der Typ, der danach gerne noch stundenlang am PC sitzt. Vielleicht nutze ich echt mal dieses Test and Try Programm🤔
Moin, die unscharfen Bereiche in der finalen Aufnahme kann man mit der Blende und dem Fokusschritt beeinflussen. Falls die 15 Bilder nicht reichen, kann man auf Fokus Bracketing umschalten und dann gehen bis 999 Bilder durch. Dann mit Helicon Fokus zusammensetzen.
technologisch und auch qualitativ war Olyley schon immer interessant.
Aber die Kunden, denen das UWW-Zuiko zu teuer war (mir) kann man heute nicht mehr bekommen. Der Zug ist abgefahren,
Die Möglichkeit, die Fotos gleich in der Kamera zusammenzusetzen, finde ich sehr gut. Die Qualität, die dabei herauskommt, reicht für Social Media sicherlich vollkommen aus. Wer aber auf maximale Qualität setzt, wird diese Funktion sicherlich weniger nutzen.
Auch das gezeigte Objektiv ist ein absoluter Traum! Diesen Abbildungsmaßstab hab ich so noch nie gesehen. Ich nutze für Macros das Nikkor Z 105mm/2.8. Leider bildet das „nur” im Maßstab 1:1 ab. Daher nutze ich sehr oft Vorsatzlinsen von Raynox.
Habe lange überlegt, ob ich mir zum zusammenrechnen die Software von Helcion kaufen soll. Letztendlich war sie mir dann doch zu teuer, zumal viele Bildbearbeitungsprogramme diese Funktion auch integriert haben und einen ganz guten Job machen.
Die OM-1 II speichert nicht im DNG-Format ab sondern, wie überall üblich, im eigenen RAW-Format.
Das Stacking wird noch interessanter, wenn man einen Blitzdazu benutzt, der kann mit 1/100 s synchronisiert werden und geht rasent schnell. Kann man mit anderen Cams auch mit Blitz sehr schnell stacken? Ich glaube, das ist noch ein Unterschied zu anderen Herstellern.
Mit der Fuji X-H2s geht das genauso. Die hat eine Synchronzeit von 1/125s, sogar 1/160s geht noch. Je nach Blitz funktioniert das Bracketing bis zu 25B/s.