Inspiration & Praxis

KI erlaubt: Hier ziehen die Sony World Photography Awards die Grenze

Einer der größten Fotowettbewerbe überhaupt bekommt eine Kategorie für Archivbilder. Die Veranstalter erklären, was KI-Werkzeuge dort dürfen.

Die Sony World Photography Awards gehen 2027 in ihre 20. Ausgabe und zählen zu den größten Fotowettbewerben der Welt. Im vergangenen Jahrgang gingen mehr als 430.000 Bilder ein, die Teilnahme ist für alle kostenlos.

Ihr arbeitet mit Familienalben, Archivfunden oder alten Abzügen? Dann gibt es für euch in diesem Jahr erstmals eine eigene Kategorie. In Histories sollen Serien zeigen, wie persönliche, kulturelle und kollektive Geschichte die Gegenwart prägt. Wir haben bei den Veranstaltern nachgefragt, wie die Jury mit Bearbeitung, KI und Bildrechten umgeht.

KI-Werkzeuge erlaubt, solange ein Foto der Ursprung ist

“Einsendungen dürfen Bearbeitungen enthalten, auch mit KI-Werkzeugen, sie müssen aber auf eine analoge oder digitale Fotografie zurückgehen”, so Inbal Mizrahi, Managing Director bei Creo, dem Veranstalter der Awards. Den Umfang jeder Bearbeitung müsst ihr bei der Einreichung in der Bildbeschreibung angeben. Für Histories gelten damit dieselben Regeln wie für alle anderen Kategorien.

Die Awards ordnen das in eine lange Tradition ein. “Mit Bildern zu arbeiten und sie umzugestalten, war schon immer Teil der Fotografie, von Collage und Fotomontage bis zu Handkolorierung, Übermalung und Dunkelkammertechniken, die so alt sind wie das Medium selbst”, heißt es in der Antwort. Digitale Bearbeitung sei “oft eine Fortsetzung genau dieser Praktiken”.

Als mögliche Ansätze nennt Mizrahi eine neue Auswahl aus einem Archiv, Refotografie oder die Arbeit am physischen Abzug. Die Beschreibung eures Vorgehens fließt in die Bewertung ein, damit “die Jury den Ansatz als Teil der Arbeit selbst betrachten kann”. Im Mittelpunkt stehe, “was Fotografinnen und Fotografen in historisches Material einbringen, also ihre Recherche, ihre Perspektive und die neue Bedeutung, die sie daraus ziehen”.

Alle Teilnehmenden müssen Bearbeitungen angeben und bestätigen, dass ihre Arbeit den Regeln entspricht. “Zusätzlich zu diesen Zusicherungen führen wir bei Bildern auf der Shortlist eigene, mehrstufige Prüfungen durch”, erklären die Veranstalter. Darüber hinaus gelte das Wort der Einreichenden, denn “wir arbeiten auf Grundlage dieser Verpflichtung”.

Bildrechte und Sorgfalt bei Archivmaterial

Für jedes Bild braucht ihr das volle Urheberrecht oder die nötigen Genehmigungen, auch bei Fotos aus Archiven, Sammlungen oder dem Familienalbum. Die Jury erwartet außerdem einen bewussten Umgang mit den Abgebildeten. “Wir achten immer auf Arbeiten, die Sorgfalt und Umsicht im Umgang mit Archivbildern zeigen, also ein Verständnis dafür, woher die Bilder stammen, wer darauf zu sehen ist und unter welchen Umständen sie entstanden sind”, schreiben die Awards.

Bewertet wird anonym. “Die anonyme Bewertung sorgt für ein faires Verfahren, sie bedeutet aber nicht, dass die Bilder völlig ohne Kontext beurteilt werden”, so Mizrahi. Eure Beziehung zum Material, etwa zu einem Familienarchiv, erklärt ihr im schriftlichen Statement zur Serie. “Diese Beziehung wird als Teil der Serie behandelt, genauso wie ihre Recherche, ihre Bildfolge oder ihr visueller Stil.”

Arbeiten mit Archivmaterial waren schon in früheren Jahrgängen vertreten, etwa Pablo Ramos’ Serie The Black Album über die Verschwundenen in Mexiko und Armin Gracas Points of Impasse über die Folgen des Kriegs in Bosnien und Herzegowina. “Mit Histories bekommt diese Arbeit nun einen eigenen Platz bei den Awards, und wir sind gespannt, wohin Fotografinnen und Fotografen sie führen”, schreiben die Veranstalter.

Jury, Fristen und Preise

Den Vorsitz der Jury im Series-Wettbewerb übernimmt erneut die Kuratorin Monica Allende. Mit ihr bewerten Santiago Escobar-Jaramillo, Peipei Han, Candice Jansen, Amanda Renshaw und Pauline Vermare die Serien, die Jury wurde im September bekanntgegeben. Die Jury bewertet alle Einsendungen Anfang 2027 anonym.

Histories gehört zum Series-Wettbewerb, der früher Professional hieß. Dort reicht ihr pro Kategorie fünf bis zehn Bilder ein, Einsendeschluss ist der 12. Januar 2027. Für den Single-Image-Wettbewerb (früher Open) und den Youth-Wettbewerb endet die Frist am 5. Januar 2027, für Studierende bereits am 27. November 2026. Alle Fristen enden um 17 Uhr deutscher Zeit.

Der Photographer of the Year erhält 25.000 US-Dollar und eine Einzelpräsentation bei der Ausstellung im folgenden Jahr. Im Single-Image-Wettbewerb gibt es für den Gesamtsieg 5.000 US-Dollar, alle Kategoriesieger bekommen Ausrüstung von Sony. Die Gesamtsieger geben die Veranstalter traditionell im April in London bekannt. Die Ausstellung mit Gewinner- und Shortlist-Bildern läuft vom 15. April bis 3. Mai 2027 im Somerset House und geht danach auf Tour.

Die Sony World Photography Awards haben eine Geschichte mit KI: 2023 gewann Boris Eldagsen im Open-Wettbewerb die Kategorie Creative mit dem KI-generierten Bild “Pseudomnesia: The Electrician” und lehnte den Preis ab. Er wollte nach eigener Aussage eine Debatte über KI und Fotografie anstoßen.

Zur Bekanntgabe der Jury der Sony World Photography Awards 2027 gibt es bereits einen Einblick in die eingereichten Arbeiten. Wir zeigen 15 Wettbewerbsbeiträge aus unterschiedlichen Kategorien.

Beitragsbild: Atsushi Tsubokura

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