Leica holt sich einen neuen Partner für kommende Bildsensoren. Die Wahl fällt auf einen chinesischen Spezialisten aus der Wissenschaft.
Die Leica Camera AG und der chinesische Bildsensorhersteller Gpixel haben eine strategische Partnerschaft angekündigt. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen einen Hochleistungs-Bildsensor entwickeln, der “speziell für Leica-Kameras der nächsten Generation” zugeschnitten ist. Das gab Leica heute in Wetzlar bekannt.
Sony-Abkehr war abzusehen
Für Leica markiert die Kooperation einen deutlichen Kurswechsel. Bis zur M10 nutzten die Wetzlarer einen eigens entwickelten Sensor aus europäischer Fertigung, gebaut unter anderem bei AMS in Graz. Mit der M11-Generation wechselte der Hersteller auf Seriensensoren von Sony. Aufsichtsratschef und Mehrheitseigner Andreas Kaufmann hatte Ende 2025 in einem Podcast bereits angedeutet, dass parallel dazu eine eigene Sensorentwicklung wieder aufgenommen worden sei. Mit der aktuellen Ankündigung wird klar, mit welchem Partner das passiert.
Laut Leica soll der neue Sensor gezielt auf Farbtreue, Rauschverhalten, Dynamikumfang und Detailauflösung optimiert werden. Neben der Entwicklung umfasst die Zusammenarbeit auch Validierung, Bildabstimmung und die Serienfertigung. Einen konkreten Zeitplan oder ein Einsatzmodell nannten die beiden Firmen bislang nicht.
Gpixel kommt aus der wissenschaftlichen Bildgebung
Gpixel wurde 2012 in Changchun von Xinyang Wang gegründet und unterhält seit 2018 eine eigene Niederlassung im belgischen Antwerpen. Das Unternehmen beliefert bislang vor allem Kundinnen und Kunden aus Industrie, Medizin und Wissenschaft. In diesen Feldern ist der Markenname Leica über die heute eigenständigen Schwesterfirmen Leica Microsystems und Leica Biosystems ebenfalls vertreten. Laut Aufsichtsratschef Kaufmann arbeiten Leica und Gpixel bereits seit längerer Zeit zusammen.
Im Januar 2026 stellte Gpixel etwa den 104,8-Megapixel-Sensor GSENSE64105BSI für Astronomie-Anwendungen vor. Mit der GCINE-Serie bedient das Unternehmen seit einigen Jahren auch die Kinematografie, darunter ein APS-C-Sensor mit 43 Megapixeln und 8K-Aufzeichnung.
Erst am 17. April 2026, drei Tage vor der Leica-Ankündigung, ist Gpixel an der Hongkonger Börse gestartet. Für Gpixel-CEO Xinyang Wang ist die Kooperation mit Leica damit ein doppelt gewichtiger Schritt auf das internationale Parkett. Für Leica wiederum bedeutet die Partnerschaft, dass kommende Kameras mit einem speziell für die Wetzlarer Marke entwickelten Sensor ausgestattet sein könnten.
Wann der erste Leica-Sensor aus der Partnerschaft in einer Kamera landet, lassen die Unternehmen offen. Sensorprojekte dieser Art dauern typischerweise mehrere Jahre. Branchenbeobachter bringen die Ankündigung mit einer künftigen M12 in Verbindung, offiziell bestätigt ist das aber nicht.
Beitragsbild: Sung Jin Cho


Ob der Sensor im M Gehäuse landet bleibt abzuwarten. Ich werde mit meiner M11 sicher 10 Jahre und länger Freude an der Fotografie finden.
Es ist schon schade, dass so etwas heute kaum noch aus Europa kommt. Wir brauchen Partner, aber irgendwann brauchen uns diese Partner nicht mehr. Man sieht, dass Leica durchaus versucht, eigenständiger zu werden, vor allem mit der Entwicklung eines eigenen Sensors. Das ist schon mal die richtige Richtung. Aber die traurige Realität ist, dass sie ohne Partner wie Gpixel oder Sony schlichtweg keine Chance haben, das umzusetzen. Sie können nicht allein existieren. Früher war das ganz anders, da hatte Europa noch eine Führungsrolle. Jetzt sieht es so aus, als würden die Felle immer weiter davon schwimmen. Die großen europäischen Unternehmen sind mittlerweile so träge und halten an altem Zeug fest, bis es irgendwann zu spät ist. Wenn das so weitergeht, könnte Europa in der Zukunft nur noch ein Drittweltland sein. Es wird viel diskutiert und mit neuen Gesetzen versucht, den Abwärtstrend zu bremsen. Aber ohne echte Innovation und den Willen, mal wieder anzupacken, wird sich daran nichts ändern. Wenn man sich hier so umhört, habe ich oft das Gefühl, viele haben den Ernst der Lage noch nicht wirklich verstanden. Es wirkt manchmal so, als wäre alles selbstverständlich – Geld, Wohlstand, Energie. Aber so einfach ist es eben nicht. Wenn wir… Weiterlesen »
Den Sensor wird höchstwahrscheinlich in Antwerpen, Belgien entwickelt – ist in Europa 🙂
Und die Produktion?
Das nennt man den Lauf der Dinge oder auch spätrömische Dekadenz.
Alle satten Gesellschaften gehen diesen Weg irgendwann.
Strategisch eine gute Entscheidung. Längerfristiges Denken, Diversität sind wie man an den jährlichen Geschäftszahlen Leicas ablesen kann selbst in schwierigen Zeiten ein Garant für Erfolg. Die M-Kameras sind nur das „AUSHÄNGESCHILD“. Innovative Produkte bringen den Gewinn. Diese sind allerdings nicht alle im Leica-Shop vorrätig. „Stückzahlen“ bedeuten nicht „automatisch“ Gewinn.
Als Fotograf habe ich eine riesige Auswahl an Geräten/Objektiven quer durch den vielfältigen Garten aller Hersteller. Je nach den eigenen Prioritäten kann ich mir mein Equipment passend auswählen. Einzig das liebe Geld setzt die Grenzen. Was besser oder weniger gut funktioniert bestimmt die verwendete Technik oder die implementierte Software.
Spannend wird sein wie gut der „eigene“ Sensor tatsächlich funktioniert!
Uff, immer mehr China, immer weniger Deutschland (Europa).
Da wird anscheinend eine Übernahme durch Chinesen vorbereitet. Der Mehrheitseigentümer will ja angeblich seine Anteile verkaufen.
Schade, damit wird die Marke für mich (!) an Anziehungskraft gewaltig verlieren.
Adam bei welchen technischen, elektronischen Geräten sind keine globalen Bauteile verarbeitet? Mir sind keine eingefallen. Wir bräuchten Jahrzehnte dafür um wenigstens den essentiellen Bedarf einigermaßen regional abzudecken, vieles müssten wir nach wie vor importieren. Wer Ackerflächen mit importierten Solarzellen zupflastert hat zwar elektrische Energie in importierten Akkuzellen gespeichert aber dafür nichts mehr auf dem Teller, außer man importiert Monokultur Lebensmittel.
Ich lebe auf dem Land… und komme aus einer ländlichen Region. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass wertvoller Boden mit Solarzellen missbraucht wird. So viele Dächer sind bei Bedarf noch frei… Weizen, Rüben, Gerste, Obst (…)… dafür wird geackert. Anderes Thema- ich weiß.
Stimmt zwar alles, wir haben dann aber den Strom und die Akkus sind noch da und speichern weiter, Gas und Öl werden verbrannt, sind weg, verpesten die Luft, und müssen wieder importiert werden.
Schade,….. ein komplettes System Made in Germany wäre mir lieber.
Man entwickelt ein Gefühl von, wir können nix mehr, ohne andere.
Die Hoffnung aber, stirbt bekanntlich zu letzt.
Natürlich bleib ich Leica treu, es gibt ja keine Alternative.
Wir leben in einer globalen Welt und es ist doch sinnvoll, dass jeder das herstellt oder entwickelt, was er am besten kann. In einem optimalen System trägt dann jeder mit dem besten Know-How bei. Nun kommen wir zur Praxis: oftmals ist die gute bis überdurchschnittliche Qualität relativ gesehen teuer, so dass sie beim Preis in Konkurrenz tritt. Das hat China seit den 1990ern gemacht.. sie haben Marktanteile geholt über den Preis. Gleichzeitig haben sie ihren Nachwuchs auf die Universitäten im Inland und Ausland geschickt. Sie haben Know-How aufgebaut und Forschung betrieben. Heute ist Made in China in meinen Augen das, was Made in Germany war. Ursprünglich ein Makel, der eher eine Warnung darstellte (wie bei Made in Germany), steht heute vielfach Made in China schlicht für Qualität. Klar können die immer noch billig, aber in vielen Bereichen zeigen sie hohe Qualität zu wettbewerbsfähigen Preisen. Und nun kommt der Wunsch das alles auch aus Deutschland zu haben… machen wir uns nichts vor, wir haben gemessen an Asien keine große Leistungsbereitschaft als Gesellschaft. Entweder man hat eine Life-Work-Balance oder man baut etwas auf… Beides ist schwierig. Wenn man keine Kostenvorteile hat (relativ hoher Personalaufwand, hohe Energiekosten, weniger Subvention) dann musst du über… Weiterlesen »
Life-Work-Balance – das Lieblingswort vieler Deutscher.
Ich glaube, vielen ist nicht bewusst, dass wir nicht nur national oder europäisch in Konkurrenz stehen, sondern mit der gesamten Welt.
Land Gesamt freie Tage
Deutschland ≈ 57 Tage (≈ 28 Urlaub, ≈ 11 Feiertage, ≈ 18 krank)
USA ≈ 24 Tage (≈ 10 Urlaub, ≈ 8 Feiertage, ≈ 6 krank)
China ≈ 25 Tage (≈ 10 Urlaub, ≈ 11 Feiertage, ≈ 4 krank)
Zusätzlich beeinflussen Teilzeit, Elternzeit und reduzierte Arbeitszeit die tatsächlich geleistete Arbeit weiter, gerade in Deutschland.
Spätestens wenn es nichts mehr zu essen gibt und der Magen knurrt, wird aus Life-Work-Balance eine Überlebensbalance. Dafür gibt es ganz bestimmt aber wieder schicke Modewörter, dafür haben wir viele Experten.
Klar liege ich auch gerne mal auf der Liege – aber Realität bleibt Realität.
Solange man Probleme schönredet oder verdrängt, verändert sich nichts –
aber die Realität holt einen trotzdem ein.
Volle Zustimmung, Stefan! Es sollte zu denken geben, dass manche Firmen aus Deutschland auch in die Schweiz abwandern, weil eben dort trotz teilweise sehr viel höheren Löhnen und Gehältern trotzdem günstiger produziert werden kann. Das hat auch etwas mit Arbeitsleistung und Produktivität in den einzelnen Ländern zu tun.
Nun ja, einen Vorteil hat eine Produktion in China, wenn die z.B. Seltenerden für die Produktion brauchen, dann kriegen die sie eher als manch anderer Hersteller auf dieser Welt, auch ein Vorteil bei den Lieferproblemen
Tja, warum machen die das? Weil es die Chinesen inzwischen besser können. Deutschland war mal gut.
Schade, das ist das Ende von Leica. Der berühmte Leica-Look ist doch das Einzige, was die Marke noch zu bieten hatte und den Mythos am Leben hielt. In 2 Jahren bekommt man die Leicas bei Temu für 200 Euro, Transport inklusive.
Sehr zu begrüßen! Ich arbeite derzeit mit der LEICA SL 601 und der Sensor hat schon beinahe analoges Feeling. Natürlich muss ich dazu sagen, dass ich das auftreffende Licht durch meine R-Objektive leite.