Beleuchtungstechnik für Makroaufnahmen
Im Idealfall möchte ich bei der Makrofotografie so wenig wie möglich mitschleppen müssen. Das gilt natürlich auch für die Beleuchtung von Makroaufnahmen, wobei ich persönlich am liebsten auf natürliches Licht setze. Je nach Motiv und Umgebung klappt das aber nicht immer. Wenn wenig Umgebungslicht vorhanden ist und ihr wegen der Schärfentiefe ohnehin die Blende schließen müsst, bleibt einem nichts anderes übrig, als den ISO-Wert in unangenehme Höhen zu drehen – oder eben künstliches Licht zu verwenden.
Ich möchte einige Möglichkeiten vorstellen, aber gleich zu Beginn darauf hinweisen, dass nicht jede Option für jedes Motiv geeignet ist. Außerdem ist es gar nicht so einfach, die Lichtführung in der Makrofotografie geschickt einzusetzen.
Der Ringblitz
Ein Ringblitz ist ein Blitzgerät, das ringförmig um das Objektiv angeordnet ist. Diese Anordnung ermöglicht eine schattenfreie und gleichmäßige Ausleuchtung des Motivs. Allerdings können auf glänzenden Oberflächen, z.B. bei Insektenaugen, kreisförmige Reflexionen entstehen, die unter Umständen störend wirken. Aber gerade diese schattenfreie Ausleuchtung lässt mir oft die Tiefe des Bildes vermissen und das Bild flach erscheinen. Es gibt zwar Ringblitze, bei denen ihr zwei Blitzröhren unabhängig voneinander ansteuern könnt, aber trotzdem seid ihr durch die feste Position des Ringblitzes am Objektiv in der Kreativität der Lichtführung eingeschränkt.


Der Zangenblitz
Ein Zangenblitz, auch Makro-Zangenblitz genannt, besteht aus zwei separaten Blitzköpfen, die seitlich am Objektiv angebracht sind. Durch die unabhängige Positionierung und Steuerung der beiden Blitzköpfe kann das Licht gezielt gesetzt werden, um Schatten und Lichter nach Wunsch zu gestalten. Das Ergebnis ist eine plastischere und natürlichere Darstellung des Motivs.
Ich persönlich verwende gerne den Zangenblitz MF12 von Godox, bei dem ich bei Bedarf auch die einzelnen Blitze abnehmen und anders positionieren oder bei Bedarf auch weitere Blitze hinzufügen kann. Ich habe mich bewusst für das Modell von Godox entschieden, da ich einen Godox-Fernauslöser auch für Sony und Fujifilm habe und ich eben diesen Blitz auf allen Systemen verwenden kann. Die einzigen Nachteile sind für mich die Größe und die Handhabung. Es erfordert anfangs etwas Übung im Umgang mit der Kamera und schränkt manchmal auch die Beweglichkeit etwas ein.


Den Aufsteckblitz entfesselt verwenden
Anstelle eines Zangenblitzes könnt ihr auch einfach entfesselte Aufsteckblitze zur Lichtgestaltung verwenden. Durch die Positionierung des Blitzes außerhalb der Kameraachse könnt ihr dabei gezielt Lichtakzente setzen und Schatten erzeugen, die dem Motiv mehr Tiefe verleihen können. Die Verwendung von Diffusoren oder Softboxen kann das Licht weicher machen und für eine natürlichere Ausleuchtung sorgen.
Wenn ihr allerdings den Aufsteckblitz direkt auf dem Blitzschuh verwenden wollt, habt ihr bei Nahaufnahmen häufig Probleme mit Abschattungen, die durch das Objektiv auf das Motiv geworfen werden. In diesem Fall können spezielle Lichtformer Abhilfe schaffen. Allerdings wird dann immer noch frontal geblitzt und das Ergebnis ist für meinen Geschmack häufig zu flach. Wie schon beim Ringblitz bleibt ihr damit in der Kreativität der Lichtsetzung ziemlich eingeschränkt.
Dauerlichtquelle
LED-Leuchten oder andere Dauerlichtquellen ermöglichen eine kontinuierliche Ausleuchtung des Motivs. Dies erleichtert euch die Beurteilung der Lichtwirkung vor der Aufnahme und eignet sich besonders für statische Motive. Durch den Einsatz von Farbfolien kann die Lichtfarbe angepasst und kreative Effekte erzielt werden. Es gibt spezielle Vorrichtungen, mit denen ihr die Leuchten über Ausleger am Blitzschuh befestigen könnt. Hierzu können entweder einstellbare Taschenlampen oder sogenannte Ringleuchten verwendet werden, die oft auch im Ringblitz integriert sind.
Lichtreflektor und Lichtdiffusoren
Reflektoren lenken das vorhandene Licht auf das Motiv und können so Schatten aufhellen oder bestimmte Bereiche hervorheben. Sie sind besonders nützlich bei Gegenlichtaufnahmen oder wenn das Motiv im Schatten liegt. Mit kleinen Spiegeln kann das Licht gezielt auf bestimmte Details gelenkt werden. Auch Lichtdiffusoren sind nützlich, wenn die Sonne zu stark scheint. Ich habe meistens einen kleinen faltbaren Diffusor in der Tasche, den ich zum Beispiel bei hochstehender Sonne über das Motiv halte, um zu starke Kontraste zu vermeiden.
Ihr habt sicher schon bemerkt, dass viele meiner Angaben oft nur Richtwerte sind und ich mich nicht auf feste Werte festlege. So z.B. die Empfehlungen für die minimale Blende bei Vollformat, APS-C und MFT, wobei ich selbst in der Praxis die Blende durchaus noch ein bis zwei Stufen mehr schließe als empfohlen und dann in der Nachbearbeitung noch etwas machen kann, wenn die Beugungsunschärfe doch auftreten sollte. Für meine Anwendungen ist das nicht so wichtig. Bildern, die z. B. für diesen Artikel herunterskaliert wurden, werdet ihr es nicht anmerken.
Deshalb würde mich von den Profis unter euch brennend interessieren, wo genau bei euch die Grenzen für die kleinste Blende in der Makrofotografie liegen?
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Das mit dem Millimeterpapier ist auch eines meiner eigenen „Testverfahren“. Damit ich den „Schärfe-Zuwachs“ beim Abblenden besser beurteilen kann falte ich ein gesondertes kleines Stück vom Millimeterpapier ähnlich einer Ziehharmonika und lege es dazu.
Damit quer vergleichbare Ergebnisse möglich sind erledige ich diese Verfahren unter genau festgelegten Bedingungen im Studio wo zusätzlich eine genormte Testtafel hängt.
Egal ob ich ein Objektiv NEU kaufe oder ob es eines vom „Flohmarkt“ ist erlaubt mir diese Prozedur „Eigenheiten“ von Objektiven zu klassifizieren.
Wer z.B. ein Makroobjektiv im mittleren Brennweitenbereich erwirbt hat garantiert nichts falsch gemacht und wird damit im Regelfall technisch beste Bildergebnisse erzielen.
Der SCHÄRFE Eindruck wird NICHT NUR von der tatsächlichen Schärfen-Ebene erzeugt.
Plastische Beleuchtung, Kontraste und Dynamikumfang beeinflussen unser Wahrnehmungsvermögen was das „scharf sehen angeht“ enorm.
Förderliche Blende !! Genau das ist der berechnete OPTIMALE Punkt bei dem ein Objektiv seine höchste Abbildungsleistung erreicht.
Theorie und Praxis sind wie so oft zwei Paar Stiefel! Ist z.B. ein Motiv schön knackig ausgeleuchtet und farblich gut durch-gezeichnet sind zwei bis drei Blenden über der förderlichen Blende überhaupt kein Problem. Im Zweifelsfall reicht ein klein wenig nachträgliches schärfen!
Soweit meine Erfahrungen aus den letzten Jahrzehnten.
Zuerst ein paar Gedanken zur Schärfentiefe: Bei der Blendenwahl sehe ich es gleich, Blenden im zweistelligen Bereich sollte man strikt meiden. Ich gehe z.B. bei APS-C nur im Notfall auf f8, der häufigste Bereich ist Offenblende (also je nach Massstab ca. f3.5) bis f5.6. Es geht beim Abblenden auch nicht nur um die Schärfentiefe, sondern auch das Bokeh leidet darunter, wie man beim Ameisenfoto deutlich sieht. Die Umgebung ist genauso wichtig wie das Motiv selbst. Wenn man nicht unbedingt Massstab 1:1 braucht, kann man bei grösseren Motiven wie den Baumpilzen das Tele nehmen, dann sind die Pilze praktisch ganz scharf und trotzdem schön freigestellt. Durch Abblenden gewinnt man nur minim Schärfentiefe, besser ist es, den Abstand zum Motiv zu vergrössern. Topshots wie Radomir Jakubowski gehen deshalb auch schon mal mit einem 2.8/400 auf Blümchen los. Fokus Stacking funktioniert bei den meisten Naturfotos nicht, und zwar, weil man oft kein Stativ verwenden kann, weil man ganz einfach nicht ans Motiv rankommt wie gewünscht, und zum zweiten, weil der Fotograf und das Motiv sich immer etwas bewegen, Blumen z.B. im Wind. Ich habe mal im Orchideengebiet Liliental im Kaiserstuhl eine Frau beobachtet, die schier verzweifelt ist. Auch nachdem sie die Blume mit… Weiterlesen »
Genau beschrieben – Daumen hoch!
Ja – lehrreich und praxisnah…
Danke dir, Alfred!
Das ist es ja, was es spannend macht. Orchidee im Wind und Focus stacking. Da helfen dann schon mal kleine Stöckchen, Plane auf der Windseite etc. Der Ehrgeiz will es aber ohne Hilfsmittel. Kleines Stativ ist wichtig. Habe mir mein altes Cullmann zurechtgesägt oder nehme das Kleine von Novoflex (das mit an anschraubbaren Beinen) mit. Und den kleinen FLM Stativkopf. Förderliche Blende heisst meist 2 Blenden schließen. Gut geht das auch mit der Lumix LX15. Focus stacking geht da von vorne nach hinten oder von der Mitte nach vorne und dann nach hinten. Ist es still, dann kann man auch die Entfernung Stufe für Stufe manuell einstellen (so wie mit meinem 2,5/125 Voigtländer Makro).
Was schön ist. Man kann da richtig entspannen und hat nichts anderes im Kopf.
Nee, Wind und Fokus Stacking funktioniert gar nicht. Und nicht vergessen, Orchideen stehen in empfindlichen Gelände, oft sogar Naturschutzgebieten, da kann man nicht einfach einen Windschutz aufbauen oder den Boden zertrampeln und verdichten, um das Stativ zu stellen. Ich wohne gleich an einem Orchideen-Hotspot (Schaffhauser Randengebirge), ich weiss also, wovon ich spreche. Fokus Stacking kommt bei den Naturmotiven allenfalls noch für Pilze oder ähnliches in Frage, da bewegt sich in der Regel nichts.
Aber ich selber mag vor allem das Spiel mit Schärfe und Unschärfe, mir ist es nicht so wichtig, dass das Motiv von vorne bis hinten scharf ist. Wenn ich die ganze Blume scharf will, nehme ich das Tele 100-400. Ich habe immer beides dabei, wenn ich Blumen fotografieren gehe, also noch das Sigma Makro 2.8/150. Dann mache ich meistens eine Runde mit dem einen Objektiv, und nachher mit dem anderen.
NSG´s sind tabu. Nur auf Wegen. Hier der Schlangenberg in Stolberg-Breinig mit dem Kleinen Knabenkraut (orchis morio) oder an den Rändern der ehem. Kalkabbaugebiete. Viele schöne Möglichkeiten hat man im Eschweiler Tal bei Bad Münstereifel. Da gibt es viele Wege direkt an den Orchideen. Da kann man sich austoben.
Ah, sehr schön, da bist du ja auch gleich an der Quelle. Bei mir hat es auch mehrere Plätze mit bis zu 30 verschiedenen Arten, auch seltene wie die verschiedenen Ragwurze und Frauenschuh.
Sehe ich ganz genau so,
so gehe ich auch vor.
Danke! Ich dachte schon, ich sei der Einzige, der das so macht.
Auch der zweite Teil zum Thema Makrofotografie ist wieder top! Sehr interessant und lehrreich. Danke dafür.
Der Tipp von Rolf mit dem Tele ist goldwert. Hat mir schon sehr oft weitergeholfen.
Stacking aus der Hand, kann bei schneller Bildfolge, auch schon mal funktionieren. Zu windig sollte es aber nicht sein. Man muss hinterher ja nicht alle Fotos verrechnen. Leichte Verschiebungen rechnet die Software eh heraus.
Für unbewegte Makros, auch Stacks, benutze ich am liebsten ein Stativ mit Getriebeneigerkopf. Exakter geht’s nicht.
Ach ja, falls ihr noch nicht auf den Geschmack gekommen seid, dann schaut euch mal die Makros von Frank Rückert an. Den halte ich persönlich für einen der besten seiner Zunft. Die meisten Fotos sind mit älteren MFT-Kameras entstanden.
https://pen3.de/?p=1414
Unglaublich! Sprachlos…
Fantastische Aufnahmen, ein herausragender Fotograf, der genau weiß, was er tut!
Super Fotos! Der hats im Griff.
Ich hab mal eine Frage, die mich in der Makrofotografie schon seit längerem beschäftigt: warum wird in allen Artikeln (auch in diesem) eigentlich immer wieder gesagt, dass eine hohe Schärfentiefe das Maß aller Dinge sei? Wenn man mit einer großen Blende einen Menschen portraitiert, erhält man regelmäßig Lob, weil man exakt aufs Auge scharf gestellt hat, das Portrait über ein tolles Bokeh mit unscharfem Hintergrund verfügt etc. – warum gilt das nicht genauso, wenn man eine Fliege fotografiert, bei der die Augen knackig scharf sind, der Körper aber eine (leichte) Unschärfe erhält? Warum spricht man in diesem Fall von „mangelnder Schärfentiefe“ statt von einem „schönen Bokeh“?
Gute Frage, ich predige hier auch immer, dass das Spiel von Schärfe und Unschärfe spannender ist. Zugegeben, ich habe auch schon tolle Fotos gesehen, bei denen alles scharf ist (Stacked Aufnahmen). Ich finde, in einem guten Portfolio sollte beides Platz haben, mal ganzes Insekt oder ganze Blume scharf, dann aber auch wieder Bilder mit nur einem Hauch oder Anflug von Schärfe. Der Kreativität ist schliesslich keine Grenze gesetzt, es gibt nichts langweiligeres, als etwas immer wieder auf dieselbe Art zu fotografieren.
Bei der reinen Makrofotografie bei Abbmaßstäben von 1:1 und größer, ist tatsächlich die mangelnde Schärfentiefe das größte Problem.
Das gilt aber nur für sehr kleine Objekte.
Als Libellenkundler der gern Libellen, Falter und auch Orchideen fotografiert, bei denen der Abbm nicht so groß sein muß, für formatfüllende Aufnahmen, verwende ich langbrennweitige Objektive und blende auch oft auf, für einen schön weichen Hintergrund.
Es kommt also auf das Motiv an und welche Bilder ich möchte.
Für Bestimmungsfotos ist eine große Schärfentiefe von Vorteil, aber das will ich meist gar nicht.
Spannend, wir haben bei den Motiven genau die gleichen Vorlieben, das sind auch meine meistfotografierten.
n.m.M ist die Schärfentiefe bei Makro wesentlich. Man möchte möglichst viel des kleinen Objekts auf dem Sensor scharf haben. Nehme ich mir eine Blüte des männl. Knabenkrautes, dann ist die ungefähr1 bis 1,5 cm in der Ausdehnung. Kann ich nur die Pollen scharf aufnehmen, dann verschwimmt die Blüte. Ich möchte aber gerne die ganze Blüte haben, weil so ein Gesamteindruck entsteht. Daher denke ich, dass der Focus auf großer Schärfentiefe liegt.
Bei Libellen oder z.B. Blindschleichen hat man kaum Zeit das Bild einzurichten. Die sind viel zu schnell.Ein bewährter Grundsatz ist es, auf die Augen scharf zu stellen. Was auch für die Portraitfotos ansich gilt.
Makro ist so eine Spezies. Da muss jeder selbst rausfinden, wie er es am Besten für sich macht. Das ist eben Hobby.
Nebenbei; bisher habe ich noch kein anständiges Libellenbild hinbekommen. Von daher sind die Bilder in einem o.a. Link einfach toll.