Inspiration & Praxis Hasselblad

Mutmaßliche KI-Bilder beschäftigen Tokina und Hasselblad

Aufmerksame Reddit-Nutzer haben in zwei Fotowettbewerben mutmaßliche KI-Bilder entlarvt. Die Hersteller reagieren unterschiedlich schnell.

Tokina hat den Gesamtsieger seines Monatsfotowettbewerbs 2025 nachträglich disqualifiziert, nachdem Reddit-Nutzer den Verdacht auf KI-Einsatz öffentlich gemacht hatten. Wenige Tage später steht auch Hasselblad unter Druck. Bei den Hasselblad Masters 2026 soll ein Finalist generative KI für eines seiner Bilder eingesetzt haben. In beiden Fällen lieferte die Community auf Reddit die entscheidenden Hinweise.

Tokina reagiert mit Disqualifikation und Entschuldigung

Das ursprünglich prämierte Bild stammt vom omanischen Fotografen Abu Elias und zeigt eine Fischergruppe am Meer im Sonnenuntergang. Auf Reddit fielen mehreren Personen Inkonsistenzen auf. Entscheidend war ein unsichtbares SynthID-Wasserzeichen, das Google automatisch in Bildern hinterlegt, die mit dem Modell Nano Banana Pro erzeugt oder mit Tools wie dem Magic Editor bearbeitet wurden.

Tokina ersetzte den Gesamtsieger durch einen Beitrag von Lee Nuttall und entschuldigte sich öffentlich. Auf der eigenen Website schreibt der Hersteller, die Arbeit sei wegen eines Verstoßes gegen die Wettbewerbsregeln disqualifiziert worden. Wörtlich heißt es weiter, man werde “den Auswahlprozess überdenken und zusätzliche Prüfschritte einführen, bevor endgültige Entscheidungen getroffen werden”.

Ob das Foto vollständig generiert oder nur mit KI-Werkzeugen bearbeitet wurde, ist nicht abschließend geklärt. Das SynthID-Wasserzeichen kann auch durch Eingriffe wie den Austausch des Himmels oder die Entfernung von Objekten in Google-Tools ausgelöst werden.

Hasselblad Masters mit verdächtigem Cola-Etikett

Bei Hasselblad geht es um ein Bild aus der Kategorie Street. Zu sehen sind zwei Personen an einem Tisch, auf dem eine Cola-Flasche steht. Genau die ist das Problem: Die Aufschrift auf dem Etikett ist ein wirres Buchstabengemisch, ein typisches Anzeichen für generativ erzeugte Bilder (gleichwohl aktuelle Modelle wie ChatGPT Images 2.0 oder Nano Banana Pro damit eigentlich nur noch wenig Probleme haben). Auch ein Tischbein fehlt, wie in einer aufgehellten Version des Bildes sichtbar wird.

Hasselblad hat die mutmaßlich KI-generierten Inhalte nicht selbst entdeckt, sondern wurde von der Öffentlichkeit darauf aufmerksam gemacht. Allein der zugehörige Reddit-Beitrag erhielt in wenigen Tagen knapp 1.000 Upvotes. Ein vielfach bewerteter Kommentar dort lautete “Witzig, dass eine Firma wie Hasselblad keine Jury aufbieten kann, die sich die Mühe macht, auf Details zu achten. […] Man sollte meinen, dass Leute, die mit so leistungsstarken Kameras arbeiten, ihre eigenen Bilder von denen der KI unterscheiden könnten”.

Allerdings wurden die 70 Finalisten nicht von der prominent besetzten achtköpfigen Hauptjury ausgesiebt, sondern intern bei Hasselblad. Die externe Jury kommt erst in einer späteren Phase ins Spiel und stimmt über die bereits gefilterten Finalisten ab.

Auf Anfrage von PetaPixel teilte Hasselblad mit, dass “Bilder, die ganz oder teilweise mit KI generiert wurden, ausdrücklich verboten” seien. Alle in die engere Wahl gekommenen Werke müssten ihre RAW-Dateien zur Verifikation einreichen. Eine entsprechende Überprüfung sei eingeleitet. Bei bestätigtem Verstoß werde die Nominierung zurückgezogen. Das Bild ist weiterhin auf Hasselblad-Servern verfügbar.

Auffällig ist die unterschiedliche Geschwindigkeit der Reaktionen. Tokina hat das beanstandete Bild ausgetauscht, sich entschuldigt und Verbesserungen am Auswahlprozess angekündigt. Hasselblad fährt zunächst auf Sicht und kündigt eine technische Verifikation an, will aber bis zum Abschluss keine vorschnellen Urteile fällen.

Bei über 108.000 eingereichten Bildern lässt sich der Filterdruck nachvollziehen. Trotzdem ist ein Etikett mit erkennbar generierter Schrift kein Detail, das man im Finale eines Wettbewerbs übersehen sollte, der mit Kameraausrüstung im Wert von über 10.000 US-Dollar und 5.000 Euro Preisgeld dotiert ist.

KI-Bilder in Fotowettbewerben sind dabei kein neues Phänomen, und auch Hersteller wie Sony arbeiten inzwischen an technischen Authentizitätsnachweisen. RAW-Pflicht und nachgelagerte Kontrollen helfen, greifen bei Verfahren mit zehntausenden Einreichungen aber oft erst dann, wenn Jurys oder Öffentlichkeit Verdacht schöpfen. Wie wirksam Wasserzeichen wie SynthID auf Dauer sind, hängt zudem davon ab, wie viele KI-Anbieter sie überhaupt einsetzen.

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Uneternal

Ich verstehe nicht, warum bei solchen Wettbewerben nicht grundsätzlich die Pflicht besteht, dass ein RAW Bild eingesendet werden muss. Das würde vieles vereinfachen.

Rolf Carl

Ja, würde es, aber es braucht Fachleute, um das zu überprüfen oder man schickt die Fotos zum Abgleich an spezialisierte Labore (in Europa an ein Labor in Holland). Und beides ist ziemlich teuer.

Leonhard

Ach deshalb gingen die bei Sony auf die sichere Seite!

Bei deren Awards brauchten die keine RAW, so grottenschlechte KI gibt es heute nicht mehr.

Hat meinereiner schlauer angefangen: Statt sich eine Hasselblad anzuschaffen gleich zur GFX gegriffen, dann braucht man keine KI mehr.

Alfred Proksch

Mal etwas grundsätzliches: „Wir glauben was wir sehen, und wir glauben was eine uns bekannte Stimme sagt. Das hat sich seit Jahrtausenden bewehrt! Heute haben wir den „Salat“, mit wenigen Klicks sind Standbilder/Videos mit Ton kein Problem. Fremde Inhalte platzieren die wir sehen und hören sollen gelingt mit Leichtigkeit.

Technische Bildbearbeitung um z.B. Details zu verbessern geht gerade noch. Für mich beginnt die Lüge bereits mit dem Austausch des Himmels, mit der Augenvergrößerung geht es nahtlos weiter und schon ist man bei der digitalen neuen „Beleuchtung“ einer Szene gelandet. KI macht es besonders leicht Bilder zu „verschlimmbessern“. Der „Schuss“ kann sehr schnell dazu führen das die digitale Foto/Videografie nicht mehr ernst genommen wird.

Ehrlich – wer ohne Skrupel KI Bilder bei einem Wettbewerb für Fotografie einreicht der nimmt es mit der Wahrheit auch sonst nicht so genau.

Mirko

Alfred, die westliche Welt ist in vielen Bereichen völlig “Gaga” geworden und die Fotografie macht dabei nur einen kleinen Anteil aus. 😉

Turmfalke

Die Foto/Videograpfie geht den gleichen Weg wie den Weg der Malerei, irgendwann wird es speziell ausgebildete Fachleute für Fälschungen geben, verwundert mich alles nicht mehr, man schaut sich nur an wie der heutige moderne Mensch sich extrem verstellen muss um sich ständig Cool und Smart zu geben. Die KI eröffnet hier Tor und Tür dafür! Es geht nicht mehr um das Bild, es geht in erster Linie darum wie künstlich und oberflächlich man sich in der Welt zeigt!

Rolf Carl

Normale Bearbeitung wie Nachschärfen, Entrauschen, Belichtung, Kontraste und Töne anpassen, Beschneiden ist kein Problem. Es ist genau vorgeschrieben, was erlaubt ist und was nicht. Einfügen oder Entfernen von Bildteilen, also auch Himmel, geht klar nicht. Einsatz von KI nur in entsprechenden Kategorien. Und klar, wenn nicht überprüft wird, wird beschissen, was das Zeug hält.

Rolf Carl

“RAW-Pflicht und nachgelagerte Kontrollen helfen, greifen bei Verfahren mit zehntausenden Einreichungen aber oft erst dann, wenn Jurys oder Öffentlichkeit Verdacht schöpfen.”

Bei seriösen Wettbewerben werden bei den Siegerbildern je Kategrorie, also den besten 10 + einigen Reservebildern, falls es Disqualifiktationen gibt, schon vor Bekanntgabe der Resultate die RAW-Fotos angefordert und durch spezialisierte Labore mit den eingereichten JPG-Fotos abgeglichen. Somit sind technische Manipulationen nahezu ausgeschlossen. Bei den Wettbewerben von Sony, Tokina oder Hasselblad wird das aber offensichtlich nicht gemacht, was Manipulationen Tür und Tor öffnet. An renommierten Fotowettbewerben käme man mit Ki-Bildern nicht durch. Allerdings gibt es bei manchen seriösen Wettbewerben nun auch öfters eine Kategorie “Mit Hilfe von KI”. Es ist aber genau vorgeschrieben, was erlaubt ist und was nicht.

BEN

Der Vertrauensverlust ist der Verlust des Bodens unter den Füßen. Der Mensch muss vertrauen können, sonst geht er kaputt. Das betrifft alle Bereiche, Familie, Politik, Lebensmittel und so viel mehr. Die heutige Zeit krankt daran, dass man Menschen am Besten gar nicht mehr vertraut. Das ist traurig, aber die einzige Möglichkeit, sich zu schützen.

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