Sony Kameras Marktgeschehen

Sony setzt bei künftigen Bildsensoren auf einen Fertigungspartner

Sony stellt seine Sensorfertigung neu auf. Ein prominenter Partner aus Taiwan kommt mit ins Boot.

Sony Semiconductor Solutions und der taiwanische Auftragsfertiger TSMC haben letzte Woche eine nicht-bindende Absichtserklärung für eine strategische Partnerschaft bei Bildsensoren der nächsten Generation unterzeichnet. Geplant ist ein Joint Venture, an dem Sony die Mehrheit und die operative Kontrolle hält. Entwicklung und Fertigung sollen in einem neu errichteten Sony-Werk in Koshi in der Präfektur Kumamoto auf der japanischen Insel Kyushu entstehen.

Sony bringt Sensor-Erfahrung, TSMC die Fertigung

Beide Unternehmen wollen Sonys Erfahrung im Sensor-Design mit der Prozesstechnologie und Fertigungskompetenz von TSMC zusammenbringen. In der CMOS-Bildsensorik kooperieren sie ohnehin seit Jahren. Mit dem Joint Venture rücken sie die Zusammenarbeit organisatorisch enger zusammen.

Die Zusammenarbeit reicht tief in die Hardware aktueller Sensoren. TSMC fertigt seit Jahren den Logik-Layer von Sonys gestackten Bildsensoren, also den unteren Chip, der das Sensorsignal verarbeitet. Seit 2022 kommt für einzelne Modelle auch der Pixel-Layer von TSMC, etwa für den Sensor des iPhone 14 Pro. Hinzu kommt das 2021 gegründete Joint Venture JASM (Japan Advanced Semiconductor Manufacturing) in Kumamoto, das seit Ende 2024 Logikchips fertigt, allerdings unter TSMC-Mehrheit. Das neue Joint Venture dreht diese Rollen um.

Die konkreten Investitionen werden noch verhandelt. Sony plant zusätzlich neues Kapital für sein bestehendes Werk in Nagasaki. Beide Schritte sollen abhängig von der Marktnachfrage in Phasen umgesetzt werden und auf Unterstützung der japanischen Regierung aufbauen. Über klassische Kameras hinaus nennen Sony und TSMC “Physical AI” als Anwendungsfeld, also Sensoren für Automotive und Robotik.

Sony will “fab-light” werden

Hinter der Vereinbarung steht ein strategischer Kurswechsel. Sony-CEO Hiroki Totoki bezeichnete das Joint Venture laut Bloomberg als ersten Schritt zu einer “fab-light”-Strategie. Der Begriff steht für ein Geschäftsmodell, bei dem ein Halbleiterunternehmen weniger eigene Fabriken (“Fabs”) betreibt und mehr Fertigung an Auftragsfertiger wie TSMC auslagert. Bislang hat Sony seine Bildsensoren weitgehend in eigenen Werken entwickelt und gefertigt.

Sony liefert die Bildsensoren für einen Großteil der aktuellen Spiegellosen, von der eigenen Alpha-Reihe über Modelle von Nikon und Fujifilm bis zu zahlreichen Smartphones. Eine breitere Fertigungsbasis kann helfen, Lieferengpässe zu entschärfen, wie sie zuletzt mehrfach aufgetreten sind.

Gleichzeitig zeigt der Markt Bewegung in die andere Richtung. Leica entwickelt nach Jahren mit Sony-Chips wieder einen eigenen Bildsensor und arbeitet dafür mit dem chinesisch-belgischen Hersteller Gpixel zusammen. Ob das Joint Venture zwischen Sony und TSMC tatsächlich zustande kommt, hängt nun vom Abschluss eines bindenden Vertrags und behördlichen Freigaben ab.

via: PetaPixel | Beitragsbild: Muhammad Talha

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13 Kommentare
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Rene Stämpfli

Das wird die Dominanz von SONY gegenüber der Konkurenz nochmals deutlich steigern.

BEN

Wenn ich es richtig verstanden habe, machen sie nur das, was andere auch machen. Kräfte und Know-How bündeln. Warum etwas selbst fertigen, wenn das andere besser können. Fab-Light heißt offensichtlich weniger Fabriken und mehr Zukauf, bzw. wie hier, Bündelung mit einem anderen Hersteller. Das machen andere seit Jahren. Wenn man es mal böse ausdrücken möchte, könnte man sagen, auch Sony muss sparen.
Aber natürlich kann man es zunächst positiv sehen. Es ist auf keinen Fall schädlich, Know-How und Kapazitäten zu bündeln und gemeinsam zu entwickeln.

Rene Stämpfli

SONY macht das seit vielen vielen Jahren. Was Du da erzählst ist nichts neues.War schon so, als ich ende 60er anfangs 70er für SONY gearbeitet hatte.

BEN

Sag ich ja. Ist nichts neues.

joe

Ob das eine gute Idee ist, wird sich zeigen. Taiwan ist “Übernahme Kandidat”. Ich rechne damit, dass China in den nächsten 3 Jahren einen “Versuch” starten wird, das wird sich nicht zwingend positiv auf die taiwanesische Wirtschaft auswirken. Allerdings ist der Schritt der Kostenreduktion zwingend notwendig, da Canon gerade massive Investitionen in Indien tätigt.

Rolf Carl

TSMC verschwindet ja auch im Falle einer Übernahme nicht einfach von der Bildfläche, dazu ist das Unternehmen zu wichtig für die führenden Technologieunternehmen. Sony ist dabei mit den Sensoren ein ziemlich kleiner Fisch, die wichtigsten Kunden sind Nvidia, Apple, AMD usw.

Conny

TSMC ist der Auftragsfertiger welcher die EUV Prozesse für die kleinsten und komplexesten Nano Chipstrukturen aktuell quasi als einziger am besten in der Großserienfertigung beherrscht.

So gut wie alle Prozessorhersteller sowie SOCs, KI-Chips … lassen bzw. müssen aktuell dort herstellen lassen.

D.h. nicht TSMC entwickelt diese Chips für die Auftraggeber, sondern setzen das fertig vom Auftraggeber entwickelte Design in der Prozessfertigung um.
Das ist deren Know-how!

Ohne TSMC gäbe es den aktuell technologischen Stand von Grafikprozessoren, NVIDIA KI Prozessoren, SPs, PC, Server, Notebook Prozessoren… so gar nicht.

Bei den Imagesensoren war Chipstrukturgröße bisher überhaupt kein Thema, da die Sensorpixel auch bei 200MP SP Sensoren dagegen sehr groß sind und die notwendige elektronische Digitalverarbeitung on Chip allein durch die Größe der Sensorfläche sehr überschaubar war.

Aber mit der Weiterentwicklung der stacked Technologie, wie sie Sony aktuell bei den SP Sensoren weiterentwickelt, wo 200MPX digitale Signalverarbeitung in Realtime und zukünftig mit KI und alles on Chip von statten gehen soll, kommt diese hoch integrierte Nanostrukturtechnologie sehr wohl in den Fokus, da sie extrem schnell und Energieeffizienz ist.

Also absolut der richtige Schritt in die Zukunft!

Conny

Noch ein Zusatz an welche die immer meinen, Deutschland kriegt im Hochtechnologiesektor nichts mehr gebacken.

Die verwendete EUV Technologie der Maschinen von ASML gäbe es ohne Trumpf für das Licht und Zeiss für Spiegel/Optik überhaupt nicht!

Rene Stämpfli

Genau so ist es. Deshalb auch mein Kommentar bezüglich Dominanz.

Leonhard

Wie schrieb Wilhelm Busch doch gleich: “Ach was muss man oft von bösen, Buben hören oder lesen ….” Sony baut also seine Dominanz aus? Würde ja voraus setzen, dass in einer solchen Allianz ausschließlich auf die Geschäftsinteressen von Sony zu achten wäre. Kann aber nicht sein, auch der Partner hat eigene Interessen, zum Teil deckungsgleich mit denen von Sony, aber eben nur zum Teil. Sonst würde eine Partei ja auch immer mächtiger werden, je mehr Koalitionspartner sie dann für eine Mehrheit brauchen würde. Die OPEC ist ein sehr mächtiges Kartell, nur ist der Markt eben mehr als dass, was wir auf den ersten Blick sehen. Durch die Schließung der Straße von Hormus können wir 2 Dinge erkennen: Kartelle sind mächtig, aber auch mächtig auf den Weltmarkt angewiesen, was sollen die auch machen? Das Öl saufen oder in den Salat kippen? Und nach kurzer Zeit bekommen da einige aber ganz gewaltige Probleme im Staatshaushalt, das liebe Geld ist eben noch nicht da, aber schon eingeplant. Genau so ist Sony auch letztendlich genau so abhängig von den Kunden wie die Kunden von Sony, wie stark dann welcher Kunde ist ist eine andere Frage, ändert aber an der Tatsache rein gar nichts. Nikon… Weiterlesen »

Stefan Zimmermann

Ob das heute wirklich eine gute Idee ist, bezweifle ich stark. Wenn China Taiwan angreifen und übernehmen würde, hätte das weltweit massive Folgen – besonders wegen TSMC und der Chipproduktion. Viele Preise würden explodieren, und es gibt sogar Berichte, dass Fabriken im Ernstfall zerstört würden, bevor sie in chinesische Hände fallen. Kooperationen sind wichtig, sollten beim Kerngeschäft aber sehr sorgfältig abgewogen werden. Man sieht inzwischen deutlich, wie abhängig die westliche Welt geworden ist und wie hektisch die USA und Europa inzwischen versuchen gegenzusteuern, und probieren eigene Fertigungen aufzubauen. Die Entscheidung von Sony kann ich deshalb nicht ganz nachvollziehen.

Conny

Richtig, wenn China sagen wir mal in den nächsten 3 bis 4 Jahren Taiwan einnehmen würde, würde die ganze KI und Blase und alles was mit aktueller Prozessortechnologie und daran hängt platzen.

Schaut man sich den amerikanischen Aktienmarkt an und deren Top Treiber an, konzentriert sich das auf 5 bis 6 Firmen welche da direkt bzw. indirekt abhängig sind …

Nenne mal NVIDIA, Apple, Qualcom, Microsoft, Alphabet (Google), Microsoft, Meta …

Denke das wird nicht passieren bzw. ich würde nicht darauf wetten!

Und was Sony angeht, oben im Artikel steht doch deutlich geschrieben:

Es gibt schon ein Joint Ventures aber unter TSMC Mehrheit

und Teilzitat:

“Das neue Joint Venture dreht diese Rollen um.”

und weiter im Text:

“Geplant ist ein Joint Venture, an dem Sony die Mehrheit und die operative Kontrolle hält.

Entwicklung und Fertigung sollen in einem neu errichteten Sony-Werk in Koshi in der Präfektur Kumamoto auf der japanischen Insel Kyushu entstehen.”

Also doch genau das Gegenteil was hier teilweise gemunkelt wird!

Rene Stämpfli

Lesen und verstehen sind halt nicht das selbe.
Hier ist noch der Original Presse Release von SONY:
https://www.sony-semicon.com/en/news/2026/2026050801.html

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