Günstige Objektive aus China sind inzwischen so gut, dass Hersteller wie Viltrox verklagt werden! Und dennoch ist es Thypoch, die mit dem Voyager 24-50mm f/2.8 das erste Zoom-Objektiv mit Autofokus präsentiert haben. Der Hersteller hat mir das Objektiv für ein paar Wochen zugeschickt. Hier sind meine Eindrücke an der Sony Alpha 7 IV.
Als inzwischen etabliertes Kameramagazin mit einem absolut fantastischen YouTube-Kanal bekommen wir regelmäßig Anfragen für Testgeräte. Während wir uns bei vielen Produkten gegen einen ausführlichen Artikel entscheiden, war das beim Thypoch Voyager 24-50 mm f/2.8 anders. Denn das Standard-Zoom ist nicht nur das erste Zoomobjektiv mit Autofokus aus China. Es sieht auf dem Datenblatt auch überaus interessant aus.
Denn Thypoch zertifiziert das Objektiv als einer der wenigen Hersteller nach IP53. Dazu bekommen wir eine durchgehende Offenblende von f/2.8, eine Konstruktion als Innenzoom und einen nahezu lautlosen Autofokus. Wollt ihr auch sehen, wie die Videoqualität an der A7 IV mit dem Thypoch Voyager 24-50 mm f/2.8 ist, schaut gerne in meinen Videobericht zum Objektiv:
In Textform gehe ich gleich einmal alle relevanten Aspekte durch und ziehe dann ein Fazit. Das Objektiv ging nach dem Testzeitraum im Übrigen wieder zurück an den Hersteller. Kleiner Spoiler: Eine Dauerleihgabe hätte ich nicht unbedingt abgelehnt.
Preis und Verfügbarkeit
Starten wir mit der alles entscheidenden Eigenschaft, die meine Meinung zum Voyager 24-50mm f/2.8 bestimmt hat: Das Objektiv ist auf der Seite des Herstellers für nur etwa 570 € zu haben. Fachhändler wie Foto Koch, Foto Erhard oder Digifoto verkaufen es laut Preisvergleichsportalen für etwa 680 €. Damit ist das Objektiv zwar kein absoluter Schnapper, es unterbietet andere Standard-Zooms mit durchgehender Offenblende dennoch.
Das 24-50mm f/2.8 aus Sonys G-Serie kostet aktuell etwa 1.000 €. Sigmas 24-70 mm f/2.8 DG DN Art ist sowohl in der neuen als auch in der alten Version für weit über 900 € zu haben. Das Tamron 28-75 mm 2.8 Di III VXD G2 ist mit einem aktuellen Straßenpreis von 850 € zwar nicht viel teurer, hier fehlen allerdings 4 mm im Weitwinkel und wir müssen auf den Innenzoom verzichten. Auf der anderen Seite haben Tamron und Sigma natürlich mehr Spielraum im Tele-Bereich zu bieten.
Design & Verarbeitung
Als Thypoch das Voyager 24-50mm f/2.8 im April 2026 vorstellte, hat es mich optisch direkt an alte Minolta-Objektive erinnert. Der Grund sind vor allem die diagonalen Rillen in den Autofokus- und Zoomringen, die für einen Retrolook sorgen. Andere Tester im Netz kritisieren das Voyager dafür, dass es ein wenig unaufgeräumt aussieht. Für mich war das im Testzeitraum kein Störfaktor – vor allem aber, da mich das Handling sehr überzeugt hat.

Das liegt unter anderem am geringen Gewicht, denn das Zoomobjektiv bringt nur etwa 430 g auf die Waage. Dazu ist und bleibt das Voyager mit einer Länge von knapp 9 cm schön kurz. Dank Innenzoom verlagert sich der Schwerpunkt beim Zoomen nicht spürbar. Für Filmer, die häufig mit Gimbals arbeiten, ist das ein großer Vorteil, da sie diesen beim Ändern der Brennweite nicht neu ausbalancieren müssen.
Sehr löblich finde ich zudem, dass Thypoch die zusätzlichen Kosten auf sich nimmt, um das Objektiv nach IP53 zu zertifizieren. Damit ist es gegen “Staub in schädigender Menge” und gegen Sprühwasser in einem Winkel von unter 60 Grad geschützt. Auch wenn diese Angaben ein wenig technisch sind, finde ich sie hilfreicher als den recht allgemein ausgeschriebenen Spritzwasserschutz anderer Hersteller. Da die Sony Alpha 7 IV ebenfalls gegen Spritzwasser abgedichtet ist, hat mich ein Regenschauer nicht vom Fotografieren abgehalten.
Die Verarbeitungsqualität finde ich insgesamt sehr gut. Lediglich der Umschalter zwischen Autofokus und manuellem Fokussieren ist, wie ihr im Video sehen könnt, sehr schwergängig. Der Vollständigkeit halber noch ein paar interessante Infos:
Vorne nimmt das Objektiv Rundfilter mit 70 mm auf, hinten lassen sich dank USB-C-Anschluss Firmware-Updates aufspielen. Im Lieferumfang gibt es neben Schutzkappen für Bajonett und für die Frontlinse auch eine Gegenlichtblende. Und: Der Karton ist schön genug, dass ich ihn beim Filmen als Unterlage für das Objektiv genutzt habe.






Konstruktion und Bildqualität
Thypoch vertraut auf eine Konstruktion aus 16 Elementen in 13 Gruppen, laut Herstellerangaben sind mehrere davon aus “HR-Glas” gefertigt sind. Proprietär ist außerdem Thypochs Advanced-Nano-Coating, um Flaring und Ghosting zu minimieren. Hier gibt das Datenblatt nicht viel her, weshalb wir uns gleich Beispielbilder anschauen.
Vorher möchte ich aber noch einmal auf die Naheinstellgrenze eingehen. Diese liegt sowohl bei 24 als auch bei 50 mm Brennweite bei 30 cm. Das ergibt einen Vergrößerungsfaktor von 0,216x, was sich durchaus als Nachteil festhalten lässt. Ausflüge in die Welt der Makrofotografie empfehlen sich mit dem Voyager nicht. Für Videos, Porträts und die Street-Fotografie reicht es meiner Meinung nach aber auf jeden Fall aus.

Wer sich mit dem Voyager nah an Motive herantraut, profitiert zudem von 10 Blendenlamellen. Selbst abgeblendet bekommen wir runde Bokeh-Bläschen im Hintergrund, die ich auch durchaus ansprechend finde. Verschwommene Hintergründe werden jedoch mitunter unruhig, wenn hinter dem Motiv zu viel passiert.
Auf meinen Fotos mit dem Voyager 24-50mm /f2.8 wandert das Auge aber nicht zwingend aus der Bildmitte heraus. Denn die ist bei 24mm auch offenblendig extrem scharf. Da ich häufig das 24-70mm f/2.8 DG DN Art von Sigma nutze, konnte ich hier einen guten Vergleich ziehen. Und: Offenblendig ist das Thypoch in der Bildmitte schärfer als die beliebte Sigma-Linse.
An den Bildrändern nimmt die Schärfe mit f/2.8 allerdings recht deutlich ab. Das wird besser, wenn wir auf f/5.6 oder f/8 abblenden. Bei 24 mm habe ich wirklich kaum Kritik an der Gesamtschärfe des Objektivs.
Leider nimmt die Schärfe aber beim offenblendigen Fotografieren deutlich ab, wenn wir auf 50 mm heranzoomen. Auf meinen Fotos könnt ihr das gut am Türgriff des blauen Bullis erkennen, mit dem ich meine Vergleichsfotos für die Schärfe aufgenommen habe. Bei 50 mm wirkt die Bildmitte verwaschen, der Eindruck bleibt gleich, wenn wir auf die Bildränder schauen.
Hinweis: Die Bilder wurden für die Webansicht leicht komprimiert.









Auch hier wird die Schärfe besser, wenn wir ein wenig abblenden. Da ich persönlich eher mit 50 mm als mit 24 mm fotografiere, finde ich den Schärfeverlust bei f/2.8 dennoch ärgerlich.
Dank 10 Blendenlamellen produziert das Voyager 24-50 mm f/2.8 recht schöne Sonnensterne mit klaren Linien. Das nicht weiter beschriebene Nanocoating funktioniert für mich. Zwar sehen wir unter bestimmten Bedingungen Flares, diese beschränken sich aber immer nur auf einen Teil des Bildes. Ghosting über das gesamte Bild hinweg konnte ich auch ohne Gegenlichtblende nicht erkennen.
Autofokus und Hybrid-Einsatz
Thypoch spezifiziert weder im Datenblatt noch in der Pressemitteilung, mit welchem Autofokusmotor das Objektiv arbeitet. Ich gehe daher davon aus, dass es sich um einen Schrittmotor handelt, der die recht leichten Linsenelemente für meine Zwecke auch schnell genug bewegen kann.



Zusammen mit dem nicht mehr ganz so modernen Fokustracking der Sony Alpha 7 VI musste ich mir keine Sorgen um den Autofokus machen. Unnötiges Pumpen oder Front- oder Backfokus konnte ich zu keinem Zeitpunkt feststellen. Ich kann mir allerdings vorstellen, dass Thypoch das Presseexemplar noch einmal sorgfältiger kalibriert hat. Falls es Qualitätsstreuungen gibt, lassen sich diese aber eventuell über den USB-C-Anschluss beheben.
Wirklich überrascht war ich dann noch vom geringen Fokusatmen. Als Dritthersteller-Objektiv ist das Thypoch ja von der internen Korrektur bei Sony ausgeschlossen. Die Brennweite bleibt aber äußerst konstant, wenn das Objektiv die Fokusebene ändert. Für Filmer ist das ein deutlicher Vorteil gegenüber anderen Objektiven.
Mein Fazit
Mark und ich hatten in einem kurzen Videocall kurz darüber gerätselt, warum ausgerechnet Thypoch mit einem ersten Autofokus-Zoom glänzt (und nicht etwa Viltrox). Meine Vermutung war dabei, dass der Hersteller mit einem solchen Produkt recht wenig zu verlieren hat.
Einen Namen hat sich Thypoch vor allem mit manuellen Objektiven für den Leica-M-Mount sowie mit Cine-Objektiven gemacht, deren Erfahrungen wohl auch in das Voyager geflossen sind. Dementsprechend kannibalisiert Thypoch das eigene Produkt-Lineup nicht. Würde Viltrox ein 24-50mm oder 24-70mm herausbringen, würde man hingegen gleich Kaufgründe für mehrere Festbrennweiten infrage stellen.

Diese Gefahr sehe ich bei dem Voyager 24-50 mm f/2.8 auch. Denn das Zoomobjektiv sorgte im Testzeitraum durch die Bank für sehr gute Ergebnisse. Auch wenn die Lichtstärke mit f/2.8 im Vergleich zu aktuellen Festbrennweiten aus China zurückfällt, überzeugte mich die optische Qualität im Test durchaus.
Leider schneidet das Voyager 24-50 mm f/2.8 im Weitwinkel dabei besser ab als am langen Ende. Für Landschaftsfotografen mag das von Vorteil sein, wer aber nach einem Porträtobjektiv mit Möglichkeit zum Herauszoomen sucht, der ist bei anderen Objektiven besser aufgehoben. In weiteren Eigenschaften kann ich das Objektiv uneingeschränkt empfehlen, darunter der Autofokus an der Sony Alpha 7 IV, die Verarbeitungsqualität und der Einsatz beim Filmen.
Zwar fehlt dem Objektiv eine De-Click-Funktion für lautloses Abblenden beim Filmen. Dank des Innenzooms lässt sich das Objektiv aber sehr gut auf einem Gimbal nutzen. Fokusatmen ist dabei ab Werk minimal und wir bekommen einen Autofokus, der auf Aufnahmen lautlos bliebt.
Somit ist das Thypoch Voyager 24-50 mm f/2.8 zu einem Preis von unter 600 € für mich eine klare Empfehlung.
Wie ist euer Eindruck von vom ersten Zoom-Objektiv mit Autofokus aus China? Schreibt’s mir gerne in die Kommentare!


Ich hätte es gerne und hoffe dass es bald für Nikon Z erscheint. Es braucht mehr solcher kompakter und leichter Zoomobjektive. Echt tolle Sache
Wenn man randscharfe Zooms gewöhnt ist, ist das keine Option. Aber man sollte die Chinesen nicht unterschätzen. Festbrennweiten können sie inzwischen in randscharf bauen. Bei den Zooms werden sie schnell lernen. Innenzoom und abgedichtet gibt es in dieser Kategorie sonst nicht.
“lernen” oder dreist kopieren? Das ist hier die Frage…
Das TTA 75/1.5 ist zwar eine Kopie vom Biotar aber das wird bekanntlich schon lange nicht mehr hergestellt. So gibt es noch weitere Kopien von alten Objektiven die von den Chinesen wiederbelebt wurden, was soll daran dreist sein? Oder kannst Du einen aktuellen Fall nennen?
Wenn die Gier der letzten 25 Jahre “westliche” Firmen mit 49% Anteil an Ihren eigenen chinesischen Standorten trieb, dann war doch klar, dass dieses Knowhow durch lernen übergeht – dann erfolgt die Eigengründung 100%iger chinesischen Companys um selbst fette Margen einzufahren. (Osteuropa früher), dann Asien – es sind keine Entwicklungsländer mehr. “Die Tiger”-Staaten sind schon längst gesprungen, sie setzen zur Landung (Optik, Ki, SP, Cams usw) an oder haben (Elektronik, PV, Automotive) bereits die Beute zerrissen …
Lernen. Oder welches Objektiv soll Thypoch hier kopiert haben? Und was hat Viltrox kopiert? Die bauen Objektive die Sony so bauen sollte aber nicht baut.
Kennst du Godox? Die westlichen und auch die japanischen Blitz Hersteller waren und sind im Tiefschlaf. Godox bringt Innovationen ohne Ende. Und das Zeug ist auch zuverlässig.
Mittlerweile muss der Westen die Cinesen kopieren.
Und dies wird sich weiter steigern, Innovationen kommen (ausschließlich) aus den MINT-Fächern:
In Deutschland lag die Zahl der MINT-Studierenden (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) in den letzten Jahren konstant bei rund 0,8 bis 0,9* Millionen (ca. 30 % aller Absolventen bzw. Studierendenanteil an Spitzenpositionen der OECD, *Anmerkung: habe den Wert um die rund 200.000 internationale Studenten bereinigt, da diese nach dem Studium Innovation in ihren Heimatländern betreiben). China übertrifft dies mit jährlich über 5 bis 5,8 Millionen MINT-Absolventen und mehr als 15 Millionen MINT-Studierenden im Gesamtverlauf, was einem Spitzenanteil von über 40 % aller Hochschulabschlüsse entspricht. IT, Robotik, KI – so sieht es der Chinesische Hightech-Langzeit-Masterplan der KP vor – “Wir” studieren lieber innovationslose Germanistik, Genderstudies, Verwaltungsorga und Sozialpädagogik usw. usf.
Sozialpädagogik ist eine sichere Sache, da hat man immer Arbeit., denn es gibt immer mehr I..o.en. Sieht man ja auch hier. Die grösste Gefahr bei diesem Job ist ein Burnout.
So kann man es auch sehen …
So ist es leider. Manche Firmen werden noch an ihrer Arroganz verrecken.
Gut das Sigma (und andere natürlich auch) die Messlatte immer wieder “Eins” höher hängen – noch schaffen die das – wenn aber tatsächlich, wie kurzfristig von L-Rumors erwartet, das L-Mount 65mm f/0,95(/1,05) erscheint – womöglich zusammen mit einem lichstarken Universalzoom, dann bekomme ich den/die letzten Baustein(e) zur Komplementierung – aber wie gesagt: es wird in Zukunft brutal mit den Chinesen …
65mm f0.95? Nett aber wer soll das kaufen? Es geht nur noch darum zu zeigen, dass man sowas bauen kann.
Hoffe Viltrox startet mit einem 24-60 2.8 EVO; also nicht so schwer wie die LAN und PRO Objektive.
Noch besser wäre ein 20 (21)- 70mm f4 für Eur 499 – Eur 549, als Konkurrenz zum entsprechenden Sony