Kameras

Günstige PEN-Alternative? Hersteller hat offenbar einen Kamera-Prototyp gezeigt

Ein chinesischer Hersteller zeigt auf der IFA eine kompakte Kamera im Sony-Look. Ob sie aber wirklich zum MFT-System gehört, ist offen.

Sonida hat auf der IFA 2026 in Berlin offenbar eine Systemkamera mit Four-Thirds-Sensor gezeigt, die in der MFT-Community seit Monaten erwartet wird. Der chinesische Hersteller mit vollem Namen Shenzhen Sonida Digital Technology baut vor allem günstige Kompaktkameras und verkauft sie unter mehreren Marken, darunter Songdian und NBD. Unter dem Namen Songdian hat Sonida im Frühjahr eine eigene Micro-Four-Thirds-Kamera angekündigt. Das Messemodell trägt zwar den Schriftzug NBD, dürfte aber genau diese Kamera sein.

Belichtungskorrekturrad und Anschluss für einen Aufstecksucher

Fotos der Kamera hat ein Messebesucher an 43Rumors geschickt. Er beschreibt das Gehäuse als überraschend solide. Links sitzt ein eigenes Rad für die Belichtungskorrektur, rechts das Moduswahlrad. Einen eingebauten Sucher gibt es nicht. Unter dem Blitzschuh befindet sich aber ein schwarzer Anschluss, der vermutlich für einen aufsteckbaren elektronischen Sucher gedacht ist, wie ihr ihn von älteren PEN-Modellen kennt.

Auf die Frage nach einem Bildstabilisator im Gehäuse und einem integrierten Sucher verwies der Standmitarbeiter wohl auf die kompakte Bauweise. Danben war ein Objektiv ohne Beschriftung. Technische Daten, Preis und Termin nennt der Hersteller bislang nicht. 43Rumors rechnet mit einem Marktstart Anfang 2027 und einem Preis um 500 US-Dollar, was durchaus ins Konzept des Herstellers passen würde.

Bajonett trägt die Aufschrift “N-Mount”

Ob es sich tatsächlich um eine MFT-Kamera handelt, ist allerdings unklar. Digital Camera World weist darauf hin, dass das Bajonett auf den Fotos mit “N-Mount” beschriftet ist und zehn statt der elf elektrischen Kontakte des MFT-Standards besitzt. Das könnte auf einen eigenen Anschluss hindeuten.

Das Gehäuse erinnert zudem stark an die Sony A7C II, bis hin zum orangefarbenen Ring um das Bajonett. In dieser Form dürfte die Kamera kaum in den Handel kommen.

Sonida will weg vom Billigimage

Sonida ist im Februar dem Micro-Four-Thirds-Standard beigetreten. OM Digital Solutions kündigte damals im Namen des Standards eigene Produkte des Herstellers an. Im März bestätigte Songdian die Entwicklung einer MFT-Kamera und eines passenden Objektivs, wollte aber noch keinen Termin nennen. Anfang September meldete eine Quelle auf Weibo laut 43Rumors, die Vorstellung stehe kurz bevor.

Bislang verkauft Sonida vor allem günstige Kompaktkameras im Look bekannter Modelle, einige davon laut Imaging Resource auch ohne Markennamen über Amazon, Temu und AliExpress. Amateur Photographer nannte die DC202, eine Art X100-Kopie für unter 100 US-Dollar, die schlechteste Kamera, die der Tester je benutzt habe.

Gründer Zhao Kundian kündigte im Frühjahr laut PetaPixel an, künftig auf ehrliche technische Daten und verlässliche Qualitätskontrolle zu setzen. Songdian habe in China zudem eine Initiative gegen geschönte Kameraspezifikationen angestoßen.

GoPro, Insta360 und neue Objektive für MFT

Sonida ist nicht der einzige Neuzugang im System. GoPro ist erst diesen Monat offiziell Mitglied geworden, die Mission 1 Pro ILS nutzt allerdings einen 1-Zoll-Sensor und arbeitet nur mit manuellen Objektiven. Von Insta360 kursieren seit April Bilder einer MFT-Kamera, offiziell angekündigt hat der Hersteller sie aber bislang nicht.

OM System hatte am 9. September die lang ersehnte OM System PEN für 999 Euro vorgestellt, zusammen mit dem Kit-Objektiv 14-42mm f/3.5-5.6 III. Viltrox hat im Juli mit dem AF 25mm f/1.7 Air und dem AF 35mm f/1.7 Air seine ersten MFT-Objektive angekündigt.

Die NBD-Kamera war nicht einmal das einzige Gerät mit Four-Thirds-Sensor auf der Messe. Der Saugroboterhersteller Dreame zeigte vier Konzeptkameras, bei denen das Kameramodul auf einem motorisierten Gimbal sitzt. Klassische Fototechnik blieb auf der IFA ansonsten eine Randerscheinung, neben Sigma und Thypoch waren vor allem Insta360, DJI und Zubehörmarken wie Ulanzi und Falcam vertreten.

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2 Kommentare
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Jörg H

Schaut von den Bildern schon schlimm billig aus.Ich könnte mit solchen 0815 Kram nichts anfangen.

Frank

Nun ja, Du solltest das immer im Verhältnis zum Preis sehen. Eine französischsprachige Webseite hatte Kameras von NBD getestet, und sie als Einsteigerkameras eingestuft.

Die Bildqualität ist nicht auf dem Niveau moderner Smartphones der Spitzenklasse, geschweige denn der Kameras von Markenherstellern, die bereits Erfolge am Markt vorweisen können. Dafür kosten die einfach ausgestatteten Kameras aber auch nur 200-450 Dollar, je nach Ausstattungsniveau. Mit Kitobjektiv.

Da wirst Du keinen Bildstabilisator vom Typ eines IBIS erwarten dürfen, noch sonderlich hochwertige Objektive. Aber ich könnte mir schon vorstellen, daß durchaus eine Nachfrage für diese Kameras existiert. Nicht überall auf der Welt geben Menschen derart viel Geld für ihre Fotoausrüstung aus.

Da der Mft-Mount ein offenes Format besitzt, ist das Risiko für den Hersteller relativ klein, viel Geld in den Sand für die Entwicklung von Objektiven in den Sand zu setzen. Das ist erst einmal ein Versuchsballon, ob es auch außerhalb von Asien Interesse daran gibt.

Und wer weiß, vielleicht können die anderen Mft-Hersteller davon profitieren, daß durch die steigende Anzahl der verbauten Mft-Bildsensoren deren Fertigung preiswerter wird, was die eigenen Überlebenschancen am Markt steigert. Wer zu hochmütig denkt, der findet sich am Ende oft auf der Verliererseite.

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