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Canon EOS R5: Probleme wegen Überhitzung vorprogrammiert [Update]

Es sind weitere Details zur Canon EOS R5 aufgetaucht. Diese machen klar, dass es bei der DSLM früher oder später Probleme wegen Überhitzung geben wird.

Die neue Canon EOS R5 ist da

Mit der neuen EOS R5 lässt Canon im Video-Bereich so richtig die Muskeln spielen – zumindest auf den ersten Blick. Die Video-Spezifikationen der Kamera sind ohne Zweifel beeindruckend, beispielhaft kann man hier die Tatsache anführen, dass es sich bei der EOS R5 um die erste DSLM auf dem Markt handelt, die in der Lage ist, intern 8K-RAW-Videos mit 30 Bildern pro Sekunde aufzunehmen.

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Auf den zweiten Blick wird jedoch klar: Wenn eine Kamera mit solch beeindruckenden Spezifikationen aufwartet, gleichzeitig aber auch mit einem vergleichsweise kompakten Gehäuse ohne Lüfter daherkommt, dann führt das später zu Problemen. Oder genauer gesagt: zu Problemen wegen Überhitzung.

Einkalkulierte Notabschaltungen der EOS R5 wegen Überhitzung

Zum Thema Überhitzung hat Canon gestern an Händler konkrete Informationen verschickt, das berichtet die bekannte Webseite EOSHD. Die folgenden Angaben sollen direkt von Canon stammen:In dieser ersten Übersicht beschreibt Canon, wie lange mit der Canon EOS R5 8K- und 4K-Videos aufgenommen werden können, bevor die Kamera überhitzt. Bei der 8K-Auflösung ist nach 20 Minuten Schluss und die Kamera schaltet sich automatisch ab, bei 4K-Videos mit 60 fps schafft die Canon EOS R5 rund 35 Minuten, wobei nach 29 Minuten und 59 Minuten ein neuer Clip gestartet werden muss. Bei 4K-Videos mit 30 fps fällt die maximale Aufnahmedauer wegen des Oversamplings etwas geringer aus und beläuft sich auf rund 30 Minuten, anschließend überhitzt die Kamera.

Bei diesen Werten geht Canon davon aus, dass die Außentemperatur ungefähr 23 Grad beträgt. Wenn die Außentemperatur höher ausfällt oder die Kamera direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist, kann die Überhitzung deutlich früher einsetzen. Erfahrungen aus der Praxis zeigen, dass sich die maximale Aufnahmedauer in solchen Fällen gerne mal halbieren kann. Wenn die Temperatur in der Kamera hingegen weniger als 14 Grad beträgt, sollen auch längere Aufnahmezeiten möglich sein.

Die maximale Aufnahmedauer von rund 20 Minuten bei 8K-RAW-Videos finde ich persönlich eher beeindruckend als bedenklich. Ob es problematisch ist, dass bei der 4K-Auflösung Überhitzungen eingeplant und somit vorprogrammiert sind, darüber kann man im Jahr 2020 bei einem High-End-Flaggschiff wie der EOS R5 schon eher diskutieren.

Aufnahmedauer nach Abschaltung stark eingeschränkt

Trotzdem, insgesamt sehen die Angaben bis hierhin noch nicht übermäßig bedenklich aus. Interessanter wird dann aber ein Blick auf Seite 2:

Hier beschreibt Canon, wie lange die Kamera nach einer “Notabschaltung” wegen Überhitzung ausgeschaltet bleiben sollten, bevor die Aufnahmen fortgesetzt werden können. Außerdem gibt Canon an, wie lange anschließend weitere Videos mit der gleichen Auflösung aufgezeichnet werden können.

Und genau das ist der kritische Punkt. Wenn man bei 8K-Videos wegen Überhitzung die Canon EOS R5 10 Minuten lang ausgeschaltet lässt, ist im Anschluss nur eine 3 Minuten lange Videoaufnahme möglich, bevor die Kamera erneut überhitzt und wieder ausgeschaltet werden muss. Wenn man die R5 20 Minuten lang ausschaltet, sind 8 Minuten weitere 8K-Videos möglich.

Wenn die Kamera bei 4K-Videos mit 60 Bildern pro Sekunde überhitzt und 10 Minuten lang ausgeschaltet wird, sind auch hier im Anschluss lediglich 10 Minuten weitere Videoaufnahmen möglich. Wenn es draußen heiß ist, können diese Werte wie gesagt noch deutlich schlechter ausfallen.

Bewertung der Problematik

Fotografen muss diese ganze Problematik im Grunde nicht weiter stören, auch als Hobbyfilmer wird man sich mit den oben beschriebenen Beschränkungen vermutlich gut anfreunden können. Kritisch könnten Überhitzung und Notabschaltung aber für all diejenigen sein, die im beruflichen Umfeld professionelle Videos und Filme mit der Canon EOS R5 produzieren wollen. Dass die EOS R5 bei 8K-Videos irgendwann überhitzt fällt für die allermeisten wahrscheinlich nicht weiter ins Gewicht, denn 8K wird sich so schnell nicht als neuer Standard bei Videoauflösungen durchsetzen. Das ist im Moment eher eine Spielerei.

Dass die Canon EOS R5 aber auch bei 4K-Videos früher oder später Probleme mit Überhitzung bekommen soll, das könnte im professionellen Umfeld ein entscheidender Grund sein, die Kamera nicht zu kaufen. Dann setzen viele Video-Profis wahrscheinlich lieber auf eine Panasonic S1H, wo ein aktiver Lüfter Probleme mit Überhitzung deutlich effektiver unterbindet. Denn – und das werden viele von euch aus eigener Erfahrung wissen – wer beruflich mit einer Kamera arbeitet, für den stehen oftmals nicht primär irgendwelche technischen Neuerungen im Vordergrund, sondern die Zuverlässigkeit des eigenen Werkzeugs.

Aus der Videobranche kommen bereits einige Stimmen, die aufgrund der Überhitzungsproblematik und der oben eingebundenen Angaben erstmal einen Bogen um die Canon EOS R5 machen werden. Andrew Reid von EOSHD schreibt beispielsweise:

“This information certainly raises a lot of question marks over the reliability and heat management of the EOS R5. In my opinion it may not even be usable for paid work, even for 4K/24p.” [Andrew Reid, EOSHD]

Andrew Reid ist wegen der Informationen also äußerst skeptisch und seiner Meinung nach könnte die EOS R5 für Video-Profis gänzlich unbrauchbar sein, selbst bei 4K/24p. Wie gesagt, 8K-Videos sind im Grunde eine Spielerei. Aber bei 4K muss eine Kamera wie die EOS R5 ohne jegliche Einschränkungen liefern.

Man darf gespannt sein, ob Sony bei der kommenden A7s III in dieser Hinsicht besser abliefern wird.


Update 11. Juli 2020

Inzwischen hat Canon eine noch etwas detailliertere Tabelle verschickt, in der zum Beispiel auch 4K-Videos mit 120 fps separat aufgeführt werden. Hier soll die maximale Aufnahmedauer 15 Minuten betragen, bevor die Kamera überhitzt. Bei ganz normalen 4K-Videos mit 30 fps ohne Oversampling soll es außerdem überhaupt keine Probleme mit Überhitzungen geben, das ist eine gute Nachricht:

Quelle: Jake Ratcliffe, Twitter

Mark Göpferich

Mark Göpferich

Gründer von Photografix und freiberuflicher Redakteur, der sich seit vielen Jahren immer wieder aufs Neue von Fotografie und Kameras begeistern lässt. Mit mehr als 3.300 Artikeln hier auf Photografix inzwischen so etwas wie ein Experte für neue Kameras.

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