Fluorbeschichtungen an der Frontlinse gelten wegen enthaltener schwer abbaubarer Chemikalien zunehmend als Problemstoff. Canons Materialtochter Optron hat offenbar einen Ersatzstoff entwickelt.
Mehr als vierfache Haltbarkeit gegenüber dem Vorgänger
Fluorbeschichtungen sorgen dafür, dass Wasser, Öl, Fingerabdrücke und Staub kaum an der Frontlinse haften und sich mit einem trockenen Tuch abwischen lassen, ganz ohne Reiniger. Das Problem: Chemisch handelt es sich um langlebige Fluorverbindungen, die sich in der Umwelt kaum abbauen. In der Fachsprache firmieren sie unter der Abkürzung PFAS (Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen), und genau diese Stoffgruppe wird weltweit zunehmend reguliert.
Hier ein Video von Tamron zum Thema:
Canon Optron, die für Fluorit- und Beschichtungsmaterialien zuständige Tochterfirma des Konzerns, bietet mit dem Beschichtungsmaterial OR-510 zwar bereits seit einiger Zeit eine fluorfreie Alternative an, die aber ein entscheidendes Problem hat. Laut Canon Optrons einsehbaren Messwerten fällt die Wasserabweisung von OR-510 nach 10.000 Reibzyklen auf nur noch 23 Prozent der Ausgangsleistung ab. Für eine Frontlinse, die regelmäßig mit einem Tuch gereinigt wird, ist das zu wenig.

Hier setzt das neue, vorläufig Dev-02-003 genannte Material an. In den offiziellen Datenblättern von Canon Optron erreicht es nach denselben 10.000 Reibzyklen noch rund 100 Prozent seiner ursprünglichen Wasserabweisung, mehr als das Vierfache der Haltbarkeit von OR-510. Auch bei anderen Werten liegt Dev-02-003 nah an klassischen Fluorbeschichtungen. Der Kontaktwinkel mit Wasser liegt bei 109 Grad, nach 100-maligem Abwischen mit einem in Ethanol getränkten Tuch sinkt er nur minimal auf 107 Grad. Zum Vergleich: Ein Standard-Fluorprodukt erreicht ähnliche Werte um die 108 Grad. Canon selbst bewirbt das Material offiziell als vollständig frei von PFAS.
Warum Fluorbeschichtungen überhaupt zum Problem werden
Die Europäische Union treibt die PFAS-Regulierung derzeit weltweit am stärksten voran. Im März 2026 startete die europäische Chemikalienagentur ECHA die finale Konsultationsrunde zu einem Beschränkungsvorschlag, der rund 10.000 fluorierte Verbindungen erfasst, darunter auch die in optischen Beschichtungen verwendeten Fluorpolymere. Eine endgültige Regelung wird zwar realistischerweise nicht vor 2027 oder 2028 in Kraft treten, an der grundsätzlichen Richtung zweifelt in der Branche aber kaum jemand.
Fluorbeschichtungen sind dabei noch gar nicht so alt: Canons erstes Objektiv mit Fluorbeschichtung war das EF 70-300mm f/4-5.6L aus dem Jahr 2010, welches längst vom Markt verschwunden ist., Nikon zog mit dem AF-S 800mm f/5.6E wenig später nach. Nicht zu verwechseln ist das mit Fluorit, dem Kristallmaterial, das Canon bereits seit 1969 für die Korrektur von Farbfehlern in Objektiven einsetzt. Ein völlig anderes Material, das nur ähnlich klingt, bei Nikon übrigens mit dem “FL” im Objektivnamen gekennzeichnet.
Canon dürfte hier die Nase vorn haben
Öffentlich bestätigte, vergleichbar ausgereifte Ankündigungen von Nikon, Sony oder Sigma zu einer eigenen PFAS-freien Beschichtung mit ähnlicher Haltbarkeit gibt es bislang nicht, Canon scheint dem Wettbewerb also einen Schritt voraus zu sein.
Am wahrscheinlichsten gilt der Einsatz zunächst in Canons RF-L-Objektiven, schließlich sind es gerade die professionellen Optiken, die bei Wind, Regen und Staub am häufigsten gereinigt werden müssen und entsprechend robuste Beschichtungen brauchen. Ein konkretes erstes Objektiv oder ein Zeitpunkt für die Marktreife sind uns bislang nicht bekannt.
Dass Canon derzeit an vielen Fronten gleichzeitig forscht, zeigt auch das kürzlich aufgetauchte Patent für Objektive mit deutlich schnellerem Autofokus.
via: PetaPixel | Canonrumors | Quelle: Canon Optron


Wer Interesse hat, mag sich mit der Teppichstadt Dalton USA beschäftigen… PFAS kamen ohne Regulierung bei der Imprägnierung zum Einsatz. Optron tut Gutes… Maßnahmen sind überfällig.
Diese elenden Beschichtungen verseuchen zunehmend das Grundwasser. Kann weg.
Schön, dass Canon was gefunden hat, dennoch habe ich das Gefühl, dass zu wenig kompetente Leute in wichtigen Positionen sitzen. Ewigkeitschemikalien im Backpapier und was macht man, Strohhalme verbieten, Deckel von Plastikflaschen fix befestigen, aber mehr und mehr Flüssigkeiten – vor allem auch Öle -werden neuerdings in Plastikflaschen verkauft. Es fehlt ein richtiges Konzept. Atomkraftwerke sind böse, aber was machen wir mit den nicht rezyklierbaren Flügeln der Windräder oder dem Elektromüll der E-Autos. Es sind alles nur kurzfristige Einzelmassnahmen, aber kein Plan erkennbar, ausser, dass man Deutschland und Europa deindustrialisiert. Wann ersetzt Kompetenz endlich wieder Quote? Wer wirklich glaubt, dass diese Massnahmen den Klimawandel stoppen, glaubt auch, dass Osterhasen Eier legen.
Joe- das Forum ist für das Thema eigentlich der falsche Ort… es ist so komplex. Trotz aller rationalen Einwände glaube ich an den Osterhasen und versuche, kleine Schritte zu machen, da und dort einen Schritt zurück, heute eine Richtungsänderung… die Hoffnung auf eine Umkehr lebt. Einen schönen Tag für euch!👋🏻
Das Thema ist nur komplex, weil es vor allem in Deutschland bei diesem Thema Denkverbote gab und Quote statt Kompetenz in entscheidenden Positionen sass und teilweise heute noch sitzt. Wie es mit fortschrittlichen Methoden funktioniert CO² zu reduzieren zeigt zum Beispiel Norwegen, leider finanzieren sie das mit dem Export von Rohöl. Es gibt CO² Rechner, dort kannst du alles eingeben was CO² erzeugt, ich kam auf einen Wert von 8,2 das ist leider zu viel, obwohl ich heutzutage kaum noch fliege, vorwiegend in der Region einkaufe und eine hocheffiziente Ölheizung habe, 6l pro m² inklusive Warmwasser (unter 10l ist hocheffizient). Habe dann in den Rechner Sonnenkollektoren eingegeben, Null Reisen, nur öffentlicher Verkehr, alle Lebenmittel aus der Region und und und. Ergebnis 2,8, wir bräuchten aber 2,2 um wirklich etwas zu bewirken. Das Problem ist, das leider nicht wirklich thematisiert wird, ist, wir sind zu viele auf dem Planeten. Und zwar viel zu viele, um wirklich etwas bewirken zu können müssten wir unter 3Mrd sein! Aber selbst wenn wir es schaffen würden menschengemachtes CO² auf Null zu reduzieren würde das nichts nützen, denn die Sonne ist am Absterben und wird in dieser Phase immer heißer und langfristig wird das gesamte Wasser… Weiterlesen »
Bin da ganz Deiner Meinung Thomas.
Auch wenn es nicht hier her gehört, die Notwendigkeit der Richtungsumkehr hätte schon in den 80er Jahren mit Intelligenz und Weitsicht und vor allem genügend Zeit beginnen können und sollen.
Alles was wir heute spüren wurde damals schon vorher gesagt.